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Volker Feser

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Ecuador > Kultur

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Kunstgeschichte
Arte Colonial (Koloniale Kunst, Mitte 16. bis Anfang 19 Jh.)
Auf der Suche nach Atahualpas sagenhaftem Schatz wurde Quito von Sebastián de Benalcázar Stein für Stein abgetragen. Gold wurde dabei keines gefunden, aber viele der Steine aus Inka- und Cara-Zeiten wurden von den ersten spanischen Bewohnern als Fundamente für Mauern, Treppen, Gebäude und primitive Gotteshäuser wiederverwendet. Europäisch-religiöse Einflüsse bestimmten fortan den Charakter der Stadt, dessen sakrale Bauwerke im Verlauf des 17. u. Anfang des 18. Jh. ihre höchste Ausdrucksform erreichen sollten.

Architektur und Kunsterziehung: Im 16. Jh. dominierten fast ausschließlich spanische, somit streng katholische Einflüße. Die frühesten Bauwerke entstammen der Rennaissance, weshalb einige iberische und flämische Architekten nach Quito gelangten. Erstes Zeugnis ist das im Gründungsjahr Quitos begonnene Franziskanerkloster (1534), das Monasterio de San Francisco. Ab 1555 überwachte dort das eigens dafür geschaffene Colegio San Andrés die religiöse Kunsterziehung, welche im späteren Verlauf auch die herausragensten Maler hervorbrachte. Diese Kunst- u. Handwerksschule war die erste ihrer Art in ganz Südamerika. Franzikanermönche unterrichteten hierbei Indios u. Mestizen sowohl in einfachen Handwerkstechniken als auch in Malerei, Bildhauerei und Musik. Die Kunsterziehung wurde für die Missionare ein Werkzeug zur Verbreitung und Festigung des katholischen Glaubens. Unter der Obhut flämischer und spanischer Maler und Bildhauer entwickelte sich die Schule zum größten Zentrum religiösen Kunstschaffens in der Neuen Welt. Ihre Werke genossen überall in Lateinamerika sehr hohes Prestige.

1573 wurde die Kirche der Franziskaner eingeweiht, welche durch ihre verhältnismäßig schlichte Linienführung auffällt. Gegen Ende des gleichen Jh. existierten dann bereits drei plazas (Plätze) mit ihren jeweiligen Gottestempeln: die Plaza Mayor mit der Catédral (die erste fertiggestellte Kirche Quitos), San Francisco und Santo Domingo. Direkt im Anschluß daran entstanden weitere Kirchen, welche aber nicht mehr ganz die Bedeutung der bereits bestehenden nachvollziehen konnten. Quito glich im 16. Jh. einem Ameisenhaufen. War ein Gotteshaus gerade fertig gestellt worden, wurde sogleich ein neues begonnen.

Im 17. Jh. wurden viele kurz nach der conquista begonnenen Sakralbauten fertiggestellt: Die Kirchen von San Diego, San Augustín und La Compañia, die Kapellen von Cantuña, del Robo und de la Virgen del Rosario, die bereits gegründeten Klöster Santa Clara, Santa Catalina und Carmen Alto, sowie die damals weit außerhalb der Stadt gelegene Wallfahrtskirche von Guapúlo. Die Kirchenbautätigkeit verlagerte sich zunehmend auch auf andere Städte wie Riobamba oder Pomasqui (Convento y Colegio de Misioneros de Santa Clara). Die Architektur begann dabei mehr und mehr künstlerischen als religiösen Aspekten zu gehorchen, und fußte bald auf einer Vereinigung aus spanischem Barock (Arte Barroco), italienischer Renaissance, mitteleuropäischer Gotik, byzantinischer Ornamentalistik, und einer Mischung aus maurischen u. spanischen Elementen, dem sogenannten mudéjar-Stil. Der amerikanisch nuancierte Barock, der sich in erster Linie durch bewegte aufgesetzte Pflanzendekorationen auszeichnet, erreichte Ende des 17. u. Anf. des 18. Jh. seine stärkste Ausdrucksform. Ursprüngliche Elemente wie Früchte, Bäume, oder Landschaften, spielten bei diesem auf Identität beharrendem Barockstil eine immer größer werdende Rolle.

Das zur Universitätstadt gewordene Quito nahm einen überwiegend religiös monumentalen Charakter an. Besonders in dieser Epoche treten sowohl indianische wie auch gemischtrassige Künstler hervor (mestizos). Die Wohnhäuser mit ihren verschachtelten Innenhöfen (patios), Balkonen, Balustraden und Fensterchen entsprachen denen Andalusiens.

In der Verarbeitung wurde im Gegensatz zu europäischen Baumaterialien auch Lehm (adobe) stark verwendet, ganz typisch für viele Bauten des Andenhochlandes.

Im Verlauf des 18. Jh. entstanden die Kirchen von Belén und La Merced. Mit der Abschiebung der Jesuiten im Jahre 1767 endet dann plötzlich diese brillante Epoche religiöser quitenischer Architektur. Die Nachfrage nach öffentlichen und privaten Gebäuden begann immer stärker zu werden. Cuenca und Riobamba im Hochland erlebten ihren Aufstieg zu großen Agrar- u. Handelszentren. Außer in Quito bezeugen heute besonders in Cuenca noch prächtige koloniale Häuserzeilen deren architektonische Vergangenheit.

Bildhauerei: Innerhalb der Escuela Quiteña (“Quitenische Schule”) stach vor allem der Skulpturen-Zweig hervor. Die ausschließlich religiösen Thematiken wurden hauptsächlich in Holz verewigt. Stein, Wachs und Marmor wurden in viel geringerem Umfang verwendet.

Bis auf die gebürtigen Spanier Diego de Robles und Luis de Rivera brachte die zweite Hälfte des 16. Jh. diesbezüglich relativ wenig Repräsentatives hervor. Beide Künstler schufen gemeinsam die hölzernen Jungfrauen von Guapúlo, Oyacachi, El Quinche und El Cisne (in der Nähe von Loja). Erstere wurde leider durch einen Brand Mitte des 19. Jh. zerstört. Der einzige einheimische Vertreter, der nicht in der auferzwungenen Anonymität der religiösen Kunstschulen verweilte, war der Franziskanermönch Francisco Benitez.

Im 17. Jh. wurden die Skulpturen viel ausdrucksstärker, teilweise sogar furchtbar blutrünstig. Der Pater Carlos, und später José Olmos Pampite, sind in dieser Zeitspanne besonders hervorzuheben. Zu Pater Carlos bedeutendsten Werken gehören die Heiligenstatuen von San Lucas Evangelista und Jesús del Gran Poder in der Franziskanerkirche.

José Olmos, auch unter dem Spitznamen Pampite bekannt, tat sich besonders durch seine dramatischen Christusfiguren hervor. Übertrieben klaffende Wunden des Gekreuzigten, und teils herausbaumelnde Herzen (durch eine Feder beweglich gemacht), waren seine absolute Spezialität. Beispiele seines schmerzhaften Glaubens sind El Señor de los Remedios in der Kirche Belén, El Señor de la Buena Esperanza in der Kirche von San Augustín, El Señor del Divino Amor in der Kirche La Merced, oder El Señor de las Angustias.

Die Escuela Quiteña durchlief während des beginnenden 18. Jh. ihre wertvollste Schaffensperiode, und gehörte zusammen mit Mexiko und Cuzco zu den drei bedeutendsten künstlerischen Produktionsstätten auf dem amerikanischen Kontinent. Diese und andere talleres des Landes arbeiteten bereits nur noch auf Bestellung. In Cuenca leitete der indio Gaspar Zangurima sogar eine eigene Kunstschule. Ihre Werke trugen jedoch fast keine indianischen Züge, und waren ganz in der spanischen Tradition verhaftet. Gefragteste Vertreter unter den Bildhauern der Quito-Schule waren zweifelsohne der indio Manuel Chili Caspicara, sowie sein Lehrmeister Bernardo de Legarda, dessen berühmtes Werk die “Jungfrau der Apokalypse” auf dem Hauptaltar der San Francisco-Kirche eines der herausragendsten Beispiele der Arte Quiteña darstellt. Das besondere an den Figuren von Caspicara (aus dem Quechua mit “Pockengesicht” zu übersetzen) war die Ausdruckskraft der Hände, welche diejenige der Gesichter bei weitem übertraf. Seine Werke entstanden sowohl in Miniatur- als auch Originalgröße. Erstgenannte finden sich in der Kirche von San Francisco, letztere in der Empore der Kathedrale wieder (Plaza Grande). Caspicara und Legarda wurden stark vom Barock beeinflußt. wobei der indio sogar den Bogen bis hin zum Rokoko überspannte.



Verglichen mit anderen Regionen Lateinamerikas existierte in der Escuela Quiteña eine größere Portion dramatischer Nüchternheit als in mexikanischen, guatemaltekischen oder hondurenischen Skulpturen. Die Haltung der Figuren ist sittsamer, weniger verwegen, die Linienführung delikater. Die Gesichtszüge wirken außerdem europäischer als die ihrer Heiligenkollegen in Mexiko oder Cuzco, wo häufiger indianische Physiognomien eine Rolle spielen.

Malerei: Religiöse Malerei entstand in Quito zum erstenmal im Colegio de Artes y Oficios de San Andrés, welches sich der künstlerischen Instruktion der indigenas widmete. Während der Anfangsphase überwiegten noch flämische Einflüsse, später kamen dann mehr und mehr italienische Stilelemente hinzu. Im Gegensatz zur statischeren Escuela Cuzqueña versuchte die Escuela Quiteña ihren Gemälden einen voluminöseren und dynamischeren Ausdruck zu verleihen.

Zu Beginn der Kolonisierung durch die Spanier während des 16. Jh. gab es lediglich einen nennenswerten Kunstmaler: Fray Pedro Bedón, der in seinen Wandgemälden ein finsteres “Zwielicht” (claroscuro) einführte. Zu seinen Hauptwerken zählt die Virgen de la Escalera in der Kirche von Santo Domingo.

Das 17. Jh. brachte beachtliche Stilveränderungen wie die sogenannte mestizaje hervor. Christus- u. Heiligenfiguren wurden von nun an nicht nur ganz in Weiß bemalt, sondern erhielten manchmal eine kupferfarbene Haut. Die Kunstmaler machten im Laufe ihrer Schaffensperiode einen für die Zeit typischen Entwicklungsprozeß mit. Imitierten sie anfänglich noch treu europäische Vorbilder (einschl. der Gesichtsfarbe), wurden ihre Werke im späteren Verlauf eigenständiger und indianischer. Wesentliche Bedeutung erreichten hier der Mestize Miguel de Santiago, der vor allem in der Kirche von San Augustín zu bewundern ist, sowie sein Verwandter u. Lehrling Nicolás Javier de Goríbar, der es bereits auf meisterliche Art verstand zeitlose Stilelemente in seinen monströsen Gemälden unterzubringen. Z. B. Los Profetas der Kirche La Compañia, oder Los Reyes de Judá im Santo Domingo - Museum.

Im 18. Jh. streifte die Malerei dann weitgehenst ihre Monumentalität ab. Perfektion und Finesse stachen hervor.

Folkloristische und naturalistische Aspekte gaben den Ton an. Manuel Samaniego, der Hauptvertreter dieser

Schaffensperiode, wurde im besonderen von der botanischen Expedition des Spaniers José Celestino Mutis beeinflußt.

Die zarten Farbschattierungen seiner amerikanistischen Landschaftsgemälde sind in verschiedenen Klöstern u. Kirchen der Hauptstadt anzutreffen. Siehe zu Kolonialkunst auch unter “Quito”!

Arte Republicano (Republikanische Kunst, 19. bis Anf. 20. Jh.)
Die Real Audiencia de Quito, der Kolonialstaat Spaniens, verwandelte sich nach den Unabhängigkeitskriegen in eine Republik. Der Bruch mit Spanien bedeutete auch eine langsame Abkehr vom Katholizismus als Mittelpunkt. Eine kapitalistische Entwicklung stand von nun an im Vordergrund. An die Stelle religiöser Themen traten übertrieben heroische Darstellungen von Schlachten und Feldherrn.

Im architektonischen Sinne war das 19. Jh. eine reine Übergangsphase: vom kirchlichen zum zivilen, vom Barrock zum Neoklassizismus. Das einzig auffallende Bauwerk aus dieser Zeitspanne ist das Nationaltheater Sucre in Quito.

In der Malerei trat anfangs Antonio Salas hervor, der sich neben einer Reihe von Bildnissen u. Porträts (z. B. die Generäle von Simón Bolívar) auch Landschaften und der sogenannten Genremalerei widmete. Zwischen 1830 u. 1845 wurden zwei bedeutende Maler geboren: Luis Cadena und Rafael Troya, die der zweiten Hälfte des 19. Jhs. ihren Stempel aufdrückten.

Unter den Romantikern ist außer Juan Manosalvas und dem Ambateño Luis Martínez (ebenso Schriftsteller), ganz besonders Joaquín Pinto zu erwähnen. Seine Werke enthalten mitunter satirische bis groteske Elemente. Seine Landschaftsbilder gehören zu den weitaus schönsten aus der Zeit um die Jahrhundertwende.

Auf dem Gebiet der Plastiken hatte diese Epoche außer den beiden Cuencanos Gaspar Zangurima (ein Vorfahre gleichen Namens war bereits im 18. Jh. erfolgreich gewesen), und José Miguel Veléz, recht wenig zu bieten.

La Era Moderna (Sozialer Realismus, zeitgenössische und abstrakte Kunst)
Liberalismus und Idealismus führten Anfangs des 20. Jh. zur Gründung einer neuen Kunstschule, die vor allem einen großen Beitrag zur ornamentalen Malerei leistete. Der Imbabureño Víctor Mideros (1888-1969) verblieb als einzigster Vertreter traditioneller Malkunst. Unter den Vätern der modernen ekuadorianischen Malerei befinden sich die vom europäischen Impressionismus inspirierten Pedro León (1894-1956) und Camilo Egas (1889-1962, Museo Camilo Egas in Quito), sowie Manuel Rendón Seminario, 1894 in Paris geborener Guayaquileño, und sicherlich der beeindruckendste Repräsentant des neuaufkommenden proletarischen Realismus. Seine mitunter im Kubismus inspirierten Bildnisse stellen bronzefarbene Plantagenarbeiter und campesinos montubios mit groben Gesichtszügen dar. Zu seinen bekanntesten Werken, die in den Museen Guayaquils und im Casa de la Cultura in Quito zu sehen sind, gehören El Mayordomo (der Vorarbeiter), La Comadre (die Hebamme) und Hombre del Acordeón (Ziehharmonikamann).

Zu den besten Skulpturisten dieser anklagenden Neuzeit gehörte der aus Italien stammende Luigi Casadío (1915-1933 in Ecuador lebend) mit seinem Monument zu Ehren von Gonzales Suárez, und Luis Mideros (1898-1970), der eine großartige Freskenarbeit am Parlamentsgebäude leistete.

Die nachfolgende Generation inspirierte ihre Werke hauptsächlich in den Erfahrungen der russischen Revolution und dem mexikanischen Muralismus. Wobei Leonardo Tejada (Latacunga 1908), der Holzschnitzer Galo Galecio (Vinces 1908) und Diógenes Paredes (1910-1968) zu den ersten Malern magisch folkloristischer bzw. expressionistischer Formen zahlten.

Eduardo Kingman (1913) gab seinen realistischen Händen und Gesichtern eine ungemein dramatische Ausdruckskraft, welche die jahrhundertealten Qualen der indianischen Bevölkerung widerspiegelte. Der gebürtige Lojano, seit 1935 ständig in Quito lebende indígenista, hob vor allem das populäre, mestizen- u. “cholohafte” hervor. Er gilt heute als einer der hochdotiertesten Maler des Landes. Zu seinen bekanntesten Bildern zählen Mujer Ecuatorial oder La Sed (beide 1953). Diese und andere seiner auf subtile Weise mitreißenden Werke sind z. B. in der Casa de la Cultura in Quito zu bewundern.

Über den Quiteño Oswaldo Guayasamín (geb. 1919), dem leidvollsten unter den ekuadorianischen Expressionisten, welcher laut eigenen Angaben bereits vor 3.000 Jahren geboren wurde, gibt es für Kunstkenner eigentlich wenig hinzuzufügen. Seine kolossal tragischen, von extremer Schwermut getragenen Gemälde, die von unsagbarem Leiden in menschlichen Antlitzen und übergroß dargestellten Hände erzählen, machten ihn weltberühmt. Der 79-jährige gilt heute als einer der ganz großen lateinamerkanischen Maler dieses Jahrhunderts. Ein eigens von ihm geschaffenes Museum, die Fundación de Guayasamín in Quito, gibt einen Überblick über seine bekanntesten Werke.

Weitere neuzeitliche Maler des Landes, seien hier der Einfachheit halber nach Geburtsjahrgängen aufgelistet: Hugo Cifuentes (Otavalo 1923, abstrakt folkloristisch), Ricardo Florsheim (geb. in Hamburg 1924, seit 1981 im barrio Las Peñas in Guayaquil, ironisch urbaner Expressionismus), Aníbal Villacís (Ambato 1927, präkolumbische Motive), Judith Gutierrez (Babahoyo 1927, esoterischer Realismus), Gilberto Almeida (San Antonio de Iarra 1928, abstrakt folkloristisch), Luis Molinari (Guayaquil 1929, Dreidimensionalität), Oswaldo Moreno u. Humberto Moré (beide 1929, Inkorporationen), Enrique Tábara (Guayaquil 1930, abstrakte Fuß-, Bein- u. Baumsymbolik), Estuardo Maldonado (Pintag 1930, Formalist), Oswaldo Viteri (Ambato 1931, sugestive mestizenhafte Kompostionen), Jaime Villa (Baños 1931, visuelle Rhetorik), Francisco Coello (Ambato 1933, figurativ monströs, heute in der Schweiz lebend), Germán Pavón (Otavalo 1933, dekorative Geometrie mit indianischen Wurzeln) u. Juan Castillo (San Antonio de Ibarra 1934, lyrischer Realist), Theo Constante (Guayaquil 1934, abstrakte Licht- u. Farbenspiele).

Eine darauffolgende, von Francis Bacon und dem Mexikaner José Luis Cuevas beeinflußte Generation, wurde vor allem durch den naiven quitenischen Traumtänzer Endara Crow (1936-96) eingeleitet, der in den 80er Jahren einen geradezu kometenhaften Aufstieg erlebte. Seine ausufernd phantasievollen Stadtlandschaften sind mit kunterbunten Kolonialhäusern, Luftballons, Riesenäpfeln, Einhörnern und himmlischen Dampfeisenbahnen gespickt. Endara Crow gehört heute zu den meistimitierten Künstlern des Landes. Die Preise für ein Original sind nach seinem Tode inzwischen ins unermeßliche gestiegen.



Weitere interessante Vertreter der Moderne sind Voroshilov Bazante (Ambato 1939, abstrakt), der Chilene Carlos Catasse (Santiago 1944, abstrakt), Nelson Román (Latacunga 1945, magische Deformationen), Juan Villafuerte (geb. in Guayaquil 1945, gest. in Barcelona 1977, Anhänger des Feismus, wobei das Wort feo auf dt. mit häßlich gleichzusetzen ist), Washington Iza (Quito 1947, Lichträume), Jorge Artieda (Yaruquí 1946, abstrakt), Ramiro Jácome (Quito 1948, satirisch-kritische Entmysthifizierung der Geschichtsschreibung, Bruch mit herkömmlichen Maltraditionen), Carlos Víver (Quito 1946, magische Ironie), Napoléon Paredes (Quito 1947, Feismus), Miguel Varea (Quito 1948, unter den sogenannten feístas einzuordnen), Mariela García (Guayaquil 1950, abstrakt).

Stiche, Gravierungen und andere Materialien: Peter Mussfeldt (geb. in Berlin 1938, seit 1962 in Ecuador) und Nicolás Svistoonof (geb. in Shanghai 1945, seit 1953 in Ecuador) gehören hier zweifelsohne zu den herausragensten Exponenten, auch wenn einige der bereits erwähnten Künstler außerordentliche Arbeiten auf diesem Gebiet zustande brachten. Als versierte Künstler mit dem Zeichenstift behaupteten sich Giti Norman (1941), Pilar Bustos (Quito 1945), Luis Aguirre (Quito 1946), Roosvelt Cruz (Guayaquil 1946), Julio Montesinos (Cuenca 1947) und Eda Muñoz (Quito 1948). Unter den Skulpturisten stoßen wir zwangsläufig auf den Altmetall verarbeitenden Milton Barragán (Riobamba 1934), sowie Jorge Sweet (Guayaquil 1925) und dem konzeptionell innovativen Mauricio Bueno (Quito 1939).

Die letzte Generation

Hauptmerkmal dieser jungen Multitalente in der Malerei ist eine grenzenlose Ausweitung ganz unterschiedlicher Tendenzen. Fernando Torres (Lago San Pablo 1952), Pedro Niaupari (Quito 1954) und Jorge Perugachy (Otavalo 1954) basieren ihre Kunstwerke im sogenannten mágico americano, einer lateinamerikanischen Variante des Surrealismus.

Andere wiederum folgen einem ganz neuen Trend innerhalb des Feismus. Dazu gehören Carlos Rosero (Chone 1952), José Villareal (Ibarra 1957), Hernán Cueva (Quito 1957), und der von beißendster Originalität geprägte, inzwischen hochdotierte Italo-Ekuadorianer Luigi Stornaiolo (Quito 1956), dessen grotesk verzerrte Bildnisse von schockierend wollüstigem Sarkasmus und krasser Gesellschaftskritik überzogen sind. Er gilt heute als einer der herausragensten Künstler des Landes. Seine hemmungslos morbiden wie blasphemischen Werke, die alle bisherigen Kunstrahmen zu sprengen scheinen, haben u. a. auch in Australien das Publikum auf beunruhigende Weise seduziert. Besonders erwähnenswert sind hierbei Caracteres de Miseria en el V. Piso (1994), Referente Amazónico (1989), Salinas (1992), sowie jede Menge anderer abstoßend anziehender Gemälde. Ein ganz heißer Tip für Kunstsammler mit dickem Portemonnaie!

Die neoexpressionistische Sparte ist vor allem durch Pablo Barriga (Quito 1948, Popart), Marcelo Aguirre (Quito 1956, düstere Farben), Carlos Castillo (Ibarra 1956, Neue Wilde), Pilar Flores (Quito 1957, großformatig), dem gebürtigen Chilenen Alejandro Vásquez (1959, dramatischer Erotismus), und dem jungen knallharten Deformisten Whitman Gualsaquí (Otavalo 1969) vertreten.

Foto:Luigi Stornaiolo - Salinas!

Artesanía (Populäres und indianisches Kunsthandwerk)
Unter dem Begriff Volkskunst, arte popular, arte folclórica, artesanía oder arte indígena, werden die in populären Kulturbereichen verwurzelten Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus Stroh, Holz, Wolle, Leder, Ton, Stein o. Metall zusammengefaßt. Die Ursprünge dieser volkstümlichen Kunst sind in den Traditionen und spirituellen Bedürfnissen lokaler und regionaler Bevölkerungsgruppen zu suchen. Die handgefertigten Artikel und Gegenstände zeichnen sich meist durch ihre Persönlichkeit aus, keines gleicht dem genau anderen, selbst wenn die Unterschiede oftmals nur minimal sind. Wasserdichte Hüte aus Palmstroh, bunte Papageien aus Balsaholz, Teppiche aus Schilf, Pullover u. Ponchos aus Lamawolle, Hängematten u. Netztaschen (shigras) aus Lianen, Schachfiguren aus Tagua-Nüssen, naive Malerei auf Schafshäuten, oder aufwendig verarbeiteter Gold-, Silber- u. Kupferschmuck, sind nur einige Beispiele dieser eigenständigen, variationsreichen, und qualitativ ganz widersprüchlichen, inzwischen völlig etablierten Kunstrichtung. Zu den Charakteristiken der irrtümlicherweise auch als Souvenirkunst u. Airport-Art abgewerteten Kreationen, gehören sowohl vielfältige Darstellungen aus dem Flora- u. Faunabereich, sowie die Verwendung indianischer Motive.

Die ungar-deutsche Immigrantin Olga Anhalzer Fisch setzte sich seit den 40er Jahren bis zu ihrem Tode 1993 unermüdlich für das populäre ekuadorianische Kunsthandwerk ein, und führte dies praktisch im Alleingang aus seinem Schattendasein. Die ehemalige Düsseldorfer Kunststudentin gilt als Wegbereiterin des in den 70er Jahren einsetzenden Aufschwungs folkloristischen Schaffensdrangs. Ihr vornehmes Folklore-Geschäft befindet sich in der Av. Colón 260 in Quito, zw. 12 de Octubre u. 6 de Diciembre.

Eine Schatztruhe sowohl an ekuadorianischem wie auch lateinamerikanischem Kunsthandwerk stellt die Galería Latina dar, Av. Juan León Mera in Quito (zw. Pres. Wilson u. Veintimilla). Auf zwei Stockwerken findet der anspruchsvolle Artesanía-Freund hier so ziemlich alles was das Herz begehrt: Wandteppiche, Schmuck, Alpakapullover, Lederwaren und Keramik.

Die staatliche Organización Comercial Ecuatoriana de Productos Artesanales (OCEPA) kümmert sich hingegen um die weltweite Kommerzialisierung preisgünstiger ekuadorianischer Souvenir-Kunst. Größter Absatzmarkt der Organisation ist Nordamerika. Calle Carrión 1236 y Versailles in Quito.

Textilien und Stickereien: Unter den Kunstwebern Ekuadors stechen besonders die Otavaleños aus der Provinz Imbabura hervor, welche derzeit den landesweit größten Produktionsumfang an textiles artesanales innehaben. Der berühmte Samstagsmarkt von Otavalo gehört bei Touristen aus aller Welt mit zum Pflichtbesuch einer jeden Ekuadorreise. Umgekehrt scheint ein jeder Ort auf der Welt auch zum Pflichtprogramm der Otavaleños zu gehören.

Man sieht ihre langen geflochtenen Zöpfe, die dunkelblauen Ponchos und weißen Leinenhosen, in fast allen Fußgängerzonen europäischer und nordamerikanischer Stadtzentren.

Die aus präkolumbischen Zeiten herrührende ikat-Färbetechnik besteht aus einer rein oberflächlichen Einfärbung, während abgedeckte Stoffteile ihre ursprüngliche Farbe beibehalten. Diese schnelltrocknende Technik ermöglicht bereits im Verlauf einer Webarbeit die gleichzeitige Einfärbung variantenreicher Muster und Designs.

Der Poncho zählt mit zum gebräuchlichsten Kleidungsstück der ekuadorianischen Hochlandbevölkerung. Er drückt bei den indígenas soziale Stellung oder Wohlstand aus. Die sogenannten dos caras - Ponchos der Otavaleños, mit unterschiedlichen Blautönen im Bund und auf der Innenseite, deuten auf eine beneidenswerte sozial-ökonomische Lage des Trägers hin. Die rosarot-gestreiften Lamawoll-Ponchos aus Natabuela (Prov. Imbabura), welche nur zu bestimmten Anlässen wie z. B. dem Fronleichnamsfest getragen werden, sind die farbenprächtigsten des Landes. Aus der Chimborazo-Region heben sich besonders die rot-blauen Ponchos aus Cacha hervor, welche ikat-Einfärbungen in Form von Treppen-Rautenmustern aufweisen. Die Saraguro-Indianer ganz im Süden des Landes benutzen einen übergroßen schwarzen Poncho mit violetten Seitenstreifen.

Tapices und alfombras (Wandteppiche/Teppiche) werden auf ekuad. Territorium seit Jahrhunderten produziert. Unter den bunten Wandteppichen des Otavalo-Marktes fallen besonders die vielen Tiermotive, vornehmlich Darstellungen von Fischen und Kranichen ins Auge. In Guano (Chimborazo-Region), dem bedeutendsten Zentrum handgeknüpfter Läufer und Schafswollteppiche in Ecuador, werden ganz unterschiedliche Modelle mit geometrischen oder geblümten Mustern angeboten. Die Qualität hängt dabei von der jeweiligen Knotenmenge pro Quadratmeter ab. 40.000 Knoten sind die Regel, bei den feineren Teppichen sind es bis zu 60.000 Knoten. Importierte Chemiefarben sind die Norm. Die in Quito produzierten Schafswollteppiche der Firma Tingo ähneln ein wenig den dickflauschigen Tibeter-Teppichen aus Zentralasien. Zwei Geschäfte vertreiben die mit teils präkolumbischen Motiven versehenen alfombras: Av. Amazonas 897 y Wilson (Tel. 527827), oder weiter nördlich in der Av. Amazonas 5360 e Isla Baltra (Tel. 249068).

Auch in Ambato werden mitunter schöne Teppiche hergestellt. Die wollenen Prachtstücke der Designerin Paula Barragán zählen hierbei zu den künstlerisch wertvollsten Arbeiten des Landes.



Die unterschiedlichen Details der bordados, Handstickereien, schmücken und identifizieren vornehmlich die Blusen indianischer Frauen. Jede Region des Andenhochlandes weist andere Farben und diseños auf. Die in Blumen u. Blättern, sowie Bauernszenen inspirierten Stickereien auf Kleidungsstücken, Tüchern und auch Servilleten aus der Gegend um Cayambe, Olmedo, Zuleta, Angochagua, La Esperanza und Mariano Acosta (Prov. Imbabura), erfreuen sich landesweit großer Beliebtheit. Auch viele Frauen aus Chordelég (bei Cuenca) verbessern die dürftigen Familieneinkünfte mit der Herstellung dieser dekorativen artesanía.

Sombreros de lana, Wollhüte, werden vor allem in den Hochlandprovinzen Cotopaxi, Tungurahua, Chimborazo, Bolívar u. Cañar von der indianischen Bevölkerung bei allen Alltagstätigkeiten getragen. Bei den Saraguro- u. Salasaca-Indianern hingegen werden die breiten, teils mit Gips oder Mehl gestärkten sombreros lediglich bei festlichen Aktivitäten zur Schau gestellt.

Keramik: Die Wurzeln ekuadorianischer Töpferkunst sind bis auf 5.000 Jahre zurück zu verfolgen. Die Entdeckung der kleinen Venus-Figuren der Valdivia-Kultur erregte in internationalen Fachkreisen sogar weltweites Aufsehen. Hatte man bis dahin die Entstehung der Keramik auf dem Kontinent einem viel späteren Zeitpunkt zugeschrieben, so mußte diese Ansicht bereits während der 50er Jahre, nach den sensationellen Funden des Guayaquilenischen Archäologen Emilio Estrada, revidiert werden. Die Venus de Valdivia, Symbol von Fruchtbarkeit und Geschlechtsreife, gilt heute als magischer Schrittmacher der gesamten amerikanischen Keramikproduktion.

Im Laufe der Jahrhunderte durchfuhr die Töpferkunst mehrere glanzvolle Etappen, deren schöpferischste Vertreter sowohl an der Küste wie auch im Hochland beheimatet waren. Zu den wertvollsten Keramiken zählen unter anderem die “Fliegenden Untertassen” der Narrío-Kultur (südl. Hochland), die “singenden Krüge” der Chorrera-Kultur (Küste), die zoomorphen - anthropomorphen Schamanen- und auch Erotikfiguren der Jama Coaque-, Bahía- u. La Tolita-Kultur (Küste), oder die “langen Nasen” der Manteño-Kultur (Küste), um nur einen Bruchteil von ihnen zu nennen. Frauen, Krieger, Jäger, Seefahrer, Künstler, Philosophen und Fabelwesen geben anhand von süßlichen wie furchteinflössenden Darstellungen Aufschluß über die Bedeutung der uralten Töpfertraditionen Ekuadors.

Die wichtigsten Produktionsstätten des Landes sind heutzutage sowohl im Hochland, im Küstenbereich, als auch im Amazonastiefland zu finden. Besonders hervorzuheben ist der kleine Ort La Pila im südlichen Manabí (Küste), welcher sich auf die detailgetreue Reproduktion präkolumbischer Figuren, Masken u. Krüge, sowie liebevoll erstellten Strassen- u. Alltagsszenen spezialisiert hat.
Auf dem Markt von Pujilí, in der zentralen Andenprovinz Cotopaxi, werden vor allem festliche Bauernszenen, Tänzer, Musiker, Stierkämpfer und auch Hazienda-Tiere dargestellt. In Cuenca, Chordelég u. Gualaceo erreicht die Keramikproduktion inzwischen massive Ausmaße. Schön dekoratives, mit Tier- u. Pflanzenmotiven versehenes Steingutgeschirr, sowie Markt- u. Alltagsszenen, Modellhäuschen, Ranchera-Busse, und abstrakte Gegenstände bilden ein breitgefächertes Spektrum. Zu den Meistern in dieser Region zählt der in Chordelég lebende Künstler Salvador López. Seine Werkstätte befindet sich am Eingang des kleinen Städtchens. Die Krüge, Schalen, Teller u. Tassen des vor über zehn Jahren verstorbenen maestros Pompillo Orellana, ebenfalls aus Chordelég, gehören heute landesweit zu den kostbarsten Kunstobjekten auf diesem Sektor.

Im amazonischen Puyo, Provinz Pastaza, werden mit mythischer Tiersymbolik versehene Schalen und Krüge hergestellt. Kleine bis mittelgroße Figuren monstergleicher Fabeltiere und unter Drogeneinfluß stehender Schamane, zählen zum attraktiven Repertoire dieser delikaten, und infolgedessen auch leicht zerbrechlichen quichua-canela-Keramik aus dem tropischen Einzugsbereich des Río Pastaza. Viele Geschäfte in Quito vertreiben diese unter Touristen mehr und mehr beliebten Kunstobjekte.

Schmuck: Die bedeutendste Edelmetallschmiede des antiken Ecuador brachte die La Tolita-Kultur aus der nördlichen Esmeraldas-Region hervor, die es bereits vor über 1.500 Jahren verstand Gold mit Platin zu verschmelzen. Leider sind aus dieser Epoche nur ganz wenige Schmuckstücke wie ein geklopft-geflochtener Brustkorbschmuck, oder eine Grabmaske mit dem beweglichen Antlitz des Sonnengottes (dem die Winde ewiges Leben einhauchten) erhalten geblieben. In den weitläufigen Ausstellungsräumen der Casa de la Cultura in Quito sind diese einzigartigen archäologischen Fundstücke zu bewundern.

Unter dem Begriff cera perdida versteht man eine altüberlieferte Technik zur Herstellung von Gußformen mit Hilfe von Bienenwachs, Lehm u. Stroh. Diese äußerst prekäre Art der Metall-Modellierung tauchte erstmals auf der Halbinsel Santa Elena auf, wo nachwievor kupferne, bronzene u. silberne Objekte wie Gürtelschnallen oder Reitsporen aus alten Münzen entstehen.

In vielen Regionen des Hochlandes sind komplizierte Ohrgehänge, schwere Silberarmreife, venezianisch anmutende Perlenhalsketten aus Korall bzw. alten Silbermünzen, sowie übergroße tupus, Schalnadeln aus Silber-, Messing,- u. Nickellegierungen die bevorzugten Accessoires indianischer Frauen. In Quito und Guayaquil verbinden die renommiertesten Juweliere inzwischen althergebrachte Techniken mit modernen Designs. Die Inkorporation präkolumbischer Edel- und Halbedelsteine wie Smaragde o. Lapislazuli, gibt den oftmals avangardistischen Schmuckstücken einen regionalen Beigeschmack.

Filigraner Gold- und Silberschmuck wird heute vor allem in der Region um Cuenca und Chordelég angefertigt. Barocke Verschnörkelungen gehören zu den Charakteristiken der dort beheimateten, auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblickende Juwelierzunft. Verspielte Ohrringe, Armreife, Broschen, Anstecknadeln (tupus), oder dekorative Schauobjekte fürs gepflegte Wohnzimmer, sind in dieser südlichen Cañar-Provinz preisgünstiger als in der Landeshauptstadt zu finden.

Außergewöhnliche Halsketten, Ohrringe, Armreife und größere Kunstgegenstände aus schwarzem Korall werden vornehmlich in Atacames (La Boutique del Ministro), in anderen Orten der nördlichen Küste, und in Guayaquil hergestellt. Auf den im Aussterben begriffenen letzten Coral Negro muß freilich hingewiesen werden. Einfach nicht kaufen das Zeug!

Leder, Holz, Balsa, Bambus, Liane, Stroh, Nüsse, Horn, Brotteig, Muscheln, Knochen, Ziegenhaut & Zähne:
Lederwaren aller Art werden heute vornehmlich in Cotacachi, eine gute Viertelstunde nordwestlich von Otavalo, hergestellt. Den ersten Aufstieg zum Lederzentrum des Landes erlebte das kleine Andenstädtchen während des zweiten Weltkrieges, als die Nachfrage für rindslederne Zigarettenetuis seitens der US-Armee gewaltig anstieg. Beamte, Bäcker und Bauern verließen ihre angestammten Arbeitsplätze. Sämtliche Anwohner Cotacachis widmeten sich von nun an, weitab von den Kriegsgeschehnissen in Europa, ausschließlich dieser einträglichen Tätigkeit. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges mußten dann viele der plötzlich entwurzelten Etui-Hersteller ins benachbarte Kolumbien auswandern, und Cotacachi geriet erstmal wieder in Vergessenheit. In den 70er Jahren begann für die Cotacacheños dann erneut der Aufschwung. Die heutigen Zielmärkte des Cotacachi-Leders sind sowohl auf den kolumbianischen und überseeischen Touristenzustrom, als auch auf die Sättigung des Binnenmarktes ausgerichtet, in erster Linie die Landeshauptstadt Quito. In ganz Cotacachi lebt ein jeder wieder vom Leder. Mehrere Dutzend Geschäfte entlang der Hauptstraße machen dies mehr als deutlich. Jacken, Taschen, Portemonnaies, Gürtel u. Schuhe zählen zu den meistverkauften Artikeln. Qualität (Reißverschlüsse) und Designs entsprechen dabei nicht immer den gewünschten Anforderungen. Dies sollte beim Kauf berücksichtigt werden.

In der Gegend um Portoviejo, Chone und Flavio Alfaro in der Küstrenprovinz Manabí wird ebenfalls Leder kunstvoll verarbeitet. Schöne Pferdesättel, Reitgerten und Machetenscheiden umfassen das Angebot. Im südl. u. zentralen Hochland hingegen gibt es in Cuenca und Ambato mitunter die interessantesten Sattlereien.



Eine vielfältige Auswahl an Holzmasken wird in Tigua, Zumbahua, Pujilí und Saquisilí, in der Andenprovinz Cotopaxi angeboten. Zu den Altmeistern unter den mythologischen Tier- und Menschenmaskenbildnern zählt Alejandro Jacha aus dem Städtchen Saquisilí. Nußbaum, Binsenholz (junco), und manchmal auch Zedernholz wird zu deren Herstellung verwendet.

Ebenfalls aus Tigua stammen auf Schafshaut und Holzschemeln verewigte naive Malereien, die hauptsächlich Bauern- und Landschaftsszenen wiedergeben. Sie gehören mit zu den begehrtesten Kunsthandwerksobjekten und haben inzwischen massenweise Nachahmer gefunden. Die überall auf Quitos Strassen angebotenen bunten Naiv-Gemälde mangeln jedoch oftmals an Originalität und Qualität. Nur wenige der improvisierten Strassenverkaufs-Künstler erreichen dabei das Niveau der alteingessenen Tigua-Meister.

San Antonio de Ibarra ist für seine preiswerten, religiösen und bäuerlichen Holzfiguren in allen Größen bekannt. Zwischenzeitlich werden aber auch moderne Holzplastiken angefertigt.

Holzgeschirr aus guayacán, Zeder- und Lorbeerbaum in zeitlosen Designs findet man hingegen in Cuenca. Wogegen naturbelassene Tierfiguren, Miniatur-Einbaumkanus und übergroße Suppenlöffel, von den Chachis-Indianern in den Niederungen des Río Cayapas (nördl. Esmeraldas) geschnitzt werden.

Auf der Halbinsel Santa Elena werden preiswerte Möbel aus palo de vaca, einem sehr leichten hellen Holztyp produziert, sowie weit exklusivere aus dem legendären Guayacán-Holz. Die Designs entsprechen einer Mischung aus lokalen, südländischen u. skandinavischen Einflüssen.

In der Provinz Manabí und im Noroccidente von Quito werden einfache Klappstühle, Sonnenliegen, Kommoden oder auch Küchenmöbel hergestellt, und mancherorts an Wochenenden direkt am Straßenrand verkauft.

Puyo, die Hauptstadt der Amazonas-Provinz Pastaza, hat sich auf die Verarbeitung von Balsaholz spezialisiert. Bei den zoomorphen, aus Tierkörpern “herausgewachsenen” Hockern, Schemeln u. Bänken, handelt es sich um Häuptlingsinsignien der amazonischen Waldlandkulturen, welche auf die Position des Besitzers hinweisen. Den allergrößten Teil der Balsaproduktion aus Puyo machen jedoch die bunten Papageien u. Tukane, Gürteltiere u. schwenkbaren Schlangen, Tropenfische u. Früchte aus. Auch in Baños werden die beliebten Souvenirs gefertigt. In Quito ist jedes Artesanía-Geschäft voll davon.

Möbel aus bambú o. guadúa (Bambus), aus mimbre (einer Lianenart namens pitigua), oder aus paja toquilla (einer Palmstrohart) werden in Quito auf dem Mercado Santa Clara, und in der Provinz Manabí in Montechristi angeboten.

Letzterer Ort ist darüberhinaus die Wiege des Feinsten aller Strohhüte, dem sombrero fino de Panamá. Siehe im Routenteil unter “Montechristi”. Aber auch im Hochland werden in der Gegend um Cuenca superfeine Strohhüte hergestellt. Eine Reihe von unterschiedlichen Naturfasermaterialien in Form von Körben (canastas), Untersetzern, Lampenschirmen oder Fußabtretern (rodapiés), werden an vielen Orten der Küste und des Hochlandes oftmals schon am Straßenrand verkauft.

Shigras (Netztaschen) und hamacas (Hängematten) aus den widerstandsfähigen Fasern der Chambira-Palme gibt es an manchen Orten im Oriente (Amazonastiefland) zu kaufen (z. B. in Puyo o. Macas). Nylon-Vermischungen sind jedoch immer häufiger. Auch geht der Rohstoff durch die große Nachfrage so langsam zu Ende. Die Preise für die hundertprozentigen Naturfaserprodukte sind daher stark gestiegen. Der Arbeitsaufwand für eine Shigra liegt bei vier Tagen, für eine Hängematte braucht es bis zu einem Monat und mehr.

Die harte Kernfrucht der Tagua-Palme, auch als “vegetarisches Elfenbein” bezeichnet, hat in den letzten Jahren, dank Ökowelle und Tourismus, ein geradezu kometenhaftes Revival erfahren. Tagua wurde schon vor mehr als einem Jahrhundert für die Herstellung von Knöpfen, Kronenkorken, JoJos und Schachfiguren verwendet. Im Zuge der eintretenden Plastik-Ära verlor der wunderschöne Rohstoff dann mehr und mehr an Bedeutung. Größter Auslandsabnehmer ist derzeit wie damals Deutschland, gefolgt von Japan, Italien und der Schweiz. Spielzeug und kleine Kunstobjekte aus Tagua werden heute vor allem in der Andenstadt Riobamba hergestellt. Die Anbauzonen der 5-6 m Palme befinden sich aber in Höhenlagen unter 1.500 Meter. Siehe auch im Routenteil unter “Manabí”!

Außergewöhnliche Kunstmöbel, Schachspiele,Spielwürfel und futuristische Objekte aus Kokosnuß werden in vereinzelten Geschäften in Quito und Guayaquil angeboten. Buntbemalte Figuren und Weihnachtsbaumschmuck aus Brotteig (Calderón bei Quito), Kämme und Pillendöschen aus Horn oder Knochen (Küste u. Hochland), Schrumpfköpfe aus Ziegenhaut (Südoriente), Glücksbringer aus Muscheln (Küste) und Zahnamulette (Oriente), vervollständigen die reichhaltige Palette typisch ekuadorianischer Souvenirs und Artesanía.

 

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