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Volker Feser

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Otavalo

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Big Poncho Buisness
Die meisten Otavalo-Besucher kommen um den berühmten, wirtschaftlich bedeutendsten Indio-Markt von Südamerika zu erleben. An Samstagen, und im kleineren Umfang auch mittwochs, verwandelt sich der ansonsten ausgestorbene Stadtkern in eine riesige, dennoch relativ übersichtliche Marktzone. Der zentrale Punkt des kunterbunten Verkaufsgeschehens ist die Plaza de los Ponchos. In der Hauptsache werden preisgünstige Webartikel aller Art, aber auch andere artesanía feilgeboten. Handeln ist üblich und macht Spaß. Die Qualität der ausgestellten Ware ist jedoch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Massenproduktion ist heutzutage in Otavalo angesagt, wobei allerorts so ziemlich das gleiche angeboten wird. Darüberhinaus findet zeitgleich etwas ausserhalb der Stadt ein interessanter Tiermarkt statt: Barrio San Juan, auf der anderen Seite der Panamericana, ganz leicht über die Calle Abdón Calderón in Richtung Westen zu erreichen.

Nichtsdestotrotz stellt der Samstagsmarkt eine billige Geschenktruhe für Daheimgebliebene dar. Auch passionierte Fotografen kommen in dem Gewühle auf ihre Kosten: Menschen in Indiotrachten, Fruchtstände, Wollbündel, Marktschreier, Kartoffelsäcke, transportbereite Schweine, barfüßige Lastenträger und ausländische Touristen auf Souvenirjagd, in kurzen Hosen oder mit dicken Lamawollpullovern bekleidet. Auf ganz flinke Taschendiebe sollte im Besonderen geachtet werden. Über Lautsprecheranlagen wird ständig auf die Langfinger “unterm Poncho” hingewiesen.

Die in ihren typischen Trachten traditionsbewußten Otavalo-Indianer, fleißige Angehörige einer auf insgesamt 75 eigenständigen Kommunen beruhenden Kulturgesellschaft, gelten als wohlhabend und angesehen. Althergebrachte Webkunst, verbunden mit einer effektiven Kommerzialisierung, lassen die Otavaleños heute eine ganz besondere Stellung nicht nur innerhalb Ekuadors einnehmen. Der relative Wohlstand führte aber keineswegs zu einer Vernachläßigung eigenster indianischer Identität. Quichua ist nach wie vor die Muttersprache unter den mit bolivianischen mitimaes verschwägerten Abkömmlingen der einst gegen die Inkas kämpfenden Cara- u. Caranqui Stämme.

Auch ihre Bekleidung entspricht ureigensten Gepflogenheiten. Die Frauen von Otavalo tragen lange schwarze Röcke und weiße buntbestickte Blusen. Viele haben gleich mehrere goldschillernde Glasperlenketten um den Hals und rote Korallenbänder um die Handgelenke. Andere tragen wiederum keine Schuhe um so mit Pacha Mama - “Mutter Erde” - in Kontakt zu bleiben. Fast alle haben lange weite Schals über die Schulter geworfen. Die Männer tragen dunkelblaue doppelseitige Ponchos, weiße Hosen und einen schwarzen Hut, unter dem ein schulterlanger Haarzopf hervorschaut. Die von beiden Geschlechtern getragenen Schnürsandalen sind aus dem Cabuya-Kaktus gefertigt. Elegante gringas wissen die sanften Treter vor allem in Kombination mit langen weiten Röcken zu schätzen.

Lago San Pablo
Im Heiligen Paul - See findet alljährlich Anfang September ein Schwimmwettkampf statt, der 3.8 km quer durch die kalte Lagune geht (von Araque aus). Genießern sei jedoch eine Wanderung oder Fahradtour um den See herum empfohlen, welcher sich von Quito kommend wenige Kilometer vor Otavalo plötzlich in einer breiten Talmulde zu Füßen des Betrachters hinstreckt. An sonnigen Wochenden sind von diesem Aussichtspunkt aus die weißen Segel von einigen abgehärteten Windsurfern auf der dunkelblauen Wasseroberfläche auszumachen. Zusammen mit den pittoresken Lehmziegelhäusern und kleinen Landparzellen, sowie dem kolossalen Felsmassiv des Taita Imbabura (Vater Imbabura) im Hintergrund, ist für Leihwagenfahrer an dieser Stelle ein Fototermin angesagt. Busbenutzer müssen sich das Panorama erstmal im Gedächnis einprägen!



Besonders attraktiv sind die Dörfer u. Dörfchen im nordöstlichen Uferbereich, vis-a-vis der Panamericana-Seite, und genau unterhalb des Imbabura-Berges (4.600m). Eine sehr sympathische Straße führt um den See herum und gibt dabei Einblicke in das Leben der indianischen Bewohner frei. Wer nicht im Leihwagen unterwegs ist, sollte sich in Otavalo einer preiswerten Tagestour anschließen oder bei einem der vielen Anbieter ein Mountain-Bike ausleihen, bzw. auch zu Fuß gehen. Im Falle eines mehrstündigen Seenrundgangs bietet sich von Otavalo aus eine interessante Alternativroute an, entlang der stillgelegten Eisenbahnlinie in nordöstlicher Richtung nach Peguche. Von dort folgt ein steiler Weg flußaufwärts entlang des Río Jatunyacu bis zum Parkplatz beim Wasserfall von Peguche. Dieser populäre Ort wird von der Fundación Natura in Quito gemanagt und sollte aus Sicherheitsgründen nicht allein besucht werden. Von Überfällen wurde berichtet!

Südlich dem Río Jatunyacu weiterfolgend gelangt man teils stark schnaufend bis auf einen Weg, der im Anschluß direkt bis zum San Pablo .- See und dem gleichnamigen Ort führt. Für den etwa 5 km langen Rückweg kann ein Bus an der Panamericana Norte in Richtung Otavalo oder Ibarra herangewunken werden. Radfahrer sollten auf der panamerikanischen Durchgangsstraße besonders auf Busse u. Laster achtgeben. Auch ein mitgebrachter Stock für kläffende Dorfköter kann bei der Lagunen-Umfahrung kein Fehler sein.

Cotacachi
Stadt des Leders

Das liebliche Andenstädtchen, knapp 20 Minuten, bzw. 17 km nördlich von Otavalo gelegen, hat sicherlich eine der niedrigsten Kriminalitätsraten in Ekuador. Auch zu spätnächtlicher Stunde, z. B. nach einer ausgiebigen Mahlzeit in einem Restaurant, kann der Tourist völlig unbefangen durch die schummrigen bis stockfinsteren Strassen wandern.

Die Jugendlichen, die abends aufgrund des dürftigen Vergnügungsangebots auf den Gehwegen sitzen und tratschen, geben im Zweifelsfalle gerne Auskunft. Anmaßendes oder gar vandalistisches Verhalten scheint ihnen völlig fremd zu sein.

Cotacachi ist ein stressfreies Besucherziel!

Nicht zuletzt aber ist der Ort für seine schönen Lederwaren bekannt. Entlang der Hauptstraße 10 de Agosto, auch “Lederstraße” genannt, gibt es soviele Lederartikelgeschäfte, daß es fast schon schwierig fällt einen Lebensmittel- oder anders gearteten Laden zu finden. Die Verarbeitung und Designs der angebotenen Produkte variieren unter Umständen ein wenig. Rumschauen, vergleichen, nachfragen, nochmaliges Wiederkommen, und freundliches, wenn auch hartnäckiges Feilschen, gehören zu einem geduldigen Einkaufsbummel in downtown Cotacachi. Zu den meistverkauften Artikeln zählen Taschen, Handtaschen und Koffer. Aber auch Schuhe, Stiefel, Jacken, Mäntel, Westen, Röcke, Rucksäcke, Gürtel, Brieftaschen, Hüte, Handschuhe, Reitsättel und Möbel werden aus Rindsleder hergestellt.

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehören die imposante koloniale Kirche mit dem schönen, von Palmen und Akazien bestandenen Dorfplatz, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Berge und Hügel der Umgebung werfen kann, sowie das eine oder andere Gebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Das schöne weiß-blaue Kolonialhotel El Mesón de las Flores in der Calle García Moreno u. Sucre sticht dabei ganz besonders ins Auge. Auch für Ausflüge oder Wanderungen in die Umgebung kann das gemütlich ruhige Cotacachi als idealer Ausgangspunkt benutzt werden. Die traditionsbewußte, vornehmlich indianische Bevölkerung, ist ein zusätzlicher Leckerbissen für alle Fotofreunde. Auf das Persönlichkeitsrecht der indios sollte geachtet werden, bitte nicht mit der Kamera vor den Gesichtern rumfuchteln! Respektvolles Verhalten sollte Selbstverständlichkeit sein. Ein starkes Zoom ist vonnöten, falls man keinen boshaft beleidigenden Menschen gegenübergestellt sein möchte. Auch vorheriges Fragen kostet nichts!


Quiroga, ganz nahe bei Cotacachi gelegen, wurde nach dem Unabhängigkeitshelden und Märtyrer Don Manuel Quiroga benannt, welcher an jenem denkwürdigen 2. August im Jahre 1810 in den Verließen von Quito starb. Der kleine Ort hat mit einer sehr schönen plaza und dazugehöriger Kolonialkirche aufzuwarten. Von hier aus können camionetas zur 12 km entfernten Kraterlagune von Cuicocha gemietet werden. Nur die Hinfahrt kostet 3 USD, Hin- u. Rückfahrt mit halber Stunde Wartezeit 4 USD, eine ganze Std. Wartezeit etwa 5 USD.



Cuicocha Kraterlagune

An den südlichen Flanken des längst erloschenen, stark erosionierten Cotacachi-Vulkans (4.939m), auf etwa 3.200 Höhenmetern, liegt die über 200m tiefe Kraterlagune von Cuicocha, dem “Meerschweinchen-See”. In dessen Mitte erheben sich zwei kleine Eilande (Isla Teodoro Wolf u. Isla Yerovi). Die Lagune ist von Steilklippen und typischer Hochlandvegetation umgeben. Ein Fußweg, der im Bereich der Picknick-Zone beginnt, führt in 4-6 Stunden um den gesamten See herum, und gibt dabei ein paar herrliche Ausblicke auf das innerandine Hochlandbecken frei. Eine einigermaßen gute Kondition, adäquates Schuhwerk, warme Kleidung, ausreichend Proviant, sowie Regen- u. Sonnenschutz, sind die Voraussetzungen für diese einfache, aufgrund der Höhenlage aber etwas anstrengende Rundwanderung. Morgens krönt manchmal ein weißer Flaum den nahen, pyramidenförmigen Vulkan Cotacachi. Am Nachmittag verhindert jedoch dichter Nebel oft jegliche Sicht auf Berg und See.

Organisierte Bootsfahrten um die beiden Inseln herum, und ein Restaurant mit frischen Forellenspeisen, sorgen für Abwechslung. Camping ist möglich. Der Blockhüttenbau an der Zufahrt zur Lagune ist auch gleichzeitig der Hauptzugang zur 200.000 Hektar umfassenden Reserva Ecológica Cotacachi-Cayapas, welche bis in die tropische Provinz von Esmeraldas hinunterreicht. Ein Forstaufsichtsbeamter gibt Auskünfte bei beabsichtigten Zeltübernachtungen in dieser kalten Hochlandzone des Naturschutzgebietes. Kaninchen und Wölfe sollen sich im Umfeld der Lagune des öfteren blicken lassen. Der sagenhafte Puma hingegen entschied sich schon vor langer Zeit für ein ungestörtes Dasein. Die letzten Exemplare dieser Berglöwen streifen in einem versteckten, unzugänglichen Winkel des Reservates, irgendwo zwischen den schroffen dichtbewaldeten Höhenrücken der westlichen Kordillerenausläufer umher. Siehe zum Naturreservat auch unter “Routen - Nordküste”!

Bosque Nublado de Intag
Das mehrere 100ha grosse Nebelwaldreservat von Intag befindet sich etwa 70 km (2 Std. Busfahrt u. 1 Std. Fussmarsch) nordwestlich von Otavalo in der Nähe des Dorfes Apuela. Die Anfahrt lohnt nicht nur für Reservatsbesucher. Allein die beiden Passtrassen über die westliche Andenkordillere hinweg sind die Reise wert - selbst wenn vielleicht keine Zeit für den Nebelwald von Intag bleiben sollten - siehe im Anschluss unter “Anreise”!

Fast zweidrittel des über den Hügeln des Río Intag gelegenen Reservates besteht aus Primär- u. Sekundärwald (der Rest ist Farmland), und weist Höhenlagen von 1.800 bis 2.800m auf. Ein Besuch des vogel- u.- orchideenreichen Privatparkes ist vor allem für streng ökologisch orientierte Touristen interessant. Lehrreiche Streifzüge auf gutmarkierten Pfaden von 1-5 Std. Dauer laden zu einem beschaulichen Aufenthalt ein, angeln und reiten inbegriffen. Das Besitzerehepaar Carlos Zorrilla und Sandy Statz wird die Besucher persönlich durch die jungfräuliche Natur führen und dabei über ihre Strategien zur Erhaltung des Intag-Waldes aufklären. Zu den Protagonisten des kleinen Garten Eden gehören der knallrote Andenfelsenhahn, über 20 Kolibriarten, und ein seltener “gelbohriger Papagei”. Der im Ausstreben begriffene Brillenbär schleicht ebenso durch die Gegend. Rustikale saubere Mehrbettzimmer, BC, Strom gibt es keinen!

Zwei Übernachtungen (Minimum), inkl. vegetarisch orientierte Mahlzeiten (auch Huhn u. Fisch), sowie Führungen, kosten pro Pers. u. Tag zw. 45 u. 70 USD. Mehr als 12 Leute können nicht untergebracht werden. Reservationen sind unbedingt erforderlich! Information bei VIAJES ZULAY in Otavalo, SAFARI TOURS in Quito, oder direkt bei Carlos Zorilla u. Sandy Statz, Intag Cloud Forest Reserve, Casilla 18, Otavalo, Imbabura, Ecuador.

Der Besuch des Intag-Reservates kann mit einem Abstecher zu den hübschen Baños Termales de Nangulví kombiniert werden (gr. u. kl. Pools), wenige Kilometer südlich von Apuela auf etwa 1.600 Höhenmetern gelegen. An Wochenenden sind die heissen Quellbäder jedoch meist überfüllt. Es gibt dort preisgünstige 4er-Cabañas (um die 5 USD pro Pers.) und ein einfaches Restaurant. Zelten ist möglich! Weitere Übernachtungsmöglichkeiten bietet der Ort Apuela mit den freundl.

Basic-Hotels Residencia Don Luis und Hostal Florida (jew. 2-3 USD), eine Std. Fussweg vom Thermalbad entfernt.

Anfahrt: Von Otavalo (bzw. Cotacachi) aus, gibt es zwei Strassen nach Apuela und zum Intag-Reservat. Beide sind sehr pittoresk und geben herrliche Ausblicke auf ein wenig bekanntes Andenhochland und deren westliche Ausläufer in diesem entlegenen Teil der Imbabura-Provinz frei.

Die südlichere mehr benutzte Strasse, zweigt von der Panamericana am nördlichen Otavalo-Ortsrand links in eine Asphaltstrasse in Richtung Selva Alegre ab - ist grün ausgeschildert! Nach kurzer Zeit liegt linkerhand die Zementfabrik Selva Alegre, und nach einer Dreiviertelstunde ist der etwa 3.500m hohe Pass erreicht, wo auch der Asphaltbelag endet.



Nach einer weiteren Stunde kommt in einem subtropischen Talausläufer links eine Abfahrt, die auf einen Hügel und zum Dörfchen Selva Alegre führt, dass von bunten Holzhäusern und ein paar Maultieren um einen grossen zentralen Rasenplatz geprägt ist. Wobei der Name “Fröhlicher Wald” heute lange nicht mehr den Tatsachen entspricht.

Ungebremste Abholzung und skrupellose Jagd auf alles was kreucht u. fleucht sind gerade dabei der einzigartigen Flora u. Fauna der Region den Garaus zu machen. Von Selva Alegre aus führt in südlicher Richtung eine andere, zu Regenzeiten extrem schwierige Strasse über Nanegal nach Nanegalito (neue Asphaltstrasse Quito - Esmeraldas).

Selva Alegre links liegen lassend, teilt sich kurz hinter der Abfahrt zum “Fröhlichen Wald” die Strasse bei Tollo Intag erneut. Der südliche Zweig führt nach García Moreno und zu den Ufern des Río Guayllabamba, der nördliche Zweig über die Thermalbäder von Nangulví nach Apuela und zum Intag-Reservat.

Die andere, weit weniger benutzte Strasse nach Apuela, führt zunächst von Cotacachi (bzw. Otavalo) über Quiroga bis zur Laguna Cuicocha. Oben am Blockhäuschen (Schranke) angelangt, kurz vor dem Kratersee, gabelt sich die Strasse.

Der rechte asphaltierte Zweig führt direkt zur Lagune hinunter, der linke Schotterzweig führt nach einer abenteuerlichen, manchmal stark vernebelten Páramo-Überquerung, in etwa zwei Stunden bis nach Apuela. Diese Alternativroute wird von Bussen kaum benutzt und bleibt insofern eher Leihwagenfahrern vorbehalten. Auf der Rückfahrt kann die südlichere Route genommen werden - eine tolle Rundreise bietet sich an!

Von Otavalo (TRANS OTAVALO) wie auch von Cotacachi (TRANS COTACACHI) gibt es tägl jew. zwei Busse nach Apuela - wochentags auch mehr. Die Busse fahren meist über die Selva Alegre - Route. Dies gilt es nachzuchecken! Einige wenige machen die Gesamtrundfahrt. Die Fahrtzeit für die einfache Strecke beträgt jeweils etwa zweieinhalb Stunden.

 

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