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Coca
Lust auf schmutziges Wild West - Ambiente, schlammige Avenidas,
plattgefahrene Müllhaufen, und allerorts tropisch brütende
Fäulnis ?
Verrückt nach aufgewirbelten Staubwolken, und ein mit Rohölresten
bespritztes T-Shirt, daß unter einer hermetischen, geradezu
apokalyptischen Hitzeglocke, wie ein Neopren-Anzug am Oberkörper
festklebt ?
Ganz wild auf grimmig dreinblickende Militärs mit Spiegelglassonnenbrillen
in starren Gesichtern, schuftige Trunkenbolde, dickbäuchige
petroleros, jähzornige Stechmücken, und leidgeprüfte,
aus morschen Bordellbaracken entsprungene Straßenkinder ?
In diesem Falle ist der am unteren Río Napo gelegene Flußhafen
mit dem heiklen Namen genau das richtige für “authentische”
Urlaubsgefühle!
Das erst Ende der sechziger Jahre von Kapuzinermönchen gegründetete
Städtchen, einstiger Missionsvorposten zur schnellen Christianisierung
der rebellischen Huarani-Indianer, scheint auf den ersten Blick
nicht viel mehr als eine geschäftige Ansammlung zwischenmenschlichen
Elends zu sein. An die Tatsache, daß hier vor über 450
Jahren der grausam verwegene “Amazonasentdecker” Francisco
de Orellana vorbeikam, erinnert lediglich eine halb verwitterte,
von Straßenkötern bepinkelte Büste, an der meist
mit Unkraut überwucherten Uferpromenade. Das einzig architektonisch
interessante, die “Sidney-Oper” auf der gegenüberliegenden
südlichen Flußseite, ist übrigens ein Offizierskasino.
Nichtsdestotrotz ist das mit dem Ölboom gewachsene Coca ein
guter Ausgangspunkt für Abenteuertouren in den ekuad. Oriente.
Der Ort liegt in unmittelbarer Nähe zu den dichten Regenwäldern
im unteren Einzugsbereich des immer breiter werdenden Amazonaszuflusses
Napo. Verschiedene, teils luxuriöse Urwaldherbergen, und private
wie staatliche Naturschutzgebiete (z. B. Yasuní o. Yuturi),
sind von hier aus schneller als z.B. von Misahuallí aus zu
erreichen.
Dschungeltouren
Die Zahl der Touranbieter hat in Coca in den letzten Jahren etwas
abgenommen. Dies hängt sicherlich mit dem schlechten Ruf des
Ortes, und dem folglichen Ausbleiben größerer Touristengruppen
zusammen. Die meisten Dschungelbesucher kommen inzwischen über
Lago Agrio oder Misahuallí in den Genuß das Amazonastiefland
kennenzulernen. Trotzdem gibt es noch die eine oder andere Agentur,
welche mehrtägige Touren durchführen. Darunter so abenteuerliche
Ziele wie Pañacocha, Río Yuturí, Río
Shiripuno, Río Tiputini, Río Tigüino, oder die
sehenswerten Nationalparks Yasuní und Cuyabeno.
Ausflüge in die Umgebung
Limoncocha und Pañacocha sind zwei kleine Lagunen im Niederungsbereich
des Río Napo. Erstere kann man inzwischen getrost abschreiben.
Im Zuge fortschreitender Kolonisierung ist in der einst ursprünglichen
Dschungelgegend um Limoncocha heute kaum mehr ein Tier anzutreffen.
Viel interessanter scheint da die ein Quadratkilometer große
Pañacocha-Lagune zu sein. Der Piraña-See (übersetzt)
ist eine der naheliegendsten Möglichkeiten um von Coca aus
noch intakten feucht-tropischen Regenwald kennenzulernen.
Das Angeln jener rasiermesserscharfen Fischlein (schmecken sehr
gut, haben aber sehr viele Gräten), die vielen Beobachtungen
an Vogel- und Pflanzenwelt, sowie das eine oder andere aufgeschreckte
Säugetier, lassen einen zwei- o. dreitägigen Aufenthalt
an den überwucherten Ufern der Lagune zu einem relaxten Dschungelabenteuer
werden. Sogar kleine Kaimane werden von den Führern manchmal
aus dem finsteren See gezogen (nicht zum essen, nur zum anschauen).
Ebenso von Misahuallí aus werden Touren nach Pañacocha
organisiert. Allerdings nimmt die lange Kanuanfahrt von dort bereits
eineinhalb Tage in Anspruch. Geschlafen wird in Zelten oder einfachsten
Unterständen mit Moskitonetzen. Auf der Rückreise können
die Touristen dann im viel näheren Coca (3 Std.) wieder in
den rettenden Bus nach Quito steigen.
Diese Rundreise Quito - Misahuallí - Pañacocha - Coca
- Quito stellt für viele Leute mit kleinerem Geldbeutel eine
interessante Alternative für exklusivere Regenwaldtouren dar,
und kann innerhalb einer Woche locker über die Bühne gehen.
Wer eine Woche im tiefsten Dschungel umherirren, abseits der Trampelpfade
mitten durch die “Grüne Hölle” marschieren
möchte, sollte sich an den eleganten Überlebenskünstler
Numa wenden (bei “Yuturi”). Seine “Jungle Adventure
Expeditions” führt die Teilnehmer kreuz u. quer durch
jungfräulichsten Urwald. Das Campingzeug muß durch Sümpfe
und Dickicht hindurch geschleppt werden. Gegessen werden außer
Nudeln, Reis und Büchsenfleisch, auch so lokale Leckerbissen
wie Pilze, Maden oder Pirañas. Ziel der Expeditionen sind
völlig unbewohnte Urwaldregionen im Yasuní-Nationalpark.
Zu sehen gibt es u. a. Papageien, Tapire, Wildschweine, sehr viele
Affen und manchmal auch einen Jaguar.
Nationalpark Yasuní
Dieser 1979 geschaffene Parque Nacional ist mit fast 1.000.000 ha
der flächenmäßig größte in Ecuador. Seine
natürlichen Grenzen bilden im Norden der Río Tiputini,
einem Zustrom des Río Napo, nach Süden hin der Río
Curaray, und nach Osten die peruanische Grenze. Drei Arten von “Dschungel”
werden prinzipiell im Yasuní-Park unterschieden: Die sogenannte
Tierra Firme in den höheren Bereichen von etwa 300 bis 600m,
die periodisch überflutete Varzea-Urwaldzone, und die ständig
von Brackwassern überflutete Igapó-Urwaldzone. Eine
relative Trockenzeit herrscht von Ende Dezember bis März. Von
April bis Juli hingegen regnet es am meisten, während der Rest
des Jahres sehr wechselhaft ist. Die Temperaturen reichen von schwülsten
36 Grad bis hin zu feucht-kühlen 12 Grad!
Für Besucher dieser abgelegenen wie fasziniernden Urwaldregion
besteht außer einem großartigen Wildlife-Erlebnis auch
die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit den ansässigen
Huaorani-Indianern. Diese extrem zurückgezogenen Kommunen wiederum,
falls sie nicht gerade mit den Reiseagenturen bestimmte vorherige
Abmachungen getroffen haben, verlangen von jedem Touristenkanu inzwischen
ganz harte US-Dollars als “Wegzoll”!
Verschiedene Agenturen in Quito können abenteuerliche Expeditionen
in das wilde Dschungelgebiet organisieren (Kempery Tours, Nomad
Trek). Die Tagesausflüge der Urwald-Lodges Sacha und La Selva
können über den Río Añangu zumindest bis
in die Grenzbereiche dieses wahrscheinlich artenreichsten ekuadorianischen
Nationalparks vorstossen.
Weite Teile von Yasuní bleiben dem Tourismus jedoch vorenthalten,
und sind u. a. Streitobjekt zwischen den seit Urzeiten ansässigen
Huaorani und dem “Block 16”, einer abgesteckten, zur
Erdölförderung freigegebenen Zone, welche vom nordamerikanischen
MAXUS-Konsortium beansprucht wird.
Für mehrtägige Dschungeltrips gibt es drei Anreisemöglichkeiten.
Von Coca aus startende Touren führen in der Regel zuerst einmal
10 Stunden den Río Napo flußabwärts bis zur Mündung
des Río Tiputini. Von dort aus geht es dann tagelang den
hakengeschlängelten Tiputini flußaufwärts, in entgegengesetzter
westlicher Richtung. So ein Unternehmen ist jedoch nichts für
Zartbesaitete. Zeltübernachtungen auf unsicheren Sandbänken
oder inmitten des Dschungels, querliegende Baumstämme im Fluß,
apokalyptische Regengüsse, Ameisenbisse, Sonnen- u. Moskitostiche,
sowie tausenderlei anderes Ungeziefer, müssen in Kauf genommen
werden. Auch eine Art “grünes Fieber” oder “Vor-lauter-Wald-keine-Bäume-mehr”
- Effekt könnte sich beim Touristen einstellen!
Eine zweite, nicht minder abenteuerliche Anreisemöglichkeit,
führt zunächst flußabwärts auf dem Río
Napo bis nach Nuevo Rocafuerte an der peruanischen Grenze. Hier
mündet der Río Yasuní in den bereits kilometerbreiten
Río Napo.
Die Fahrt bis zur militarisierten Grenzsiedlung dauert mit dem Motorkanu
etwa 12 bis 15 Stunden. Um von hier aus den Río Yasuni weiter
flußauf fahren zu können, bedarf es einer speziellen
Erlaubnis von INEFAN in Quito, der Capitanía in Coca, sowie
schlußendlich dem guten Willen der in Nuevo Rocafuerte stationierten
Militärs. Ein paar Flaschen Whisky (die Marke muß stimmen!)
könnten u. U. Wunder vollbringen. Auf eigene Faust ist der
dortige Zutritt zum Nationalpark somit sehr schwierig. Die eine
oder andere Reiseagentur in Quito oder Coca startet von der Yasuní-Mündung
aus zu mehrtägigen Expeditionen in den Nationalpark.
Eine dritte Möglichkeit in den Yasuni-Park oder zumindest bis
in seine Randbereiche zu gelangen, führt von Coca aus zuerst
einmal über eine fast geradlinige, und mit zähflüssigem
Erdöl vollbesudelte Piste in Richtung Süden nach Curaray,
die sogenannte Vía Auca. Bei der Brücke über den
Río Tiputini, oder spätestens über den Río
Shiripuno, wird auf das Einbaumkanu umgestiegen. Dichter feucht-tropischer
Regenwald läßt die abscheuliche Straße dann bald
in Vergessenheit geraten.
Bei der rasanten Fahrt von Coca bis zu einer der beiden Brücken
spritzt das schwarze Teerzeug links und rechts ins Gebüsch
weg. Mehrere Pipelines verlaufen parallel zur Straße, und
geben einen groben Eindruck von der wirtschaftlichen Bedeutung des
schwarzen Goldes. Die meist nicht einsehbaren, etwas abseits der
Straße gelegenen 20 x 30m großen “Erdölteiche”
(pozos), dessen unbehandelte wie hochgradig giftige Chemikaliengemische
das Grundwasser verseuchen und bei starken Regenfällen auch
in kleine Nebenflüsse überschwappen, sind der Preis für
eine unkontrollierte, auf skrupellosem Raubbau basierende Erdölförderungspolitik.
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