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| Wandern und Trekking in Ecuador |
Berge und Vulkane in Ecuador
Einführung
Als grossartige Outdoor Destination, bietet Ecuador viele Kletter-, Wander- und Bergsteigemöglichkeiten. Davon sind viele in der Nähe von Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Diese Nähe vermeidet die lange Anreise zu den Ausganspunkten für Hochtouren, welche in vielen anderen Ländern nötig ist. Schneebedeckte Vulkane wie der Cotopaxi, der Antisana, der Chimborazo, der Iliniza Südgipfel, der Cayambe, der Carihuayrazo, der Altar und der Sangay, liegen in einer einzigartigen Bergwelt und warten auf die erfahrenen Hochtourenwanderer. Geführt von einem lizenzierten ASEGUIM Bergführer (Bergführer Vereinigung Ecuador), können viele schneebedeckte Gipfel auch von weniger erfahrenen Bergwanderern bezwungen werden. Weniger hohe Berge wie der Pasochoa, der Iliniza Nord, der Corazon, der Cotacachi, der Imbabura, der Rumiñahui, der Pichincha und der Quilindaña sind interessante und lohnenwerte Ziele, welche auch gut gelegen sind als Akklimatisationsstationen, um nacher höhere Gipfel in den Anden und anderen Gebirgszügen in Angriff zu nehmen. Auch Bergwanderungen zu den Inka Ruinen (z.B. Ingapirca) und cross country Touren durch indianische Dörfer und den páramo, sind grossartige Erlebnisse, welche von Reiseveranstaltern in Quito, Baños, Latacunga, Riobamba, Otavalo und Cuenca angeboten werden. Einige bekannte Trekkings sind: Der Abraspungo Trekking von Urbina zu der Chimborazo Schutzhütte, der Altar Trekking von Candelaria nach Playas de Collanes und Alao, der Antizana Trekking von Papallacta zum Cotopaxi Nationalpark, der El Angel- Golondrinas Trekking, der Piñan Trekking, der Podocarpus Nationalpark Trekking, der Inca Trail von Achupallas nach Ingapirca, der Condor Trekking, der Cotopaxi & Ilinizas Nationalpark Trekking, die Wanderung beim Quilotoa Kratersee und viele andere Wanderungen im Cajas Nationalpark in der Nähe von Cuenca sowie in der Region Mojanda, Cotacachi und Cuicocha bei Otavalo.
Cayambe (5790m)
Das kompakte Massiv des schneebedeckten Cayambe befindet sich etwa 65km nordöstlich von Quito und begleitet den Reisenden an besonders schönen Tagen auf der gesamten Strecke von Quito nach Otavalo. Der längst erloschene Vulkanriese ist nicht nur der dritthöchste Berg des Landes, sondern auch der dritthöchste beider Amerikas nördlich des Äquators. Die línea equinoccial verläuft genau über seine Südflanken auf etwa 4600m. Somit stellt der Cayambe weltweit auch die höchste Erhebung auf der Äquatorlinie dar. Der erste Mensch auf dem Gipfel war vermutlich der Engländer Edward Whymper im Jahre 1880. Seitdem hat der als berüchtigt eingestufte Berg seine Opfer gefordert. Aufgrund unzähliger Gletscherspalten, permanenter Lawinengefahr, extrem starken Winden und überraschenden Schneestürmen, wird der Cayambe hauptsächlich von erfahrenen andinistas mit Top - Equipment angegangen. Weniger erfahrene Bergwanderer sollten sich unbedingt an ein seriöses Kletterbüro in Quito wenden. Vor etwa 20 Jahren wurden z. B. die drei bekannten ecuadorianischen Bergsteiger José Bergé, Carlos Oleas und César Ruales von einer gewaltigen Schneelawine getötet. Die 4600m hohe Schutzhütte an den Südwestflanken ist heute nach ihnen benannt. Das refugio verfügt über 20 einfachste Hochbetten, Kochnische, Toiletten, Kamin, Trinkwasser und einen Speiseraum.
Um zur Schutzhütte zu gelangen, muss in Cayambe zuerst eine rechte Abzweigung von der Panamericana genommen werden. Diese Kopfstein-gepflasterte Strasse beginnt im Bereich des südlichen Stadtrandes - ganz in der Nähe des Coliseo de Deportes - ist ausgeschildert! Von dort aus geht es bis zur 6km entfernten Hacienda Piemonte (auch Hacienda Hato genannt). Dort gabelt sich der Weg. Der linke Zweig führt zum Cayambe, der rechte in Richtung des stark erodierten Bergmassives von Sara Urcu. Nach weiteren 8km trifft der Cayambe-Zweig auf eine T-Gabelung. Hier geht es nach links weg, immer dem Schild Reserva Ecológica Cayambe - Coca folgend. Bald darauf verwandelt sich die holprige Pflasterstein-Strasse in einen rauhen Jeep-Weg, der direkt bis zum refugio führt.
Wanderern wird diese schöne Route bis zur Berghütte als zweitägiger Ausflug empfohlen, auch wenn keinerlei Absicht besteht, den sturmgepeitschen Gipfel zu krönen. Die Hütte ist von der Panamericana etwa 26km entfernt. Der Aufstieg sollte so früh wie möglich beginnen, um somit die Schneefestigkeit auszunützen. Bereits im Verlauf eines Vormittags könnte der aufgeweichte Schnee Lawinen auslösen und zu einem unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko werden. Es geht zunächst in nördlicher Richtung über den felsigen Hügel hinter der Schutzhütte. Nach etwa einer Stunde ist der Gletscher Hermoso erreicht. Beim langsamen Voranschreiten über den Gletscher muss auf zahlreiche Spalten geachtet werden! Nach weiteren eineinhalb Stunden sind die Felsen Picos Jarrín erreicht, wo die Route nach Osten abzweigt. Geradeaus (nach Norden) geht es über den 4237m hohen Chiri Dormida und der Hacienda La Chimba nach Olmedo (18km nördlich des Städtchens Cayambe), der alten Aufstiegsroute zum Gipfel. Von den Picos Jarrín an beginnt dann der weitaus steilste und schwierigste Teil des Aufstiegs, welcher die Teilnehmer nach weiteren 3-4 Stunden bis zum Gipfel bringt. Unterhalb des Gipfels befindet sich eine enorme, überhängende Gletscherspalte, die so mancher Seilschaft etliche Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Dieser grieta sollte eher nach links ausgewichen werden.
Wer schlussendlich völlig ausser Atem den Gipfel erreicht hat und das fantastische Panorama geniesst, weiss dann warum ecuadorianische Bergführer immer ganz grosse Augen bekommen wenn sie vom Abenteuer Cayambe erzählen.
Las Ilinizas (5126m & 5263m)
Etwa 15km vor der ersten Zufahrt zum Cotopaxi-Nationalpark (40 km südlich von Quito), ragen rechterhand die beiden 5000-er Gipfel des Illiniza Sur und Illiniza Norte aus der westlichen Andenkordillere hervor. In prähistorischen Zeiten waren die Illinizas ein einheitliches Vulkangebilde, dessen Spitzen heute durch einen fast zwei Kilometer langen Sattel getrennt sind, und im bergsteigerischen Sine ganz unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufweisen. Ein guter Einstieg für angehende Andinisten stellt der 5126m hohe Illiniza Norte dar, während sein 5263m hoher, südlicher Zwillingsbruder, definitiv nur Extremkletterern vorbehalten ist. Eine einfache, ziemlich heruntergekommene Schutzhütte auf 4.650m, etwas unterhalb des verbindenden Sattels gelegen, bietet Bergfreunden zumindest ausreichenden Unterschlupf (Hüttenwart, Kochgelegenheit, ein Dutzend Schlafstätten, 10 USD pro Person, Schlafsack und Matte sind mitzubringen). Frisches Trinkwasser kann von einem Bächlein ganz in der Nähe des refugio entnommen werden. Von hier aus dauert der Aufstieg zum technisch problemlosen Nordgipfel etwa 2-3 Stunden. Es geht zunächst auf dem immer schmaler werdenden Kamm entlang, bis nach ungefähr einer Stunde der sogenannte Paso de Muerte (Todespass) erreicht ist. Hört sich viel schlimmer an als es in Wirklichkeit ist! Nach Umgehen einer Steilwand (rechts herum) geht es dann links zum Gipfel hoch. Da der Nordgipfel weitgehend schneefrei ist, stellen Höhenanpassungsschwierigkeiten und mitunter lockeres Gestein auf den letzten Metern, die einzig nennenswerten Hindernisse dar. Lediglich Anfänger mit viel Schwindelgefühl werden hier ins Stocken geraten.
Ansonsten kann dieser leichte Aufstieg allen Normaltouristen empfohlen werden, die wenigstens einmal im Leben einen 5000-er krönen möchten. Steigeisen sind nicht erforderlich, Ski- oder Tourenstöcke mitunter ganz brauchbar. Absolute Laien sollten auf einen erfahrenen Führer jedoch nicht verzichten, zumal dieser eventuell auch über ein taugliches Fahrzeug verfügt, dass den relativ umständlichen Anfahrtsweg in einem Zug meistert (fast ein ganzer Tag von Quito aus). Die Abfahrt von der panamerikanischen Strasse befindet sich etwa 5km südlich von Machachi. An einem nicht ausgeschilderten Ort namens Tarqui geht es keine 100m vor einer Brücke links weg in Richtung El Chaupi (7 km), von dort aus weiter zur Hacienda El Refugio und dem scharf umrissenen Hügel Loma Pilango. Nach etwa 16km von der Panamericana ist der Illiniza-Parkplatz erreicht (bei einem Marienschrein). Ein Jeep schafft es dann vielleicht noch 2 km weiter, bevor schliesslich ein zweistündiger Fussmarsch zur Schutzhütte hochführt. Eine gemietete camioneta von Machachi zum Parkplatz kostet um die 20 USD. Sporadische Busverbindungen zwischen Machachi und El Chaupi gibt es auch. Die schöne Serpentinenwanderung von El Chaupi bis zur Schutzhütte nimmt etwa 8 Stunden in Anspruch!
Die südliche Illiniza-Spitze gilt hingegen als Herausforderung für jeden passionierten Bergsteiger. Sie wurde 1880 zum erstenmal von den Gebrüdern Jean und Louis Carrel bestiegen, während der zelebrierte britisch-ecuadorianische Kletterpionier Edward Whymper im gleichen Zeitraum zweimal kehrtmachen musste. Die Normalroute geht von der Schutzhütte aus über die Nordwand. 60 Grad Steigungen, lockerer Fels, Gletscherspalten und Lawinengefahr sind Bestandteil des gewagten Abenteuers. Im Jahre 1973 gelang den beiden Ekuadorianern Marco Cruz und Joseph Bergé sogar eine extrem schwierige Besteigung über die gefürchtete Südflanke, welche bis heute von ganz wenigen Weltklasse-Kletterern wiederholt werden konnte.
Cotopaxi (5897m)
Der 5897m hohe Cotopaxi ist weltweit der höchste, freistehende Vulkankegel in Aktivität. Aus dem Quichua übersetzt bedeutet das zusammengesetzte, teils unterschiedlich interpretierte Wort etwa Sanfter Nacken des Mondes. Bereits die ersten kolonialen Schreiber gaben Zeugnis von der zerstörerischen Tätigkeit dieses harmonisch geformten cono (Kegel). Laut Geschichtsberichten kam es während einer Schlacht im Jahre 1534, zwischen den vorrückenden Spaniern und den verteidigenden Inkas, zu einem lautstarken Ausbruch des Cotopaxi, woraufhin beide Fraktionen inmitten der Kampfgeschehnisse Hals über Kopf die Flucht ergriffen. Die indigenas flohen aus Angst vor dem gewaltigen Götterschlag, der in ihren Augen ein ganz böses Omen bedeutete. Die Spanier flohen hingegen, weil sie so ein fürchterliches Naturschauspiel wahrhaftig noch nie erlebt hatten. Nach jenem anekdotischen Ausbruch verfiel der Vulkan in einen 200 Jahre anhaltenden Dauerschlaf, der 1742 durch eine erneute Eruption unterbrochen wurde. Die Kolonialstadt Latacunga wurde dabei zum ersten Mal dem Erdboden gleichgemacht. Weitere Ausbrüche folgten 1743, 1744 und 1766, sowie der heftigste 1768, als das inzwischen wiederaufgebaute Latacunga zum zweiten Mal zerstört wurde. Nach einer weiteren Ruhephase trat der Vulkan Mitte des 19. Jahrhunderts abermals in Aktivität. Im Jahre 1877 verzeichnete er gleich vier starke Ausbrüche, wobei sich der unheilbringende 26. Juni als eine Art Höllenspektakel herausstellen sollte, zumindest für die Latacunqueños. An jenem Jüngsten Tag ergossen sich die brodelnd heissen Lavaströme über alle Seiten des Kegels. Die dadurch geschmolzenen Schnee- und Eismassen rissen auf ihrem Weg ins Tal gewaltige Schlamm- und Gerölllawinen mit sich, welche über die Flussläufe des Pita, Guayllabamba und Esmeraldas, innerhalb von 18 Stunden den Pazifischen Ozean erreichten! Andere pyroklastische Ströme wälzten sich entlang des Río Cutuchi auf Latacunga herab. Sie erreichten die Stadt in weniger als 30 Minuten, Baños innerhalb von drei Stunden! Ein schwarzer Ascheregen fiel über weite Teile des Hochlandes und verfinsterte mit den Winden sogar vorübergehend das ferne Guayaquil. Seit dieser Ausbruchsphase ist es um den Vulkanriesen relativ still geworden. Die bisher letzte Eruption fand im Jahre 1904 statt. Ein kurzfristiges, wie leicht beunruhigendes Aufwärmen des Kochtopfes (recalentamiento), wurde jedoch erst 1975 verzeichnet. Die vermutlich ersten Menschen auf dem Kraterrand waren der Deutsche Wilhelm Reiss und sein kolumbianischer Gefährte Angel Escobar im Jahre 1872. Den beiden Gipfelpionieren gelang der Aufstieg über einen frisch erkalteten Lavastrom an der Westseite des Berges. Genau ein Jahrzehnt später erreichte auch der Engländer Edward Whymper von Norden her den rauchenden Schlot, auf dessen Rand er sogar übernachtete. Die von ihm eingeschlagene, insgesamt etwa zehnstündige Marschroute (hoch und runter), wird von den allermeisten Cotopaxi-Besteigern bis auf den heutigen Tag benutzt. Jede Seilschaft beginnt mit dem Aufstieg gegen ein Uhr früh. Im Laufe des Vormittags wird der Schnee dann weich und das Gehen sehr anstrengend oder gar unmöglich. Durch einen sehr zeitigen Start ist auch die Festigkeit der Schneebrücken über die vereinzelten Gletscherspalten garantiert, und die Gefahr von Lawinen wird auf ein Minimum reduziert. Die erste Stunde über der Schutzhütte führt über einen steilen Hang auf den 5200m hohen Gletscherrand hinauf. Hierbei gilt es eine bis zu 3m hohe, überlappende Eiswand zu überwinden. Nach stetigem Anstieg über das Gletscherfeld, wobei auch einigen mit Fähnchen markierten Spalten ausgewichen werden muss (die jedoch kein grösseres Hindernis darstellen dürften), ist der breite Rücken rechts unterhalb der 120m hohen Yanasacha-Wand erreicht. Nach Umgehung dieser markanten, bereits von Quito aus sichtbaren Felswand, geht es in mühevoller Kleinarbeit über den oberen Gletscher mehr oder weniger geradlinig bis auf den steilen Grat hinauf, welcher im Anschluss direkt auf den Gipfel führt. Leichte Schwefelgerüche begrüssen die Andinisten beim Erreichen des Kraterrandes.
Tungurahua (5016m)
Von der Besteigung des Tungurahua wird zur Zeit wegen erhöhter vulkanischer Tätigkeit dringend abgeraten. Die schneebedeckte Spitze des Tungurahua liegt etwa 10km südlich von Baños und ist an einem klaren Tag von den Ufern des Río Pastaza aus zu sehen (Nordseite der Stadt). Unter Gipfelstürmern wird der rauchende Berg eher als anormal eingestuft. Er gilt einerseits als sehr einfach und andererseits als einer der härtesten. Dabei treffen beide Aussagen zu. Da es weder Gletscherspalten zu überwinden gibt, noch an steilen Eiswänden hochgeklettert wird, bringt der Aufstieg vom 1800m hohen Baños bis zum 5000m hohen Gipfel keine besonderen technischen Anforderungen mit sich. Die Steigeisen müssen erst auf dem allerletzten Abschnitt unterhalb des Kraterrandes angelegt werden. Ein Eispickel ist bei besonders starken Windverhältnissen unabdinglich. Rein physisch betrachtet ist der Tungurahua jedoch eine ganz zähe Herausforderung. Es geht meist gnadenlos steil bergauf - sozusagen schnurstracks in den Himmel hoch! Anfänger sollten auf einen erfahrenen Führer keinesfalls verzichten. Unvorhergesehene Wetterumstürze oder heftiges Schneetreiben haben auch an diesem leichten wie populären Berg schon zahlreiche Opfer gefordert. Die Erstbesteigung gelang den deutschen Alfons Stübel und Wilhelm Reiss im Jahre 1873. Eine letzte grosse Eruption gab es im Jahre 1918. Deren Auswirkungen zogen sich über sieben Jahre hin. Der katastrophalste Ausbruch fand jedoch 1777 statt, als gleich mehrere Dörfer an den Flanken des Vulkans zerstört wurden. Gegenwärtig schlummert der Tungurahua sehr sanft vor sich hin. Von der einstigen Aktivität ist nicht mehr viel zu spüren. Bergsteiger können heute lediglich noch ihre nassen Klamotten über den heissen Dämpfen am kleineren der beiden Krater trocknen, und in aller Ungestörtheit die grossartige Aussicht geniessen. Zu Füssen des Betrachters streckt sich das innerandine Hochbecken mit seinen beiden Kordillerensträngen hin. Auf der gegenüberliegenden Seite der Vulkan-Avenida ragt der gewaltige Chimborazo hervor. Mit etwas Glück taucht vielleicht sogar der grüne Teppich des Amazonasbeckens irgendwo zwischen den Wolken auf, oder ein feuerspeiender Sangay zeigt sich in voller Aktion. Die besten Monate für eine erfolgreiche Tungurahua-Besteigung sind Dezember und Januar. Von Anfang Juni bis Ende August herrscht hingegen meist schlechtes Wetter vor.
Chimborazo (6310m)
Mit 6310m ist der Chimborazo der höchste Berg des Landes und einziger 6000-er in den ecuadorianischen Anden. Aufgrund der Erdkugelausbeulung im Äquatorbereich galt er irrtümlich lange als das Dach der Welt. Sein höchster Gipfel ist weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als der des 8848m hohen Mount Everest. Aus präkolumbischen Sprachen übersetzt hat das zusammengesetzte Wort Chimborazo gleich mehrere Bedeutungen: Frau aus Eis, Kalter Göttersitz oder Heiliger Wind des Mondes. Sowohl die Inkas wie auch vorher schon die Puruháes, unterhielten zu Füßen des gewaltigen Eis-Klotzes kleine Tempelanlagen, wo dem Vulkan zu Ehren Lamas und Jungfrauen geopfert wurden. Die letzte Eruption des Chimborazo fand allerdings schon viel früher, vor etwa 5 Millionen Jahren statt. Die erste Gipfelbezwingung wurde von Alexander von Humboldt im Jahre 1802 versucht. Selbst wenn der wagemutige Berliner nach eigenen Aussagen nur auf eine Höhe von knapp 5900m gelangte, konnte er sich wahrhaftig ein Leben lang damit rühmen. Er sollte bis zu seinem Tode im Jahre 1859, der einzige Mensch auf der Welt bleiben, der diese Höhe erreicht hatte. Als er fast 90-jährig für ein letztes Bildnis posierte, bestand er darauf, den schneebedeckten Chimborazo in den Hintergrund gemalt zu bekommen. Erst 84 Jahre später sollte dem Engländer Edward Whymper, in Begleitung seiner italienischen Führern Juan Antonio und Luis Carrel, die Erstbesteigung gelingen. Wenige Monate darauf standen die beiden Brüder bereits schon wieder auf dem Gipfel und beobachteten atemlos einen fürchterlichen Ausbruch des Cotopaxi. Im Juli 1939 konnte von der deutsch-italienisch geleiteten Expedition Kühn / Ghilione, anhand von präzisen Meßinstrumenten, erstmals die genaue Höhe des Andenkolosses bestimmt werden. Seitdem ist der Chimbo von unzähligen Bergsteigern und Touristen aus aller Welt bezwungen worden. Zwei refugios auf jeweils 4800 und 5000 Höhenmetern, verkürzen die eigentliche Gipfelbesteigung heute auf etwa 12 Stunden (8 rauf 4 runter). Wobei fast alle Seilschaften kurz nach Mitternacht mit dem Aufstieg über die vielbenutzte Whymper-Route beginnen. Durch das schmale Tal über der zweiten Schutzhütte geht es zunächst bis auf eine Gletscherzunge. Danach folgt ein ewig langer Anstieg bis zum grossen Thielmann-Gletscher. Einmal auf dem Hauptgletscher, führt die Route scharf nach links auf den steilen Schneesattel hoch, und erreicht im Anschluss daran den 6270m hohen Veintimilla-Gipfel, den zweithöchsten des Chimborazo. Viele atemlose Bergsteiger werden bereits hier kehrtmachen wollen. Einen halben Kilometer weiter in östlicher Richtung, ist bereits der 6310m Whymper-Gipfel zu sehen. Herzlichen Glückwunsch, wer dort den Fuss draufstellt! Ohne einen (oder zwei) verantwortungsbewusste Bergführer, etwas Gletscherfahrung, sowie einer sicheren, gutsitzenden Ausrüstung (Steigeisen und Pickel, eventuell auch Skistöcke und Eishammer), sollte man jedoch nicht viel weiter als bis zur oberen Whymper-Schutzhütte gehen. Lawinen, Gletscherspalten, Wetterumstürze und extremer Sauerstoffmangel haben schon einige leichtsinnige Hobby-Andinisten im ewigen Eis begraben. Im steinigen Tal der unteren Hermanos Carrel - Hütte, wurden in Erinnerung an die Verstorbenen und Verschollenen des Berges kleine Tafeln aufgestellt. Die Carrel- und die Whymper-Hütte liegen etwa 900m auseinander. Beide refugios verfügen über Elektrizität, Trinkwasser, Toiletten, Gasküche, Kamin, einfache Bettgestelle, und permanente Beaufsichtigung. Für Übernachtung und Hüttenbenutzung wird eine Gebühr von etwa 10 USD enthoben.
Die erfolgsversprechendsten Jahreszeiten für eine Besteigung sind die klaren, jedoch windstarken Monate von Mitte Juni bis Ende August, bzw. Anfang Dezember bis Anfang Februar (mitunter die beste Zeit). Von März bis Mai hingegen schneit es oftmals sehr stark, während sich der Berg gewöhnlich in ein dichtes Wolkenmeer einhüllt. Aufgrund der rasch voranschreitenden Gletscherschmelze im ecuadorianischen Hochgebirge, vor allem durch eine immer dünner werdende Ozonschicht verursacht, hat die Aufstiegsroute auf den Chimborazo in den letzten Jahren zahlreiche Veränderungen erfahren. Darum ist es bei jeder organisierten Tour von Nutzen, auch den Hüttenwart nach den augenblicklichen Schneeverhältnissen zu konsultieren!
Von Riobamba geht es zunächst über die Panamericana Sur in Richtung Nordwesten, bis zu einer grossen Zementfabrik hinter dem Dorf Licán. Direkt bei der Cemento Chimborazo (km 11), geht rechts von der Pana eine asphaltierte Abzweigung in Richtung Guaranda weg. Dieser Strasse folgend, kommt nach wenigen Kilometern das langezogene Dorf San Juan mit seiner modern-hässlichen Kirche. Nach Durchfahren des Dorfes gabelt sich dann die Strasse bei der Hacienda El Chaupi. Der linke asphaltierte Zweig führt ins 56km entfernte Guaranda, der rechte nicht-asphaltierte Zweig zu den beiden Chimborazo-Schutzhütten. Es folgen die kleinen Indio-Weiler Shobol und Guabug. Nach insgesamt 32km erreicht die sandige Strasse das grüne Tal von Totorillas, dem einstigen Landeplatz der Kondore. Rechterhand befinden sich jetzt ein paar rotbraune strohbedeckte Schutzhütten des berühmten Bergsteigers Marco Cruz. Nach weiteren 7km kommt eine erneute Gabelung. Der linke Zweig führt quer über das arenal (Sandfläche) in Richtung Westen, um so nach wenigen Kilometern auf die Passhöhe der asphaltierten Strasse Guaranda-Ambato zu treffen, welche hinter dem Chimborazo verläuft. Der rechte Zweig hingegen, führt nach acht staubigen Zick-Zack Kilometern zur untersten Schutzhütte auf 4800m. Ausser dem einen o. anderen Treibsandloch, dürfte der weiche Untergrund selbst PKWs keine grösseren Schwierigkeiten bereiten. Ein Vierradantrieb ist jedoch allemal vorzuziehen! Kleine Horden von grasenden vicuñas, einer Art südamerikanischem Ur-Kamel, können in der fremdartigen, von bizarren Moosgeflechten und Chuquirahua-Blumen überzogenen Geröllwüstenlandschaft beobachtet werden. Es geht ein extrem scharfer Wind und das Atmen macht sich bei jedem Schritt bemerkbar. Zu Füssen des Betrachters liegt jetzt das weitläufige arenal. Ab und zu erscheint die Staubfahne eines sich nähernden Fahrzeugs. In weiter Ferne grüne Weiden, bunte Flickenteppiche, endlose Hänge und Höhenzüge, sowie die meist in Wolken gehüllte ekuadorianische Küstenebene. Die 58.000 ha grosse Reserva Faunística del Chimborazo liegt im erosionsanfälligen Grenzbereich der Andenprovinzen Chimborazo, Tungurahua und Bolívar. Bei Höhenlagen von über 3800m hat das unwirtliche páramo-Naturschutzgebiet mit durchschnittlichen Jahrestemperaturen von 0 bis 10 Grad aufzuwarten. Zu den Attraktionen dieser in Ecuador einzigartigen Pampagrass- und Bergwaldzone, gehören die vielen umherziehenden Lamas, ein paar wenige Alpacas, und insgesamt über 400, aus Chile, Perú und Bolivien eingeführte Vicuñas. Letztere camélidos sind wie die Alpacas und Guanacos artverwandte der südamerikanischen Lamas. Da Vicuñas auf ecuadorianischem Territorium bereits vor dem Eintreffen der Spanier als ausgestorben galten, lassen die von der schweizerischen Regierung mitfinanzierten Zuchterfolge in der Gegend um Mechahuasca und Sinche helle Freude aufkommen. Wettertaugliche Chimborazo-Ausflügler haben somit die Möglichkeit, den scheuen Andenkamelen beim Grasen nachzuspüren, wie in längst vergangenen Zeiten!
Sangay (5230m)
Der Sangay zählt zu den aktivsten Vulkanen auf dem amerikanischen Kontinent. Sein perfekt geformter Kegel verbirgt sich in einer entlegenen Region der östlichen Andenkordillere, und ist an seltenen, klaren Tagen sowohl vom Oriente als auch vom Hochland aus zu sehen. Seine Besteigung gilt als ungemein riskant. Ein glühender Regen aus heissen Steinen, sowie mitunter auch starke Eruptionserschütterungen, lassen jeden Krateraufstieg zu einem unkalkulierbaren Abenteuer werden. Davon abgesehen ist ein mühevoller tagelanger Anmarsch vonnöten um das Basislager am Fuss des Kegels zu erreichen. Bereits seit Menschengedenken hat der Sangay heftige Ausbruchsperioden verzeichnet. Während einer vorübergehenden Ruhephase gelang einer vierköpfigen US-Expedition im Jahre 1929 die Erstbesteigung. Als erste Frau, stand am 16. September 1982 die Ecuadorianerin Helena Landázuri auf dem feurigen Kraterrand. Verschiedene Tourbüros in Riobamba, Baños, und Quito, bieten meist 7-tägige Trekkings zum Sangay an. Von Riobamba aus geht es zunächst ins Dörfchen Alao und von dort zur Hacienda Eten, wo die Maultiere beladen werden. Für den harten Querfeldein-Marsch von Eten bis zum Kegel sind 3-4 Tage zu veranschlagen. Bei dem ständigen Auf und Ab über unwegsames, dichtbewachsenes Gelände, müssen zahlreiche Flüsse und Bäche durchquert werden. Das auf einem erkalteten Lava-Ausfluss errichtete Basislager La Playa, befindet sich an den südwestlichen Flanken des Vulkans, auf etwa 3600m. Alle paar Minuten können dort die Explosionen vom Kraterrand vernommen werden. Bei Nacht ist die Sicht auf den Berg oftmals am besten, während sich eine hauchdünne Aschenschicht über die Zeltplanen der unruhig Schlafenden legt. Der 270.000 Hektar grosse Nationalpark Sangay beschreibt ein nahezu unzugängliches Gebirgsdreieck zwischen den Provinzen Morona Santiago, Tungurahua und Chimborazo, und umfasst sowohl amazonische wie auch andine Höhenlagen von 900 bis 5230m. Mitunter reissende Quellbäche und Wasserfälle zwängen sich durch die Schluchten dieses wild zerklüfteten Nebelwaldgebietes hindurch, um dann viel weiter unten die Flüsse Pastaza, Palora, Upano oder Chambo zu bilden. Zu den schneebedeckten Riesen des Nationalparks gehören die 5000-er Gipfel des Tungurahua, Altar und Sangay. Neben einem unvorstellbaren Pflanzenreichtum, finden in diesem unwegsamen Gebiet auch einige vom Aussterben bedrohte Tierarten Zuflucht. Darunter das sagenhafte Bergtapir (danta), sowie Brillenbären, Pumas, Ozelote und Jaguare. Zum Amazonastiefland hin, treffen von Macas aus startende Abenteurer mitunter auf ein Orchideen-Paradies, wie es kaum anderswo in Ecuador zu finden ist.
Altar Massiv (5320m)
Theodor Wolf sah im 5320m hohen, längst erkalteten Altarmassiv, eine meisterliche Schöpfung des Universums. Professionelle Bergsteiger sprechen heute von Pastoraler Erhabenheit. So nennt sich der höchste Gipfel dieses würdevollen Ungetüms der Ostkordillere (Cordillera Real oder Oriental), El Obispo, Der Bischof. In Quetchua-Sprache heisst der Altar Cápac Urco, Herrscher der Berge. Indianische Legenden behaupten, dass er zu Urzeiten einmal höher als der Chimborazo war. Ein unvorstellbares Mega-Beben hätte den Krater zum Einsturz gebracht, und ein neunzackiges Halbrund hinterlassen. Der östlich von Riobamba gelegene Altar gilt aus technischer Sicht als problematisch. Seine vereiste C-Krone weist insgesamt neun scharfkantige Gipfel auf. Wobei inzwischen alle bestiegen wurden, zuletzt die 5160m hohe La Monja Grande im Jahre 1979, Die Grosse Nonne. Eine Erstbesteigung des letzten unbezwungenen ecuadorianischen Andenkolosses, der bereits erwähnten Bischofsspitze, gelang einer von Marino Tremonti geleiteten italienischen Expedition am 7. Juli 1963. Die Gruppe kehrte zwei Jahre später wieder zurück, und krönte die 5260m hohe Canonigo-Spitze, den Domherrn des Altar. Garantiert nichts für begeisterte Kletteranfänger, und lediglich echten Profis vorenthalten! Trekking-Freunden hingegen kann z. B. eine mehrtägige Wandertour zu einer herrlich grünen Kraterlagune empfohlen werden, welche sich merkwürdigerweise Laguna Amarilla nennt. Dort kann dem titanischen Knacken, Bersten, und Brechen des überhängenden Gletschers gelauscht werden. Enorme Eisstürze und kreisende Kondore sind keine Seltenheit! Der Altar, welcher dem Nationalpark Sangay angehört, ist von Riobamba über die Dörfer Químiag und Puelazo zu erreichen (von Baños aus über Penipe). Von dort aus geht es entweder bis zur Hacienda Inguisay, oder zur Hacienda Releche bei Candelario weiter. Maultiere können gemietet werden. Ohne einen erfahrenen Führer ist so ein aufregendes Unternehmen jedoch von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Seriöse Tourveranstalter in Riobamba, Baños, und Quito, haben den Altar in ihrem Programm. Die besten Monate hierfür sind Dezember und Januar. |