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Lago Agrio - Schwarzes Gold und schwarzer Fluch
Im weiten Umfeld von Lago Agrio (und auch Coca) gab es vor weniger
als 20 Jahren nichts weiter als dichten jungfräulichen Urwald.
Nach der Entdeckung der ersten großen Erdölvorkommen,
und der darauffolgenden Inbetriebnahme der Trans-Ekuadorianischen
Pipeline im Jahre 1972, setzte dann der Boom ein. Arbeiter des Texaco-Konzerns,
Strassenbautrupps, Jäger, Glücksritter, Holzfäller,
Soldaten, Schmuggler, Prostituierte und entwurzelte Indios, waren
die ersten Bewohner und Stadtgründer. Eine in der Region um
Loja anhaltende strenge Dürreperiode sorgte Anfang der 70ziger
Jahre für einen zusätzlichen Immigrationsschub aus dem
südlichen Ecuador. Der damalige Präsident Velasco Ibarra
stellte den förmlich “verdurstenden” Lojanos sogar
eine Militärmaschine für die lange Reise ins “neue”
Loja zur Verfügung.
Die Texaco führte zwischen 1963 u. 1964 bereits erste Probebohrungen
im nahen Camp von Santa Cecilia durch. Zu dieser Zeit gelangte die
Vorhut des mächtigen Konzerns noch von Limoncocha aus auf dem
Fußwege in die damals unwirtliche Gegend. Wenig später
entstand bereits eine Start- u. Landepiste. Zwei Geologen (ein europäischer
u. ein nordamerikanischer Kollege), die mit den Untersuchungen der
Gesteinsformationen beauftragt waren, gaben dem Ort den Namen “Sour
Lake”, in Reminiszenz an das erste in Texas erschlossene Bohrloch.
Im Jahre 1972 wurde dann mit der Förderung des ersten pozo
Lago Agrio I. begonnen. Heute werden von der Sammelstelle Lago Agrio
aus fast täglich 400.000 Tonnen Rohöl über die Anden
nach Esmeraldas gepumpt - nahezu die gesamten ekuadorianischen Erdölreserven
mit Ausnahme von La Libertad auf der Halbinsel Santa Elena.
Touristen, die sich bereits in Quito
einer organisierten Reisegruppe ins Amazonasgebiet (z. B. nach Cuyabeno)
angeschlossen haben, werden von der Stadt selbst, außer dem
Flugplatz und dem Bootssteg auf dem Weg zu oder von einer der Dschungel-Lodges,
nicht allzu viel mitbekommen. Individualreisenden bleibt nach langer
Bus- oder Kanufahrt eine Übernachtung im dampfend heißen
Lago Agrio meistens nicht erspart. Dabei gilt es zu bedenken, daß
die Stadt die höchste Kriminalitätsrate des Landes aufzuweisen
hat. Von abendlichen Spaziergängen abseits der Hauptstraße
Avenida Quito sei daher dringend abzuraten. Durch die Nähe
zur kolumbianischen Grenze hat sich allerhand Verbrechertum in Lago
Agrio niedergelassen, die Unterschlupfmöglichkeiten sind praktisch
grenzenlos.
Europäische Mägen müssen auch im drückend schwülen
Lago Agrio nicht
verhungern. Der Speiseplan ist hierbei etwas reichhaltiger als im
drei Stunden südlich gelegenen Coca. Vor den Garküchen
im und um den Zentralmarkt sei jedoch geraten Abstand zu nehmen.
Nur hartgesottene Weltenbummler, die nach wochenlangem Dschungelabenteuer
und überstandenen Magen-Darm Infektionen wieder heil nach Lago
zurückkehren, könnten solch ein kulinarisches Experiment
vielleicht schon aus krassem Bargeldmangel heraus wagen.
Die Dschungelführer und Abenteuer-Reisebüros von Lago
Agrio beabsichtigen in Zukunft mehr Einfluß auf den Touristenstrom
auszuüben, d. h. mehr vom großen Kuchen abzubekommen.
Nach eigenen Aussagen haben bisher nur die großen Agenturen
in Quito abgesahnt. Für die Region selbst soll dabei wenig
übriggeblieben sein. Von Arbeitsplätzen gar nicht zu reden,
da manche Agenturen aus der Hauptstadt oft ihre eigenen Führer
mitschicken.
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