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Volker Feser

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Alexander von Humboldt

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Die ersten groben Studien über Flora und Fauna, Ethnologie, Geographie, Geologie oder Klimatologie, erschienen bereits wenige Jahrzehnte nach der Conquista in den Chroniken der kolonialen Geschichtsschreiber. Unter ihnen trat der Jesuitenmönch José de Acosta mit seiner Historia Natural y Moral de las Indias (Sevilla 1590) hervor, oder der Pater Bernabé Cobo mit seiner Historia del Nuevo Mundo, die zwar 1639 beendet, aber erst 1893 in Sevilla veröffentlicht werden konnte.

Zwischen 1736-44 ist in diesem Zusammenhang besonders die geodäsische Expedition des Franzosen La Condamine zu erwähnen, welche in erster Linie dazu diente den meridionalen Erdkreis zu vermessen. Ferner lieferte dieses staatenübergreifende Unternehmen auch interessante Beschreibungen über die Gebirgswelt und die tropische Natur des Äquatorlandes.

“Königliche” Expeditionen botanischen Charakters wurden Mitte des 18. Jh. begonnen. Zu den bemerkenswertesten spanischen Naturalisten zählte hierbei der Mediziner und Pharmazeut José Celestino Mutis. Durch die Ausweisung der Jesuiten im Jahre 1767, welche im Lauf der Jahrhunderte einen großartigen Beitrag zur naturgeschichtlichen Erkundung der Kolonien beitrugen, endeten plötzlich die von der spanischen Regierung beauftragten Forschungsreisen. Die Kolonialherren hatten schließlich alle Hände voll zu tun, sich den Unabhängigkeitsbestrebungen der Kreolen zu erwehren.

Mit der im Jahre 1799 in Cumaná - Venezuela begonnenen Expedition des deutschen Baron Alexander von Humboldt, nahm das zu neuem Leben erwachte natur-geographische Studium des Kontinents dann zum erstenmal wissenschaftliche Ausmaße an. Humboldts detaillierte Reiseberichte, Dokumentationen und Studien, über Landschaften, Klima, Pflanzen und Meeresströmungen, brachten ihm sogar die Bezeichnung “Wiederentdecker” Südamerikas ein.

Der erste Deutsche, der im Jahre 1605 ekuadorianisches Territorium betrat, war der Jesuitenpater Anton Rangel, von dem man heute aber sehr wenig weiß. Genau sechzig Jahre später gelangte der Ordensbruder und passionierte Baumrindensammler Heinrich Richter ins Land, welcher bis 1695 im Amazonasgebiet tätig gewesen war, bevor ihn einer der Häuptlinge der Cunivos-Indianer ermordete. Ein anderer Jesuitenpater war der 1651 in Trautenau geborene Samuel Fritz, der im Mündungsgebiet des Río Napo vierzig indianische Siedlungen mit insgesamt über 40.000 Einwohnern gründete. Seine portugiesischen Kolonisten-Nachbarn dankten ihm das aufopfernde Wirken mit Verfolgung und Gefängnis. Fritz fertigte bereits 30 Jahre vor der geodäsischen Expedition von La Condamine die erste Karte des Amazonasgebietes mit all seinen verschiedenen Missionstationen an (Maßstab 1:15.000.000).



Andere deutsche Jesuiten mußten mit der von König Carlos III. veranlassten Ausweisung des Ordens 1767 wieder das Land verlassen. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. bereiste dann der in Spanien nationalisierte Tadeo Hanke fast ganz Lateinamerika. Von Ecuador aus wollte er über den Río Amazonas den Atlantik erreichen, scheiterte aber schlußendlich an seinen finanziellen Möglichkeiten.

Der herausragendste von allen in Ecuador fündig gewordenen Naturforschern war zweifelsohne der am 14. September 1769 in Berlin geborene blaublütige Geograph und Pflanzenkundler Alexander von Humboldt. Seiner grenzenlosen Faszination für Vegetation und Landschaft zuliebe, opferte der anfänglich vom Botaniker Carl Ludwig Wildenow inspirierte Baron sein gesamtes Vermögen.

Im Anschluß an seine Expeditionen durch Venezuela, Kuba, und Kolumbien, gelangte Humboldt am 2. Januar 1802 nach Ecuador. Von Quito aus, wo er in der Sommerresidenz des Marqués Juan Pío Montúfar lebte, begann Humboldt die innerandine Region zu erkunden, welche er begeistert “Straße der Vulkane” nannte. Es wäre ihm um ein Haar sogar die Erstbesteigung des Chimborazo gelungen, dem damals “höchsten” Berg der Erde. Auf einer Höhe von 5.850m mußte er aufgrund von starken Schneeverwehungen und einer unüberwindbaren Eisspalte wieder kehrtmachen.

Im Golf von Guayaquil fand er nicht nur seine Meßwerte über kalte und warme Strömungsverhältnisse bestätigt, sondern schrieb auch seine ersten Kapitel über die “Geographie der Gewächse”, wo erstmalig der Zusammenhang von mannigfaltigen Vegetationszonen auf ihren jeweils unterschiedlichen Höhenlagen erörtert wird: Die feucht-heiße Tieflandzone, die gemäßigte Zentralzone, und die kalte Hochlandzone. Diese wiederum weisen entgegengesetzte, jedoch voneinander abhängige Ökosysteme auf, die auch innerhalb der Hauptzonen variieren, und so ein kompliziertes ökologisches Gleichgewicht schaffen. Mit der Herausgabe seiner phytologischen Schriften über das perfil altitudinal de la distribución de la vegetación, inspiriert im abrupten Übergang vom Meer bis hin zum Gipfel des Chimborazo, schuf Humboldt praktisch die Grundlage für die heutige moderne Pflanzenkunde.

Zu seinen ständigen Begleitern gehörte der französische Botaniker Aimé Bonpland, sowie der wissenschaftliche Assistent Francisco de Caldas aus Kolumbien, und der ekuadorianische Adlige Carlos Montúfar. Im weiteren Verlauf seiner Amerikareise (1799-1804) gelangte Humboldt und seine Mitreisenden nach Perú, Mexiko und die Vereinigten Staaten.

Nach seinen Abenteuern ließ er sich in Paris nieder, wo auch die umfangreichsten seiner Werke veröffentlicht wurden.

Hochgeehrt im Alter von 89 Jahren, starb er am 6. Mai 1859 in seiner Geburtsstadt Berlin.

Auf Empfehlung Humboldts bereiste der 1817 in Stralsund geborene Botaniker und Geologe Hermann Karsten zwischen 1844-56 den Norden Südamerikas. Er führte dabei erstmalig ein Mikroskop mit sich, und unternahm Beobachtungen an Sporen, Parasiten und Pflanzenrinden. Auf der Suche nach Farnen zwecks ihrer Akklimatisierung in Botanischen Gärten in Europa, gelangte er auch ins zentrale Hochland von Ecuador. Seine Pflanzenkollektion befindet sich in den Herbarien von Berlin-Dahlem, Wien, Paris, Stockholm und Sankt Petersburg. Er starb 1908 in Berlin-Grunewald.

Über den Verbleib der Kollektionen der 1856, bzw. 1867 in Guayaquil verstorbenen Naturwissenschaftler Willibald Lechler (geb. in Reichenbach- Württemberg) und Hermann Krause (geb. in Leipzig) weiß man heute so gut wie nichts. Von Krause finden sich paar wenige Pflanzenexemplare in den Herbarien von Berlin, Wien und Leiden (Holland).



Mit Unterstützung von König “Max” von Bayern bereiste der Zoologe Moritz Wagner zwischen 1857-59 die ekuad. Provinzen Imbabura, Pichincha, Cotopaxi, Tungurahua, Chimborazo und Bolívar. Ihm folgten ein Jahrzehnt später die beiden renommierten Vulkanologen Wilhelm Reiss (Mannheim 1838 - Könitz-Thüringen 1908) und Alfons Stübel (Leipzig 1835 - Dresden 1904). Die unzertrennlichen Abenteurer lieferten zwischen 1869-74 wertvolle Studien über die genetisch-morphologische Klassifizierung der Andenvulkane. Reiss gelang als erstem Europäer die Besteigung des Cotopaxi. Stübel lebte von 1882-90 unter den Indianern im Amazonasgebiet. Beide bereisten den größten Strom der Erde bis zu seiner Mündung, und kehrten auf diesem Wege nach Europa zurück. Ihre reichhaltige petrographische Sammlung ist im Grassi-Museum in Leipzig zu bewundern.

Weitere deutsche Naturforscher im Zeitraum von 1870-1880 waren der Böhme Benedikt Roezl, von dem man lediglich weiß, daß er von Guayaquil aus zu den Flanken des Chimborazo aufbrach, sowie der Orchideologe Eduard Klaboch, dessen Überbleibsel seiner Kollektion sich in Berlin-Dahlem befinden müssen. Auch der 1903 in Popayán (Kolumbien) verstorbene deutsche Konsul Friedrich Karl Lehmann botanisierte in fast allen Provinzen Ekuadors (Herbarien von Berlin-Dahlem, Kew-England, und Sankt Petersburg).

Unter der Präsidentschaft von García Moreno wurde in Quito 1870 die Politécnica gegründet, eine Hohe Schule für Landvermesser, Architekten, Ingenieure, Astronomen und Naturwissenschaftler. Die Verwaltung der ersten ekuadorianischen Akademie dieser Art wurde den jungen deutschen Jesuitenpatern Hans Menten und Ludwig Dressel übergeben. Zu den Professoren zählte neben dem italienischen Jesuiten Luis Sodiro auch der Chemiker und Geologe Teodoro Wolf. Seine Studien über Galápagos, Esmeraldas, Loja u. Azuay, sowie seine Werke “Geographía y Geología del Ecuador” und “Crónica de los fenómenos volcánicos y terremotos” machten ihn nach Humboldt zu einem der bedeutendsten Naturwissenschaftler des Landes. Andere Lehrkräfte der polytechnischen Akademie waren die Mathematiker Emilio Müllendorf, Armando Wenzel, José Epping, Alberto Clässen, der Chemiker Luis Heiss, der Zoologe Christian Bötzkes, und der preußische Armeekaplan Eduardo Brugier.

Mit dem Sturz García Morenos schloß die Politécnica 1875 ihre Pforten. Sie sollte erst 60 Jahre später durch Velasco Ibarra wieder eingeweiht werden, ebenfalls unter der Mitwirkung deutscher Professoren. Ihre pionierhafte Bedeutung für die ekuadorianische Wissenschaft des auslaufenden 19. u. beginnenden 20. Jh. hatte die Akademie nicht zuletzt diesen alemanes politécnicos zu verdanken. Anhand ihrer vielfältigen Publikationen und Vorlesungen wurde der äquatoriale Landesname für europäische Naturalisten zu einem Inbegriff.

Der erste deutsche Wissenschaftler, der nach der Schließung der Politécnica seine Koffer packte um 1875-76 die indianischen Andenländer Südamerikas zu bereisen, war der Ethnograph Adolfo Bastían . Ihm folgte zwischen 1891-97 der Botaniker Baron Heinrich von Eggers. Seine Pflanzenkollektion der Provinz Manabí gilt als einzigartig, und ist in den Herbarien von Berlin-Dahlem, München und Oslo zu finden.

Die Eindrücke des Jenaer Pflanzenkundlers August Rimbach (geb. 1862) wurden Ende des 19. Jh. unter dem Titel “Reisen im Gebiet des Oberen Amazonas” veröffentlicht. Seine Pflanzensammlung befindet sich in Berlin und den USA (Chicago Field Museum, Gray Herbarium of Cambridge, Smithsonian Institution).

Der Hildesheimer Geograph Hans Meyer stellte 1903 Beobachtungen an den Gletschern des Chimborazo, Altar, Cotopaxi, und anderen Vulkanen an. Seine spezifischen Sammlungen von Hochlandmoosen-, Farnen- u. Pilzen befinden sich in Berlin-Dahlem und anderen Orten der Bundesrepublik.

Der in Guayaquil seßhafte Kaufmann und Hobby-Archäologe Otto von Buchwald hinterließ in Ecuador nicht nur zahlreichen Nachwuchs, sondern arbeitete auch intensiv mit dem weltweit hochgeschätzten Altertumsforscher Max Uhle (1854-1944) zusammen. Uhle kam 1919 im Alter von 63 Jahren zum erstenmal nach Ecuador um die sagenhafte Inkastadt Tomebamba (bei Cuenca) ausfindig zu machen. Zwölf Jahre später entdeckte er die präkolumbianischen Pyramiden von Cochasquí nördlich von Quito. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1933 verfiel die Ausgrabungstätte Cochasquí in einen jahrzehntelangen Dornrößchenschlaf.



Uhle gelang es im Vorfeld des Krieges noch einen anderen Kollegen zu inspirieren - den späteren Direktor des ethnographischen Museums in Berlin, H. D. Disselhoff, der 1938 Ausgrabungen auf der Halbinsel Santa Elena vornahm.

Mitte bis Ende der 60-ziger Jahre, im Hinblick auf das 200-jährige Geburtsjubiläum Alexander von Humboldts, war eine “Arbeitsgruppe Ecuador” der Bonner Universität in Ecuador tätig. Ihr Hauptaugenmerk galt den rätselhaften Cochasquí-Pyramiden.

Zu Beginn des Jahrhunderts reifte bereits die Idee heran das botanische Museum von Berlin-Dahlem zu einem wissenschaftlichen Zentrum für die Flora von Ecuador zu proklamieren. Unter dessen Schirmherrschaft wurden dann Anfang der 30-ziger Jahre direkt o. indirekt Expeditionsreisen nach Ecuador finanziert. Zum auserwählten Forscherkreis zählten unter anderen der Pflanzensammler Heinrich Schimpff, der sich zwischen 1930-35 im Land aufhielt, sowie die Botaniker Erika Heinrichs (1932-35), Ludwig Diels (1933), und Arnold Schultze-Rhondorf (1935-37). Während des 2.

Weltkrieges wurde das Berliner Museum zerstört, und die meisten der prächtigen Kollektionen zu Asche verbrannt. Ein repräsentativer Bruchteil der damals hochkonzentrierten “Flora Ekuadors” ist jedoch auf wunderliche Weise bis heute erhalten geblieben.

Im Jahre 1935 wurde vom ekuad. Präsidenten Velasco Ibarra die Politécnica Ecuatoriana neugegründet. Zum ersten Lehrergremium gehörten der Physiker Hans Sober (bis 1951), der Mathematiker Ernesto Grossmann, der übrigens für immer in Ecuador bleiben sollte, der Chemiker Fritz Hahn, welcher später nach Mexiko ging, der Astronom Hans Odermatt, gleichzeitig Leiter des Observatoriums in Quito, sowie der Geologe Walter Sauer, der den ersten geologischen Atlas des Landes herausbrachte.

Ecuador erwies sich auch für den 1899 in Wasserburg am Inn geborenen Geographen Carl Troll als seine große Liebe.

Der Schöpfer der “Ecología del Paisaje” lieferte erstmals detaillierte Zusammenhänge unterschiedlicher Umweltfaktoren in ortsgebundenen ökologischen Nischen (Bodenbeschaffenheit, Höhenlage, Feuchtigkeit, Winde, saisonbedingte Temperaturen). Troll überflog auch 1928 mit seinem Pilotenfreund Peter Paul von Bauer, dem Gründer der deutsch-kolumbianischen Fluggesellschaft SCADTA, die Pazifiküste Ekuadors und Kolumbiens, und bescherte diesen Ländern anhand von Luftaufnahmen das erste genaue Kartenmaterial.

In den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg kamen noch eine Vielzahl deutscher Expeditionisten ins Land. Unter ihnen der Botaniker Hans Weber (1952-53, “Vegetationsbilder aus den äquatorialen Hochanden” ), der österreichische Geograph Wolf-Dieter Sick (1957-58, 1964 u. 76), der gleich eine ganze Reihe von Wirtschaftspublikationen über Ecuador herausbrachte, der Harburger Geobotaniker Heinz Ellenberg (1970), der der Botaniker Gerd Müller (1972) von der Leipziger “Karl Marx” - Universität, der Darmstädter Geologe und Paläontologe Werner Zeil (1961 u. 76, “The Andes - Geological Review”), und allen voran der Biologe Erwin Paetzelt (geb. 1924), welcher zwischen 1967-76 an der deutschen Schule in Quito unterrichtete. Paetzelt konzentrierte sein Interesse vor allem im Amazonasgebiet und der Cayapas-Region. Seine eigens finanzierten Unternehmungen fanden sowohl bei der Asociación Humboldt wie dem Instituto Ecuatoriano de Ciencias Naturales großen Anklang. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen “Menschen im Regenwald” (1975), sowie die schönen Bildbände “Fauna del Ecuador”(1979) und das mit Unterstützung der Banco Central kürzlich veröffentlichte Prachtwerk “Flora Illustrada del Ecuador”.

 

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