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Gut eineinhalb Stunden vom Zentrum entfernt liegt der am bequemsten
zu erreichende Strand der Guayaquileños. Es geht zuerst über
die westl. Küstenstraße in Richtung Salinas (s. Kap.
Península Sta. Elena). Nach knapp 70 Kilometern, in Progreso
(Juan Gómez Rendón), zweigt eine neue Autopista del
Sol links nach Playas ab, auch General Villamil genannt. Der traditionelle
Badeort verlor zwar in den letzten zwei Jahrzehnten durch das touristisch
boomende Salinas an Rang, gilt jedoch nachwievor als der “Hausstrand”
unter den meist mittleren Einkommensschichten der ekuad.
Wirtschaftsmetropole. Auch so manch einer aus den “Oberen
Zehntausend” hat dort eine Wochenendresidenz Im Gegensatz
zum monatelang kühlen und diesigen Salinas hält Playas
mit 300 Sonnentagen im Jahr einen Landesrekord. An Wochenenden,
Feier- u. Ferientagen bevölkert sich der nicht unbedingt saubere
Sandstrand familienweise mit herumtollendem Nachwuchs und dessen
leere Bierbüchsen hinterlassende Verwandtschaft. Auch Ölfrachter
draußen spülen dann und wann verantwortungslos ihre Tanks
durch. Die Busse nach Playas, mit TRANSPORTES VILLAMIL oder TRANSPORTES
POSORJA vom Terminal Terrestre weg, sind im Gegensatz zu normalen
Wochentagen samstags proppenvoll gestopft, und der Malecón
gleicht einer Gebrauchtwagenmesse.
Am südöstlichen Zipfel der Kleinstadt, rechterhand der
Straße in Richtung Data und Posorja (Av. Jaime Roldós
Aguilera /Avenida 2) wird der bei Ebbe extrem breite und weitläufige
Strand dann abgeschiedener und lädt zu genußreichen Spaziergängen
ein. Pelikane, Seemöven und Fregattvögel drehen über
den aufschäumenden Brechern ihre Schleifen und behalten neidvoll
die Fischer im Auge, welche teils noch mit segeltuchbespannten Balsaflößen
aufs offene Meer hinausfahren. Diese aus präkolumbischer Zeit
überlieferte Navigationsform wird an der ekuad. Küste
nur noch in Playas praktiziert. Des öfteren finden spannende
Wettrennen in der langgezogenen Bucht statt, an deren nordwestl.
Ausläufern gerade zwei gewaltige Betonburgen hochgezogen wurden.
Mit steigender Flut ziehen Männer, Frauen u. Kinder in den
auslaufenden Wellen eine Art feinmaschiges Pflugnetz hinter sich
her, womit Shrimpslarven zur Aufzucht in den camaroneras (Shrimpaufzuchtfarmen)
eingefangen werden.
Die Erträge für die Larvensammler sind dabei recht bescheiden
und bedeuten lediglich eine kleine Beihilfe zum Lebensunterhalt
einiger Familien, sowie billige Arbeitskraft für die Camaronerabarone.
Der dadurch verursachte ökologische Schaden fällt allerdings
auf alle Bewohner der Umgebung zurück. Mit den winzigen durchsichtigen
Shrimpslarven werden auch allerlei Fischchen u. Krebslein herausgezogen,
welche dann meist am Strand verrotten.
Nicht alle Larvensammler werfen die zukünftigen Nahrungsträger
wieder ins Meer zurück.
Engabao liegt 15 km nordwestl. von Playas und ist über eine
löchrige Schotterpiste zu erreichen. Traditionelles Fischerdorf
u. alljährliche Surfwettbewerbe.
Posorja, 30 km südwestl. von Playas am Canal del Morro gelegen.
War anno dazumal das erste Seebad von Guayaquil, welches von dort
aus nur per Schiff angesteuert werden konnte. Heute ist der Ort
ein Zentrum der Fischindustrie.
Hochseefrachter gibt es im Schiffahrtskanal vor der Küste zu
sehen. Auf der südöstlich vorgelagerten Insel Puná
soll es laut Insiderkreisen direkt gegenüber von Posorja einen
einsamen Sandstrand geben, an dem Nacktbaden kein Problem sei.
Santa Elena
Strände soweit die Beine tragen. Pelikane, Albatrose, Wildesel,
Brüllaffen, Buckelwale, Ceibo-Bäume, Tuna-Kakteen, Panamahüte,
Spondilusmuscheln, und die Venus von Valdivia.
Zwischen Progreso (welches besser Sín Progreso hieße,
km 70) und Salinas (160 km), etwa auf halbem Wege, liegt das völlig
unattraktive Durchgangsnest El Zapotal. Der einzige Grund hier überhaupt
an einen Stop denken zu wollen, sind zwei kleine Restaurants auf
der linken Seite fast am Ende des Dorfes (nach der Kirche). Und
dies auch nur für Ziegengourmets. Hier soll es nämlich,
nicht mehr und nicht weniger, das beste Seco de Chivo der Welt geben,
ein schmackhaftes Ziegenfleischgulasch mit Reis serviert. Viele
Guayaquileños machen hier Halt, auf ihrem Weg von oder zu
den Badestränden.
Die beiden Städte Santa Elena und La Libertad bilden zusammen
mit Salinas ein Agglomerat von über 120.000 Einwohnern, dessen
Grenzen zusehends ineinander verschwinden. Dieses Kernstück
der Península (Halbinsel), die früher durch eine Eisenbahnlinie
mit Guayaquil verbunden war, ist heutzutage nichts weiter als eine
ziemlich häßlich hingeklatschte Häuseransammlung
auf Sand. Lediglich die Bucht von Salinas macht da ein bißchen
eine Ausnahme.
In den 20er Jahren wurden bei Libertad bereits die ersten Erdölfunde
verzeichnet. Eine kleine Raffinerie läuft nachwievor auf Hochtouren,
und vermutete Gasvorkommen im Meer vor der Halbinsel, stehen kurz
vor der Ausbeute.
Möbelwerkstätten in Santa Elena, Fischfang in Libertad,
und insbesondere der nationale Tourismus in Salinas, zählen
zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Wer keine Zeit zu verlieren
hat, läßt das ganze links liegen, und fährt seelenruhig
nach Norden weiter. Kilometerlange Strände, und der unübertrieben
schönste Küstenabschnitt des Landes, warten darauf entdeckt
zu werden.
Sehenswürdigkeiten
Museo Los Amantes de Sumpa: Das einzige interessante was es in der
Stadt Santa Elena zu sehen gibt! Dafür aber ist der Besuch
sehr lohnenswert, selbst für anthropologisch weniger Interessierte.
Das kleine Museum rekonstruierte unter Anleitung der Anthropologin
Karen E. Stothert eine 10.000 Jahre alte Totenstätte der Las
Vegas Kultur, einer Vorstufe zur Valdivia Kultur. Es handelt sich
bei den insgesamt 192 Skelettfunden um eine der ältesten Nachweise
organisierter Gesellschaftsformen in ganz Amerika (8.800 - 4.600
v. Chr.). Die Ausgrabungen begannen bereits 1970.
Die “Liebenden von Sumpa” praktizierten neben der Jagd,
dem Fischfang und primitiv-sporadischem Ackerbau, auch bizarre Rituale
wie das Wiederausgraben von bereits vollständig verwesten Leichen.
In einem speziellen Falle handelt es sich um die Knochenreste eines
etwa 20-25 Jahre alten Päarchens, welches als “Paket”
engumschlungen zusammengerückt, d.h. viel kompakter gemacht,
danach auf ein neues wieder verscharrt wurde. Bei manchen Funden
waren die desartikulierten Knochen widerum peinlich genau nach Segmenten
geordnet, und je nach Funktion zu kleinen Haufen aufgeschichtet.
Andere Gräber wiesen ziemlich zertrümmerte Schädel
auf. Als Grabbeigaben dienten z. B. Spondilusmuscheln, Schneckenhäuser,
Fuchs- o. Wildschweinzähne, und Maiskörner!
Der anschließende Freiluftteil des Museums, zeigt ein typisches
costeño-campesino Bauern-Modellhaus von 1935, ganz liebevoll
im Detail nachvollzogen: Die Schlafstätte aus einer petate
o.a. estera (Bastmatte) u. einem Tierfell bestehend, dazu das baumwollene
Leintuch, die Flickendecke u. die kleinen Kissen aus Ceibowolle.
Über das ganze wurde ein weißes Moskitotuch gespannt,
und tagsüber alles zu einem Balg zusammengerollt. In der Küche
hing das Essen auf einer chaguelma, einem Zuckerrohrgestell unter
der Decke. Dadurch hielt sich die Nahrung frisch. Eine halbe blank
geriebene Kokosschale (mate), von oben draufgestülpt, ließ
die Mäuse abblitzen. Verschiedene Möbelstücke, Reitutensilien,
Handwerksmaterial u. ein Blasebalg aus Tierhaut zur Bronzeschmelzung
(!) direkt unter der Hütte, dürfen da nicht fehlen.
Museo Real Alto: Wer die “Liebenden von Sumpa” besucht
hat, kann sich diesen ziemlich abseits gelegenen Ort eigentlich
sparen (45 Km südöstl. v. Salinas). Obwohl Real Alto den
Nachweis einer etwa 6.000 Jahre alten Stadt erbringt, gibt es dort
außer ein paar zugeschütteten rechteckigen Löchern
im Wüstenboden, nicht allzu viel zu sehen. Die Umgebung ist
dagegen faszinierend spröde. Wilde Ziegen u. Esel maroden durch
die karge Steppenlandschaft. Die zahlreich wachsenden vielarmigen
Kakteen, werden von den Einheimischen hier cardón genannt
(Kandelaberkaktus).
Ein integriertes Kulturhaus gibt Aufschluß über das Leben
der Menschen in diesem einst blühenden Paradiese.
Abzweigung von der Hauptverkehrsstraße Gquil. - Península
n. Süden z. Fischerdörfchen Chanduy nehmen. Ein letrero
(Schild) weist darauf hin. Nach 12 km kommt das Museum (Eintr. 2
USD). Vom Terminal in Libertad gibt es Busse nach Chanduy (COOP.
SAN AUGUSTIN).
Baños Termales de San Vicente: Eine knappe halbe Std. westl.
v. Salinas. Heilende Vulkanschlammassagen, warme Schwefelquellen
und bioenergetische Pyramiden sind außer der kleinen EMETEL-Zentrale
das absolut einzige was der Ort zu bieten hat. Der Rest ist muy
triste. Aus Hygienegründen wird geraten von den Freßbuden
Abstand zu nehmen. Die pipas (Riesenkokosnüsse m. Strohhalm)
können aber getrost probiert werden und schmecken super! An
Wochenenden sind die termas (Thermalquellen) überlaufen. Die
neue Autobahn Guayaquil - Salinas soll hier bald durchkommen und
wird dann für einen verstärkten Besucherstrom sorgen.
Salinas
Die Sardinenbüchse Ecuadors, ganze zwei Autostunden von Guayaquil
entfernt, ist außerhalb der Weihnachts-, Neujahrs- u. Schulferienzeit
(an der Küste Feb.-April) eine absolut tote Hose, vor allem
unter der Woche. Selbst in den Zementtürmen über der Vorzeigepromenade
am Strand bleiben abends die Lichter aus. In den Bars u. Restaurants
herrscht gespenstische Langeweile, während vielleicht eine
Handvoll lautstarker Sommerfrischler aus Cuenca fröhlich am
beach herumtollt und fettige Lunchpakete verschlingt. Am Himmel
ist wochenlang kein blauer Fleck zu sehen, und es bläst ein
ständig kühler Wind, welcher mosquitos keineswegs zu stören
scheint. Eventuell hat Hochseefischen dann Konjunktur (Okt. - Dez.).
In der temporada alta (Hochsaison) hingegen, 23. Dez. bis etwa Mitte
April, verwandelt sich das populärste Seebad des Landes in
ein ekuadadorianisches “Rimini-Rummel”. Zahlreiche Badegäste
aus Guayaquil verbringen hier
ihre “schönsten Ferientage des Jahres”. Bräunungshungrige
Ausflügler liegen unter mitgebrachten Sonnenschirmen und genieben
bei Dosenbier aus Kühlboxen das rege Strandleben - Szenen fast
wie in einem italienischen Mittelmeer-Touristenort im August. Zu
Konzertlautsprecherboxen umfunktionierte, auf und ab fahrende Autos
mit Surfbrettern drauf oder Jetskiern dran, von Mamis Lieblingen
gesteuert und schnieken Beifahrerinnen begleitet, bestimmen dann
mehr oder weniger das Bild am Malecón.
Wenige Kilometer nordwestl. von Santa Elena, links weg von der asphaltierten
Küstenstraße nach Manabí, liegt das einstige Fischernest
Balleñita. Neuentstandene Ferienhäuschen prägen
heute die umliegenden kahlen Hügel.
Ganz besonders erwähnenswert hierbei ist die familienbetriebene
Hostería Farallón Dillon, welche neben einem fantastischen
Marine Restaurant-Bar-Museum komfortable Zimmer aufzuweisen hat,
die zum verweilen einladen.
Spektakuläre Aussicht aus 30m Höhe auf den Pazifik und
die Pelikane im Formationsflug. Ein ruhiger Strand lädt zum
baden ein. Besitzer ist ein alter Seebär, welcher jahrzehntelang
alle sieben Weltmeere bereiste. Seine nautische Kollektion enthält
auch zwei Tauchanzüge aus dem 19. Jh., antike Navigationsmeßgeräte,
eine splitternackte Galeonsfigur u. eine wuchtige bronzene Schiffsschraube
als Tisch umfunktioniert.
Guayas - Manabí
Einen Bretterbudenstrand voller Plastikbecher gibt es an jedem Wochenende
in der ansonsten hübschen, hufeisenförmigen Fischerbootbucht
von Ayangue. Etwa 1 Std. nördl. v. Sta. Elena kommt links eine
asphaltierte Abzweigung, welche nach wenigen Minuten in den kleinen
Ort führt. Sonntäglich parken bis zu hundert gemietete
Schul- und Betriebsbusse in den Staub-, bzw. Schlammstraßen
hinter dem Sandstrand, der dann eher einem improvisierten Nomadenlager
einer “Omar Sharif”-Filmszene gleicht. Ein weißes
Windschutzzelt steht neben dem anderen, und tausende von einkommensschwächeren
Tagesausflüglern aus Guayaquil und den umliegenden Provinzstädtchen
vergnügen sich mit Schwimmringen und aufblasbaren Gummienten
in den Wellen. Die Preise in den zum Strand hin offenen, rustikalsten
Eßlokalen im derben “Festzeltstil”, sind nämlich
um einiges günstiger als im schnieken Salinas. Unter der Woche
ist das authentische Badekaff an der Punta La Leona angenehm ruhig,
oder auch schlichtweg langweilig (wie man’s nimmt).
Für badefreudige Gringos gibt die Bucht nicht allzu viel her.
Für Segeltörn-Fans, Schnorchler, und potentielle Walfänger
mit spritzwasserfesten Kameras u. Feldstechern, die sich zwischen
Juni und November den brünftigen Buckelwalen auf geradezu spektakuläre
Distanz nähern möchten, sind die in Ayangue lebenden chilenischen
Seefahrer und Eheleute Pedro und Alegría Solis aber genau
die richtige Adresse! Auf ihrem 33 Fuß-Segler, clase oceánica
(gebaut in Michigan), bieten die beiden Kapitäne ein- u. mehrtägige
Törns zu Schnorchelbuchten, Korallenbänken, einsamen Stränden,
Inseln und Inselchen vor der Küste (Isla de La Plata, Salango,
El Pelado o. Los Ahorcados), sowie Walbeobachtungsfahrten u. Marlinfischen
auf hoher See an. Geschlafen u. gegessen wird an Bord. Meeresfrüchte
sind Pedros Spezialität! Eine ausgeprochen intime u. familiäre
Atmosphäre macht das Vernügen rund. Die erschwinglichen
Preise für eine Segeltour belaufen sich zwischen 25 USD pro
Person (6-stündiger Tagesausflug zum Islote El Pelado) und
180 USD pro Person (3-tägiger Roundtrip). Die Mindest-Teilnehmerzahl
beträgt 4-5 Personen. Fahrten zu den paarenden Buckelwalen
(Ballenas Jorobadas) werden zu ähnlich günstigen Preisen
organisiert. Info-Tel. in Ayangue: 916033. Fax in Gquil. 532827.
Die Vorwahl lautet wie für die gesamte Guayas-Provinz 04!
La Ballena Jorobada
Die Zahl der in ekuadorianischen Küstengewässern auftauchenden
Buckelwale (Megaptera novaeanglie), auf ihrem 8.000 km langen Weg
von der Antarktis zu den Paarungsstätten in äquatorialen
Gewässern, ist erstaunlich groß. Die lange Reise nach
Norden ist reiner Selbsterhaltungstrieb. Für die neugeborenen
Jungwale mit ihrer noch dünnen Fettschicht ist ein tropisch-warmer
Ozean überlebensnotwendig. Außerdem mangelt es während
des polaren Winters auf der eiskalten Südhalbkugel an nährstoffreichem
Plankton. Die südliche Küste Manabís, die Galápagos-Inseln,
sowie die kolumbianische Gorgona-Insel gehören in diesen tropischen
Regionen zu den besten Beobachtungsplätzen. 10.000 Exemplare
soll es weltweit noch geben. Während Chile u. Perú eine
lange Walfang-Tradition aufzuweisen haben, und sich die bis zu 16m
langen u. 40 Tonnen schweren Meeressäuger dort relativ scheu
verhalten (wenn nicht gar vom Aussterben bedroht sind), kann sich
Pedro mit seiner yate “Alegría” manchmal bis
auf wenige Meter an die friedlichen Monster heranwagen. Diese echten
Akrobaten unter den Walen katapultieren sich mitunter aus dem Ozean
hoch, wobei Zweidrittel ihres Körpers über der Wasseroberfläche
herauschaut. Wer sich das Naturereignis nicht entgehen lassen möchte,
macht sich in diesem Falle am besten nach Ayangue auf (siehe auch
unter “Puerto López).
Vom Kauf des Coral Blanco, des weißen Korallengeflechts, wird
geraten Abstand zu nehmen. Auch wenn der Handel mit dem schönen
Aquariumschmuck offiziell nicht verboten ist, handelt es sich hierbei
um ein ökologisches Verbrechen, daß den allerletzten
Korallenbänken vor Ayangue bald ein rasches Ende bereiten wird.
Nur wenige Kilometer nördlich von der Abzweigung nach Ayangue,
liegt der aus präkolumbischen Zeiten stammende Ort Valdivia
direkt an der parallel zum Strand verlaufenden Hauptstraße.
Außer viel Staub, ein paar löchrigen Fischernetzen, und
braungebrannten hakennasigen Gesichtern, typisches Erkennungsmerkmal
der geschichtsträchtigen Küstenbewohner dieser Region
um Valdivia und auch Machalilla, gibt es in dem 2.000 Einwohner
zählenden Ort nicht viel zu sehen.
Ein winziges Museum, ganz im Zeichen der “Venus von Valdivia”,
lädt Autofahrer dennoch zu einer genüßlichen Kaffeepause
ein. Obwohl von der einzigen “Venus” in den kleinen
Museumsvitrinen ein Dreiviertelstück fehlt, ist der Expresso
unter einem schattigen “Tagua”-Dach, sowie die freundliche
Museumsführung eine Fahrtunterbrechung wert. Ein kleiner Artesanía-Kiosk
bietet typische Souvenirs aus der Umgebung an, darunter modellgetreue
Balsaholz-Flöße fürs Handgepäck.
Der Grund für die mangelnde, bzw. nicht vorhandene Präsenz
von Keramikfiguren ist in den großen Museen von Quito u. Guayaquil
zu finden. Die dortige “Museumsmafia” hat dem Herkunftsort
Valdivia nicht ein einziges Stück gelassen.
Das anfänglich von der staatlichen Tourismusbehörde CETUR
in Angriff genommene Museum wurde bereits vor Baubeendigung völlig
aufgegeben. Heute versuchen die Dorfbewohner selbst so gut es geht
einen Beitrag zu leisten, in erster Linie durch persönliche
Stiftungen von kleinen Keramikfunden. Ein netter Student mit gebrochem
Englisch gibt zur Valdivia-Kultur ein paar interessante Erklärungen
ab.
Ungefähr 15 Min. von der Hauptstraße in Valdivia entfernt,
liegt im näheren Landesinnern versteckt ein sprödes Nest
namens Barcelona. Sämtliche Einwohner dieses unauffälligen
Dörfchens widmen sich dem Sammeln, Reinigen, Kochen, Trocknen
u. Spinnen der Paja Toquilla, dem feinfaserigen Stroh aus dem die
berühmten Panamá-Hüte gefertigt werden. Größter
Absatzmarkt für das trockene Stroh von Barcelona sind die Hutwerkstätten
in u. um Cuenca im südlichen Andenhochland. Siehe Exkurs “Der
feinste Strohhut der Welt!”
Manglaralto ist ein winziges Provinzstädtchen an einem schönen
kilometerlangen Sandstrand. Es liegt etwa eine Viertelstunde nördlich
von Valdivia. Im Ort gibt es eine beispielhafte Öko-Stiftung
namens Pro Pueblo, eine Telefonzentrale am Parque, und ein sehr
gutes, auf Meeresfrüchte spezialisiertes Restaurant namens
Las Tangas, gegenüber dem Colegio Fiscal.
Die Stiftung “Pro Pueblo” offeriert Fuß- u. Pferdewanderungen
durch Feucht- u. Trockenurwald, herrliche Ausblicke auf den Pazifik
und die Kordilllere Chongón-Colonche, Badestellen im Urwald,
jahrtausendealte Kulturstätten, Vogelbeobachtung, herzliche
Kontakte mit den Landbewohnern u. ihrem Alltag, sowie das frühmorgendliche
Röhren der schwarzen Brüllaffen. Eine Tour mit dieser
Naturorganisation gehört zu den Höhepunkten des “sanften
Tourismus” in der Provinz Guayas.
Sinn und Zweck der Fundación ist die Förderung eines
Ecoturismo mit voller Beteiligung der Bewohner dieser Region. So
waren z. B. die von der Stiftung instruierten Führer vormals
allesamt Jäger. Heute gehören sie zu den eingefleischsten
Naturschützern dieser allerletzten Dschungelflecken in der
Provinz Guayas. Anhand lebenslanger Erfahrungen mit der Tier- u.
Pflanzenwelt hat ein jeder dieser “Ex-Wilddiebe” die
besten Voraussetzungen für einen kenntnisreichen Trekking-Führer.
Andere Dorfbewohner wiederum stellen die für Pferdetouren benötigten
Gäule und Maulesel zur Verfügung. Mit dem einsetzenden
Tourismus in diesem bisher kaum bereisten Hinterland des Küstenabschnitts
um Manglaralto, werden inzwischen auch alte Traditionen und Kunsthandwerksfähigkeiten
stolz aufs neue zur Schau gestellt - wie z. B. das geduldige Schnitzen
von Tagua, dem “pflanzlichen Elfenbein”, die traditionsreiche
Töpferkunst, oder die aufwendige Verarbeitung von Paja Toquilla,
das Stroh aus dem die feinsten Natur-Sombreros der Welt gemacht
werden.
“Pro Pueblo” koordiniert dabei lediglich diese Touren,
ohne auch nur einen Sucre vom Touristen zu verlangen. Zu Bezahlen
ist lediglich der jeweils zuständige guía (Naturführer).
Dieser kostet knapp 8 USD pro Tag, und das für eine ganze Gruppe!
Einen Gaul gibt es für 3 USD pro Tag (u. pro Person versteht
sich!). Camping-Equipment (bei mehrtägigen Touren), Lebensmittel,
Trinkwasser usw. muß eine jede Gruppe selbst mitbringen, da
keinerlei Ausrüstungsgegenstände gestellt werden. Darüberhinaus
muß jede beabsichtigte Tour einen Tag vorher bei “Pro
Pueblo” in Manglaralto angemeldet werden, damit diese den
Führern rechtzeitig Bescheid geben können.
In erster Linie werden vier verschiedene Trekking-Touren angeboten.
Die kürzeste ist in wenigen Stunden zu bewältigen. Nach
oben hin gibt es eigentlich kein Zeitlimit. Wer ernsthaft den Brüllaffen
auf die Spur kommen möchte, sollte sich daher mindestens zwei
bis drei Tage Zeit nehmen. Zu den interessanten Zielen gehören
die teils bewaldeten Anhöhen Cerros del Encanto, del Páramo,
u. de La Naranja, abgelegene Weiler wie El Suspiro o. La Rinconada,
sowie das kleine Naturreservat Bosque de Guarúa, dessen Bäume
die Feuchtigkeit des Meeres aufnehmen, und deren Zweige u. Äste
von dichtem Moos bewachsen sind. Schweißtreibende Höhenunterschiede
von über 600 Metern gilt es bei der Wanderung zu überwinden.
Adresse: Fundación Pro Pueblo c/o La Cemento Nacional,
direkt am Malecón von Manglaralto, neben dem Restaurant “Las
Tangas”. Telefax in Guayaquil: 901208 o. 901195. Die Vorwahl
der Provinz Guayas lautet 04.
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