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Eine Dreiviertelstunde von Tena, und spektakuläre 3.500 geradlinige
Kilometer vom Amazonasdelta am Atlantik entfernt, liegt der von
Quito aus betrachtet naheste
Flußhafen des ekuadorianischen Oriente.
Bei den Einbaumkanus am Sandstrand, wo der Río Misahuallí
in den bereits schiffbaren Río Napo mündet, endet dann
auch die holprige Straße. Ein paar freche Kapuzineraffen turnen
durch die Baumkronen. Kinder und Erwachsene baden in der gemächlichen
Strömung. Weiterreisende müssen hier auf eines der langen
Motorboote umsteigen, die das Dorf Misahuallí sowohl mit
anderen Ortschaften, als auch einigen Urwald-Lodges an den Ufern
des Río Napo verbindet.
Das etwa 1.000 Einwohner zählende Dschungeldorf liegt vor allem
wegen des Zusammenflusses der beiden Ströme Napo u. Misahuallí,
an einem sehr attraktiven Ausgangspunkt für Urwald-Spaß
und kurze Exkursionen in den trop.
Regenwald. Obwohl in der Umgebung von Misahuallí selbst nur
noch wenig Primär-Urwald bleibt, gibt das völlige Fehlen
von Ölbohrtürmen, Pipelines und deren tourismus-feindlichen
Konsequenzen (siehe Coca / Lago Agrio), dem Dorf eine durchaus idyllische
Ausstrahlung. Zudem grünt und blüht es überall aus
nächster Nähe.
Vielerlei kleine Restaurants, Hotels und Dschungeltour- Agenturen,
scharen sich in erster Linie um den kleinen baumbestandenen Dorfplatz,
welcher u. a. mit einer wunderschönen Morete-Palme geschmückt
ist. Die Bewohner sind freundlich und Touristen sind gern gesehen.
Selbst das destacamento militar (Militärposten) tut dem gemächlichen
Misahuallí-Tagesablauf keinerlei Zwang an. Ein guter Ort
um ungestört Dschungel-Ambiente zu schnuppern, die tropische
Wärme zu genießen, oder einfach das laute, versmogte
Quito zu vergessen.
Kurzweilige Urwaldtrips von ein bis drei Tagen Dauer, sowie längere,
interessantere Dschungeltouren in tiefere Regionen des ekuad. Amazonasflachlandes,
können von hier aus unternommen werden. Für Exkursionen
in entlegenere Gebiete braucht es allerdings eine fünf bis
sechsköpfige Gruppe, um somit den Preis für ein Motorkanu
zu rechtfertigen. Wer vom hübschen Misahuallí aus tiefer
in den Urwald hinein möchte, muß aber mit einem etwas
größeren Zeitaufwand rechnen als dies z. B. vom häßlichen
Coca aus der Fall wäre - etwa sechs Stunden flußab am
Napo gelegen.
Dschungeltouren
Vor unzuverlässigen, sporadischen Tourenanbietern, die am Sandstrand
von Misahuallí Dschungelexkursionen zu Dumping-Preisen anbieten,
wird gewarnt. Viele dieser Touren versprechen meist mehr als sie
dann halten. Von halbverhungerten, wie auch auf irgendwelchen Sandbänken
des Napo-Ufers zurückgelassenen Touristen, wurde berichtet.
Um Betrügereien dieser Art zu vermeiden, sei dazu angeraten
nur autorisierte und erfahrene guias (Führer) zu kontaktieren.
Diese Führer haben eine Lizenz der staatlichen Tourismusbehörde.
Die Preise für ein Urwaldabenteuer per Kanu und zu Fuß
(z.B. die Pañacocha-Lagune) bewegen sich zwischen 30 u. 40
USD pro Tag u. Person, alle Mahlzeiten u. Führungen inbegriffen.
Für mehrtägige Spezialtouren zu ausgefalleneren Zielen
in die tieferen Amazonasregionen (z.B. Río Cononaco o. Río
Shiripuno), zwischen 40 u. 60 USD pro Tag u. Person. Gebratene Pirañas
und Jagdfleisch tragen neben köstlich zubereiteten Spaghettis
u. a. zur Versorgungsgrundlage bei. Zwei o. drei mitgebrachte Flaschen
Rum können nach jeweils überstandener Tagesstrapaze übrigens
kein Fehler sein.
Ausflüge in die Umgebung
Das Dörfchen Pununo liegt nur 2 km von Misahuallí entfernt
in nördlicher Richtung. Das einzig sehenswerte dort ist eine
lange Hängebrücke, die in schwindeliger Höhe den
Río Misahuallí überspannt. Es geht von der plaza
in Misahuallí zunächst am Hostal Paisano vorbei, und
dann immer geradeaus aus dem Dorf raus.
La Cascadita ist ein hübscher Wasserfall-Badeteich mitten in
einem Wäldchen, der inzwischen zu einem beliebten Tagesausflugsziel
für Misahuallí-Besucher geworden ist. Es geht vom Ort
etwa 20 Minuten zurück in Richtung Puerto Napo (Tena), bis
zu einem blaubemalten Haus am rechten Straßenrand, dem Anfang
des camino a la cascadita. Dem Busfahrer Bescheid geben! Von hier
aus geht es entweder eine Stunde im Bachbett über die Steine
hinauf (unterwegs ein toller Naturpool), oder links vom Haus einen
Weg hoch.
Der Aufstieg im Bach ist im unteren Bereich mit flachen vulkanischen
Platten “ausgelegt”, und im oberen Bereich von großen,
teils glatten Felsbrocken versperrt, die es zu umgehen oder auch
umklettern gilt. Kolibris und Schmetterlinge lassen grüssen.
Nasse Füße sind nicht immer zu vermeiden, je nach Wasserstand.
Ein paar billige Leinensportschuhe haben eine griffige Sohle und
trocknen schnell wieder. In Misahuallí gibt es die Dinger
für umgerechnet 4-5 USD. Auch im Hotel geliehene Gummistiefel
erfüllen ihren Zweck. Badezeug, Mückenschutz, Trinkwasser
und Proviant nicht vergessen!
Der Weg, der links neben dem Haus hochgeht, ist leider etwas verwirrend.
Das Problem ist, daß nirgendwo angeschrieben steht, wann man
rechts zum Wasserfall abzweigen soll. Es gibt viele Wege die rechts
abzweigen.
Einmal oben vom Wasserfall findet man den Pfad dann etwas leichter.
Er beginnt etwa 100m unterhalb der cascadita.
Auf der rechten Seite geht zwischen den Steinen im Bachbett und
der bewaldeten Böschung ein kleiner Pfad hoch. Somit würde
sich eine “Rundtour” anbieten: Das steinige Bachbett
hoch bis zum Wasserfall, und den eventuell schlammigen Weg wieder
hinunter bis zur Straße. Der nächste Bus nach Misahuallí
kommt allerspätestens nach 45 Minuten wieder vorbei.
Die biologische Forschungsstation von Jatún Sacha liegt von
Misahuallí aus eine halbe Kanustunde flußabwärts
(8 km), zwischen dem südlichen Napo-Ufer und der Staubstraße
nach Ahuano. Das insgesamt 1.300 Hektar große Reservat, stellt
einen der letzten Flecken Primär-Urwald in dieser Zone dar.
Zu den Registern der 1986 gegründeten Station gehören
über 500 Vogelarten, 200 Baumsorten pro Hektar, 120 Reptilien
und Amphibienarten (darunter 68 verschiedene Frösche), und
über 120 Orchideentypen. Mehrere Rundwandermöglichkeiten
geben auf bequeme Weise einen sehr guten Eindruck vom feucht-tropischen
Regenwald. Ein Informationszentrum stellt Führer und auch Betten
zur Verfügung.
Kurz vor Jatún Sacha, von Puerto Napo kommend an der gleichen
Strasse, liegt rechterhand die neue deutsche Projektfarm Esperanza
Verde. Diese gemeinnützige Stiftung zur Erhaltung des tropischen
Regenwaldes arbeitet eng mit Jatún Sacha zusammen, und verfügt
über ein relativ bescheidenes Terrain von 32 ha, was immerhin
65 Fussballfeldern entspricht. Die Ziele der “Grünen
Hoffnung” sind einmal die Aufklärung und Kooperationsbereitschaft
der ortsansässigen Kommunen hinsichtlich einer nachhaltigen,
bzw. verantwortungsbweussten landwirtschaftlichen Nutzung des Regenwaldes
(statt gnadenloser Abholzung Ausgewogenheit), und zum andern die
Vermarktung deren biologischer Anbauprodukte auf direktem Wege,
d. h. zu einem gerechten Abnehmerpreis und ohne profitorientierte
Zwischenhändler. Dies umfasst ebenso traditionell hergestelltes
Kunsthandwerk wie shigras, hamacas o. cerámica, sowie aus
Medizinalpflanzen gewonnene Konsumgüter (z. B. sangre de drago).
Um z. B. die Pflanzungen von Kaffee u.
Kakao optimal vor Wind u. Sonne zu schützen, ist es u. a. notwendig
grosse heimische Baumsorten stehen zu lassen (bzw. neu zu pflanzen),
welche aufgrund ihrer schattenspendenden Kronen ausreichenden Schutz
für den erosionsgefährdeten Boden bieten und diesen mit
Nährstoffen anreichern (insbesonders der Inga-Baum). Ökologisch
Interessierte werden auf der Farm willkommen geheissen, und können
dort viel dazulernen.
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