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Volker Feser

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Die Flora

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“Alle Pflanzen haben ein miserables Aussehen, und ich habe nicht eine schöne Blume gesehen!” beklagte sich einst Charles Darwin über die karge Vegetation des Archipels. Im Gegensatz zum ekuadorianischen Festland erweist sich die Galápagos-Pflanzenwelt als stiefmütterlich und spröde. Manch eine der ansonsten bezaubernden Eilande erinnert während der kühlen Trockenzeit von Juni bis Dezember an eine marokkanische Dornbuschwüste. Tropisches Paradies weit gefehlt! Es sind daher nicht allzu viele Pflanzen, die dem Besucher bei einer organisierten Insel-Kreuzfahrt gleich ins Auge fallen könnten. Fast die Hälfte von ihnen sind endemisch, d. h. sie weisen auf eine isolierte und völlig eigenständige Entwicklung hin. Insgesamt gibt es über 700 heimische Pflanzenarten und Unterarten. Verglichen mit den etwa 20.000 Festlandarten Ekuadors, ist dies jedoch nichts weiter als ein verwahrloster Schrebergarten!

Mit zunehmender Besiedlung gelangten vom Festland her auch viele nicht heimische Pflanzen auf die “Arche Noah” - Inseln: Feldfrüchte, Fruchtstauden, Zier- u. Medizinalpflanzen, sowie Bäume zur schnellen Holzgewinnung. Unabsichtlich wurden dabei vielfach andere Gewächse mit eingeführt. Meist versehentlich im Gepäck versteckte Samen und Keime haben zum gegenwärtigen Auftreten von über 500 verschiedenen Fremdpflanzen beigetragen. Dieser Umstand wirkt sich heute sehr nachhaltig auf die angestammte endemische Pflanzen- u. Tierwelt aus, und stellt auf einigen der Inseln sogar eine ernsthafte Gefährdung des spezifisch ökologischen Gleichgewichts dar. Die heimischen Pflanzen sind den meist aggressiven “Aliens” nicht gewachsen. Sie ziehen im täglichen Kampf um Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffe, vielfach den kürzeren.

Bereits vor Jahrzehnten auf Santa Cruz und San Cristóbal eingeführte Chinarindenbäume (“Chinin”) verdrängen inzwischen die endemisch einzigartige “Miconia”-Vegetation in Höhenlagen über 500m. Guavenbäume breiten sich auf vier der unbewohnten Inseln immer rascher zu ganzen Wäldern aus. Andere Fremdpflanzen, wie die 1938 auf Floreana eingeführte Zierblume Lantana, überwuchert heute teilweise die dortigen Brutplätze von Madeira-Wellenläufern. Die monogamen, vom Aussterben bedrohten Vögel, benutzen ein ganzes Leben lang die gleiche Nisthöhle. Ist diese aus irgendeinem Grunde verschüttet, graben sie an der gleichen Stelle eine neue “Wohnstube”. Wenn sie den angestammten Brutplatz nicht mehr ausfindig machen können, werden sie “heimatlos” und gehen ein! Einmal auf Floreana angelangt, wurden die Lantana-Samen widerum durch Darwinfinken und eingeschleppte Ratten auf der Insel verbreitet.

Die Flora von Galápagos wird in fünf bis sieben unterschiedliche, in erster Linie von den Höhenlagen abhängige Vegetationszonen unterteilt: Die Salzwasser-resistenten Pflanzen im direkten Küstenbereich (bis zu 20 Höhenmeter), die nur zur Regenzeit grün wuchernde Buschlandschaft der Trockenzone (bis über 100m), die teils neblig-feuchte Übergangsszone (150-300m), die ganzjährig grüne und regnerische Scalesia-Urwaldzone (250-600m), die Miconia-Gestrüppzone auf Santa Cruz und San Cristóbal (bis über 700m), sowie die windige Pampa-Graszone in den höchsten Insellagen. Dabei haben die meisten Galápagos-Besucher jedoch recht wenig Gelegenheit die Bergregionen im Innern der Inseln zu erkunden. Bei organisierten Bootstouren bleiben die Anlegestellen in der Hauptsache auf Besucherstandorte in den küstennahen Vegetationszonen beschränkt.



Im direkten Küstenbereich: Mit zu den auffälligsten Exponenten der auf Galápagos verbreiteten Flora gehören für Besucher oftmals zuerst die grünen Mangrovenwälder in flachen Küstengebieten. Alle der vier in Ecuador vorkommenden Arten dieser dichten Atem- u. Stelzwurzelgeflechte säumen auf Santa Cruz, Isabela, Fernadina, San Cristóbal und vielen anderen Inseln des Archipels, meist gezeitenabhängige Stranduferzonen. Dazu gehört die Schwarze Mangrove (Mangle Negro o. Jeli de Tierra) mit ihren gelb-braunen asymetrischen Früchten, die rötlichen Zweige und fleischigen Blätter der Roten Mangrove (Mangle Rojo), die an der Blattunterseite gepunktete Weiße Mangrove (Mangle Blanco o. Amarillo), und die kleinblättrige Knopfmangrove (Mangle Prieta o. Jeli de Agua).

Weitere typische Pflanzen der nahen Küstenregion sind im Spritzwasserbereich der Salzbusch (Monte Salado) mit seinen langen herunterhängenden Blättern und den gelbgrünen Blüten, die dichten niedrigen Matten der Sonnenwende, die schlanken dornigen Zweige des Kleinen Bockshorn mit seinen keulenförmigen Blättern, sowie die ebenso flachwüchsigen Strandwinde und Strandhafer.

Besonders beeindruckend sind die sich wunderbar rot verfärbenden Korallenbuschgeflechte auf der steinigen Plaza-Insel (auch “Hauswurz” o. Sesuvium genannt). Diese sukkulente Pflanze bildet geradezu “nordisch” anmutende “Teppichmatten”, die je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich prachtvolle Farbtöne aufweisen können.

Die küstennahe Trockenzone: In den wasser- und humusarmen Küstenbereichen der Inseln existiert eine ganze Reihe von Pflanzen, die sich im Laufe der Evolution den alljährlich auftretenden Trockenperioden erfolgreich widersetzen konnten.

Dank weitverzweigter Oberflächenwurzeln können diese Pflanzen in der Regenzeit viel Wasser aufnehmen und dieses in Stamm und Ästen für die Trockenmonate von Juni bis Ende Dezember speichern. Während dieser spröden Zeit verliert das flache Wurzel-System seine Bedeutung.

Zu einer Art “Wahrzeichen” von Galápagos sind dabei die mächtigen Opuntia-Baumkakteen herangewachsen. Sie haben sich den vorgegebenen Umweltbedingungen auf einzigartige Weise angepasst. Es gibt sechs endemische Arten dieser bis zu 9m hohen Feigen- oder Opuntienkakteen. Die Kaktuspolster sind wie verdrehte “Parabolantennen” den Sonnenstrahlen zugewandt. Ihre spitzen schattenlosen Stacheln schützen das Fleisch vor gefrässigen eierlegenden “Räubern”. Die braune, mit glattem Wachs bedeckte Baumrinde, läßt nicht nur die kletterfreudigen Leguane “abblitzen”, sondern reduziert auch unnötig verdampfendes “Körperwasser” durch Winde und starke äquatoriale UV-Strahlung auf ein Minimum. Ein für Kakteen überlebenswichtiger Bestandteil zur Photosynthese!

Die selteneren, bis zu 6m hohen Säulen- o. Kandelaberkakteen (Cactus Esbelto), bestehen hingegen nur aus einer endemischen, inzwischen jedoch “evolutionsmässig” aufgespaltenen Art. Sie sind besonders leicht bei einem Spaziergang im Lagunenbereich um Puerto Villamil auf Isabela zu entdecken.

Nur als “erotische” Laune der Natur kann der auf nacktem Lavafels gedeihende Lava-Kaktus (Cactus de Lava) verstanden werden. Er tritt in der Regel in “erektierenden” Gruppen auf, und ist z. B. in der mondartigen Vulkanlandschaft von Bartolomé zu bestaunen.

Der häufigste Vertreter der Trockenzone ist jedoch der Palo Santo - Baum oder auch “Heilige Stock”, welcher in den nahen Küstenbereichen oft ganze Wälder bildet, und dessen aromatisches Harz sehr stark nach Weihrauch duftet. Mit seiner glatten glänzenden Rinde ist der Palo Santo den Weißgummi- oder Balsambäumen zuzuordnen. Während er in den trockensten Monaten kein einziges Blatt trägt, hüllt er sich zur Regenzeit in ein hellgrünes Gewand ein.



Weitere typische, teils endemische Pflanzenarten im nahen Küstenbereich, sind der kleine Muyuyo-Baum mit seinen gelben Blüten (“Gelbe Cordie”), der giftige Manzanillo-Baum, der Flecken verursachende Chalá-Busch, die parasitäre Galápagos-Seide, der widerspenstige Burzeldorn (“Cacho de Chivo”), der knotig dürre Schicksalsbaum, das weißköpfige Papageienblatt, das Gestieltblütige Wandelröschen, die Spitzblättrige Parkinsonie auf der Baltra-Insel (“Uña de Gato”), die stachligen Algarrobo-Akazien bei der Tagus Cove auf Isabela, Peruanische Melden an der “Suárez” - Landzunge auf Española, graubärtige Coldenien und “Bonsai”-Baumsonnenblumen auf Bartolomé, sowie ein fast blattloses undurchdringliches Dornengestrüpp namens Scutia Pauciflora Rhamnaceae. Wer in das endemische Natur-Bollwerk einmal versehentlich hineinstolpern sollte, hat dann rein “evolutionsmässig” betrachtet für längere Zeit nichts mehr zu lachen!

Die sich verführerisch ausbreitende Galápagos-Passionsblume, eine ursprünglich eingeführte, stark behaarte Kletterpflanze mit eßbaren Früchten, gilt im Gegensatz zur endemischen Galápagos-Tomate (“Tomatillo”) als Schädling, da sie den heimischen Wildgewächsen das Sonnenlicht blockiert.

An den Hängen: In feuchteren Höhenlagen von 150 bis 300m stechen neben Korallenbäumen, Bartgeflechten und Lebermoosen, vor allem an Bäumen schmarotzende Epiphyten ins Auge. In dieser Übergangszone nimmt die Niederschlagshäufigkeit im Gegensatz zum trockenen Küstenbereich zu. Dadurch verändert sich natürlich auch zusehends die Pflanzenwelt. Diese sogenannte “Transitionszone” ist für den Laien jedoch kaum von der höher gelegenen “Scalesia-Zone” zu unterscheiden.

In hügeligen und regnerischen Lagen von über 200 bis hin zu 600 Höhenmetern herrschen vernebelte, von Bromelien und Farnen umrankte Scalesia-Wälder vor (“Baumsonnenblumen”). Es gibt auf Galápagos insgesamt 15 endemische Baum- und Buscharten dieser Korbblütler. Manche von ihnen - allerdings sehr kleinwüchsige - sind auch in der Küstenregion anzutreffen.
Da die hochgelegene “Scalesien-Zone” die fruchtbarsten Böden des Archipels aufzuweisen hat, wurde sie bisher leider auch intensiv für die Landwirtschaft genutzt. Dies wird besonders auf San Cristóbal und Santa Cruz deutlich, wo weite Teile dieses Waldgebietes bereits auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind. Dies beinträchtigt auch zunehmend andere Bewohner des Nationalparks. Während der Trockenzeit emigrieren die nahrungssuchenden Riesenschildkröten in das immergrüne, durch ständiges Vogelgezwitscher unverkennbare Urwaldgebiet.

Nur in diesen höheren Lagen von Galápagos hat sich eine dem Festland ähnelnde tropische Pflanzenwelt entwickelt. So unterscheidet sich der dort lebende kleine Rote Fliegenschnapper, auch unter dem zauberhaften Namen “Rubintyrann” bekannt, kaum von seinen flatternden Festlandverwandten.

An den Südhängen der Inseln liegen sowohl die Transitionszonen als auch die Scalesia-Zonen aufgrund der vorherrschenden Winde und stärkeren Wolkenbildung viel niedriger als an den Regenschattenseiten der Nordhänge. Die Fahrt vom Flughafen über die gewellten Höhenrücken nach Puerto Ayora, quer durch die Santa Cruz - Insel hindurch, verschafft dem Besucher einen flüchtigen Eindruck von diesen wenig besuchten Vegetationszonen des Archipels.

Im Bergland: Über der Waldregion beginnt in Höhenlagen von über 500 Metern die Pampa-gleiche Bergregion. Meterhohe Miconia-Büsche, vereinzelte Baumfarne, sowie flächendeckende Sumpf- u. Elefantengräser, kennzeichnen diese regenreiche Grünzone vor allem auf San Cristóbal und Santa Cruz. Auf Isabela erreicht das zähe Dickicht sogar die Kraterränder der bis zu 1.700m hohen Vulkanriesen.

Kurioserweise hat das tropisch-subtropische Bergland mehr endemische Pflanzen- u. Tierarten aufzuweisen, als die küstennahe Trocken- u. Spritzwasserzone zusammen. Der Lebensraum von zwei ganz seltenen Vogelarten, der Galápagos-Zwergralle und der buntgeschnäbelten Schnarre, ist z. B. nur auf diese Pampa-Zone beschränkt.

 

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