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Es gibt auf der Erde kaum einen Ort, wo Tiere leichter in freier
Wildbahn zu beobachten sind als auf den Galápagos-Inseln.
Trotz der jahrhundertelang verursachten Schlächtereien durch
Piraten, Freibeuter, Walfänger, Pelzrobbenjäger, Siedler
und US-Marine, zeigen die Tiere keinerlei Scheu vor den ständig
anlandenden Touristen-Heerscharen. An manchen Besucherstandorten
marschieren die kamerabewaffneten Gruppen sogar täglich zu
dutzenden durch ihre Reviere, stolpern an ihren Wohnnischen und
Brutplätzen vorbei, und verunsichern ihre Neugeborenen. Die
erwachsenen Tiere bleiben unerschrocken und lassen sich standhaft
aus allernächster Nähe fotografieren. Der Mensch wird
einfach als unbedeutender Bestandteil ihrer natürlichen Umgebung
akkzeptiert. Manche Tiere, insbesonders Seelöwenjungen und
Darwinfinken, zeigen sogar unverhohlene Neugierde. Andere widerum,
wie z. B. die Tölpel, schnappen bei einem zu aufdringlichen
Zunahekommen mit dem Schnabel zu.
Diese einmütige Billigung des Menschen seitens der Tiere ist
in erster Linie den professionellen Naturführern zu verdanken,
die seit Jahrzehnten nach den strengen Richtlinien der Nationalparkverwaltung
handhaben. Als eine der vordringlichsten Aufgaben der “guias”
erweist sich dabei, daß die Touristen nur auf den vorgeschriebenen
Pfaden einherwandern, um somit nicht auf die Tiere oder deren Nistplätze
abseits der Wege zu treten. Besucher, die der Versuchung nicht widerstehen
können den abgesteckten Pfad zu verlassen, werden augenblicklich
zurechtgewiesen. Davon einmal abgesehen, sitzt das begehrte Motiv
früher oder später sowieso direkt am Wegrand vor der Linse.
Auch sollte bei unüberlegtem Zurückschreiten zwecks einer
besseren Aufnahme darauf geachtet werden, daß viele Vögel
und Leguane mitten auf den Touristenpfaden brüten. Um diese
Brutplätze nicht zu zerstören ist vorsichtiges Ausweichen
oberstes Gebot. Niemals direkt über ein Nest steigen!
So gibt es auch “egoistische” Seelöwenbullen, die
störrisch den Landungssteg besetzt halten, oder den wunderschönen
Badestrand ganz für sich allein und ihre zahlreichen Gespielinnen
beanspruchen wollen. Auch hier sollte jegliche Art von Konfrontation
vermieden werden. Für Tiere gelten die Nationalparkvorschriften
nicht, auch wenn diese zuguterletzt nur für sie bestimmt sind
- genauso wie die eigens von ihnen entdeckten “Arche Noah”
- Inseln!
Die beste Zeit um die frei lebenden Tiere zu beobachten ist am frühen
Morgen und am späten Nachmittag. Gegen Mittag tauchen die Meeresechsen
oft den Ozeangrund nach Nahrung ab, genauso wie die Seelöwen
und Meeresschildkröten. Auch die vielen Seevögel haben
in der Mittagshitze oft besseres zu tun als für die Kameras
der verzückten Touristen zu posieren.
Auf praktisch jeder Galápagos-Insel bekommt der Besucher
Seelöwen, Meeresechsen, Klippenkrabben, Lava-Eidechsen und
Darwinfinken zu sehen. Auf den meisten Inseln begegnet man hingegen
Blaufußtölpeln, Tropicvögeln, Pelikanen, Gabelschwanzmöwen,
Spottdrosseln und Galápagos-Bussarden. Auf vielen Inseln
widerum gibt es Maskentölpel, Binden- und Prachtfregattvögel,
Noddy-Seeschwalben und Lavamöwen. Auf einigen wenigen Inseln
finden sich Riesenschildkröten, Pelzrobben, Landleguane, Flugunfähige
Kormorane, Flamingos, Pinguine und Rotfußtölpel. Und
weltweit nur auf Española kann der am Boden träge Albatross
aus allernächster Nähe beim Brüten beobachtet werden.
Verschiedene Säugetier-Arten gibt es auf Galápagos sehr
wenige. Genauer gesagt nur vier! Dabei spielen die Galápagos-Reisratte,
welche auf Santa Fé und Fernandina in zwei Unterarten anzutreffen
ist, sowie die Galápagos-Fledermaus, die in den Hafenorten
manchmal vereinzelt um die Straßenlampen am Malecón
flattert, für Besucher eine völlig unbedeutende Rolle.
Dieser krasse Mangel an Säugetieren hängt ganz einfach
damit zusammen, daß zwischen den Inseln und dem Festland nie
eine Landbrücke bestanden hatte. Sonst müßte die
Tierwelt heute ganz anders zusammengesetzt sein. Zumindest einige
der großen Landsäugetiere des ekuadorianischen Festlandes
wären bei einer urgeschichtlichen Verbindung zum Kontinent
zu erwarten.
Die häufigsten Säugetiere an praktisch allen Küsten
der Galápagos-Inseln sind die Seelöwen. Neuankömmlinge
werden dies bereits auf den ersten Blick bestätigen können
- selbst mit geschlossenen Augen! Die kehligen “Örk”-Laute
der allgegenwärtigen “Schwimm-Stars” verfolgen
Inselbesucher und Bootsausflügler manchmal sogar bis in den
Schlaf. Die Beiboote und Landungsstege in den Hafenbecken von Puerto
Baquerizo Moreno (San Cristóbal) und Puerto Ayora (Santa
Cruz) werden von den Seelöwen oft als Bettstätte beansprucht.
Fischern gefällt dies überhaupt nicht, da die verspielten
und neugierigen Tiere unverschämterweise auch ihre stinkenden
Hinterlassenschaften in den Booten zurücklassen. Wer im Hafenort
Puerto Villamil (Floreana) abends an den Kai spaziert, sollte bedenken
daß dort gegen 22 Uhr der Strom abgestellt, und somit das
Licht ausgeschaltet wird. Wer dann im Dunkeln aus Versehen über
einen dort gerade ruhenden Bullen stolpert, wird über dessen
lautstarke Verwünschungen vielleicht nicht nur zutiefst erschrocken
sein. Der scharfe Biß eines aufgebrachten Seelöwenbullen
kann böse Fleischwunden hervorrufen!
Auf der Plaza-Insel haben die Galápagos-Seelöwen - übrigens
sehr nahe Verwandte der kalifornischen Seelöwen - aufgrund
ihrer zahlreichen Kolonien inzwischen die Steine an den Ufern und
Klippen glattpoliert. Seelöwen sind polygam. Ein einziger Bulle
kann einen bis zu 25-köpfigen Harem unter seinen Fittichen
haben. Latin Lover! Nach einer Tragezeit von neun Monaten bringt
jedes seiner Weibchen meistens gegen Ende des Jahres ein etwa 5
Kilo schweres Junges zur Welt. Und noch in einem anderen Punkt unterscheidet
sich der Seelöwe nicht allzu sehr vom Durchschnitts-Lateinamerikaner:
Während der Brunftzeit sind blutig verlaufende Revierkämpfe
unter eifersüchtigen Bullen durchaus nichts außergewöhnliches!
Auf Plaza und Rábida gibt es zudem kleine Kolonien von ausschließlich
Alten und Junggesellen. Diese Bullen sind bei der alljährlichen
Weibchen-Verteilung leer ausgegangen und haben sich zu richtiggehenden
Eigenbrödlern entwickelt. Man sollte ihnen nicht zu nahe kommen.
Sie gelten als äußerst aggressiv und verstehen überhaupt
keinen aufdringlichen Foto-Spaß!
Seelöwen sind hervorragende Schwimmer und noch elegantere Taucher.
Sie können kilometerweit aufs Meer hinausschwimmen und Tauchtiefen
von 250 Metern erreichen. Bei der “Teufelskrone” vor
Floreana können Schnorchler völlig gefahrlos mit den pfeilschnellen
Jungtieren und Weibchen im Wasser herumtollen. Ein unvergeßliches
Erlebnis! Selbst beim Landgang stellen sich Seelöwen nicht
allzu ungeschickt an. Die imposantesten unter den Bullen sind schlichtweg
furchterregend, wenn sie sich laut schimpfend auf ihren Vorderflossen
aufrichten und auf einen zupreschen. Spätestens dann heißt
es Kamera wegwerfen und eine Fliege machen!
Die Galápagos-Pelzrobbe unterscheidet sich vom Seelöwen
durch ihr dichteres Fell, dem kleineren eher rundlichen Kopf, der
abgeflachten Nase, den größeren Ohrmuscheln, und dem
verlorenen melancholischen Blick. An Land findet man die ansonsten
in antarktischen Gefilden beheimateten Pelzrobben lediglich in schattigen
Felsnischen und kleinen Grotten, wo sie sich vor der Äquatorsonne
schützen können. Die Galápagos-Inseln verdanken
ihre Präsenz dem kalten Humboldtstrom.
Im Gegensatz zu Seelöwen suchen Pelzrobben niemals die Sandstrände
auf. Ihre genaue Populationsgröße auf Galápagos
ist nicht genau erfaßt, sie wird aber auf etliche Tausend
geschätzt. Man trifft sie zumindest weitaus seltener an als
die allgegenwärtigen Seelöwen. Der einzige Besucherstandort,
wo diese friedfertigen wie anhänglichen Tiere sehr leicht aus
nächster Nähe zu beobachten sind, ist die Pelzrobben-Grotte
(“La Gruta de las Focas”) bei der James Bay auf Santiago.
Insgesamt sechs Reptilien-Arten können auf Galápagos
angetroffen werden. Dazu gehören elefantöse Riesenschildkröten,
ungeheuerliche Landleguane, algenfressende Meerechsen, Lava-Eidechsen,
Geckos und ein paar völlig harmlose Schlangen.
Die bis zu 300 Kilo schweren Riesenschildkröten gibt es außer
auf den “verwunschenen Inseln” sonst nur noch auf dem
Aldabra-Atoll im indischen Ozean. Im Galápagos-Archipel sind
von den ursprünglich 14 Unterarten noch 11 übriggeblieben.
Wobei der tragikomische “Einsame Georg”, einst von seiner
Heimatinsel Pinta zur “Charles Darwin - Station” auf
Santa Cruz umgesiedelt, der letzte Vertreter einer zum Aussterben
verurteilten Rasse ist. Drei weitere Unterarten sind bereits ausgestorben,
andere werden heute auf der berühmten “Schildkröten-Station”
nachgezüchtet. Walfänger und Siedler hatten im Lauf der
Jahrhunderte wahrhaftig ganze Arbeit geleistet!
Von Insel zu Insel unterscheiden sich die Riesenschildkröten
durch ihre Größe und der Form des Panzers. Die etwas
kleineren Sattelpanzer-Schildkröten mit ihren längeren
Nacken und Beinen, haben sich im Laufe der Evolution den flachen
Trockenregionen angepaßt. Selbst wenn dieser Schildkröten-Typ
es allemal vorzieht heruntergefallene Kaktuspolster zu fressen,
kann er auch die Blätter weitverzweigter Büsche erreichen.
Der größere Schildkröten-Typ mit dem hohen Kuppelpanzer
bevorzugt hingegen die Hochlandregionen der Inseln, wo Gräser
und heruntergefallene Früchte die Hauptnahrung darstellen.
Allein fünf verschiedene Rassen können in den gewaltigen
Vulkankegeln der Isabela-Insel angetroffen werden. Ihr jeweiliger
Aktionsradius ist auf den Krater und dessen Ränder beschränkt.
Dies deutet u. U. sogar darauf hin, daß die fünf Isabela-Vulkane
einmal isolierte Inseln waren. Die Evolution der Schildkröten
hat sich in Übereinstimmung mit den unterschiedlichen Biotopen
der durch Lava und Schlackenwüsten voneinander getrennten Kraterkegel
vollzogen.
Einen Sonderfall stellt eine Unterart auf Española dar. In
den 60-ziger Jahren waren auf der Insel gerade noch zwei Männchen
und zwölf Weibchen dieses Schildkröten-Typs am Leben.
Eine natürliche Fortpflanzung fand so gut wie nicht mehr statt.
Die Tiere sind sich verständlicherweise fast nie begegnet!
Durch Inkubation und sorgsame langjährige Aufzucht ist es der
“Charles Darwin - Station” gelungen 1995 nahezu 700
Riesenschildkröten dieser Unterart wieder auf Española
auszusetzen.
Riesenschildkröten erreichen die Geschlechtsreife nach etwa
25 Jahren. Sie pflanzen sich zwischen Januar und Juni während
der Regenzeit fort. In der zweiten Jahreshälfte begeben sich
die Weibchen dann in die Trockenzonen um dort ihre Eier auszubrüten.
Es braucht meist sehr viele Stunden bis sie mit ihren Hinterbeinen
ein genügend tiefes Loch gebuddelt haben.
Bei dieser Schwerstarbeit urinieren sie laufend um somit der Erde
mehr Geschmeidigkeit zu geben. Zwischen 2 und 20 Eier von der Größe
eines Tennisballs werden in der Brutkuhle abgelegt. Nachdem das
Loch wieder zugeschüttet wurde, zieht sich das Weibchen in
die Berge zurück. Nach weiteren 4 - 8 Monaten brechen die Jungen
aus ihrer Eierschale hervor. Die Temperatur des unterirdischen Brutplatzes
bestimmt schlußendlich das Geschlecht der Neugeschlüpften,
wobei kühlere Temperaturen meistens Männchen hervorrufen.
Ihr einziger natürlicher Feind ist der Galápagos-Bussard.
Überleben sie erst einmal die ersten schwierigen Jahre, können
sie ein stolzes Alter von fast 200 Jahren erreichen.
Die Krallenfüße und gezackten Rückenkämme der
langschwänzigen Landleguane lassen unweigerlich so kindliche
Fabelwelten wie die des “Urmel-Monsters” von der “Augsburger
Puppenkiste” wieder aufleben. In Wirklichkeit aber stehen
die etwa einen Meter langen und bis zu 30 Pfund schweren “Miniatur-Drachen”
heute auf der Liste für gefährdete
Galápagos-Tierarten.
Landleguane leben in den Trockenzonen der Inseln Plaza Sur, Santa
Cruz, Isabela und Fernandina. Eine zweite endemische Art ist nur
auf Santa Fé anzutreffen. Man sieht die Iguanas am Vormittag
in der Sonne dösen, während sie zur Mittagshitze schattige
Plätze unter Steinen oder Baumkakteen aufsuchen. Um nachts
ihre Körperwärme speichern zu können, schlafen sie
in selbstgebuddelten Höhlen. Ihre Diät besteht aus Sträuchern,
Früchten und heruntergefallenen Kaktuspolstern, deren Stacheln
sie meist mit den Klauen herauskratzen. Andererseits können
ganz verwegene Exemplare auch schon mal dabei beobachtet werden
wie sie mitten in die Stacheln reinbeissen!
Im Gegensatz zu ihren entfernten grünen Verwandten auf dem
ekuadorianischen Festland, sind Galápagos-Landleguane hartnäckig
auf ihr Territorium bedacht. Die gelbfarbigen Männchen können
auf gleichgeschlechtliche Eindringlinge äußerst aggressiv
reagieren. Solche Revierkämpfe werden durch heftiges Kopfnicken
angedroht, und enden manchmal mit furchterregenden Schwanz- und
Beißgefechten.
Die graubraunen Weibchen legen ähnlich den Schildkröten
2 bis 25 Eier in eigens gegrabenen Löchern. 3 - 4 Monate später
schlüpfen die nur zentimetergroßen Jungen aus dem Ei.
Falls sie die ersten Jahre überleben sollten - Bussarde und
Eulen sind ihre einzigen Todfeinde - können sie über 60
Jahre alt werden.
Als Charles Darwin 1835 auf Santiago landete, fand er vor lauter
Landleguanen “kaum einen Platz wo wir unser Zelt aufstellen
konnten!” Heute sind Landleguane auf Santiago völlig
ausgestorben. Ratten und Schweine, sowie verwilderte Hunde und Katzen,
fraßen ihre Eier und zerbissen die Jungen. Ziegen zerstörten
ihre pflanzlichen Nahrungsquellen. Verschiedene Projekte der “Charles
Darwin - Station” zwecks Erhaltung der letzten “Iguanas”
auf Galápagos brachten inzwischen jedoch erstaunliche Resultate
hervor. So gibt es in der Nähe der Conway Bay (Santa Cruz)
heute wieder zahlreiche Kolonien. Auf Baltra widerum wurden seit
1980 über 700 Exemplare erfolgreich ausgesetzt. Auch auf dieser
Insel galten die Saurier-Echsen seit den US-Manövern des Zweiten
Weltkrieges als völlig ausgestorben!
Die Algen fressenden Meerechsen (“Mariguanas”) bevölkern
fast alle Küsten des Galápagos-Archipels.
Sie gelten weltweit als die einzigen Reptilien, die sich erfolgreich
dem Leben im Meer angepasst haben. Mit den weichen Schlängelbewegungen
ihres muskulösen “Ziehharmonika-Schwanzes” können
sie kilometerweit hinausschwimmen und tiefe Tauchgänge unternehmen.
Ein im Wasser viermal langsamerer Herzschlag erlaubt es ihnen über
eine Stunde unter der Meeresoberfläche zu verbringen. Obwohl
sich zwischen den kräftigen Zehen im Lauf der Evolution winzige
Schwimmhäute entwickelt haben, werden die Füße beim
Tauchen “noch” nicht verwendet, sondern lediglich an
den Körper gelegt. Auch der kurze gedrungene Kopf ist als “amphibische”
Anpassung zu verstehen. Mit den kleinen Zähnen der stumpfen
Schnauze können sie den kurzen Algenbewuchs an den Unterwasserfelsen
abweiden.
Als eigentliche “Landtiere” haben die Meerechsen auch
keine Schwierigkeiten mit dem Salzgehalt des Meerwassers. Im Gegenteil,
sie leben davon! Eine Drüse verhilft ihnen das überschüssige
Salz auszuscheiden. Das Sekret wird durch die Nasenlöcher wie
ein feiner Sprühregen ausgestossen - was von Touristen manchmal
als verachtendes Spucken ausgelegt wird. Bei älteren Tiere
haben sich dadurch bereits richtiggehende Salzkrusten auf der vorsintflutlichen
Schädeldecke gebildet. Um nach einem ausgiebigen Tauchgang
dem auftretenden Wärmeverlust entgegenzuwirken, liegen die
Kaltblütler am Nachmittag gerne faul auf den warmen Lavasteinen
herum, und strecken zu Hunderten ihre Köpfe der Äquatorsonne
entgegen.
Während sich auf fast allen Inseln nur eine bestimmte Art der
schwarzen Meerechsen durchgesetzt hat, gibt es auf der weiter entfernten
Española-Insel noch eine rot-orange gefleckte Nuance, die
sich auch in der Verhaltensweise relativ deutlich von ihren Artgenossen
unterscheidet. Der Meerechsen-Typ auf der abgelegenen Genovesa-Insel
ist dagegen besonders klein und dunkel. Dies spricht eindeutig für
die isolierte Lage dieser Inseln und gibt Aufschlüsse über
die gesamte Entwicklung der “Mariguanas”.
Lava-Eidechsen bevölkern die Trockenzonen fast aller Galápagos-Inseln.
Besucher begegnen ihnen überall auf Schritt und Tritt. Nur
eine Art ist gleich auf mehreren Eilanden verbreitet, während
sechs andere endemische Arten lediglich auf spezifischen Inseln
herumflitzen. Lava-Eidechsen mit einem knallroten Bauchmuster sind
übrigens Weibchen.
Es gibt auf Galápagos ebenso fünf endemische Gecko-Arten
mit ihren typischen Saugnäpfen an den winzigen Klauen, sowie
drei Arten und etliche Unterarten von Dromicus-Schlangen, welche
allerdings mehr Angst vor Menschen haben als Elefanten vor Mäusen!
Sie sind allesamt schlank und graubraun, können über einen
Meter lang werden, und ernähren sich in erster Linie von Lava-Eidechsen
und großen Heuschrecken. Zu sehen bekommt man die hübschen
Tierchen aber leider recht selten.
Die Galápagos-Inseln sind ein Paradies für Vögel.
Dabei nehmen die Seevögel eine ganz besondere Stellung ein.
Sie sind zweifelsohne die große Hauptattraktion unter den
gefiederten Bewohnern. Ihre Gesamtpopulation wird auf über
eine Million geschätzt. Es gibt insgesamt 19 verschiedene Arten
von Seevögeln, wobei fünf von ihnen endemisch sind. Ebenso
wird das Archipel von über 40 Land- u. Watvögelarten bevölkert,
wovon widerum 23 endemisch sind.
Der absolute Star unter den Seevögeln ist der Albatros. Mit
einer Flügelspannweite von bis zu 2.40m ist er nicht nur der
größte Vogel auf Galápagos, sondern auch der größte
in den tropischen Gewässern des östlichen Pazifik. Der
einzige Ort auf der Welt wo er beim Brüten beobachtet werden
kann (außer einem winzigen Eiland im Delta des Río
Guayas), ist die Insel Española im äußersten Südosten
des Archipels. Über 12.000 Paare können hier an der Punta
Suárez und Punta Cevallos, sowie an der Südseite der
flachen Insel-Hügelkette, zwischen April und Juni angetroffen
werden. Jedes Albatrospaar produziert ein großes Ei, daß
von den Eltern nach der Ablage meist auf unerklärliche Weise
wie eine Billiardkugel hin- u.
hergerollt wird. Vielleicht soll dieses Pirouetten-Training das
Junge auf die späteren Ab- u. Anflugmanöver vorbereiten.
Albatrose sind wie riesige Transportflugzeuge. Sie brauchen eine
lange Landepiste und müssen vor dem Aufsetzen erst einmal mehrere
Runden drehen. Die flache Española-Insel kommt ihnen da bei
ihren umständlichen Landemanövern wie gelegen. Auch beim
Auffliegen haben sie ihre besonderen Schwierigkeiten. Für den
Start müssen sie meistens erst zu Fuß bis an den Rand
der Klippen watscheln um sich von dort “Hals-über-Kopf”
in die tragenden Aufwinde zu stürzen. Ganz verwegene Exemplare
rasen wie Überschallflugzeuge über die gesamte Länge
des nächstgelegenen Sandstrandes, um somit genügend Auftrieb
für den langen “Take Off” zu bekommen.
Der putzigste Seevogel ist sicherlich der Blaufußtölpel.
Der aufrechte stechende Blick, der herausforderne Schnabel und die
voneinander abstehenden himmelblauen Watschelfüße, geben
ihm unweigerlich den Aspekt eines “Cartoon-Matrosen”.
Er ist der häufigste Vertreter der fast überall auf Galápagos
verbreiteten Tölpel-Familie. Diese leben in großen Kolonien,
wo sie praktisch das ganze Jahr über beim Balzen und Brüten
beobachtet werden können.
Stellen sich die Blaufußtölpel an Land noch recht unbeholfen
an, so schwingen sie sich in der Luft hingegen zu wahren Schau-Akrobaten
herauf. Man kann häufig ihre kunstvollen Sturztauchmanöver
bewundern. Gefischt wird mit Vorliebe in kleinen “Jagdgeschwadern”
in Ufernähe. Dabei peilt der spitze Schnabel während des
Aufklärungsfluges immer auf die Wasseroberfläche. Ist
das schwimmende “Ziel” einmal erfaßt und präzise
angepeilt worden, stürzen sie wie Missile aus heiterem Himmel
darauf zu.
Bei der vergnüglichen Balz führt das Männchen seiner
Angebetenen und dem ehrenwerten kamerabewaffneten Publikum das sogenannte
“Skypointing” vor. Dabei werden Schnabel, Bürzel
und Flügelspitzen, wie Empfangsantennen in den Himmel gestreckt.
Elegante Walzerdrehungen, taktvolles Füße-Anheben und
verführerische Pfiffe, sollen das Weibchen dann endgültig
weichkriegen. Ist es von den Verlockungen des Männchens ganz
hingerissen, beginnt es heiser zu schnarren und stimmt bei dem sensationellen
Liebestanz mit ein. Bei den graziösen Tanzschritten starrt
sich das Brautpaar gegenseitig auf die unwiderstehlich blauen Füße.
Auch so zärtliche Aufmerksamkeiten wie geschenkte Zweige sind
unter ihnen keine Seltenheit. Weibchen und Männchen sind bei
dem außergewöhnlichen Liebesspiel relativ leicht voneinander
zu unterscheiden: Das Weibchen hat “weiche große”
Pupillen, das Männchen “gestochen kleine”!
Der ebenfalls weit verbreitete Maskentölpel ist etwas größer
als sein blaufüßiger Artverwandter und ganz leicht an
seiner schwarzen “Maske” und den dunklen Flügeldecken
zu erkennen. Die behäbigen Maskentölpel brüten nur
auf den Rändern der Felsklippen wo sie mit dem Aufwind starten
können. Im Gegensatz zu den Blaufußtölpeln fischen
sie viel weiter draußen auf See. Ihre Balzphase unterliegt
zeitlich gleichmässigen Intervallen, die von einer zur anderen
Insel unterschiedlich ausfallen können. Von den beiden geschlüpften
Jungen überlebt stets nur das erstgeborene, welches die gesamte
Sorgfalt und Pflege der Eltern erhält. Das andere wird einfach
verstoßen und seinem traurigen Schicksal überlassen!
Der dritte und kleinste im Tölpel-Bunde ist der für Besucher
selten zu beobachtende Rotfußtölpel. Er lebt nur auf
San Cristóbal, Genovesa, Wolf, Darwin, und ein paar winzigen
Satelliten-Eilanden vor der Floreana-Küste. Sein unverwechselbares
Markenzeichen sind die knallroten Watschelfüße. Als einziger
Tölpel baut er sein Nest über dem Boden in Büschen
und Bäumen. Die mit Abstand größte Brutkolonie dieser
akrobatischen Hochseefischer befindet sich auf Genovesa.
Dort leben inzwischen über 150.000 Paare!
Als die “Luftpiraten” schlechthin werden die auf San
Cristóbal, Seymour, Isabela, Genovesa und anderen Eilanden
beheimateten Binden- und Prachtfregattvögel bezeichnet. Ihre
Spezialität ist es anderen Seevögeln während des
Fluges die Beute zu entreißen. Die beeindruckende Flügelspannweite
von über zwei Metern kommt ihnen diesbezüglich sehr gelegen.
Dabei beträgt das Körpergewicht der Fregattvögel
nicht einmal drei Pfund. Man sollte meinen, daß sie dadurch
viel Zeit auf der Wasseroberfläche verbringen. Sie landen aber
vorsichtshalber fast nie auf dem Wasser, da ihr Gefieder im Gegensatz
zu allen anderen Seevögeln nicht wasserabweisend ist und bei
Nässe plump wird.
Zu den Statussymbolen eines jeden Fregattvogel-Männchens gehört
ein “enterhakengleicher” Schnabel und ein prachtvoller
scharlachroter Kehlsack. Voller Stolz blasen sie diesen während
der Balz bis auf die Größe eines Ballons auf um somit
irgendein Weibchen zutiefst zu erschüttern. Auch während
ihrer berüchtigten Raubausflüge ist der Kehlsack oft schon
wie eine Art Kriegsbemalung leicht aufgebläht über dem
Ozean kreisend zu beobachten.
Wer den einzigartigen, auf Galápagos endemischen Flugunfähigen
Kormoran aus nächster Nähe beobachten möchte, muß
sich schon zu den rauhen abgeschiedenen Lavaküsten der westlichen
Inseln Isabela oder Fernandina aufmachen. Dort leben die bodenständigen
Taucher-Vögel mit den kräftigen Schwimmflossen meist in
sehr kleinen Kolonien. Einige hundert sollen es immerhin sein.
Gewaltige Vulkanausbrüche, proteinhaltige Nahrung im Überfluß,
und das Ausbleiben jeglicher natürlicher Feinde, haben diesem
großen Vogel im Laufe der Evolution die Lust am Fliegen genommen.
Seine “gestutzten” Flügel haben völlig ihre
Funktion verloren und wirken wie eingezogene Paddel. Für Besucher
ist dies vielleicht ein etwas trauriger Anblick. Der Flugunfähige
Kormoran hingegen scheint die luftigen Höhen jedenfalls nicht
mehr zu vermissen.
Der endemische Galápagos-Pinguin gilt unter seinen Artgenossen
als der zweitkleinste der südlichen Hemisphäre. Dabei
befinden sich einige der auf Isabela und Fernandina lebenden Kolonien
sogar noch auf der nördlichen Halbkugel.
Versprengte Grüppchen der “befrackten” Wasservögel
können auch in der “Sullivan Bay” bei Bartolomé
oder am “Chinesenhut” beobachtet werden. Die Humboldtströmung
aus antarktischen Gefilden ermöglicht es diesem tropischen
Pinguin-Typ weit entfernt von seiner angestammten Kaltwasserzone
ein ungestörtes Dasein zu führen. Er ist der einzige nordische
Pinguin. Sein nächstliegender Verwandter ist der Humboldt-Pinguin,
der an den Küsten von Perú und Chile lebt.
Es ist völlig aussichtslos einem Pinguin hinterher tauchen
zu wollen, wenn er wie ein Torpedo herausfordernd an den schnorchelnden
Touristen vorbeizischt. Die tölpelhaften Landgänger können
unter Wasser Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern erreichen.
Beim gemeinsamen Aufziehen ihrer Jungen erwecken sie an den felsigen
Ufern hingegen eher den Eindruck ihre schwimmende Eisscholle zu
vermissen. Die einst emigrierten Vögel verbringen übrigens
viel Zeit damit sehnsüchtig aufs offene Meer hinaus zu blicken.
Obwohl der Braune Pelikan im Vergleich mit seinen sieben anderen
Artgenossen am kleinsten ausfällt, ist er auf Galápagos
immernoch einer der größten Seevögel. In der Regel
brütet er auf Mangroven und anderen Büschen in direkter
Nähe zum Ufer. Selbst wenn der ausdauernde Stoßtaucher
auf dem Archipel nicht endemisch ist, d. h. somit eigentlich auch
nichts besonderes darstellt, würde seine Abwesenheit an Anlegestegen,
auf Beibooten und Reelingen, tiefste Betroffenheit auslösen.
Pelikane gehören zu Galápagos wie Pinguine in die Antarktis!
Flügge werdende Jungvögel können daran zu Grunde
gehen, daß es sehr schwierig ist die hohe Kunst der Pelikan-Fischjagd
zu erlernen. Die ständige, mitunter erfolglose Sturztaucherei,
ist nicht jedermanns Sache. Haben die jungen Pelikane erst einmal
ein bestimmtes Alter erreicht, werden sie von den Alten diesbezüglich
im Stich gelassen. Nahrung gäbe es ja eigentlich mehr als genug.
Trotz ihres glattgestriegelten graugetönten Federkleides, ist
die gewöhnliche Gabelschwanzmöwe einer der attraktivsten
Seevögel im Archipel. Die weiße Brust, der dreifarbige
Schnabel, sowie die roten Füße und roten Augenringe auf
dem schwarzem Kopfkleid, verleihen diesem nachtaktiven Fischjäger
eine elegante Ausstrahlung. Zum Speiseplan der Möwen gehören
auch leckere Tintenfische, die sie sich nach Einbruch der Dunkelheit
direkt unter der Wasseroberfläche schnappen.
Um der Verfolgung der Fregattvögel zu entgehen, füttern
sie zu noch späterer Stunde auch ihre Jungen. Zahlreiche Exemplare
der ganzjährig brütenden Vögel sind an vielen Besucherstandorten
der Inseln anzutreffen.
Von der artverwandten Lavamöve soll es hingegen (weltweit)
nur noch wenige hundert Exemplare geben. Sie ist selbst für
Galápagos-Langzeiturlauber ein sehr seltener Anblick.
Der schöne Rotschnäblige Tropicvogel ist während
des Fluges relativ leicht an seinem langen feinen Federschweif auszumachen.
Er jagt weit draußen auf offener See, wobei er aus großer
Höhe wie ein Pfeil tief unter die Wasseroberfläche eintaucht.
Lose Brutkolonien dieser Vögel findet man das ganze Jahr über
auf den meisten Inseln. Lediglich auf Plaza Sur dauert die Brutperiode
nur von August bis Februar.
Andere Seevögel, auf die der Naturführer die Besucher
im Laufe einer Kreuzfahrt mit Sicherheit hinweisen wird, könnten
die sogenannten Madeira-Wellenläufer, die Audubon-Sturmtaucher,
oder auch die Noddy-Seeschwalben sein. Andererseits könnte
sich beim Touristen bereits nach wenigen Tagen auch eine Art “Vogel-Stress”
einstellen, d. h. er wird womöglich damit anfangen auf die
zahlreichen Heerscharen von Piepmätzen zu pfeifen!
Neben den allgegenwärtigen Seevögeln leben auf den Inseln
auch eine Vielzahl von Watvögeln. Diese gefiederte Großfamilie
bezieht ihre Nahrung aus Mangrovenwäldern, küstennahen
Salzwasserlagunen, und von umspülten Strandufern.
Der “Star” unter den Galápagos-Watvögeln
ist der pastellrosafarbige Flamingo. Er ist mit Abstand der scheueste
Vogel auf dem Archipel und lebt zurückgezogen in den Salzwasserlagunen
von Isabela, Floreana, Santiago, Santa Cruz und anderen Inseln.
Da er auf der Suche nach proteinhaltigen Shrimps oft von Lagune
zu Lagune fliegt, ist er somit nicht immer an allen “Flamingo-Seen”
anzutreffen. Die über tausend, auf kleine Kolonien verteilten
Galápagos-Flamingos, stammen ursprünglich von den Westindischen
Inseln.
Ebenfalls zu den Watvögeln des Archipels zählen der Amerikanische
Austernfischer, die Bahama-Ente, der krummschnabelige Regenbrachvogel,
sowie fünf Reiherarten: Der einzig endemische und gut getarnte
Lavareiher, der weit verbreitete Amerikanische Graureiher, der auf
Galápagos relativ seltene Silberreiher, der nachtaktive Krabbenreiher,
und der im Bergland von Santa Cruz beheimatete Kuhreiher. Auf die
vielen Zugvögel, die das Archipel während der kalten Wintermonate
auf der Nordhalbkugel als Quartier aufsuchen, soll hier an dieser
Stelle nicht eingegangen werden.
Zu den auffälligsten Landvögeln gehört der Galápagos-Bussard,
dem einzigen Raubvogel des Archipels. Er lebt in praktisch allen
Vegetationszonen und ähnelt in etwa dem Mäusebussard.
Seine Beutetiere sind Tauben, Finken, Ratten, Eidechsen, Schlangen,
sowie kleine Leguane und “Mariguanas”. Auch wenn die
Bussarde bei ihrem hohen Flugvermögen mit Leichtigkeit alle
Inseln erreichen könnten, sind die etwas über 200 Brutpaare
seltsamerweise “nur” auf zehn Eilanden vertreten. Da
der Halcón überhaupt keine Scheu vor dem Menschen zeigt,
ist er des öfteren direkt neben den Touristenpfaden anzutreffen
- am häufigsten mitunter auf Santa Fé, Santiago, Española,
Isabela und Fernandina. Auf den bewohnten Inseln wurde er jedoch
fast völlig ausgerottet.
Das Bussard-Weibchen brütet in der Regel 2 - 3 Eier in Baumnestern
aus. Auch wenn das ganze Jahr über Brutpaare beobachtet werden
können, ist der eigentliche Höhepunkt der Fortpflanzungsperiode
zwischen Mai und Juli erreicht ist.
Keine andere Tierart auf den Galápagos-Inseln hat soviel
zum Verständnis der Evolutions-Theorie beigetragen wie die
Darwinfinken. Die 13 endemischen Finkenarten - mit einer weiteren
Art auf der 425 Seemeilen nordöstlich von Galapagos gelegenen
Kokos-Insel sind es sogar 14 - sehen sich farblich und physisch
alle recht ähnlich. Sie unterscheiden sich aber ganz deutlich
durch ihre Schnabelform. Diese ist widerum den jeweiligen Nahrungsquellen
optimal angepasst. Der Schnabel dient den kleinen Vögeln dabei
als zweckmässiges Werkzeug. So ernten die Kleinen und Großen
Grundfinken mit ihren zermalmenden Nußknacher-Schnäbeln
mittelweiche bis harte Samen. Der Große Baumfink oder auch
Papageienschnabel-Darwinfink hat dagegen einen kräftigen scharfen
Schnabel, den er wie ein Metallschneidegerät verwendet. Er
kann damit selbst große Insekten unter Baumrinden erbeuten.
Der Waldsängerfink pickt die Insekten stattdessen wie mit der
Pinzette von den Blättern, während der Kaktusfink seinen
langen kräftigen Schnabel wie eine Drahtzange benutzt.
Die Darwinfinken stammen alle von einer ursprünglichen Art
ab, die einst vom Festland auf das Archipel gelangte. Dieser “Galápagos-Urfink”
bewohnte einen konkurrenzlos freien Lebensraum. Dadurch konnte er
sich anfangs ungehindert auf allen Inseln ausbreiten. Mit der ständig
wachsenden Finken-Population setzte dann auch der Konkurrenzkampf
um das “tägliche Brot” ein. Um den Druck der gleichgearteten
Konkurrenz auszuschalten, begannen die Finken allmählich mit
ihrer Spezialisierung bei der Nahrungsbeschaffung.
Diese evolutionären Vorgänge sind allerdings nicht ganz
so einfach verlaufen wie hier dargestellt. Auf den Inseln wo es
z. B. an Konkurrenten mangelt, ist die Schnabelform nicht so charakteristisch
ausgebildet wie an anderen Orten, wo gleich mehrere Arten nebeneinander
leben. So findet sich der Mangrovenfink nur auf Isabela und Fernandina
wieder, während es auf diesen beiden Inseln aber noch zehn
andere Finkenarten gibt, die gleichzeitig auf vielen Galápagos-Eilanden
beheimatet sind. Gleiches geschieht mit dem Mittleren Baumfink auf
Floreana, wo außer dem Kaktus- u. Mangrovenfink praktisch
alle Arten vertreten sind. Auf den Inseln selbst sind widerum auf
gleichem Raum mannigfaltige “Fink-Nischen” entstanden.
Dies schafft ein kompliziertes Evolutionsgefüge, an dessen
Aufklärung so mancher Forscher bereits sein halbes Leben verbracht
hat. Wer genaustens über die Darwinschen Finken und deren Schnäbel
Bescheid wissen möchte, sollte sich das 1986 von der “Princetown
University Press” herausgegebene Werk Ecology and Evolution
of Darwin’s Finches besorgen!
Im Falle der Galápagos-Spottdrossel haben Untersuchungen
an Schnäbeln, Flügeln und Beinen ergeben, daß diese
“Lachvögel” auf den größeren Inseln
jenen auf dem ekuad. Festland sehr ähnlich sind, und daß
sich diejenigen auf den äußeren Inseln am meisten davon
unterscheiden. Die am stärksten abweichende Art lebt auf der
südöstlichsten Española-Insel. Dies hängt
direkt mit den vorherrschend stärkeren Winden zusammen, die
eine weitgehende Isolation Españolas von den zentralen windstillen
Inseln des Archipels ermöglichten.
Andere auf Galápagos anzutreffende Landvögel sind die
Zwergrallen in den feuchten Berglandregionen, die Schleier- und
Sumpfohreulen (z. B. auf Santa Cruz), sowie die in Trockenregionen
lebende endemische Galápagos-Taube mit ihrem hübschen
blauen Augenkranz.
Meerestiere sind mitunter das Spektakulärste, was es bei einem
Galápagos-Besuch zu bewundern gibt. Aufgrund des Zusammenspiels
verschiedener Meeresströmungen hat das Archipel mit einer unglaublichen
Vielfalt an submarinem Leben aufzuwarten, daß sowohl ausgesprochen
tropische wie auch typisch antarktische Spezies manchmal auf einem
einzigen Revier zu vereinen weiß. Von den über 300 Fischarten
sind allein 50 endemisch!
Einem jeden Schnorchler und “Diver” sträuben sich
die Nackenhaare, wenn er bei der “Teufelskrone”, bei
Bartolomé, in der Bucht von Santa Fé, oder auch schon
ganz in der Nähe von Puerto Ayora, zum erstenmal in seinem
Leben auf eine Gruppe Weißspitzenhaie stößt. Die
filmreifen, jedoch völlig ungefährlichen Beißerchen
gehören mit ihren Barteln zur Familie der Ammenhaie. Ebenso
häufig anzutreffen sind Hammerhaie, von denen manchmal gleich
20 o. 30 Stück unverhofft auftauchen können. In den nördlichen
Gewässern des Archipels (Isla Wolf) sind sogar Schulen von
bis zu 500 Exemplaren kein seltener Anblick. Auch der endemische
Galápagos-Hai ist relativ häufig zu beobachten, wogegen
man Schwarzspitz- u.
Silberspitzhaie nicht sehr oft zu Gesicht bekommt.
Alle diese Haifische sind für den Menschen harmlos. Da sie
im Archipel ausreichend Nahrung finden, interessieren sie sich weder
für Taucher noch für Beiboote. Man kann sich somit recht
nahe an sie heranwagen. Die berüchtigten Tigerhaie, die an
anderen tropischen Küsten der Weltmeere Angst und Schrecken
verbreiten können, sind in den Galápagos-Gewässern
so gut wie nie zu sehen. Sie tummeln sich am liebsten weit draußen
im offenen Meer.
Die majestätisch dahingleitenden, futuristisch anmutenden Rochen,
sind für viele Unterwassersportler die Krönung eines jeden
Tauchgangs. Es gibt Manta-, Adler-, Kuhnasen- u. Stachelrochen.
Erstgenannte können eine Spannweite von bis zu fünf Metern
erreichen. Letztere tummeln sich gerne in seichten Strandgewässern
und haben unter barfüßigen Besuchern schon so manch böse
Verletzung durch unachtsames Drauftreten herbeigeführt. Ein
relativ leicht erreichbarer Ort um Rochen aus allernächster
Nähe zu beobachten ist die Mangrovenbucht “Caleta Tortuga
Negra” an der Nordküste von Santa Cruz.
Meeresschildkröten können an vielen Stellen und in vielen
Buchten angetroffen werden. Die “Caleta Tortuga Negra”
gilt als ideal um die Tiere auch tagsüber vom Beiboot aus zu
beobachten. Während der Paarungszeit zwischen Dezember und
April kommen sie nach Einbruch der Dunkelheit an die Sandstrände
von Santa Cruz, Floreana, Bartolomé und andere Inseln, um
dort ihre Eier in einer selbstgebuddelten Kuhle in den flachen Dünen
abzulegen. Dieser anstrengende Vorgang nimmt oft die halbe Nacht
in Anspruch. Im Anschluß daran suchen die Tiere sofort wieder
das Weite des Meeres auf und vergessen ihre Nachkommenschaft für
immer und ewig. Die Schleifspuren der bis zu 300 Pfund schweren
Panzertiere sind nach der Eiablage meist noch wochenlang im Sand
zu sehen. Da die Strände aber für Besucher nach 18 Uhr
gesperrt sind, bleibt einem jeden zumindest dieses Schauspiel vorenthalten.
Nachdem die jungen Schildkröten aus der halbvergrabenen Eierschale
ausgebrochen sind, versuchen sie so schnell wie möglich das
kühlende Wasser zu erreichen. Nur ein ganz geringer Prozentsatz
der in die Brandung gehetzten Tolpatsche hat bei diesem Spießrutenlauf
eine Chance überhaupt nur die ersten Daseinsminuten zu überleben.
In der Luft lauern bereits die gierigen Seevögel über
der wehrlosen Beute, und im Wasser freuen sich später dann
die gefräßigen Haie auf eine abwechslungsreiche Zwischenmahlzeit.
Von der gnadenlosen Überlebenslotterie werden Besucher nichts
mitbekommen. Die Mitglieder der “Charles Darwin Station”
versuchen in dieser Zeit ihr möglichstes um die Meeresschildkröten-Strände
von Touristen freizuhalten und die fliehenden Jungen einzusammeln.
In der Aufzuchtstation haben sie die allerbesten Überlebenschancen.
Wenn sie dann herangewachsen sind, werden sie wieder den Elementen
überlassen.
Tauchtouristen haben von unglaublichen Begegnungen mit ausgewachsenen
Meeresschildkröten berichtet, vor allem während der Paarungszeit
im Dezember / Januar. Dabei kann es schon mal vorkommen, daß
ein Weibchen versucht einen diver in zärtlicher Verzückung
zu umarmen!
Die Roten Klippenkrabben (“Sally Lightfoot Crab”) stechen
beim Anlegen an die schwarzen Basaltlava-Küsten sofort ins
Auge. Sie leben meist in großen lockeren Verbänden in
den Gezeitenzonen fast aller Inseln. Um nicht in frühester
Jugend den Reihern zum Opfer zu fallen, sind sie anfänglich
noch eintönig schwarz gefärbt.
Eingewanderte und eingeschleppte Tiere
Die auf Galápagos lebenden endemischen Tiere gelangten während
der letzten drei Millionen Jahre auf “eigene Faust”
an die Küsten des Archipels. Sie kamen vom Festland geflogen
und geschwommen, oder wurden von Winden und Wasserströmungen
herübergetragen. So z. B. die Leguane, die sich während
der unfreiwilligen Überfahrt vermutlich an umgestürzten
abgedrifteten Kokospalmen und anderen Treibhölzern festkrallten,
nachdem sie auf der Suche nach Früchten von einer Sturmflut
oder einem sintflutartigen Regen überrascht worden waren. Auf
die gleiche Weise setzten wohl auch kleinere Vögel zu den Inseln
über, während sich die Seelöwen bei einer ausdauernden
Verfolgungsjagd auf einen Fischschwarm vielleicht gezwungen sahen
gleich sämtliche Langstreckenrekorde zu brechen. Eine besonders
starke Humboldtströmung könnte hierbei eine entscheidende
Rolle gespielt haben. Doch die gewaltige Entfernung musste für
die meisten der transozeanischen Artgenossen den sicheren Tod bedeuten.
Den wenigen Gestrandeten der kräfteraubenden Odysee ließen
die vorherrschenden Umweltbedingungen auf den feuerspeihenden Vulkaninseln
zudem kaum eine Überlebenschance.
Die “Besiedlung” des Archipels nahm jedoch seinen gottgegebenen
Gang. Allmählich entwickelte sich unter den “Verbannten”
ein natürliches Gleichgewicht heraus, daß schließlich
zur Bildung von harmonischen Schicksalsgemeinschaften führte.
Denn Feinde oder Konkurrenzverhalten kannten diese emigrierten Tiere
so gut wie nicht.
Mit der Landung der ersten Seefahrer vor etwa 400 Jahren begann
dieses neugeschaffene “Arche Noah” - Gleichgewicht langsam
ins Wanken zu geraten. Mäuse und Ratten waren die ersten, die
die modrigen Frachträume der ankernden Segelschiffe verließen.
Ihnen folgten eingeführte Haustiere wie Kühe, Pferde,
Esel, Ziegen, Schweine, Hunde und Katzen, welche nach so manch gescheitertem
Besiedlungsversuch zurückgelassen wurden oder ins Hinterland
flohen. Durch die relativ schnelle Verbreitung der “Aliens”
blieb den heimischen Tieren und Pflanzen keine Zeit ein wirksames
Verteidigungssystem gegen die unerwarteten Feinde und Konkurrenten
zu schaffen.
Die neu entstandenen populationsstarken Fremdgemeinschaften haben
inzwischen weite Teile des Inselreiches invadiert. Für ihre
verheerenden Auswirkungen auf das empfindliche Naturgefüge
gibt es mehr als genug Beispiele:
Auf Santiago buddeln verwilderte Schweine die frischgelegten Eier
der Meeresschildkröten aus.
Auf Isabela fressen marodende Ziegenhorden die gesamte Vegetation
kahl und damit auch die für Landschildkröten lebenswichtigen
Nahrungspflanzen. Dies hat mittlerweile auch zum Aussterben von
endemischer Flora und stark fortschreitender Bodenerosion geführt.
Die vernichtende Zahl der wilden Isabela-Ziegen wird heute auf über
100.000 geschätzt!
Zudem werden die angestammten Wasserstellen der urzeitlichen Riesenschildkröten
manchmal von versprengten Eselsgruppen besetzt gehalten.
Auf allen bewohnten Inseln zertrampeln Kühe und Pferde die
seltenen Farne und Büsche, vertreiben die heimische Tierwelt,
und lassen wie im Hochland von Santa Cruz einen zerstörten
Pampa-Boden zurück.
Ebenfalls auf Santa Cruz wurde Ende der 70-ziger Jahre die einzig
existierende Landleguan-Kolonie von einer Meute vagabundierender
Hunde überfallen. Bei dem Massaker blieben etwa 500 zerfetzte
Iguanas auf der Strecke.
Katzen fressen in den Trockenzonen nicht nur die kleinen Vogel-
und Reptilieneier, sondern halten andererseits auch die eingeschleppten
Ratten unter Kontrolle - ihre direkten Konkurrenten beim Eierdiebstahl!
Als jüngster unerwünschter Besucher machte sich inzwischen
auf zwei der Inseln die besonders aggressive, “katzenvertilgende”
Norwegische Ratte breit!
Ein anderes Beispiel sind die vor zwei Jahrzehnten mit einer Lebensmittelfracht
eingeschleppten Feuerameisen. Sie verdrängen nicht nur die
endemischen “Wirbellosen”, sondern haben auch schon
mal junge Riesenschildkröten auf der “Charles Darwin
Station” angegriffen. Als die fleißigen Biester dann
auf der Wissenschaftler-Insel Pinzón entdeckt wurden, setzte
man sogar Insektizide ein und brandrodete ihren gesamten zwei Hektar
großen Lebensraum. Zwecklos!
Versehentlich wie absichtlich eingeführte Tiere stellen für
die Inseln wahrscheinlich heute das größte Umweltproblem
dar. Nur zwei der vierzehn Hauptinseln sind nachwievor frei von
Fremdlingen. Es scheint, daß Galápagos auch in weiterer
Zukunft mit den vielen Aliens leben muß. Schnelle zweckmässige
Lösungen hat niemand parat. An organisierte Treibjagd-Safaris
zur Ausrottung der Isabela-Ziegen wurde dabei immer zuerst gedacht.
Diese aus frustrierten Großwildjägern und schießwütigen
Touristen zusammengewürfelten Jagdtrupps würden jedoch
wenig Sinn machen. Die kletterfreudigen Ziegen ließen den
Weidmännern in dem zähen stacheligen Dickicht über
dem zerklüfteten Lavaboden kaum eine Chance. Aufgestellte Fallen
und vergiftete Wasserstellen würden nur der endemischen Tierwelt
schaden. Auch die Verlegung von kilometerlangen Zäunen wäre
zu unästhetisch, zu teuer, und zudem völlig unwirksam
bei den kleinen Aliens.
Trotzdem hält die “Charles Darwin Station” die
Ausmerzung der Isabela-Ziegen für möglich. Dafür
spricht eigentlich auch ihre Erfolgsbilanz der letzten Jahre. Auf
sechs kleineren Inseln ist die Ausrottung der “Vegetationszerstörer”
gelungen.
Selbst der schwierigen Rattenplage wurde man auf einigen Eilanden
inzwischen Herr. Eine alljährlich auf Floreana durchgeführte
Katzen- u. Ratten- Vernichtungsaktion im Bereich der Wellenläufer-Brutplätze
zeigt heute erste erfreuliche Resultate. Allein für das Isabela-Problem
werden jedoch mindestens fünf Millionen US-Dollar benötigt.
Kein Pappenstiel wenn man auf Spenden angewiesen ist! Die bisherigen
Zuweisungen reichen lange nicht mehr aus. Die nationale Parkverwaltung,
und die unermüdlichen Wissenschaftler der “Charles Darwin
Station”, sind heute nämlich ganz anderen Herausforderungen
gegenübergestellt als noch vor wenigen Jahren.
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