|
Quito-Cayambe-Otavalo-Ibarra-Tulcan (58/105/136/260 km)
Kraterlagunen, Schwefelquellen, Almweiden, Kaktushänge, Nebelwälder
und Gletscherspalten. Darüberhinaus ein ethnisch-kulturelles
Spektrum dass von den zopftragenden Männern des grössten
südamerikanischen Indiomarktes bis hin zu den schwarzen Balancekünstlerinnen
des Chota-Tales reicht.
Die Panamericana (Norte), deren Spitzname Pana übrigens auch
soviel wie "Kumpel" bedeutet, beginnt praktisch am Verkehrskreisel
La Y in der Neustadt Quitos, einen Kilometer südlich des Flughafens.
Sowohl die Avenida Occidental wie auch die Av. Eloy Alfaro schließen
sich noch einiges weiter nördlich, im Stadtviertel Carcelén,
der berühmten panamerikanischen Straße an. Auf der hier
autobahnähnlich ausgebauten Pana, kommt wenig später das
Städtchen Calderón, bekannt für seine bunten Brotteigfiguren,
welche in kleinen Geschäften entlang der Hauptstraße
Calle Carapungo im Ortskern zum Verkauf angeboten werden (von der
Pana links runter).
Die als Weihnachtsbaumschmuck oder Schlüsselanhänger verwendeten
mazapán-Figuren werden sogar nach Italien, Kanada und die
Staaten exportiert. Die Herstellung der guaguas de pan, federgeschmückter
caballitos, Früchte, Blumen, Lamas, oder anderer "Brotbabies",
beinhaltet eine lange Tradition, die mit den Feierlichkeiten des
Totensonntags zu tun hat. Ursprünglich, zu früheren Zeiten
amerikanischer Christianisierung, dienten die Figuren den Verstorbenen
zu Ehren als Opfergabe, und deren Angehörigen als eine Art
personifizierte Seelenwanderung. Andere Forscher bestehen darauf,
daß guaguas de pan einen Ersatz für die vorchristlichen
Menschenopfer der Indianer darstellen. Heutzutage hat sich der alte
Brauch sehr verkommerzialisiert, was neben Arbeitsplätzen noch
einen anderen Vorteil mit sich brachte: stark verbesserte Qualität.
Gingen früher die guaguas mit Leichtigkeit kaputt, so sollen
sie jetzt wenigstens drei, vier Jahre halten ohne zu zerbrechen.
Die aufgeschlitzten, halbzerhackten, und mit der Schnauze voraus
direkt über dem Straßenrand zum Verzehr ausgehängten
Schweine, sind insgeheim vielleicht aber die wirkliche Attraktion
des ansonsten völlig uninteressanten Durchgangsdorfes. Für
europäische Mägen sind die fritadas allerdings mit Vorsicht
zu genießen.
Die Route führt zunächst über kurvenreiches Gefälle,
hinunter durch regenarme Busch- und Kakteenlandschaft, bis ins breite
oasenhafte Tal von Guayllabamba. Auffallend sind vereinzelte oder
in kleinen Hainen gruppierte, für die Gegend so charakteristische
Algarrobobäume, die beim Betrachter den Anschein erwecken könnten
sich irgendwo in Palästina oder dem Libanon zu befinden.
Vor dem gleichnamigen Ort teilt sich die Straße. Der rechte
Zweig führt durchs Dorf, der linke umgeht es. Im Ort selbst
werden an den Straßenständen neben den grünen bis
rotbraunen aguacates (Avocados) auch die köstlich süßen
Chirimoya-Früchte feilgeboten. Eßbar ist nur das innere
Weiße, nachdem die weiche Hülle genau wie bei einem Apfel
in zwei Hälften aufgebrochen wurde. Den großen dunklen
Kern spukt man einfach aus.
Das auf etwa 1.800m gelegene, weitläufige Dorf hat ansonsten
noch ein paar typische Speiselokale und bei Einheimischen beliebte
Wochenend-Hosterias aufzuweisen. Besondere Attraktion von Guayllabamba
ist der kürzlich eröffnete Zoologische Garten. Auf einem
4 ha grossen Gelände werden Besuchern etwa 40 verschiedene
Tierarten vorgestellt. Darunter Galápagos-Schildkröten,
Brillenbären, Pumas, Jaguare, Königsgeier u. Kondore.
Die Öffnungszeiten sind täglich von 10-17 Uhr. Die Eintrittsgebühr
beträgt etwa 3 USD.
Hinter Guayllabamba teilt sich die Pana erneut, wobei beide Routen
nach Otavalo führen. Rechts geht es über das Molkereizentrum
Cayambe, zu Füßen des gleichnamigen Schneeriesen, links
führt es über den Blumenzuchtort Tabacundo. Beide Straßen
sind asphaltiert und in einem recht guten Zustand. Saftige Weiden,
Maisfelder und kleine Eukaliptuswäldchen beginnen eine halbe
Stunde später das trockene Landschaftsbild zu verändern.
Ganz plötzlich wird dann alles wieder grün und fruchtbar.
Linker Zweig: Die Pyramiden von Cochasquí befinden
sich etwa 13 km nördlich von Guayllabamba. Auf dem linken Straßenzweig
in Richtung Tabacundo, geht es vor der Ortschaft La Esperanza, links
weg nach Tocachi, ist ausgeschildert! Die 15 abgeflachten, pyramidenförmigen
Erdhügel mit den daraufführenden Erdrampen, waren zu Cara-Zeiten
ein astronomisches Zeremonienzentrum. Auch wenn es sonst nicht allzu
viel zu sehen gibt, geht eine gewisse Faszination von diesem Ort
aus. Die Aussicht ins Tal von Guayllabamba ist ein zusätzlicher
Pluspunkt. Zelten ist möglich.
Bei der Durchfahrung der Ortschaft Tabacundo geht es von der Hauptverkehrsstraße
links hoch auf eine 17 km lange Schotterpiste zu den Lagunen von
Mojanda, ist ausgeschildert! Die Piste geht zunächst über
einen 4.000m hohen Pass, und führt dann direkt zur größten
der drei Lagunen (Mojanda Grande) auf etwa 3.500m Höhe gelegen.
An der gegenüberliegenden Seeseite steht eine Schutzhütte,
die eine Übernachtungsmöglichkeit für Rucksacktouristen
und Wanderer bietet. Von dort aus führt die Piste nach Otavalo
(15 km) weiter, und stellt somit eine hochinteressante Alternative
zur asphaltierten Panamericana dar - allerdings nur für Leute
die mit "Vier-Rad-Antrieb" unterwegs sind. Ein normaler
PKW hat da kaum eine Chance. Eine gemietete camioneta von Otavalo
aus kommte auf etwa 20 USD. Der See kann natürlich auch zu
Fuß umgangen werden. Die beiden anderen, etwas südlich
davon gelegenen Lagunen, sind weitaus kleiner (Negra u. Chiquita),
aber nicht weniger beeindruckend. Diese Gegend zu Füßen
des stark erosionierten Vulkans Fuya Fuya (4.263m) ist optimal für
Hochland-Tageswanderungen.
Rechter Zweig: Wenige Kilometer vor Cayambe überquert
die hier gut asphaltierte Straße die Äquatorlinie. Eine
Erdkugel, ein Parkplatz, und ein kleines Restaurant weisen darauf
hin. Nichts besonderes, aber auch nicht gerade unsympathisch. Zudem
entspricht die hier aufgezeichnete Linie, im Gegensatz zum Monument
Mitad del Mundo bei Quito, tatsächlich dem Äquator.
Das 30.000 Einw. Städtchen Cayambe liegt fast 60 km nördlich
von Quito und 35 km südlich von Otavalo. Für Touristen
gibt es in diesem Milchwirtschaftszentrum wenig zu tun, es sei denn
man möchte zur Schutzhütte oder gar auf den Gipfel des
dritthöchsten Berges von Ecuador. Der 5.790m hohe Cayambe gilt
allerdings aufgrund seiner Gletscherspalten als schwierig zu besteigen.
Im Ort selbst, auf der Durchgangsstraße nach Otavalo, gibt
es mehrere Imbißgeschäfte, die typische Biskuits (bizcochos)
und den feinen Blätterkäse (queso de hoja) anbieten. Unbedingt
probieren, auch wenn die einstig verwendeten Blätter um den
Käse einzulegen, heute durch Plastikhüllen ersetzt wurden.
Auch eine hübsche Plaza plus Iglesia gibt es im Ortskern von
Cayambe zu besichtigen. Ansonsten hat das windig kalte Städtchen
herzlich wenig zu bieten.
Ein himmlisches Andensträsschen
Eine alte Inkastraße, welche von Privatfahrzeugen heute kaum
benutzt wird, führt hinter dem Berg Imbabura in nordöstlicher
Richtung, von Cayambe über die Ortschaften Olmedo, Zuleta,
Angochagua und La Esperanza nach Ibarra. Diese wenig bekannte, landschaftlich
dafür aber um so mehr beeindruckende Route, ist sicherlich
eines der ganz großen Leckerbissen im nördlichen Andenbereich.
Fast nirgendwo in der Provinz Imbabura wird einem die Schönheit
des Hochlandes deutlicher vor Augen geführt. Saftige Weiden,
Flickenfelder, Pferde, Kühe, Lehmhäuser mit den typisch
roten Ziegeldächern, sowie meist scheue indianische Bauern
in traditioneller Bekleidung, machen diese 40 km lange Erd- u. Pflastersteinstraße
zu einem unvergeßlichen Erlebnis. An sonnigen Tagen gibt die
Strecke zudem traumhafte Ausblicke auf den nahen 5.790m hohen Cayambe
frei.
Die Dörfer Zuleta und Angochagua sind neben ihren feinen Stickereien
(bordados) auch für den besten Käse des Landes bekannt.
Auf der riesigen Hazienda des verstorbenen Ex-Präsidenten Galo
Plaza wurde bereits vor Jahrzehnten mit der Käseproduktion
begonnen. Floralp-Geschäfte in Ibarra u. Quito, sowie die Supermaxi-Kette,
bieten verschiedene Käsesorten aus der Gegend um Zuleta an.
Die semiduro-Sorte Angochagua ist hierbei ganz besonders zu empfehlen.
Eine Fería de los Bordados (hauptsächlich Tischdecken
u. Servietten) findet jeden Sa u. Do zwischen 9 u. 16 Uhr im Casa
Comunal in Zuleta statt, Tel. 640596.
Wer die märchenhafte Straße per Bus erleben möchte,
sollte dafür mindestens einen halben Tag beanspruchen. Mit
dem ersten Bus geht es meist nur nach Olmedo. Dort muß dann
in eine andere Klapperkiste bis Ibarra umgestiegen werden. Allein
schon die Quechua-sprechenden mitreisenden indios in einem dieser
Busse sind die Fahrt wert. Von Olmedo bis ins nächstliegende
Zuleta sind es 9 km, nach La Esperanza nochmals 2 km. Dieser Streckenabschnitt
ist der schönste und könnte auch in 2-3 Std. zu Fuss zurückgelegt
werden! Mountain-Bikern und Wandersleuten sei die Route mit einem
Übernachtungsstop oder auch längeren Aufenthalt im Hostal
"Casa Aida" in La Esperanza ans Herz gelegt. Von dort
aus ist es nach Ibarra dann nur noch ein Katzensprung (etwa 8 km).
Von Cayambe aus starten die Busse meistens an der plaza. Im Zweifelsfalle
sollte man dort aber nochmals nachfragen: "Desde dónde
salen los buses para Olmedo y Zuleta?" Busse nach Olmedo gibt
es alle halbe Stunde, gleich bis nach Ibarra nur einmal früh
morgens!
|