|
Elend und fröhlich, tropisch und quirlig. Das häßliche
Entlein Ekuadors!
Als der spanische Seefahrer und “äquatoriale” Vorbote
Pizarros, Bartolomé Ruiz, am 21. September 1526 als erster
Europäer in der Bucht von Esmeraldas landete, nannte er diese
Bahía de San Mateo, in Übereinstimmung mit dem Namenstag
des heiligen Matthäus. Wenig später erhielt dieser Küstenabschnitt
bereits den Übernamen “Esmeraldas”, da die dortigen
Bewohner beim Anblick der Invasoren, außer Goldschmuck angeblich
auch jene brilliantgrünen Edelsteine um den Hals trugen. “Smaragde”
wurden in dieser Region aber niemals vorgefunden. Deren Abbau ist
bis auf den heutigen Tag auf kolumbianisches Territorium beschränkt
geblieben. Die ehemaligen Küstenbewohner hatten die begehrten
Edelsteine lediglich durch einen regen Tauschhandel mit den Nachbarstämmen
des Nordens erworben.
Nichtsdestotrotz wurde der geheimnisvoll klingende Name der immensen
Grünfärbung des Ozeanes und des dahinterliegenden Dschungeldickichts
vollauf gerecht. Esmeraldas gilt auch heute noch als die grüne
Provinz Ekuadors, selbst wenn die gleichnamige Provinzhauptstadt,
und deren heruntergekommene Strandpromenade, dem in keinster Weise
mehr gerecht werden.
Die schwüle Hafenstadt mit den wohl drückendsten Temperaturen
des Landes, hat für ausländische Besucher außer
einer guten Portion an chaotisch-tropischer Authentizität,
so gut wie nichts zu bieten. Sie besitzt weder einen einheitlichen
Busbahnhof, noch einen Zentralmarkt, oder geschweige denn einen
ansehnlichen baumbestandenen Boulevard. Die laute Strandpromenade
mit den halbfertigen Riesendiskos und barackenmäßigen
Freßbuden, den paar mickrigen Palmen und knatternden Motorrollern,
macht die Trauer über die angebliche Fröhlichkeit der
einstigen “musikalischen Hauptstadt” Ekuadors nur noch
größer.
Auffallendstes Bauwerk ist das mit Flutlicht ausgestattete Stadium
Folke Anderson, dessen spärliches Publikum sich allerdings
mit drittklassigen Lokalmannschaften begnügen muß. Die
talentiertesten Fußballer der Provinz werden meist sofort
von den Klubs aus Quito und Guayaquil abgezogen, treffendes Synonym
für die hoffnungslose Finanzlage der Stadt. Bei der Verteilung
von Geldern seitens der Zentralregierung, steht Esmeraldas stets
an allerletzter Stelle. Und dies, obwohl die umliegenden Strände
alljährlich zigtausende von erholungssuchenden Quiteños
anlocken. Man könnte fast meinen, daß die staatliche
Benachteiligung indirekt auch irgendwie mit der Hautfarbe der Esmeraldeños
zusammenhängt. Der vornehmlich schwarzen Bevölkerung (etwa
75%) blieb eine funktionierende Abfallbeseitigung bis heute vorenthalten.
Auch das marode Trink- und Abwassersystem “stinkt” an
vielen Strassenecken bis zum tropisch blauen Himmel.
Neben diesen erheblichen infrastrukturellen Mängeln, leidet
die Stadt auch zunehmend unter der bleiverpestenden Erdölraffinerie,
End- und Exportstation für den divisenstärksten Rohstoff
des Landes, nachdem dieser über die Pipeline Oleoducto Trans-Ecuadoriano
aus dem Oriente gepumpt wurde, um von hier aus nach Übersee
verschifft zu werden.
Zu den landwirtschaftlichen Ausfuhrprodukten der Provinz, zählen
neben Shrimps und anderen Meerestieren, auch traditionell Bananen,
sowie Kakao, Tabak, Zitrusfrüchte, Speiseöl, Tagua und
Kokosnüsse. Der verantwortungslose Export von Tropenhölzern
nach Übersee, ist in den letzten Jahren so unverhältnismäßig
gestiegen, daß er zu einer ernsthaften Gefährdung ganzer
Waldbestände im nördlichen Raum der Provinz Esmeraldas
geführt hat.
Esmeraldas ist bekannt für seine bezeichnenden Meeresspezialitäten.
Dabei sind insbesonders der encocado und der tapao’ hervorzuheben,
beides ganz typische Gerichte der lokalen Gastronomie. Ersteres
hat mit geraspelter Kokosnußsoße (keinesfalls süßlich)
und Fisch, bzw. Wild, zu tun, letzteres mit grünen Kochbananen
und Fisch. Probieren ist die einzige Möglichkeit diesen Köstlichkeiten
auf die Spur zu kommen.
|