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Das Tor zum Oriente
Etwa 45 km östlich von Ambato, bzw. 65 km nordöstlich
von Riobamba, auf einem Talvorsprung über dem tief eingeschnittenen
Río Pastaza, umgeben von steil abfallenden Höhenrücken,
liegt der herausgeputzteste Wallfahrtsort Ekuadors wie ein buntes
weggeworfenes Bonbonpapier zu Füßen der Andenkordillere.
Adrette saubere, schachbrettartig angelegte Sträßchen
mit ihren gepflegten subtropischen Vorgärten, ein mildes frühlingshaftes
Klima, zwei schwefelhaltige Kurbäder mit von Steilwänden
herabstürzenden Wasserfällen, die Nähe zum aktiven
Vulkanriesen Tungurahua, und nicht zuletzt die Basilika der wundersamen
“Jungfrau des heiligen Wassers”, machen den Ort zu einem
attraktiven Pilgerziel für einheimische und ausländische
Besucher.
Aufgrund seiner zentralen Lage im Landesinnern, und als Knotenpunkt
für Reisen zum und vom “Oriente” (über Puyo),
bietet sich ein Besuch geradezu an. Preiswerte und komfortable Hotels,
Restaurants für alle Geschmacksrichtungen, und ein breit gefächertes
Freizeitangebot, haben so manchen Individualtouristen schon dazu
veranlaßt, seinen Aufenthalt im lieblichen Baños gleich
auf mehrere Wochen hinauszuzögern. Der auf 1.800 Höhenmetern
gelegene Ort ist ideal um sich von den Strapazen einer anstrengenden
Reise, einem Dschungelabenteuer, oder der letzten Gipfelbezwingung
zu erholen. Die besten Monate dafür sind gewöhnlich September
bis Februar. Hingegen regnet es von April bis Juli am meisten, wenn
sich der Tungurahua in dichte Amazonaswolken hüllt.
Baños heißt auf deutsch “Bäder”,
und gehört inzwischen zum Standardprogramm eines jeden Ekuadorbesuches,
selbst wenn es der touristizierten Idylle für manchen Geschmack
an lateinamerikanischer Alltagsauthentizität mangeln mag. Der
Ort ist einfach zu herzig, um ihn nicht mit einer gebirglerischen
Zweigstelle Disneylands vergleichen zu wollen. Es verwundert daher
wenig, in diesem Zusammenhang manchmal einen erfundenen, schnippischeren
Ortsnamen zu vernehmen: “Gringobamba”.
Der kleine Ort bietet so ziemlich alles, was der Gaumen begehrt.
Neben einer großzügigen Auswahl an europäischen
Speiselokalen, von á la Provence bis hin zum süddeutschen
Fleischkäse o. ungarischem Gulasch, werden an einer Ecke des
Marktes auch gegrillte Meerschweinchen angeboten (cuy asado). Bei
den zahlreichen Cafeterias mit ihren selbstgebackenen Kuchen, sowie
jeder Menge alternativer Leckerbissen und “Zwischeneinschübe”,
fällt es zudem nicht schwer, sich in Baños ein paar
unnötige Pfunde zuzulegen.
Sehenswertes in und um Baños
Die dominikanische Basílica (auch Santuario de Nuestra Señora
de Agua Santa), mit ihrem angegliederten religiös-skurrilen
Museum, ist sicherlich einen Besuch wert. Der “Jungfrau des
heiligen Wassers” werden allerhand Wunderheilungen und göttliche
Rettungen nachgesagt. Naive Gemälde im Innern der Wallfahrtskirche
veranschaulichen die bisher spektakulärsten Wundertaten. Die
Quelle des heiligen Wassers sprudelt aus einer Art steinernen Schale
in der hinteren Seitenkapelle. Persönlich erbrachte Dankeserweise
in Form von Fotos, Schuhen, Brautkleidern, nicht mehr benötigten
Krücken, oder in Alkohol konservierten Giftschlangenköpfen,
gibt es obendran im Museum zu bestaunen.
An der Straßenecke Ambato/16 de Diciembre, schräg gegenüber
der Basilika, kann wie überall in Baños den fleissigen
melcocheros bei der Arbeit zugeschaut werden. Das ständige
Ziehen u. Schlagen des melcocha- oder alfeñique-Teiges dient
zur Herstellung einer süßlich schmeckenden, gummiartigen
Zuckerrohrstärke (gut bei energieraubenden Bergtouren).
Auf dem Weg zum Thermalbad (Calle Martínez), und an der Ortsdurchfahrt
(gegenüber dem Busbahnhof), wird frischer Saft aus Zuckerrohrstangen
gepreßt. Auch die in durchsichtigen Plastiktütchen angebotenen,
kleingeschnittenen Rohrstückchen zum Schlürfen, schmecken
köstlich und wirken durstlöschend.
Auf einem imposanten mehrzackigen Felsgetüm über der schwindelerregenden
Schlucht des Río Pastaza, liegt der Parque Eco Zoológico.
Die für ekuadorianische Verhältnisse relativ großzügig
angelegten Käfige und “Tierknäste” veranschaulichen
vor allem die mannigfaltige Fauna der Umgebung. Brillenbären,
Pumas, Papageien, Tukane, Kondore, Wölfe o. Affen sind täglich
zwischen 9 u. 18 Uhr zu beobachten. Eintritt 1 USD.
Am besten zu Fuß über die Brücke (puente) San Martín
zu erreichen, am Ortsausgang in Richtung Ambato rechts einbiegen.
Ein Taxi vom Parque Municipal kostet für die 2 km lange Strecke
etwas mehr als einen Dollar. Ein Bus verbindet den Ortskern ständig
mit dem Zoologischen Garten (sowie mit dem Thermalbad “El
Salado”). Die Haltestelle befindet sich direkt hinter dem
Zentralmarkt in der Calle Vicente Rocafuerte.
Baños besitzt zwei schwefelhaltige Thermalbäder. Das
populärste Bad liegt in der südöstl. Ecke der Ortschaft,
genau unterhalb der Steilwand und dem schweifartigen Wasserfall
mit dem klingenden Namen Cascada Caballera de la Virgen (“Jungfrauenhaar-Wasserfall”).
Das Freibad besteht aus zwei Becken mit unterschiedlich temperiertem
Wasser. Am besten noch vor Sonnenaufgang hingehen, da der einheimische
Publikumsandrang erst später beginnt. Zudem ist die morgendliche
Dämmerlichtstimmung über dem Städtchen, von einem
heißen Wasserbecken aus betrachtet, ein kleines Erlebnis für
sich. Geöffnet ab 4.30 Uhr! Eintritt 1 USD.
Das andere, wochentags etwas weniger frequentierte Thermalbad von
El Salado, liegt fast 3 km außerhalb des Ortskerns. Mehrere
unterschiedlich temperierte Becken und ein kalter Wasserfall können
schon eine Stunde vor Sonnenaufgang benutzt werden. Der Eintritt
beträgt 1.5 USD. Die Anfahrt mit einem Taxi dauert nur wenige
Minuten, und kostet keine 2 USD. Zu Fuß ist es höchstens
eine Dreiviertelstunde. Am Ortsausgang in Richtung Westen (Ambato)
geht es links die Via al Salado hoch. Busse nach El Salado starten
hinter dem Zentralmarkt in der Calle Vicente Rocafuerte.
Baños ist ein guter Startpunkt für Tageswanderungen
in die Umgebung. Aber wohin man auch wandern mag, es geht fast immer
steil bergauf. Einer der beliebtesten Pfade dafür ist der zum
Bellavista-Kreuz und nach Runtún. Eine knappe Stunde sollte
für den am südl. Ende der Calle Maldonado beginnenden
Pfad bis hoch zum Kreuz veranschlagt werden. Dieses cruz hoch oben
auf der Felsklippe über dem Ort aufragend, ist von überall
her sehr gut zu sehen - nachts beleuchtet! Von dort aus geht es
weiter hoch bis nach Runtún, zu Füßen des Vulkans
Tungurahua gelegen. Neben einem anständigen Billiardtisch und
kalten Getränken, hat das pittoreske Andendörfchen mit
schmatzenden Kühen auf saftig grünen Weiden, niedlichen
Gatterzäunchen, und viel Bergsehnsucht á la “Heidi”
aufzuwarten.
Ein anderer Pfad beginnt am südl. Ende der Calle Mera, hinter
dem Krankenhaus. Auch dieser führt über einen Aussichtspunkt
(mirador) bis nach Runtún. Beide Wege können zu einem
4 - 5 stündigen Rundgang miteinander verbunden werden. Ein
köstliches, wenn auch kostspieliges Mittagessen in der exklusiven
Luna Runtún- Herberge, auf der Steilklippe über Baños,
geben dem strapaziösen Aufstieg eventuell eine zusätzliche
Motivation. Allein die Aussicht ist jedenfalls große Klasse.
Eine der ganz wenigen Wanderrouten um Baños, die steiles
Auf- und Abgehen weitgehenst vermeiden, ist ein Weg entlang der
nördlichen, von Baños aus gesehen gegenüberliegenden
Flußseite der Río Pastaza - Schlucht.
Vor den Zuckerrohrständen an der Durchgangsstraße Ambato
- Oriente stehend (den Busbahnhof im Rücken), geht es in Richtung
Norden, linkerhand die Calle Pastaza hinunter. Am Ende dieser Straße
überquert die Brücke (puente) San Francisco den Río
Pastaza. Auf der anderen Seite beginnen eine Reihe von steilen Pfaden
für Wanderlustige. Der meist benutzte verläuft jedoch
entlang des Flusses in östlicher Richtung, also stromabwärts.
Nach kurzer Zeit stößt man auf eine zweite Brücke,
die wiederum nach Baños von Nordosten her zurückführt.
Für den Rundgang sollten etwa 2 Std. veranschlagt werden.
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