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Die Anfänge ekuadorianischer Musik gehen auf mehrere Jahrtausende
zurück, nachdem die präkolumbische Küstenkultur von
Chorrera “singende Wasserkrüge” hervorbrachte.
Der durch Erhitzung entstandene Wasserdampf erzeugte im Resonanzkörper
eine Art “pfeifenden Widerhall”. Die dabei perfekt imitierten
Stimmen von Kröten, Affen u. and. Tieren, verhalfen u. a. auch
zu besserem Jagdglück.
Zu den ersten von Menschenhand gespielten Musikinstrumenten, gehörten
enorm grosse “conchas” (in diesem Fall Wasserschnecken),
die von den damaligen Küstenbewohnern wie Hörner benutzt
wurden. Sie konnten damit auch starkes Brandungsrauschen übertönen
und sich auf hoher See verständigen.
Zu den nachwievor eingesetzten Musikinstrumenten aus präkolonialen
Zeiten, zählen vor allem flautas, darunter rondadores (einreihige
Bambusrohr-Panflöten), sampoñas (doppelreihige Panflöten),
sowie quenas, pingullos y chirimías (verschd. grosse Querflöten
aus Bambus o. Kondorknochen). Diese werden oftmals von bombos, fellbespannten
Trommeln, begleitet. Heute kann diesen traditionellen Instrumentierungen,
und ihren melancholischen, irgendwo zwischen den Kordilleren umherschwebenden
Rhythmen, in zahlreichen folkloristischen peñas in Quito
(z. B. Ñucanchi Peña), Otavalo, Riobamba, Baños,
Cuenca, etc. gelauscht werden. Wobei die Herkunft der Bambusrohr-Panflöte
mit ziemlicher Sicherheit im präkolumbischen Ecuador zu suchen
ist. Keramikfunde der Kulturen La Tolita, Bahía u.. Jama
Coaque, geben den rondador in den Händen virtuoser Hohepriester
wieder.
Hingegen können die elephantös durchdringenden bocinas
nur noch vereinzelt, womöglich auf abgelegenen páramos
der Chimborazo-Region vernommen werden. Hierbei handelt es sich
um ein “indianisches Bambus-Alphorn”, dass einen schweren
ebenmässigen Ton erzeugt, der auf den einstigen, mitunter tausende
von qkm grossen haciendas, ein Aufruf zur Einholung der Ernte bedeutete.
In der hauptsächlich von Schwarzen bewohnten, nördl. Küstenprovinz
von Esmeraldas, wird bei lokalen Musik- u. Tanzeinlagen mitunter
noch die traditionelle marimba eingesetzt, eine Art grosses Bambusrohr-Xylophon
mit Tasten aus dem harten Holz der Chonta-Palme.
Im Zuge der spanischen Eroberung vermischte sich die andine Musik
mit Saiteninstrumenten, darunter guitarras, bandolínes, violínes,
und charangos, einer “winzigen Gitarre” mit acht Griffleisten,
fünf Doppelsaiten, und einem rundlichen Resonanzkörper,
ursprünglich der Panzer eines armadillo (Gürteltiers).
Musikdarbietungen waren in Kolonialzeiten jedoch meist nur der Oberschicht
vorbehalten. Dazu gehörten auch die legendären “kreolischen
Serenaden” unter den Balustraden der Calle Ronda in Quito.
Verlockende Ständchen einer aufgeplüschten Angebetenen
zuliebe, im Schimmer des Mondlichts, und weit über den Eselshaufen
des finsteren Kopfsteinpflasters.
Keinesfalls touristisch herausgeputzte Blas-, Flöten- u. Bandolinenmusik,
wird heute wie schon anno dazumal auf indianischen Dorffesten von
sogenannten bandas del pueblo interpretiert. Hierbei werden keine
trachtentragenden, “El Condor Pasa - mässig” verzückten
Musikgruppen dem Fremdenverkehr dargeboten, wie dies in städtischen
peñas oder keimfreien Bankettsäalen ländlicher
First Class - Hosterías üblich ist. Gelegenheiten einer
traditionellen bäuerlichen fiesta beizuwohnen gibt es eigentlich
zur Genüge (z. B. die Fiestas de San Juan in der Provinz Imbabura,
oder die Fiesta de la Mama Negra in Latacunga). Zugegeben, die mitunter
extrem alkoholisierten, musikalisch wie philanthropisch skurrilen
Hochland-Festivitäten, sind bestimmt nicht jedermanns Geschmack.
Wer jedoch authentisch ekuadorianische, durch u. durch volksverbundene
Andenmusik mit allem drum u. dran erleben möchte, wird den
Unterschied, den “echten Kick”, zu spüren bekommen.
Ein gutes Stand- u. Hörvermögen sind die einzige Voraussetzung
für derartige Blaskapellen-Intermezzos. Bei heissen canelazos,
Zuckerrohrschnäpsen, fliegen dann spätestens nach 5 Gläschen
noch ganz andere Bleche weg! Blondhaarige gringos sind bei diesen
ausgelassenen Remmidemmis jederzeit voll akzeptiert, während
sich alle selbsternannten “Kulturbeflissenen” besser
den Otavalo-Poncho überziehen und über den nächsten
Urlaubs-Programmpunkt den Kopf zerbrechen!
Zutiefst volkstümliche, in alten Überlieferungen verhaftete
Tanz- u. Musikshows, bietet das seit 1989 bestehende Folkore-Ballett
Jacchigua. Das vielgereiste Erfolgsensemble besteht aus 132 Tänzern-
u. Tänzerinnen, die anhand von 47 farbenprächtigen choreographischen
Einlagen das gesamte ekuadorianische Kulturrepertoire zum Ausdruck
bringen.
Laut ihrem Gründer Rafael Camino, hat Jacchigua bisher auf
über 40 internationalen Tanz-Festivals teilgenommen, und allein
500.000 USD in Trachten u. Kostüme investiert. Wer sich das
authentisch-professionelle Spektakel nicht entgehen lassen möchte,
sollte sich mittwochs o. freitags gegen 19.30 Uhr eine ihrer dauerhaften
Präsentationen im Teatro San Gabriel in Quito anschauen (Av.
América y Av. Atahualpa). Karten können direkt unter
den Tel.-Nummern 506650 u. 464780 reserviert werden. Ein jeder wird
garantiert vollauf begeistert sein!
El pasillo - Un sentimiento ecuatorianísimo
Zu Beginn dieses Jh. setzte eine als massiv zu bezeichnende Immigration
in die beiden Städte Guayaquil u. Quito ein, sowohl aus den
ländlichen Provinzen wie auch aus Übersee. Aus dieser
mestizaje von lokalen, regionalen, kolumbianischen, mexikanischen,
andalusischen, europ. u. nordamerikanischen Stilelementen, ging
schliesslich die ekuadorianische Populärmusik hervor. Meist
gefühlsduselige, mitunter wehleidige Mollton-Melodien, die
von Liebe, lamento und urbaner Entwurzelung handeln. Darunter erbarmungslos
herzzerreissende pasillos, pasacalles, zarzuelas, albazos, bambucos,
lagarteros, recuerderos, rockoleras, cantineras, jotas y chotis,
sowie die niederschmetternd schrägen sanjuanitos im Hochland,
oder tropischer “foxtrot incaico con aire morisco en one step”.
Für ältere Generationen stellt der im langsamen Walzertakt
gehaltene pasillo eine Art Volkshymne dar. Hingegen finden soundverwöhnte
Gringos das mitunter in Überlandbussen abgespielte Gejammere
schier unerträglich. Vor allem wenn der Hintermann dann auch
noch anfängt mitzuschluchzen. Nichtsdestotrotz kann bei amigos,
ambiente u. kaltem Pilsener-Bier, so mancher pasillo costeño
(im Gegensatz zu den andinen “canciónes del suicido”),
mit einem weinerlichen Schuss Heiterkeit heruntergespült werden.
Sowohl instrumental als auch gesungen, kam der pasillo bereits Ende
des letzten Jh. in Mode. 1911 wurden in Guayaquil die ersten discos
ortofónicos (Grammophonplatten) aufgenommen, deren Produktion
wenig später nach Habana u. New York verlegt wurde. In den
20er Jahren begannen die bis dahin als “minderwertig”
eingestuften Melodien allmählich salonfähig zu werden.
Zu ihren Wegbereitern gehörten Carlos Amable Ortiz (Reír
llorando, Flor de mal), José Ignacio Panelos (Ojos verdes,
Al morir las tardes, Alma Cuencana), Francisco Paredes Herrera (Como
sí fuera un niño, Sollozos, Delirios), Segundo Cueva
Celi (Vaso de lágrimas, Corazón que no olvida), sowie
ein auf sämtliche Drüsen drückender Jammerlappen
namens Christóbal Ojeda Dávila (Alma Lojana, Ojos
negros), und ein nicht minder dahertriefendes, völlig verkratztes
Mi último adiós von Lucrecia Córdova und seinem
Orquesta Austral.
Kontinentale Erfolge löste jedoch erst das originelle Dúo
Ecuador aus (Nicasio Safadi & Enrique Ibáñez Mora),
welches Anfang der 30er Jahre in den Tonstudios von Domingo Feraud
seine ersten Hits einspielte. Nationale wie überregionale éxitos
brachten u. a. die Hermanos Naranjo Moncayo (Negra mala), Carlota
Jaramillo (Claro de luna), Carlos Bonilla oder das Duo Benítez-Valencia
hervor. Den einzigen weltweiten Durchbruch verzeichnete der 1945
in Spanien aufgenommene pasillo “Sombras” von Carlos
Brito.
Zum absoluten Star unter den ekuad. Schnulzensängern und “post-pasilleros”
avancierte in den 70er Jahren der bohemio Julio Jaramillo (geb.
1935), landläufig auch als Jota Jota (J.J.) bezeichnet. Die
versoffenste “Nachtigall von Amerika” war seiner Zeit
Publikumsliebling in Kolumbien, Venezuela, Uruguay, Argentinien
u. Bolivien, brachte über 350 Lp´s auf den Markt, soll
insgesamt 5.000 canciones interpretiert, und mehrere Dutzend Kinder
in die Welt gesetzt haben, bevor die Leber dann im Alter von 42
Jahren endgültig ihren Dienst quittierte. Auf seinem Trauerzug
im Feb. 1978, wurden die Strassen Guayaquils von einem Menschenmeer
überflutet, wie es bislang keinem verstorbenen Staatsmann zugute
kam, nicht einmal Velasco Ibarra. Zu den allergrössten Erfolgen
des süsslichen Schwindlers zählen heute Fatalidad, Náufrago
de amor, Sendas distintas, Nuestro juramiento, Chica linda, Carnaval
de la vida (schön düster!), u. Guayaquil de mis amores.
Rhythmen, Röckchen & “Zurück nach Montañita”
In den letzten 15 Jahren durchlief die ekuadorianische Musik einen
sensationellen Wandel. Zeitgenössische, stark exportverdächtige
Klangwelten ganz unterschiedlicher Stilrichtungen, werden inzwischen
von echten Musikprofis kreiert, und haben mit den verklärten
“Suizid-Schnulzen” der Vergangenheit rein garnichts
mehr am Hut. Wobei die ureigensten musikalischen Wurzeln jedoch
keinesfalls verdrängt werden. Vielmehr sind den experimentierfreudigen
wie traditionsbewussten Interpreten heute keine Grenzen mehr gesetzt.
Latino-Rock, andiner Blues, tropischer Country, elektrifizierte
boleros, verjazzt, verblümt, erhitzt, oder in scharfe salsa
getunkt, und dabei immer irgendwie von typischen aires ecuatorianos
umgeben.
Im Folgenden seien die bedeutendsten aktuellen Musiker u. Musikgruppen
vorgestellt. Ihre Lp´s u. Compact Disc sind leider nicht immer
leicht zu erhalten. In den Vitrinen der CD-Geschäfte überwiegen
Julio Iglesias, Doors u. Led Zeppelin etc., sowie schwuchtelhafte
Bolero-Verschnitte oder in den Genitalien wabernder Techno Merengue.
Letzteres mitunter in aufreizende Cover verpackt, d. h. mit zwei
knackigen, unterm Röckchen hervortretenden Arschbacken versehen.
Ganz grosse Klasse sind Segundo Quintero und seine Los Chigualeros
aus Esmeraldas, der “Capital Nacional del Ritmo”.
Swingende afrokaribische, antillanische, pazifische, u. esmeraldeñische
Rhythmen, prosaischer salsa sonora de guadúa, de monte y
montuno, tirando bemba vom Feinsten. Compact Disc: Los Hijos del
Sol, da schwirrt die Post ab, mit Abstand die heisseste Tanzscheibe
südlich der kolumbianischen Grenze! SIE Records, Quito Ecuador,
Esteban Michelena, Santa Rosa 158 y Av. Universitaria, Telefax (593
2) 540374, oder direkt bei Segundo Quintero in Esmeraldas, Tel.
(593 6) 714634.
Zu subkulturellem Starruhm brachten es inzwischen die beiden preisgekrönten
compadres guayaquileños Hugo Idrovo und Héctor Napolitano.
Mit ihrer 1983 ins Leben gerufenen Experimentalgruppe Promesas Temporales
(“Vorübergehende Versprechen”) gaben sie der ekuad.
Musik erstmals neue richtungsweisende Identifikationsmöglichkeiten.
Avangardistische wie bodenständige Instrumentierungen, irgendwo
anzusiedeln zwischen Allman Brothers, Ten Years After, Johnny Winter,
Zappa, Dylan, salsa, son cubano, chanson cholo, kreolischen Walzern
u. aufgepeppten sanjuanitos. Ihre ebenso variantenreiche, ausdrucksstarke,
bis hin zu herzhaft bissiger Lyrik, begrub einen jahrzehntelangen
Boom von selbstzerstörerischer Oberflächlichkeit auf dem
musikalischen Friedhof der Ewiggestrigen. Schöne Beispiele
hierfür sind “Hugos” Lokalhits Gringa Loca (“Sí
en la calle te pegué fue por coqueta”), der giftig
rauchige bolero Venenoso Batracio (“Te has llevado toditas
las ollas de mi madre”), und ein erfrischendes A Montañita,
dem bislang grössten Erfolg des conjunto (“Voy camino
a Montañita, la playa larga desde Manglaralto, nada puede
ser mejor que volver otra vez”). Letztere beiden Stücke
sind auf der 1994/95 erschienenen Compact Disc Cuentos del Río
Colgado (Psiqueros Producciones) zu finden, mit kompletter Textbeilage!
Nicht minder beeindruckend, jedoch in einem ganz anderen Stil gehalten,
ist “Napos” Son de Galápagos (1994, CD Coda Producciones),
mitunter leichtfüssiger son matamoros, son de Puerto Ayora,
son de la loma u. son para soneros (“se va la luz en Santa
Cruz”), partyschmeissende Sonnendeck-Begleitung für aufregende
Kreuzfahrten durch die verzauberte Inselwelt! Weitere Compacts des
schöpferischen Duos sind Y la tierra se volvió puro
lodo (1993), und eine wiederveröffentlichte Doppel-CD der 1986
u. 88 erschienenen Lp´s Promesas Temporales / Arcabuz (1995).
Mehr als hörenswert ist die 1995 erschienene CD Video Acústico
Vol. 1 (Psiqueros Prod.), die einen Querschnitt verschd. ekuad.
Gruppen wiedergibt. Darunter Promesas Temporales (El Salón
de los meseros sordos), Contravía (Temporada Baja), sowie
die Kompositoren Riccardo Perotti (Un día en la vida), und
Jorge Villamizar mit den sentimentalen Perlen Miro la luna u. Tabaco
y Chanel.
Alle diese CD´s sind in Plattengeschäften schwer erhältlich
(event. bei “notas” im “Quicentro” o. in
CD-Shop i.d. Av. Amazonas u. Carrión). Im Bereich der Av.
Amazonas werden von fliegenden Kassettenverkäufern mitunter
auch “autorisierte Piratenaufnahmen” angeboten. Ansonsten
wendet man sich direkt an Hugo Idrovo u. Héctor “Napo”
Napolitano, in Quito in der Calle Cordero 1119 y Foch, Tel. 224225,
Telefax 528298.
Vielversprechend rockig, poppig, bisschen funky u. latino, ist die
1997 veröffentlichte CD Luz de Fuga der Gruppe Contravía
(Coda Prod.). Besondere Erwähnung verdient auch der internationale
Ekuadorianer Alex Alvear und seine exotisch verjazzte Latin-Formation
Tinka, z. B. mit einer 1993 in den USA eingespielten CD namens Cuyabeno.
Ebenso der bluesige Liedermacher, Rock n´Roller u. Protestsänger
Jaime Guevara mit der CD De Contrabando (Autoedición, Textbeilage),
in Quito Calle Iquique 2.094 y Yaguachi (El Dorado), Tel. 234522.
Viel modernere Soundteppiche fabrizieren der technisch versierte
Allround-Musiker Claudio Durán, die heavy-rockige Langhaar-Band
Ola Suburbana (CD Fusion, 1997), oder die ebenfalls aus Guayaquil
stammenden, u. zumindest auf kontinentaler Ebene fast erfolgreichen
AU-D aus der Kommerzmusikbranche (estas “tres notas”
son para tí). Fremdartig wild hingegen sind Abdullah Arévalo
und seine Begleitgruppe Páramo, knallhart u. libre Sal y
Mileto. Wer in Quito o. Guayaquil einen Kneipen-Konzertanschlag
von diesen und anderen aktuellen Bands entdecken sollte, wird an
jenem Abend dort seine Biere trinken gehen!
Aus dem hochsommerlichen Chota-Tal sind die schwarzen Folkoregruppen
Hermanos Congo und Juventud Trabajadora del Valle zu erwähnen.
Um einiges zeitgenössischer klingt die ebenfalls aus dem Chota-Tal
stammende grupo de bomba Tumba Tu. Der verregnete, einkommensschwache
Süden von Quito hingegen, steht dafür eher auf schwarze
Lederjacken u. lautstarken Heavy Metal von Cruks en Karnak oder
Cacería de Lagartos.
Ecuadorianische Musik heute
In den letzten 15 Jahren durchlief die ecuadorianische Musik einen
sensationellen Wandel. Zeitgenössische, stark exportverdächtige
Klangwelten ganz unterschiedlicher Stilrichtungen werden inzwischen
von echten Musikprofis kreiert und haben mit den verklärten
Schnulzen der Vergangenheit nichts mehr zu tun, wobei die ureigensten
musikalischen Wurzeln jedoch keinesfalls verdrängt werden.
Vielmehr sind den experimentierfreudigen, gleichzeitig aber auch
traditionsbewußten Interpreten heute keine Grenzen mehr gesetzt:
Latino-Rock, andiner Blues, tropischer Country, verjazzte Boleros
und dabei immer irgendwie von typischen aires ecuatorianos umgeben.
Im folgenden sind die bedeutendsten aktuellen Musiker und Musikgruppen
vorgestellt. Ihre Platten und CDs sind leider nicht immer leicht
zu erhalten.
Herausragend sind Segundo Quintero und seine Los Chigualeros aus
Esmeraldas, der "Capital Nacional del Ritmo" – swingende
afrokaribische, antillanische, pazifische und esmeraldeñische
Rhythmen.
Zu subkulturellem Starruhm brachten es inzwischen die beiden preisgekrönten
compadres guayaquileños Hugo Idrovo und Héctor Napolitano.
Mit ihrer 1983 ins Leben gerufenen Experimentalgruppe Promesas Temporales
("Vorübergehende Versprechen") gaben sie der ecuadorianischen
Musik erstmals neue richtungsweisende Identifikationsmöglichkeiten
– avangardistische und bodenständige Instrumentierungen.
Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang drei CDs dieser Gruppe:
La Antólogia del Encebollado, Son de Galápagos und
Hugos persönliche Cuentos del Río Colgado. Von Blues
Brother „Napo“ (Héctor Napolitano) erschien 1998
das wiederaufgewärmte El Refrito (Son de Galápagos II)
und 2001 die Scheibe El Cangrejo Criminal (Son de Galápagos
III), welche Elemente von Son, Blues und auch traditioneller ecuadorianischer
Musik enthält.
Ebenso hörenswert ist die 1995 erschienene CD Video Acústico
Vol. 1 (Psiqueros Prod.), die einen Querschnitt verschiedener ecuadorianischer
Gruppen wiedergibt, darunter Promesas Temporales (s. o.), Contravía
und die Interpreten Ricardo Perotti und Jorge Villamizar. Zu regionalem
Ruhm brachten es Ende der 90ziger auch die poppigen Tranzas aus
Cuenca. Die weitaus beste Heavy-Band heisst jedoch Sal y Mileto
und stammt aus dem tiefen Süden Quitos. Kaum zu glauben, dass
der Sound der fetzigen Jungs tatsächlich aus einem tropischen
lateinamerikanischen Land kommt. Unbedingt hingehen, falls sich
die Gelegenheit dazu bieten sollte!
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