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Bei der ekuadorianischen Küche, landesweit unter dem Begriff
comida criolla oder auch comida nacional zusammengefaßt,
handelt es sich um eine relativ junge Gastronomie. Auch wenn diese
bisher wohl kaum etwas zur Bereicherung der internationalen Cuisine
beitragen konnte, darf an deren Eigenständigkeit nicht gezweifelt
werden.
Neben den regional verschiedenen Grundnahrungsmitteln (Hochland,
Küste, Amazonastiefland), dessen einfache Hauptgerichte sich
oft aus altüberlieferten bäuerlichen Rezepten zusammensetzen,
spielen in der ekuad. Gastronomie vor allem europäische (insbesonders
spanische), und auch nordamerikanische Einflüsse eine entscheidene
Rolle.
So wurden von den spanischen Eroberern indianische Nahrungsmittel
wie Meerschweinchen und Lamas weitgehend durch andere Fleischträger
wie Schweine und Rinder ersetzt. Dabei wird z. B. das heutzutage
kostspielig gewordene Meerschwein (cuy) vorzugsweise noch
in ländlichen Bereichen des Hochlandes verzehrt, während
das fast ausgestorbene ekuad. Lama heutzutage lediglich der Wollproduktion
dient. Die Population hat durch die Einfuhr aus Chile und Perú
erst jüngst wieder stark zugenommen.
Andererseits wurde das Leben der Küstenbewohner seit erdenklichen
Zeiten nahezu fast nur vom Fischreichtum bestimmt. Ein zartes, saftiges
Steak ist daher in den meisten Orten und Kleinstädten der Costa
Ecuatoriana (außer in Grobstädten wie Guayaquil u. Portoviejo)
auch heute noch eine Seltenheit.
Bitte denken Sie daran, Ecuador ist ein Land der Dritten Welt! Mitteleuropäische
Hygienevorstellungen können daher nicht immer erfüllt
werden. Die Entscheidung in welchem Restaurant zu essen, sollte
jeder für sich selbst treffen.
Ganz allgemein betrachtet gilt für eine Reihe regionaler, vegetarischer
Basisprodukte folgendes: Reisanbau hauptsächlich an der Costa
(Küste), Kartoffeln und Mais in der Sierra (Hochland), sowie
yuca (Maniokwurzel) im Oriente (Amazonastiefland). Trotzdem ist
es nicht verwunderlich, überall im Andenhochland Unmengen von
pampigem Reis, neben Pommes Frites oder mote (gekochter u. geschälter
Mais), vorgesetzt zu bekommen. Fritierte o. gekochte Maniokwurzel
(yuca) wird auch viel an der Küste verzehrt, wobei Kartoffeln
oder Mais genauso gut im Oriente vorkommen. Dabei nimmt der geradezu
mysthifizierte Maiskolben seit nahezu 10.000 Jahren eine Sonderstellung
in der heimischen Gastronomie ein.
Weitere landestypische Ingredienzen bei Hauptgerichten sind neben
den meist schon obligatorischen, und regional unterschiedlich zubereiteten
Kochbananensorten (guineo, verde, maduro, maqueño, patacones
etc.) auch camote (Süßkartoffeln), papa china (eine kleine
Kartoffelsorte), lentejas (Linsen), garbanzo (Kichererbsen) oder
habas (Saubohnen).
Ecuador ist ein ausgesprochenes "Suppenland". Vielleicht
nirgends auf der Welt wird soviel Suppe (sopa) konsumiert
wie im kühlen ekuadorianischen Hochland. Die Liste reicht von
der populären Hühnerbrühe (caldo de gallina), über
deftige Fischsuppen (sopa o. chupé de pescado), Gemüsesuppen
(sopa de verduras), einer Art "Blutwursteintopf" (yaguarlocro),
schmackhaften Kartoffel-Hüttenkäse-Suppen m. Avocadofrucht
(locro de queso), bis hin zum caldo de patas (in seiner traditionellsten
Form: Kartoffelsuppe m. Schweinshaxe, gekochter Maniokwurzel, gekochtem
Mais, Milch, Zwiebeln, Knoblauch und eventuell Erdnüssen oder
auch culandro (Koriander), ein extrem starkes Kräutergewürz.
Eine proteinreiche Sopa Marinera (Meeresfrüchtesuppe)
gehört vor allem im Küstenbereich zu den exquisiteren
Gaumenfreuden.
Die hauptsächlich in der Osterwoche servierte traditionelle
Fanesca, ist grundsätzlich eine Getreidesuppe mit bis
zu zwölf verschdiedenen Hülsenfrüchten, darunter
Maiskörner, frische Erbsen, und eine gute Portion Trockenfisch
(Stockfisch).
Ein weiteres, landläufig sehr populäres Suppengericht,
nennt sich Sancocho. Es besteht haupsächlich aus Rind-
oder Schweinefleisch, gekochter Maniokwurzel, Kochbananen und Erbsen.
Ursprünglich von der Küste, ist das Gericht heute aber
auch im Hochland weit verbreitet.
Wer das Glück hat, von befreundeten Ekuadorianern zu einem
dieser beiden letztgenannten kulinarischen Spezialitäten eingeladen
zu werden, sollte sich dies auf keinen Fall entgehen lassen. Hausgemacht
schmecken diese einfachen, aber mit viel Liebe zubereiteten nationalen
Gerichte, meist viel köstlicher als in jedem Restaurant für
típica comida criolla.
Das leibhaftig aus den Tiefen des pazifischen Ozeans stammende cebiche,
ist im bodenständigen Sinne betrachtet, schlichtweg das ekuadorianische
Nationalgericht. Das in Essig, Öl, Zitronen- und auch Orangensaft
marinierte, meist mit Tomatenscheibchen, Zwiebelringchen u. Kräutern
angemachte, rohe Meeresfrüchte-Cocktail aus Weißfisch,
Krabben, Muscheln oder Langusten, stellt freilich nur ein kleines,
so doch feines Aushängeschild eigenständiger Kochkunst
dar.
Dies gilt keineswegs nur für die Küstenregion, da das
hauptsächlich als Vorspeise und Katerfrühstück verstandene
Gericht, auch in der 2.800m hoch gelegenen Landeshaupstadt überaus
beliebt ist. Selbst wenn peruanische Stimmen jene denkwürdige
Erfindung des einzig wahren cebiche (sprich "sewitsche")
für sich beanspruchen, ist die kalorienärmere, ekuadorianische
Version, eine nicht minder patriotisch-kulinarische Ausgabe maritimen
Hochgenusses. Cebicherías (Typische Cebiche-Lokale) gibt
es daher in jeder ekuadorianischen Klein-, Mittel- u. Großstadt.
Echte cebicheros (eingeschworene "Cebiche-Philosophen")
kommen schnell ins schwärmen über den sündhaft göttlichen
Verzehr ihrer Leibspeise aus frischen Muscheln, Shrimps, Krabben,
Kalamar oder Seefisch.
Cebiche Mixto für etwa vier bis sechs Personen:
Ingredienzen: 50 Muscheln, ein halbes Pfund Shrimps, ein
halbes Pfund Seefisch (z.B. frischer Thunfisch), eine große
rote Zwiebel, eine Paprikaschote, frischgepreßter Zitronensaft,
ein Schuß kolesterolfreies Speiseöl, ein wenig ají
(d.h. ein scharfes, winzig kleingeschnittenes Chilischotestückchen),
sowie jew. eine Prise Salz u. Pfeffer.
Zubereitung: Zuerst einmal die Shrimps abkochen, und danach
auskühlen lassen. Den Muschelsaft durch einen Sieb abtropfen
lassen, und diese mit dem in kleine Würfel gehackten rohen
Fisch unter die Shrimps mischen. Dazu kommen die feingeschnittenen
Zwiebelringe, purer Zitronensaft, Salz, Pfeffer, ají und
ein wenig Speiseöl. Viele cebicheros schwören darauf,
die zu verwendenden Meeresfruchtstücke schon vorher ein Weilchen
in Zitronensaft eingelegt zu haben.
Ají ist eine scharfe, aus roten Chilischoten zubereitete
Soße (salsa picante), die in fast jedem Restaurant extra mit
auf den Tisch kommt, und je nach regionalen Gegebenheiten oder ganz
persönlichem Geschmack unterschiedlich zubereitet wird. Der
Schärfegrad reicht dabei von milder bis hin zu teuflisch-brennender
Würze. Sinn und Zweck der Sache ist neben einer Aufheiterung
der Geschmacksnerven, ein durchgeputzter, amöbenfreier Magen.
Zu den gängigsten ekuadorianischen Haupt- u. Nebengerichten
(típica comida criolla) gehören:
Churrasco bedeutet normalerweise eine üppige Portion
weißgeschälter Reis, unter einem mehr o. weniger großen
Stück Fleisch mit zwei Spiegeleiern drüber, ein paar fettigen
Pommes Frites, angebratenen Zwiebelringen, und ein wenig Gemüsesalat.
Apanado ist ein Wiener Schnitzel mit Pommes Frites, Reis
u. Gemüsesalat.
Lomo a la Plancha ist ein plattgebügeltes Stück
Rinderfilet mit Pommes Frites o. Kartoffelbrei, dazu ein wenig Gemüse.
Seco de Chivo, eine Art würziges Ziegenfleisch-Gulasch
mit trockenem Reis.
Seco de Pollo (auch seco de gallina), gekochtes Huhn mit
trockenem Reis und einer aufgeschnittenen Avocado-Frucht.
Menestra (con carne y patacones), gegrilltes Stück Fleisch
mit Linsen, Reis u. kleinen, gestampften Bratbananenpuffern.
Locro ist mitunter das authentischste ekuad. Nationalgericht.
Es handelt sich um eine Suppe aus Kartoffeln und Käse.
Die roten Flecken auf der Suppe stammen von dem Gewürz achiote,
welches oft mit hinzugegeben wird. Locros können mit Fleisch,
Eiern, Kürbis und auch Kohl angereichert werden.
Guatita, Schmorgericht aus Innereien, meist mit einer Erdnußsoße,
gekochten Kartoffeln u. einer Avocadofrucht.
Fritada, in einer tiefen, manchmal fast ein Meter Durchmesser
großen Pfanne, werden Schweinefleischstückchen im eigenen
Saft geschmort. Dazu gibt es meist eine Maisbeilage ( z.B. mote).
Hornado, gebackenes, süßlich gewürztes Schweinefleisch
(auch Haut), mit Kartoffelbrei oder llapingachos (kleine käsegefüllte
Kartoffelpuffer) serviert, dazu meist ein wenig Salat.
Pescado Frito (fritierter Fisch), Camarones al ajíllo
oder Camarones Apanado (Shrimps in Knoblauchsoße, bzw. panierte
Shrimps), Calamares (eine Art Tintenfisch), sowie Cangrejo (Taschenkrebs),
gehören inzwischen zu den landesweit verbreiteten Speisen.
Viche, dickflüssige Fischsuppe mit Kochbananenstückchen.
Nicht nur an der Küste eine beliebte Zwischenmahlzeit!
Humitas, süßer, in einem Bananenblatt eingelegter
Mais- u. Eierteig. Zusätzliche Ingredienzen, wie z. B. gemahlene
Erdnüsse o. geriebener Käse sind meist regional bedingt.
Quimbolitos sind süße Maistaschen m. Rosinen, oft mit
einem Schuß Zuckerrohrschnaps abgerundet.
Empanadas sind eine Art Pasteten in Teigtaschenform mit Füllung
und in Schmalz gebacken. Es gibt verschiedene Sorten, je nach Füllung:
z. B. Fleisch- (de carne), Bananen- (de verde), oder Käse-Empanadas
(de queso).
Landesweit bekannte, jedoch vornehmlich auf einzelne Regionen
beschränkte Hauptgerichte:
Andenhochland: Cuy Asado ist ein über offener Glut gebratenes
Meerschweinchen am Spieß. Gilt heute als eine Art Delikatesse
in ländlichen u. kleinstädtischen Bevölkerungskreisen.
Trucha bedeutet Forelle, und wird im Andenhochland
in unterschiedlichen Varianten serviert.
In Cotacachi (nördl. Hochland) und weiteren Ortschaften
in der Umgebung (Provinz Imbabura) wird in vielen populären
Eßlokalen Carne Colorada serviert, ein mit roter achiote-Baumfrucht
eingewürztes Stück Rindfleisch. Weitere Zutaten sind maqueño
(gebratene Banane), mote (gekochter u. geschälter Mais) und
aguacate (Avocadofrucht).
In Guayaquil werden im Zusammenhang mit einheimischen Spezialitäten
meistens zuerst die Bollos de Pescado erwähnt: Teigige
Knödel aus geriebener Kochbanane, Fisch, Zwiebel, Tomate, Knoblauch,
Kräuter, Achiotefrucht, Salz u. Pfeffer.
In der nördlichen Küstenprovinz Esmeraldas werden
Fisch und Meeresfrüchte auch als Encocado serviert.
Die in einem Sud aus geraspelten Kokosnußflocken, Zwiebeln,
Pfeffer u. Knoblauch fritierten Gerichte, umfassen eine kulinarische
Palette, die auch Wildfleisch wie Gürteltier o. Rotwild miteinschließen,
und sind eine ganz besondere Spezialität dieser tropisch-heißen
Region.
Tapao, ebenfalls ein ganz typisches Gericht aus der grünen
Provinz Esmeraldas, besteht in der Hauptsache aus gekochtem Fisch
und Kochbananen.
Desayunos, almuerzos, meriendas:
Frühstück heißt auf spanisch desayuno, und
besteht in der Regel aus Kaffee (café), Brötchen (pan),
Margarine (margarina), Marmelade (mermelada) o. einem Stückchen
weißem Käse (queso), sowie Spiegeleier (huevos fritos),
Rühreier (huevos revueltos), oder zwei fast harte Eier im Becher
(huevos a la copa).
Ein in fast allen populären Restaurants serviertes, meist zweigängiges
Mittagsmenü, nennt sich in Ecuador almuerzo.
Es besteht aus einer meist schmackhaften Suppe (sopa), el segundo
(der zweite Gang) aus Reis mit z.B. Huhn u. einer halbierten Kochbanane,
oder ein winziges Stückchen Fleisch mit ein paar Linsen. Dazu
gibt es einen Saft, oder eine colada, ein geschlagenes Mixgetränk
aus "Köllnflocken" und Maismehl! Die 1 bis 2 Dollarmahlzeiten
sind aber nicht immer sättigend.
Ein komplettes Abendessen, wie das Mittagessen aus zwei Gängen
bestehend, heißt merienda. Das Abendmahl von der Speisekarte
(a la carta) eines Restaurants oder zuhause, heißt cena.
Garküchen und Imbißstände:
Die auf allen Strassen des Landes weit verbreiteten puestos de
comida stellen für viele Einheimische eine preiswerte Alternative
für die Restaurants dar. An diesen Imbißständen
werden die verschiedensten Speisen zubereitet. Da die Hygiene aber
nicht den europäischen Maßstäben entspricht, ist
vom Verzehr der dortigen Mahlzeiten abzuraten. Es ist vorzuziehen
in einem sauberen Restaurant ein paar tausend Sucres mehr auszugeben,
als den Rest der Urlaubstage mit Magenkoliken zu verbringen, oder
sich sogar eine Hepatitis einzufangen.
Getränke:
Mineralwasser (agua mineral) gibt es mit Kohlensäure
(con gas) und ohne Kohlensäure versetzt (sin gas), und wird
inzwischen überall angeboten. Bei den vielen Marken in Plastik-
u. Glasflaschen sei auf die Versiegelung am Flaschendeckel zu achten.
Selbst bei diesen Produkten haben sich "Fälschungen",
d.h. unlautere Wiederabfüllungen eingeschlichen.
Bis vor wenigen Jahren noch hatte die Marke Güitig (mit Kohlensäure)
von den Thessalienquellen bei Machachi das Mineralwassermonopol
im ganzen Lande. Der Name des vom Cotopaxi-Gletscher gespeisten
Quellwassers soll angeblich etwas mit dem deutschen Wort "gültig"
zu tun haben. Bei den ersten Proben hinsichtlich seiner kurativen
Qualitäten soll dabei dieses Wort gefallen sein. Ob dies allerdings
der Wahrheit entspricht, bleibt weitgehenst dahingestellt.
Colas sind in Ecuador alle nichtalkoholischen, mit Kohlensäure
versetzten Getränke. Dazu gehören Fanta, Sprite, Seven
Up, Pepsi, Fruit, Crush, Tropical, Buzz, Orangina, Welch's, Inka
Cola etc.; Das überall erhältliche Coca-Cola wird einfach
nur Coca o. Cola Negra genannt.
Frischgepreßte Säfte (jugos) werden je nach dem
mit mehr oder weniger Wasser, bzw. auch mit Milch (batido) angeboten.
Die Auswahl ist gewaltig, und reicht vom stinknormalen Orangensaft
(jugo de naranja) bis hin zu einem köstlichen Avocado-Milkshake
(batido de aguacate). Frische Säfte von Straßenständen,
sehen diese bei Hitze und Durst auch noch so lecker aus, sollten
vermieden werden. Es wird dabei nicht immer abgekochtes Wasser,
bzw. sauberes Eis verwendet.
Hier eine kleine Auswahl der herkömmlichsten Fruchtsorten zur
Zubereitung: aguacate (Avocadobirne), arazá (................),
babaco (................), banano (Banane), chirimoya (Zimtapfel
o. Annone), coco (Kokosnuß), durazno (Pfirsich), fresa o.
frutilla (Erdbeere), granadilla (Granatapfel), guanabana (...................),
guayaba (Guave), lima (...............), limón (Zitrone),
mandarina (Mandarine), mango (Mangopflaume), manzana (Apfel), maracuyá
(Passionsfrucht), melón (Honigmelone), mora (Brombeere),
naranja (Orange), naranjílla (behaarte Strauchtomate, ähnlich
einer Zitrusfrucht), papaya (Baummelone), pera (Birne), piña
(Ananas), sandía (Wassermelone), taxo (................),
tomate de árbol (Baumtomate), toronja (Grapefruit), tuna
(Kaktusfeige), zanahoria (Karotte).
Pipas Heladas ("Eispfeifen") sind eisgekühlte,
mit köstlichem Saft angefüllte Riesenkokosnüsse,
und einem langen Strohhalm drin!
Kaffee steht in den meisten Eßlokalen nur in Form von
Nestlé - Instantpulver auf dem Tisch. Unbedingt zu vermeiden
ist dabei lediglich das Sí Café - Pulver, schmeckt
absolut widerwärtig das Zeug.
In manchen traditionellen Kaffeestuben gibt es oft einen starken
Kaffeesud, der je nach gewünschter Stärke, in eine Tasse
mit heißem Wasser oder heißer Milch eingeschenkt wird.
Besonders im Raum Loja (Süden des Landes) sind die silberfarbenen
Kännchen mit der schwarzen essencia de café recht beliebt
und noch weit verbreitet. Ansonsten ist diese ausgesprochen ekuadorianische
Manier Kaffee zu trinken, ein Überbleibsel aus einer anderen
Kulturepoche, längst im Aussterben begriffen. Aber z. B. in
kleinen Kaffeehäusern in Quitos Altstadt, oder in folkloristischen
Cafetería La Palma in Guayaquil, wird die Wachmacheressenz
nachwievor serviert.
Moderne Expressomaschinen haben inzwischen auch in Ecuador ihren
Einzug erhalten. Das Touristenviertel La Mariscal in Quito kann
gleich mit einer Reihe von neuen Kaffeestuben aufwarten. Somit ist
die lasterhafte Angewohnheit, sich morgens einen anständige
Kaffees zu gönnen, auch in diesem traditionellen Kaffeeanbau-Lande
endlich Realität geworden.
Alkohol ist auch in Ecuador eine weitverbreitete Volkskrankheit
mit all seinen verheerenden Auswirkungen auf Familienleben, Verkehr
und Wirtschaft. Dies führte Ende 1996 sogar dazu, daß
der damalige Präsident Abdalá Bucaram Ortiz ein neues
Gesetz hinsichtlich des uneingeschränkten Konsums verabschieden
ließ. Neuerdings darf sonntags offiziell kein Alkohol mehr
ausgeschenkt werden. Auch wenn dies auf dem Lande wieder anders
aussieht, und so manche Restaurants in den Großstädten
an Sonn- u. Feiertagen cerveza (Bier) servieren, wird das Verbot
vor allem in den Ballungszentren weitgehendst eingehalten. Auch
unter der Woche ist in den Vergnügungsvierteln eine Sperrstunde
angesagt. Alle Bars, Diskotheken und Nachtclubs haben zumindest
offiziell von Montag bis Samstag um 2 Uhr morgens zu schließen.
Touristen beklagen sich hin u. wieder über die trinkfeindlichen
Maßnahmen, die manch geselliges Beisammensein zu gegebener
Stunde erschweren könnten. Verständlicherweise möchte
man ja auch an einem Sonntag den eben bezwungenen Cotopaxi-Gipfel
vom Wochenende begießen. Pech auch, daß gerade der eintägige
Programmaufenthalt im vergnügungssüchtigen Guayaquil auf
einen Feiertag fallen muß.
Nichtsdestotrotz kann von seiten des in Ecuador lebenden, durchaus
trinkfesten Autors, diese diktatorische Maßnahme nur befürwortet
werden. Die nächtlichen Straßen des Vergnügungsviertels
La Mariscal in Quito sind etwas ruhiger geworden, zersplitterte
Flaschen und Alkoholleichen auf den Gehwegen seltener.
Schlußendlich geht nichts über häusliche Selbstversorgung
- z. B. mit einem chilenischen Tropfen Casillero del Diablo aus
der Rotweinabteilung des Supermaxi.
Das meist konsumierte alkoholische Getränk ist neben dem "brennenden"
punta (ein hausgemachter Zuckerrohrschnaps in hauptsächl. ländlichen
Gegenden), das allerorts erhältliche cerveza (Bier).
Auf Landesniveau gibt es zwei einheimische Marken: das helle Pilsener,
und das etwas bierigere Club. Ein gekühltes Nevada, welches
fast nur im Süden Ekuadors in praktischen Literflaschen zu
bekommen ist, entpricht wohl am ehesten noch europ. Braunormen.
Wohlschmeckendes selbstgebrautes Bier mit fidelem Alkoholgrad kann
in Quito in der Bracería Naturbier getestet werden. Die gemütliche
Kneipe in der Calle Bélgica 193 u. Av. Eloy Alfaro hat sowohl
helle wie dunkle, als auch köstliche Fruchtbiere direkt frisch
vom Zapfhahn!
Guten Wein (vino), vor allem Rotwein aus Chile, aber auch
aus Argentinien, Kalifornien oder Spanien, gibt es nicht nur in
den großen Supermarktketten zu kaufen. Viele besser bestückte
Einzelhandelsläden verfügen teils über ein paar recht
brauchbare Marken. Mitunter zu den besten gehören: Casillero
del Diablo (Chile), Unduraga (Chile), Concha y Toro (Chile), Masson
(California).
In der Nähe des Andendorfes Cotocachi, auf dem Weingut Perafán,
produziert der Schweizer Andreas Tuchschmid einen fruchtig-spritzigen,
und durchaus empfehlenswerten Rotwein (Dornfelder), der in der Delikatessenkette
El Español in Quito verkauft wird.
Cuba Libre (Rum-Cola-Zitronen Mixgetränk) gehört
neben Whisky und anderen tragos (Drinks) zum ekuad. Standardcocktail.
Vodka con Naranja (Screw Driver), Caipirinha (Zuckerrohrschnaps,
Limonensaft), Caipiroshka (Wodka, Limonensaft) oder Piña
Colada (Bacardi, Ananassaft) sind dagegen eher unter Touristen
beliebt.
Bei Dorffesten im Andenhochland (fiestas del pueblo), und Stadtteilfesten
im Süden Quitos (fiestas del barrio), wird manchmal Canelazo,
ein würzig heißer Zuckerrohrschnaps, in kleinen Trinkbechern
billig ausgeschenkt. Vorsicht ist im Umgang mit dem Teufelszeug
geboten, bevor sämtliche Bleche wegfliegen!
Den sanften Zuckerrohrschnaps Caña Manabita aus Portoviejo
(Prov. Manabí) gibt es in der Hauptstadt Quito und im restlichen
Hochland nicht zu kaufen. Beim Besuch der Küstenregion sollte
eine kleine Flasche als billiges
Mitbringsel für nostalgische Dia-Abende zumindest in Erwägung
gezogen werden.
Chicha ist ein fermentiertes, dickflüssiges Getränk
aus Mais, Bananen, Maniokwurzel, Quinua oder Chonta-Palme. Es wird
hauptsächlich im Amazonastiefland zubereitet, und soll außerdem
bei Blasen- u. Nierensteinen, sowie Urinverstopfung, Seitenstichen
und Koliken, eine heilsame Wirkung haben.
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