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Volker Feser

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Ingapirca

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Die Ruinen von Ingapirca sind das bedeutendste Monument prähispanischer Kulturen in Ecuador - wenn auch im Umfang nicht gerade vergleichbar mit viel beeindruckenderen Bauwerken in Perú. Sie befinden sich etwa 80 km nördlich von Cuenca auf einem 3.100m hohen grasigen Bergvorsprung. Für den Besuch der einstigen Zeremonien-, Wohn- u. Raststätte an der innerandinen Inkastraße von Tomebamba (Cuenca) nach Quito, sollte ein ganzer Tag veranschlagt werden. Da es vor Ort weder Schilder noch Interpretationshinweise oder einsichtige Broschüren gibt (dafür aber ganz tolle Poster!), sollten Geschichtsinteressierte am besten bereits in Cuenca einen sachkundigen Führer organisieren.

Sympathische Ausflüge mit viel Ingapirca-Hintergrundinformation, zu Fuß, zu Pferde, oder im privaten Minibus und direkt bis an die Ruinen, veranstaltet z. B. Eduardo Astudillo - siehe dazu auch “Reisagenturen”

Die Inkas konstruierten den Sonnentempel zwischen 1450 u. 1480. Aber bereits zuvor war der Hügel von großer spiritueller Bedeutung. Die Cañari nannten ihn Cashaloma, was übersetzt etwa soviel bedeutet wie “der Ort wo die Sterne aus den Himmeln fallen”. Im Gegensatz zum Inka-Tempel sind von der präkolumbischen Cañari-Kultstätte aber lediglich ein paar flache unbehandelte Steinreihen übriggeblieben. Besonders auffallend ist ein großer Vulkanbrocken namens Huanca Cañari, über dessen eingekerbter Spitze die letzten Sonnenstrahlen fast waagrecht einfallen. So ein gewaltiger Brocken war in der Cañari-Kultur immer ein Hinweis auf ein wichtiges Grab mit Schmuckbeilagen, welches in diesem Falle jedoch schon vor langer Zeit von Räubern heimgesucht wurde.

Den Cañari diente der windig-kalte Ort zur Anbetung der untergehenden Sonne und des aufgehenden Mondes.

Während sich die erdverbundenen Cañari-Bauern in allen Lebensfragen nach dem jeweiligen Mondstand richteten, sahen sich die Inkas hingegen als schicksalshafte Abkömmlinge des Sonnengottes. Diesem zu Ehren konstruierten sie über den Resten des eroberten Cashaloma eine neue Weihestätte, die wie viele Eroberungsanlagen der Inka die Form eines Pumas hatte. Der konzentrische Tempel stellte den Kopf der Wildkatze dar, die Inkastraße direkt oberhalb der Anlage das Rückrat, und die Steinreste beim verschwundenen “Jungfrauenhaus” den Schwanz der kampferprobten Bestie.

Die “Wände des Inka” werden von einem epilyptisch geformten Steingebäude überragt, daß den mächtigen Sonnenanbetern in erster Linie als Weihestätte und Sternenobservatorium diente. Typisch für die Inka-Bauweise sind nicht nur die nahezu fugenlosen Mauern, sondern auch die trapezförmigen erdbebensicheren Eingänge, sowie die gesamte astronomische Präzision der Anlage. Die lange Achse des epilyptischen Tempels stimmt haargenau mit dem von Ost nach West verlaufenden Sonnenstand überein. Eine innere Nord-Süd-Wand halbiert das konzentrische Gebäude und formt zwei gleichgroße Räume. (heute ohne Strohdach) An dieser inneren Trennmauer konnte anhand des Strahlenverlaufs der längste und kürzeste Tag des Jahres abgelesen werden. Die Strahlen drangen dabei durch jeweils vier Fensterschlitze auf der Ost- u. Westseite ins Gebäude ein. Beide Seiten dieser inneren Mauer verkleideten die Inkas mit purem Gold. Während der Inti-Raymi-Zeremonien wurde der Hohepriester dadurch in göttlich-gleißendes Licht getaucht.



Die Ruinen blieben von den spanischen Eroberern anfangs unentdeckt. Die Inkas hatten sie während der conquista einfach zugeschüttet. Im Lauf der letzten Jahrhunderte wurde Ingapirca dann von vielen Naturwissenschaftlern und Kulturforschern besucht. Unter anderem von Alexander v. Humboldt im Jahre 1801, sowie 1879 von Theodor Wolf.

Humboldt fand die Anlage noch bewohnt und nahezu intakt vor. Seine Skizzen u. Aufzeichnungen geben Aufschluß darüber. Man fragt sich wo der große Rest von Ingapirca abgeblieben ist ?

Das Gelände selbst gehörte seit jeher der Kirche. Während all dieser Zeit wurden die meisten Steine von der Bevölkerung aus der Umgebung zum Bau ihrer Häuser benutzt. Dabei sollen ganze Lastwagenladungen voller Ingapirca-Steine nach Cañar abtransportiert worden sein. Die Kirche vom angrenzenden Dorf Ingapirca wurde größtenteils mit den Steinen der Ruinen erbaut. Nachdem die Verwaltung der Anlage 1975 einem lokalen Gremium überreicht wurde, nahm die astro-archäologische Fledderei ein plötzliches Ende.

 

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