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Volker Feser

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Guaranda

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Die Hauptstadt der kleinen agrarischen Hochlandprovinz Bolívar, etwa 60 km westl. von Riobamba gelegen, wird von den Einheimischen irrwitzigerweise als das “Rom von Ecuador” bezeichnet. Dies hängt jedoch ausschliesslich mit den sieben Hügeln zusammen, zwischen denen das 2.650m hohe Städtchen im Jahre 1571 gegründet wurde. Wobei sein Name von dem indianischen Kaziken Guarango herrührt, dessen 5m hohes Monument den Colina de Cruzloma ausserhalb der Stadt krönt. Dort befindet sich auch ein kleines archäologisches Museum (Taxi 1 USD). An Sehenswürdigkeiten gibt es sonst herzlich wenig, aber einen Spaziergang durch die sauberen Kopfsteinpflastersträsschen ist Guaranda allemal wert. Antiquierte Tante Emma - Läden, nostalgische Frisörsalons, viel trachtentragende Bevölkerung, ein bisschen Pferdemist, unverfälschte Gepflogenheiten und liebenswürdige Trostlosigkeit, sowie Ausblicke auf die umliegenden Berge und den nahen Chimborazo. An der Plaza 15 de Mayo findet jeden Samstag ein vielbesuchter Markt statt, und einmal pro Jahr erwacht Guaranda sogar aus seinem Dornröschenschlaf. Dann wenn Tausende von Ausflüglern von überall her zum traditionell “schrägen” Blasmusik-Karneval eintreffen, dem farbenfrohesten und lautstarksten in ganz Ecuador.

Jede von und nach Guaranda führende Strasse ist ein Augenschmaus für Andenliebhaber. Hier 4 Beispiele: Riobamba - Guaranda, Ambato - Guaranda, Guaranda - Salinas, Guaranda - Balsapampa.

Wer von Riobamba kommt (60 km), über eine schwindelerregende Schlammstrasse ohne Absicherung, wird neben einem herrlichen Chimborazo-Panorama, auch die letzten “echten” Berg-Indios zu sehen bekommen. Barfüssige gnomenhafte Wesen mit verfilzten Haaren u. Hüten, in dicke Ponchos gehüllt, ihre gelben lückenhaften Zahnreihen freigebend, und die knipsenden Touristen wie Ausserirdische begutachtend. Oder flehend die knorrigen Handflächen hinstreckend. Falls sich diese “500 Jahre alten” Menschen belästigt fühlen, können sie auch schon mal nach einem Stein greifen. Also Vorsicht beim Ablichten aus dem Fahrzeugfenster! Bei vielen dieser armen quechuasprechenden Bauerngestalten sind Fremde zutiefst verhasst. Ganz gleich ob es sich hierbei um Gringos, weisse Ekuadorianer, Mestizen, oder “urbanisierte Indianer” handelt. Diese sprechen alle nicht ihre Sprache!

Eine andere, mitunter schlecht asphaltierte Strasse, führt westlich des Chimborazo, von Ambato nach Guaranda (99 km).

Fantastische Ausblicke auf den zum Greifen nahen Gletscherriesen. Unwirtliche Gebirgslandschaft, herber windgepeitschter páramo, Lamaherden. Auf der Passhöhe geht (von Ambato kommend links) eine staubige Abzweigung über das arenal bis zur 4.800m hohen Schutzhütte am Chimborazo, bzw. alternativ nach Riobamba. Der Fussmarsch vom desvío nimmt ein paar Stunden in Anspruch. Kurz davor, ebenso auf dem Pass, ist noch ein rechter Abzweig, der in die alte Strasse Ambato - Guaranda übergeht, und 15 km später wieder auf die Asphaltstrasse trifft. Wunderschönes ursprüngliches Holpersträsschen, und empfehlenswert für Allradfahrzeuge!



Etwa 30 km nördl. v. Guaranda liegt auf 3.550m das Käsereizentrum Salinas. Auf der nach Ambato führenden Asphaltstrasse geht es nach 10 km, an einem Punkt namens Cuatro Esquinas, links weg (von Ambato kommend rechts). Neben riesigen 30 Kilo-Käserollen, bietet das friedfertige Salinas auch hausgemachte Salamis, Speisepilze, rauhe Wollpullover, und ein paar alte primitive Salzminen. Vor allem ruhesuchende, kälteunempfindliche Wanderfreunde, werden in der schönen Umgebung auf ihre Kosten kommen. Darüberhinaus haben sich die Bewohner des Dorfes zu kleinen Gemeinschaftsbetrieben zusammengeschlossen, wobei sich in erster Linie die exportfreudige Käsekooperative hervortut. Dadurch wurden zum einen ausreichend Arbeitsplätze geschaffen, und zum anderen konnte erfolgreich der Abwanderung entgegengewirkt werden. Sämtlichen Viehbauern in der Umgebung ist somit auch die Abnahme ihrer Milch zu einem festgesetzten Preis garantiert. Die beispielhaften, gänzlich auf Eigeninitiative basierenden Pilotprojekte, kommen jedoch nicht von ungefähr, sondern konnten unter finanzieller u. technischer Mitwirkung der schweizerischen Regierung in die Wege geleitet werden. Ein sauberes Hotelchen namens El Refugio (Tel. 758778), hübsch am Ortsrand gelegen, bietet einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Mehrbett- u. Doppelz., BC, Ww, 3-5 USD pro Pers., ausserdem Rest. m. deftigen Mahlzeiten. Von der plaza aus starten hin- u. wieder camionetas u. a. Fahrzeuge nach Guaranda. Trampen ist üblich!

Guaranda war im 19. Jh. eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg von Quito nach Guayaquil. Mit der Beendigung der Eisenbahnlinie Anf. dieses Jh., sowie der Übergabe der innerandinen panamerikanischen Strasse in den 50er Jahren, verlor die Stadt immer mehr an Bedeutung. Die asphaltierte, teils schlaglochreiche Strecke von Guaranda bis runter zur Küstenebene hinter Balsapampa (und im weiteren Verlauf nach Babahoyo u. Guayaquil), stellt vor allem für Leihwagenfahrer eine landschaftlich sehr lohnenswerte wie verkehrsarme Sierra-Costa-Alternative dar. Dabei geht es zunächst über die pittoresken, teils von kolonialen Holzfassaden und gedrechselten Balustraden geprägten Städtchen Chimbo (Gitarrenherstellung) und San Miguel (nahe Cavernas de las Guardias), etwa 15 bzw. 20 km südl. v. Guaranda gelegen. Nach weiteren 25 km durch sanfthügeliges Bergland, beginnt dann die kurvenreiche Abfahrt bis nach Balsapamba (1.400m). Vereinzelte Orangen-, Mandarinen-, Bananen- u. Zuckerrohrplantagen, tauchen plötzlich am Wegrand auf. Es wird merklich wärmer. Im subtropischen, farbenfrohen Balsapampa, gibt es direkt neben der Asphaltstrasse ein kleines Naturschwimmbad mit Wasserfall, Marienschrein u. kaltem Bier. Die Bewohner sind meist sehr freundlich.

 

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