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Rucu Pichincha (4.698m)
Auf den Hausberg der Quiteños führen mehrere steile
Pfade. Es gibt außerdem zwei Fahrstraßen. Eine führt
zum Bergvorsprung Cruz Loma (links), und die andere zum mit Dutzenden
von Sendemasten gespikten Ausläufer “Antennenwald”,
Las Antenas, rechts. Von beiden Punkten gelangt man über Trampelpfade
auf den jeweils dahinter liegenden Höhenrücken zum eigentlichen
Massiv des Rucu Pichincha. Nach besonders kalten Nächten ist
der brüchige Felsklotz oftmals von einer zarten Schneeschicht
überzogen.
Der Einfachheit halber sei hier lediglich jeweils ein eintägiger
Fußmarsch (über Cruz Loma) und eine Autoroute (Mercado
San Roque - Av. de La Libertad - Cruz Loma) beschrieben. Was andere,
eventuell viel interessantere Wegesvarianten angeht, seien der Eigeninitiative
überlassen. Ohne vorherige sorgfältige Routenplanung und
kompletter Campingausrüstung für eiskalte Nächte
geht da aber nichts. Warnung: Niemals alleine gehen, am besten in
einer Gruppe!
Zu Fuß: Wer schon mit den Hühnern aufsteht, kann nach
gelungener Gipfelbestürmung bereits am späten Nachmittag
wieder auf der Amazonas sitzen und Expresso oder Banana Split schlürfen.
Vorraussetzung dafür sind eine einigermaßen gute physische
Kondition und taugliche Wanderschuhe. Trinkwasser, Sonnencreme und
Käppi nicht vergessen, die Haut verbrennt bei der starken Äquatoreinstrahlung
auf dieser Höhe wie unter einer Lupe.
Mit dem Taxi geht es in aller Herrgottsfrühe die Av. La Gasca
bis zur Avenida Occidental hoch. Taxifahrer weigern sich normalerweise
auf die Occidental einzufädeln, und wollen kurz vorher schon
drehen. An dieser Stelle beginnt der Fußmarsch. Nach Über-
oder Unterqueren der sechsspurigen Stadtautobahn liegt jetzt linkerhand
ein kleiner Eukalyptuswald. Hier beginnt ein zunächst sachte
ansteigender Weg rechts durch den Wald hoch, welcher von mehreren
Nebenpfaden gekreuzt wird. Laßt euch nicht durch das Tor am
rechten unteren Waldende abschrecken. Drüber- oder drumherum
klettern und so geradlinig wie möglich den Wald hoch. Es geht
nur nach oben, alles andere wäre der falsche Weg. Nach einer
knappen Stunde geht es über offene, teils steile, und von Kühen
abgegraste Wiesen weiter bergauf. Unter dem Cruz Loma beginnt dann
ein Abschnitt mit zähen Pflanzen u. Sträuchern.
Nach insgesamt drei Stunden erreicht man den “Kreuzhügel”,
auf dem auch ein paar Antennen stehen. Der eigentliche “Antennenhügel”
liegt aber auf dem anderen Vorsprung in Richtung Norden. Die Aussicht
auf Quito ist ganz große Klasse! Vom Cruz Loma folgt ein breiter
Wanderpfad dem Auf und Ab des Höhenkammes bis zum Rucu-Felsen
(etwa 2 Std.). Einmal an den viejo (Rucu) angekommen, beginnt rechts
ein schmaler Pfad, welcher ganz um den Felsen herum läuft (mind.
noch eine Std.). In dem steilen u. schroffen Gelände sollte
man aufpassen wo man hintritt! Am Ende dieses immer unscheinbarer
werdenden Pfades geht es dann links schwerschnaufend den Geröllhang
hoch. Dies ist der letzte Abschnitt bis zum Gipfelkreuz auf gut
und gern 4.700 Höhenmetern. Der Rückweg verläuft
über die gleiche Route wie der Aufstieg. Für 1998 ist
der Bau einer Seilbahn bis auf das “Cruz Loma” geplant
(einschl. Aussichtsrestaurant). Bauherr ist eine österreichische
Firma. Der Bürgermeister von Quito zeigte sich völlig
begeistert von der Idee!.
Mit dem Auto: Eine Zufahrt, die über die Calle Mañosca
hochführt (von der Av. América), über die Stadtautobahn
rüber, durchs Neureichenviertel Iñaquito Alto und dann
die Serpentinenstraße bis zum Antennenwald hoch, hat leider
einen Haken: Eine Straßensperre u. den zughörigen kassierenden
Besitzer! Mind. 10 USD werden weiter oben für die Durchfahrt
verlangt.
Aus diesem Grunde sei hier die lange klassische Zufahrt aufs Cruz
Loma erwähnt, welche definitiv ein Allradfahrzeug beansprucht.
Es geht vom Mercado San Roque über die Avenida de La Libertad
in scheinbar unendlichen Serpentinen hoch, dann weiter oben rechts
am Templete de los Heroes (Heldenmonument) vorbei. Von hier an im
Zweifelsfalle sich immer links halten. Auf dem páramo verschwinden
dann alsbald die letzten armseeligen Behausungen. Die Spritztour
nimmt insgesamt mind. drei Stunden in Anspruch. Am frühen Vormittag
ist die Sicht oft besser. Warme Klamotten u. Sonnencreme nicht vergessen!
Guagua Pichincha (4.794m)
Der südwestlich von Quito gelegene Vulkan hatte seit der Ankunft
der Konquistadoren drei Perioden intensivster Aktivität: Im
Verlauf des 16., im 17., sowie einige sporadische Ausbrüche
während des 19. Jh.. Katastrophal verlief eine gewaltige Eruption
im Jahre 1660, als der feuerspeihende Krater Asche, Sand und Bims
in einem Umkreis von 1.000 Kilometer verstreute (!). Eine 40 Zentimeter
dicke schwarze Staubschicht brachte damals viele Ziegeldächer
Quitos zum zusammenstürzen. Während des anhaltenden Ascheregens
brach über weite Teile des Hochlandes eine totale, viertägige
Finsternis herein.
Der hufeisenförmige, nach Westen hin geöffnete Krater,
mißt im Durchmesser bis zu 1.5 km und hat senkrechte, fast
700 m tiefe Steilwände. In seinem Innern entspringt ein kleiner
heißer Bach, der spätere Rio Mindo. Der markierte Abstieg
in den brodelnden Schlund nimmt vom Kraterrand aus fast eineinhalb
Stunden in Anspruch. Erhöhte Umsicht ist bei starkem Nebel
geboten, wenn die roten Fähnchen und Steinmarkierungen nicht
gleich erkenntlich werden. In dem Falle nicht die Geduld verlieren,
sondern sich erneut konzentrieren. Es gibt nur einen Weg! Zischen,
Rauschschwaden, ein manchmal auftretender heißer Geysir (Sprühwasserfontäne),
und ein neu aufgeschütteter Kegel sind der Lohn der Mühe.
Starke Schwefeldämpfe machen das Atmen in der dünnen Luft
nicht unbedingt einfacher. Zeitweise wird der Abstieg bei vermutetem
Eruptionsrisiko strikt verboten. Der Hüttenwart sorgt dann
für dessen Einhaltung. 1993 ließen bei einer “Implosion”
im Krater drei Geologen ihr Leben.
Der Weg zum “Baby”-Pichincha führt durch das Dörfchen
Lloa, welches vom Süden her über die Tunnels, bzw. die
Avenida Mariscal Antonio José de Sucre (Av. Vencedores del
Pichincha) erreichbar ist. Im barrio Gatazo geht es rechts in die
Calle Angamarca hoch. Nach etwa 15 Min. taucht der Pass der Virgen
del Cinto auf. Unter dem Auge des Betrachters breitet sich plötzlich
das von Quito so nahe wie ferne Hochbecken von Lloa aus, falls nicht
gerade ein tückischer Nebel alles in eine graue Brühe
verwandelt. Die saftigen Weiden auf dunkler nährstoffreicher
Erde, und die prallen rosigen Euter der schmatzenden Friesenkühe
zeugen von der Fruchtbarkeit dieses gut versteckten Winkels im Schatten
der Millionenstadt. Das Dorf Lloa ist leider nicht mit öffentl.
Verkehrsmitteln zu erreichen. Ein Taxi schafft Abhilfe. Preis vorher
aushandeln (mind. 15 USD).
Eine in Regenzeiten äußerst problematische Straße
führt vom Dorf Lloa bis zur Schutzhütte unter dem Gipfel
- ist ausgeschildert!. Bei beabsichtigter Übernachtung muß
außer den obligatorischen Wanderschuhen zusätzlich noch
ein Schlafsack, dicke Winterkleidung für eine eisige Nacht
und ausreichend Proviant mitgebracht werden. Feuerholz ist nicht
immer vorhanden!
Den Guagua Pichincha von Lloa aus zu Fuß erreichen zu wollen
ist lediglich für passionierte Wanderer empfehlenswert.
Neben der Strasse führt ein etwas wirres Netz von Kuhtrampelpfaden
nach stundenlangem Geschnaufe bis zur Schutzhütte. Ein gemietetes
Fahrzeug schafft Abhilfe. Viele Veranstalter bieten bequeme Jeep-Touren
an. Der Mountain-Bike-Veranstalter Biking Dutchman (Foch u. Juan
León Mera) bietet sogar eine aufregende Zweirad-Abfahrt vom
Kraterrand bis nach Lloa an.
Ein schmaler Weg führt vom refugio (Schutzhütte) in wenigen
Minuten zum Kraterrand, und von dort zum windigen Gipfel. Ein anderer
Pfad verbindet den Guagua mit dem Rucu Pichincha. Dieser könnte
als eine Art Höhentraining für frisch angekommene Bergfreunde
interessant sein. Auf einen ortskundigen Führer sollte bei
der zweitägigen Rundwanderung auf keinen Fall verzichtet werden.
Es ist nicht schwer durch schlechtes Wetter, groben Leichtsinn oder
Unkenntnis die Orientierung und somit den “Halt” zu
verlieren. Die Route vom Guagua zum Rucu (oder umgekehrt) beinhaltet
einen kurzen Kletterabschnitt für Schwindelfreie. Die herbe
felsige páramo-Landschaft wirkt so nahe der Stadt noch umso
grossartiger. Die manchmal anzutreffende orangefarbene Chuquirahua-Pflanze,
aus der ein nervstillender Tee zubereitet werden kann, steht übrigens
unter Naturschutz!
Bosque Protector Pasochoa
Das 320 Hektar große Schutzwaldgebiet südöstlich
von Quito, zählt mit zu den letzten Urwaldredukten im ekuadorianischen
Andenhochland. Umrahmt von den hufeisenförmigen Ausläufern
des 4.200m hohen Cerro Pasochoa, stellt das 1982 von der Fundación
Natura ins Leben gerufene Naturschutzgebiet einen wichtigen Beitrag
zur Umwelt- und Naturkundeerziehung der Quiteños dar, insbesonders
für Schulkinder aller Altersstufen.
Über 120 Vogelarten, von verschiedenen Kolibritypen bis hin
zum Kondor, bevölkern diesen beliebten Erholungs- und Freizeitpark
vor den Toren der Millionenstadt. Markierte Rundwege von einer halben
Stunde bis zu einem ganzen Tag laden zu schönen Spaziergängen
ein. Bromelien, Orchideen, oder eine seltene Zedernart können
bewundert werden. Der rote u. blaue Pfad gehört zu den leichtesten
(1 Std.), der orangene hingegen (4 Std.) u. der schwarze Pfad führen
bis auf die obersten Höhenlagen (3.500m) und nehmen eventuell
den ganzen Tag in Anspruch.
An der Station am Zugang (2.700m) werden Karten und Informationsbroschüren
verteilt. Die Eintrittsgebühr beträgt 7 USD. Camping ist
bei Voranmeldung möglich, eine eigene Ausrüstung aber
unbedingte Voraussetzung (10 USD pro Nacht). Neben dem Camping-Areal
gibt es noch zugewiesene Plätze für kleine Grillfeste.
Wochentags ist weitaus weniger los als an Wochenenden.
Anreise: Es gibt zwei Möglichkeiten. Die Fahrt im eigenen Wagen
bis zum Parkeingang dauert in beiden Fällen etwa eine dreiviertel
Stunde. Die insgesamt fast 35 km führen zunächst über
die hervorragend ausgebaute Autobahn General Rumiñahui nach
Sangolqui, oder über die neue Panamericana Sur in Richtung
Machachi. Die zweite Möglichkeit über die Panamerikanische
Straße scheint dabei etwas einfacher zu beschreiben. Nach
Verlassen der Stadt, bei dem Dorf Tambillo, geht es zunächst
links von der Panamericana in Richtung Sangolqui ab (nach rechts
ausfädeln!). Dabei geht es praktisch in nordöstlicher
Richtung, auf einer Umgehungsstraße zurück bis zum Dörfchen
Amaguaña (etwa 5 km von Tambillo u. 10 km vor Sangolqui).
Von dort führt bei der weiß-blauen Kirche El Elejdo eine
6 km lange, äußerst schlechte Pflastersteinstraße
bis zum Pasochoa-Reservat (rechts ab in südöstl. Richtung).
Die Ausfahrt in Amaguaña ist ausgeschildert! Da sich trotzdem
immer wieder viele Touristen verfahren, sind es die Dorfbewohner
inzwischen schon gewohnt, eine hilfreiche Auskunft zu geben.
Auch mit einem Bus von der Plaza Marín nach Amaguaña
gelangt man zum Pasochoa-Reservat. Der Fahrer sollte vorher angewiesen
werden, und wird somit bei der Kirche El Elejdo im Dorf halten.
Von hier sind es noch knapp eineinhalb Stunden Fußmarsch bis
zum Parkeingang. Autostop ist an Wochenenden möglich. Ein Taxi
von Amaguaña kommt auf etwa 5 USD. Ein Taxi von Quito aus,
kostet je nach Verhandlungsgeschick zwischen 20 u. 30 USD.
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