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Das auf vier Provinzen verteilte, 400.000 Hektar große ökologische
Reservat, umfasst sowohl entlegene kalte Hochlandregionen wie auch
subtropisch-tropische Bergurwälder im Bereich der nordöstlichen
Andenausläufer. Die Höhenlagen reichen von schwülen
750m bis hin zu den haarsträubenden Gletscherspalten des 5.790
Meter hohen Cayambe. Dementsprechend fällt auch die jährliche
Niederschlagshäufigkeit aus, von 500mm bis hin zu 3.500mm.
Die Flora und Fauna dieser unzugänglichen, meist von schroffen
Tälern und gezackten Höhenrücken durchzogenen Region,
hat mit fast all den mannigfaltigen Naturwundern aufzuwarten, dessen
sich das facettenreiche Land Ekuador rühmen kann: Aufregende
Bewohner wie Brillenbären, Felsenhähne, Tapire, Kondore
oder Korallenschlangen, achzig einsame Bergseen voller Regenbogenforellen,
Baumfarne, Bromelien und fleischfressende Pflanzen in dichten Nebelwäldern,
tausende von glasklaren Quellbächen und Wasserfällen,
sowie einen rauchenden Vulkankegel, zu dessen Füßen sich
der grüne Teppich des Amazonasbeckens bilderbuchmäßig
bis zur Erdkrümmung ausbreitet.
Neben dem schneebedeckten Cayambe (siehe im Routenteil unter “Panamericana
Norte”) bieten sich begeisterten Gipfelstürmern noch
drei andere, nicht minder fasziniernde Berge an: Die insgesamt 48,
und bis zu 150m hohen Zinnen des erloschenen Vulkans Las Puntas
(4.452m) im äußersten Südwesten des Reservates,
das frostig zerfurchte Felsmassiv des Sara Urcu (4.696m), dessen
Besteigung bisher nur ganz wenigen gelang, sowie der gewaltige freistehende
Kraterkessel des aktiven Reventador (3.562m) gegen Osten hin.
Normalsterblichen Touristen sei von vorne weg gesagt: Hier wird
Pionierarbeit abverlangt! Wege gibt es nur in den äußersten
Randbereichen des Naturschutzgebietes. Wer gleich mehrere Tage in
dieser wilden Landschaft umherstreifen möchte, muß sich
neben einer exzellenten Ausrüstung auch sonst auf alles gefasst
machen. Eine Erkundung auf eigene Faust, ohne Begleitung eines erfahrenen
Führers, käme einer Art Himmelfahrtskommando gleich. Manch
unglücklichem Naturfreak wurde allein schon der Umstand zum
Verhängnis nicht mehr aus dem widerspenstigen Dickicht herauszufinden.
Eine der ganz wenigen organisierten Trekking-Touren in das Cayambe-Coca
Reservat beinhaltet eine 5-6 tägige Querfeldeinbesteigung des
Reventador-Vulkans. Zu den Höhepunkten des verwegenen “Öko-Challenge”
gehört neben einem 100 % puren Naturerlebnis in diesem paradiesischen
“Jurassic Parkgelände” auch der größte
Wasserfall Ekuadors, die 140 Meter hohe Cascada del Coca, auch “Cascada
de San Rafael” genannt. Eine märchenhafte Pflanzenwelt,
mineralhaltige Whirlpools, erkaltete Lavaströme, Steine in
allen Formen und Farben, Papageienschwärme, orange-geflügelte
Höhlenmoskitos, Glühwürmchen wie heruntergefallene
Sternchen, und ein geradezu gigantisches Bergtapir, gilt es bei
dem anstrengenden Abenteuer zu entdecken. Es fehlen lediglich die
Dinosaurier.
Gottes Lohn der Strapazen ist ein atemraubender Rundblick vom inneren
Kraterkegel auf das Amazonasbecken im Osten und die nördliche
Andenkordillere im Westen - Südamerika aus der Vogelperspektive!
Eine schöne Morgendämmerung am letzten Aufstiegstag ist
dafür allerdings unbedingte Voraussetzung. Bei stürmischem
Wetter kann sich die Gegend um den Vulkan auch in ein danteskes
Weltuntergangsspektakel verwandeln. Winzige Rinnsale wachsen dann
auf die Schnelle zu reißenden Flüssen an, die jedem “Rafter”
das Fürchten beibringen würden.
Steinschläge und elektromagnetische Blitzgewitter könnten
selbst eingefleischte Atheisten zum Beten bringen.
Während der letzten beiden Ausbrüche des Reventador (1973
u. 1987) wurden bis zu 8m große Gesteinsbrocken hunderte von
Metern weit in den Himmel geschleudert, und mehrere Millionen Kubikmeter
Lava-, Schlamm- u. Geröllmassen bahnten sich ihren Weg über
die südöstlichen Flanken des über drei Kilometer
breiten Hufeisenkraters.
Laut Geologen soll der Vulkan zu Urzeiten einmal über 7.000
Meter hoch gewesen sein, der höchste des amerikanischen Kontinents.
Eine gewaltige Explosion hatte ihn dann auf sein heutiges Maß
reduziert.
Bereits um die Jahrhundertwende wurde der einst völlig isolierte
Vulkan von den Hauptstädtern zur Kenntnis genommen. Sporadische
Ascheregen über Quito ließen auf einen feuerspeihenden
Berg im fernen Oriente schließen.
Wo sich dieser Berg genau befinden sollte, wußte aber niemand
mit Sicherheit zu sagen. Einem draufgängerischen Franzosen
gelang in den 30er Jahren dann die Erstbesteigung des “Platzenden”,
dem einzigen Vulkan in ganz Ekuador (außer auf Galápagos),
welcher aus bisher noch ungeklärten Gründen keinen indianischen
Namen trägt.
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