|
Das 15.700 Hektar grosse Naturschutzgebiet wurde erst 1992 ins Leben
gerufen und ist unter Naturfreunden inzwischen “in Mode”
gekommen. Es umfasst Höhenlagen zwischen 3.600 u. 4.768m -
dem Gipfel des erkalteten Vulkan Chiles an der kolumbianischen Grenze.
Die durchschnittlichen Temperaturen liegen zwischen 7 u. 11 Grad,
mit Extremwerten zwischen 0 u. 18 Grad. Während der “Sommermonate”
von Juni bis Oktober herrschen tagsüber starke Winde und eine
intensive Sonneneinstrahlung vor. Die sternenklaren Nächte
sind dann meistens eiskalt. In den zahlreichen Lagunen wie der Voladero,
der Potrerillos, der Razacocha o. den Lagunas Verdes tummeln sich
Enten u. Regenbogenforellen.
Quakenden Riesenkröten, davonhoppelnden Kaninchen, einem einsamen
Steppenwolf, oder einem kreisenden Kondor kann mit etwas Glück
aufgespürt werden. Das relativ übersichtliche, teils schwammig-sumpfige
Gebiet, bietet ausdauernden Wanderfreunden diesbezüglich so
mancherlei Überraschung. Nähere Information über
Pfade und Campingplätze im Reservat erteilt das INEFAN-Büro
in El Angel (Calle José Grijalba 04-26), oder auch das Büro
der Fundación El Angel im Rathaus.
El Angel liegt etwa 20 km westlich der Panamericana Norte, genau
48 km südlich von Tulcán u. 75 km nördlich von
Ibarra. Von Ibarra kommend befindet sich nach 33 km panamerikanischer
Strasse links eine asphaltierte Abfahrt über den Chota-Fluss
hinweg in Richtung Mira u. El Angel. Von Tulcán kommend führt
eine holprige Strasse (die alte Panamericana) entlang der südöstlichen
Reservatsgrenze direkt bis nach El Angel (bei Tetes von der asphaltierten
Pana rechts abbiegen). Diese Route ermöglicht aufregende Ausblicke
auf das einzigartige Páramo-Panorama mit seinen meterhohen
“Mönchen”. Mindestens ein halber Tag sollte für
die fotogene Entdeckungsfahrt veranschlagt werden. Warme Kleidung
und heissen Tee nicht vergessen!
Eine andere Möglichkeit das Reservat kennenzulernen stellt
eine unbefestigte Strasse von Tufiño in Richtung Westen dar,
welche nach mehreren Stunden bis in die subtropischen Ortschaften
Maldonado u. Chical hinunterführt. Dabei geht es von Tulcán
entlang der kolumbianischen Grenze bis nach Tufiño (18 km).
Danach durchkreuzt die bis zu 4.000m hohe Passtrasse an den Südflanken
des Chiles-Vulkans das Reservat, und fällt steil in Richtung
Küste hin ab.
In der Nähe des empfindlich kalten Tufiño gibt es bei
eine Reihe heisser Thermalquellen, wobei der Schwefelpool von Aguas
Hediondas der weitaus Spektakulärste ist. Diesen erreicht man
über die weiter westlich führende Strasse in Richtung
Maldonado. Nach 3 km kommt rechts eine Abzweigung, die nach fast
5 km zu den “Stinkenden Wassern” führt.
Die Einsamkeit der Landschaft ist schier beeindruckend. Busse nach
Tufiño starten von Tulcán jede Stunde, nach Maldonado
hingegen gibt es nur ganz wenige Verbindungen.
Tulcán (38.000 Einw.)
Mit 3.000 Höhenmetern ist Tulcán die kälteste Stadt
des Landes. Frostige Grenzstation auf dem Weg ins heissblütige
Kolumbien. Wer an einem vernebelten Nachmittag schweratmend und
unter Dunstausstössen in Tulcán eintrifft, wird von
dort auch so schnell wie möglich wieder verschwinden wollen.
Kaum ein anderer Ort in der variantenreichen äquatorialen.
Wohnlandschaft macht einen derart reizlosen Eindruck wie dieses
“oberste Gefrierfach”. Einzige Sehenswürdigkeit
sind die kunstvoll zurechtgestutzten Zypressen auf dem städtischen
Friedhof. Der einstige Initiator dieser teils nach präkolumbischen
Motiven geformten Büsche, liegt inzwischen unter seiner eigenen
Pracht beerdigt. Auf seinem Grabstein steht: “Ein Friedhof
so schön dass er zum Sterben einlädt!” Seine Söhne
setzten heute sein Werk fort.
Jede Menge umherwandelnder Ponchos, dicker Anoraks u. gefütterter
Lederjacken, in den von blankgeputzten Polizeiwagen patrullierten
Strassen, lassen dem bis ins Mark erschütterten Reisenden daher
nur zwei Möglichkeiten offen: Busbahnhof oder Flughafen!
Die kolumbianische Grenze liegt etwa 5 km nordöstlich von Tulcán,
und ist normalerweise von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr geöffnet.
Sammeltaxis vom Parque Ayora (Nähe Friedhof) kosten etwa 1
USD, ein gechartertes Taxi kommt auf 3-4 USD. Von der Grenze gibt
es colectivos in die kolumbianische Grenzstadt Ipiales. Selbst bei
einem Tagesausflug in das basarmässige Handelszentrum ist es
unbedingt notwendig sich seinen Reisepass abstempeln zu lassen (ekuad.
Ausreisestempel u. kolumb. Einreisestempel!). Auch wenn sich meist
kein Zöllner gross um die Grenzgänger schert, kann das
Fehlen dieser Passvermerke bei eventuellen Kontrollen böse
Folgen nach sich ziehen!
|