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Etwa 30 km nordöstlich von Otavalo, auf halbem Wege zwischen
Quito und der kolumbianischen
Grenze, liegt auf 2.100 Höhenmetern das frühlingshafte
Ibarra. Die geruhsame Hauptstadt der Provinz Imbabura wird aufgrund
seiner vielen weissgetünchten Kolonialgebäude auch Ciudad
Blanca genannt. Neben einer buntgemischten Bevölkerung aus
Hochlandindianern und Schwarzen aus dem Chota-Tal, einigen altertümlichen
Transportkutschen die von ebenso gebrechlichen Maultieren mit schwarzen
Augenklappen gezogen werden, sowie zwei sehr schönen baumbestandenen
plazas im Zentrum, gibt es in Ibarras Pflastersteinstrassen jedoch
herzlich wenig zu sehen. Die meisten Touristen werden hier wahrscheinlich
nur wegen der abenteuerlichen Eisenbahnfahrt nach San Lorenzo eine
Nacht verbringen, oder nach einem kurzen Zwischenaufenthalt zu den
Thermalbädern von Chachimbiro, ins idyllische Andendorf La
Esperanza, oder zum Hochland-Reservat von El Angel (Provinz Carchi)
weiterreisen.
Die “Weisse Stadt” verdankt ihren Namen dem Basken Miguel
de Ibarra, einstiger Präsident der Real Audiencia de Quito,
und wurde am 28. September 1606 von Cristóbal de Troya gegründet.
Ein Erdbeben verwüstete 1868 das ehemals wichtige, von den
Kolonialherren als Villa deklarierte Handels- u. Verwaltungszentrum,
bevor es wenige Jahre später an gleicher Stelle wieder aufgebaut
wurde. Einige wenige Gebäude aus der Zeit vor dem Erdbeben,
sowie ganze Strassenzüge aus dem auslaufenden 19. Jh., sind
der Stadt erhalten geblieben. Die kommerziellen Aktivitäten
des heute jedoch zutiefst provinzlerischen, in regenarmen Monaten
zudem staubig-windigen Ibarra, beschränken sich am Wochenende
auf die Marktgegend um den Bahnhof herum. Hier können unter
anderem viele landwirtschaftliche Produkte aus der Sierra, der nördlichen
Küstenregion, sowie Gebrauchsartikel aus dem kolumbianischen
Nachbarland erstanden werden. Der eigentliche Reiz von Ibarra liegt
jedoch in der landschaftlichen Vielfalt seiner schönen Umgebung,
die von teils wüstenhaft subtropischen Tälern, über
fruchtbare Zuckerrohrplantagen, dichte Nebelwälder u. forellenreiche
Lagunen, bis hin zu den saftigen Hochweiden zu Füssen des schneebedeckten
Cayambe, viel fürs Auge zu bieten hat.
La Esperanza
Das idyllische Andendorf mit dem hoffnungsvoll klingenden Namen,
seinen lieblichen adobe-Häusern und den freundlich dahergrüssenden
Bewohnern, ist nach einer etwa 40-min. Busfahrt von Ibarra aus erreicht.
Der Abstecher in diese ursprüngliche, von indianischen Bauern-
u. Kunsthandwerkern bevölkerte Gegend, kann Hochland-Freunden
sehr empfohlen werden. Eine seit jeher gepflasterte Durchgangsstrasse
verbindet die langgestreckte Ortschaft im Norden mit der Provinzhauptstadt,
und weiter südlich mit den pittoresken Bergdörfern Zuleta,
Angochagua und Olmedo. Die wunderschöne Strasse führt
dabei durch wenig bereistes wie fruchtbare Hochland, und trifft
schliesslich in Cayambe wieder auf die Panamericana nach Quito -
Siehe dazu auch unter “Cayambe”!
La Esperanza bietet sich vor allem Wanderslustigen für herrliche
Tagesausflüge an: Auf den 4.600m hohen Imbabura (kurz vor der
Brücke in Richtung Zuleta rechts das Strässchen hoch),
zur 3.800m hohen Kraterlagune von Cubilche (3 Std. rauf u. 2 runter),
oder auf die nahen Hügelkämme und in die kleinen vogelreichen
Seitentäler im Osten. Dabei geht es über saftiggrünes
Weideland und dunkelfarbige Äcker, durch Mais- u. Getreidefelder
hindurch, auf einsam verschlungenen Pfaden, unter hohen Baumreihen,
an quirligen Bachläufen und putzigen Holzzäunchen entlang.
Voraussetzung für einen unbeschwerten Aufenthalt an der frischen
Landluft sind lediglich ein paar sonnige Stunden am Vor- oder Nachmittag.
Nachts ist es im 2.600m hohen Esperanza empfindlich kühl. Der
schneebedeckte Cayambe liegt fast greifbar nahe, und ragt an wolkenfreien
Tagen kolossalisch hinter den vergleichsweise niedlichen Bergrücken
hervor.
uIn den Regenmonaten von Anfang Februar bis Ende April können
auf den umliegenden Viehweiden auch Touristen beim Suchen von Psycho-Pilzen
ertappt werden. Die pfirsichfarbenen hongos schiessen im Tau des
Morgengrauens für ein paar Stunden aus den frischen Kuhfladen
hervor.
Der Gebrauch des natürlichen Halluzinogens ist strengstens
untersagt, und kann neben schweren Charkterschäden auch ernsthafte
Probleme mit den örtlichen Behörden nach sich ziehen.
Die Einheimischen stehen den von Lachkrämpfen geschüttelten
“Drogenopfern” zudem sehr skeptisch gegenüber.
Darüberhinaus gehen die meisten Pilzsucher vielfach leer aus.
Die “knalligen Schwammerl” sind freilich nur noch an
wenigen verborgenen Stellen in der Umgebung von La Esperanza und
Santa Rosa zu finden. Manch Einheimischer bietet getrockneten hongos
mitunter zu horrenden Preisen an. Vor diesen Natur-Drogisten sei
hier ganz besonders gewarnt!
Baños Termales de Chachimbiro
Etwa eine Stunde westlich von Ibarra liegen in einer kleinen subtropischen
Talnische auf etwa 2.300 Höhenmetern (bei 20 Grad Durchschnittstemperatur)
die heissen Thermalquellen von Chachimbiro. Der Weg dorthin lohnt
auch wegen der schönen vegetationsarmen Wild West - Landschaft.
Zuckerrohrplantagen, Kakteen, Dornbüsche, Maultiere und nackte
Hügel fallen dem Betrachter ins Auge. So manches Dörfchen
im Bereich der heilbringenden termas oder der nahen Ortschaften
Urcuqui und Tumbabiro könnte fast irgendwo im hintersten Mexiko
liegen. Junge Leute sieht man in diesen geisterhaften Gemeinden
sehr wenige. Dafür grüssen gebrechliche Alte mit speckigen
Filzhüten unter vermorschtem Gebälk hervor, krähen
Hähne ohne Zeitgefühl, zucken auf der Strasse dösende
Hunde mit den verlausten Ohren, und pflugbespannte Ochsen schleppen
sich auf den Anhöhen über die ausgedörrte Erde. Wer
so ein authentisches ekuadorianisches Staubkaff einmal fotographieren
möchte, sollte auf dem Rückweg von den Thermalquellen
ins etwa zwei Stunden entfernte Cruztola spazieren. Von dort aus
ist es dann nochmals eine gute Stunde bis ins verschlafene Städtchen
Tumbabiro, wo wieder ein Bus nach Ibarra bestiegen werden kann.
Sonnencreme, Hut u. Trinkwasser nicht vergessen!
Die von heissen Schwefel-, Eisen- u. Magnesiumquellen gespeisten
Badebecken von Chachimbiro verfügen über einf. cabañas
u. habitaciones zum Preis von 5-7 USD pro Pers., einem mehr o. weniger
Rest., einem kl. therapeutischen Zentrum, bioenergetischen Pflanzungen,
Schnecken- u. Fischaufzucht, Lehrpfaden, archäologischen Ausgrabungsstätten,
Rasenflächen zum Sonnenbaden und bewachten Parkplätzen.
In direkter Nähe zur Anlage bestehen sogar noch ein paar letzte
kleine Waldnischen mit insgesamt über 50 verschiedenen Vogelarten.
Kaninchen, Füchse, Gürteltiere und Fledermäuse suchen
in der sonst kargen Umgebung Unterschlupf. Die Eintrittsgebühr
zu den Bädern beträgt knapp 3 USD. Bei einer Übernachtung
ist der Eintritt nur einmal zu entrichten. Ein spätnächtliches
Bad in der zu dieser Stunde meist entvölkerten Anlage gehört
dann mit zu den kl. Leckerbissen eines Chachimbiro-Aufenthaltes,
Taschenlampe mitbringen!
El Valle del Chota
Von Ibarra aus auf der Panamericana in Richtung Tulcán (kolumbianische
Grenze) fahrend, ist bereits nach einer halben Stunde die 1.500m
hohe Talsohle von El Chota erreicht. Die Bewohner der kleinen wüstenhaften
Enklave setzen sich in erster Linie aus Sklavenabkömmlingen
zusammen, die im 17. u. 18. Jh. von Jesuitenmönchen ins Hochland
gebracht wurden oder der harten Plantagenarbeit in der Küstenregion
entflohen waren. Somit stellen die Choteños die einzige traditionelle
schwarze Bevölkerungsgruppe im ekuadorianischen Hochland dar
(eine weitere “Einwanderergruppe” bewohnt in 2. u. 3.
Generation die nördlichen Randgebiete der Landeshauptstadt
Quito).
Fussballspielende Kinder, Flussfischer mit Strohhüten und Zuckerrohrruten,
alte Männer in noch älteren Streifenanzügen, Frauen
die Babies in bunten Wickeltüchern tragen, oder prallgefüllte
Weidekörbe und leere Bierkästen auf dem Kopf balancieren.
Die kontrastreichen Choteños beeindrucken vor allem durch
ihr aufregendes “Folklor”. Hinzu kommt das hochsommerliche
Klima, die tropischen Fruchtplantagen und röhrenden Maulesel
im aufgewirbelten Strassenstaub.
Besonders aus Tulcán kommende Reisende werden ihren eigenen
Augen nicht trauen wollen. Ein ganz toller Farbtupfer im kühlen
Andenhochland!
Zu einem längeren Aufenthalt laden zahlreiche Hosterías
und Cabaña-Anlagen mit Swimming-Pools und Sportplätzen
ein. Diese von vielen kolumbianischen Familien genutzten Erholungskomplexe
liegen alle im Umkreis der Ortschaft Ambuqui. Wem es im Chota-Tal
nach einer Pause dünkt, oder wer die fasziniernd spröde
Gegend auf eigene Faust durchstreifen möchte, sollte von Ibarra
kommend bei Ambuqui aussteigen (und nicht schon im Dorf El Chota
wo es keine Übernachtungsmöglichkeit gibt).
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