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Volker Feser

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Von Seefahrern, Siedlern, und satanischen Sagen }

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Die menschliche Seite der vulkanischen Inseln
Die ersten Besucher auf den Galápagos-Inseln waren vermutlich die seetüchtigen Kulturen der Manteños oder Huancavilcas, welche auf großen Balsaflößen vom ekuadorianischen Festland herüberkamen. Keramiksplitter, die auf der Insel Santiago, der Bahía Ballena auf Santa Cruz, und am “schwarzen Strand” von Floreana vorgefunden wurden, können dies bezeugen. Ob die ehemaligen Küstenbewohner wieder ihren Weg von den ozeanischen Inseln zurückfanden bleibt allerdings zu bezweifeln. Mit den vorherrschenden Strömungsverhältnissen war dieses Unterfangen so gut wie unmöglich.

Um 1485 soll auch der Inka Tupac Yupangui bereits zwei der Inseln angesteuert haben, Nina Chumbi (“Feuerinsel”) und Hahua Chumbi (“Äußere Insel”). Laut dem norwegischen Endeckungsreisenden Thor Heyerdahl handelte es sich bei dem dabei zurückgebrachten “Pferdefell”, welches 100 Jahre später noch in Cuzco weilte, in Wirklichkeit um ein Seelöwenfell.

Auch auf einen bronzenen halbmondförmigen Manteño-Sockel soll der zehnte Inka-Kaiser dort angeblich gestossen sein. Aber sowohl das mysteriöse Fell wie auch der Häuptlingsstuhl könnten genauso gut von einem Küstenabschnitt des Kontinents stammen.

Eine Windflaute trieb den ersten Europäer, Fray Tomás de Berlanga, im Jahre 1535 mit dem starken Humboldt-Gegenstrom an die Küsten des Archipels. Der damalige Erzbischof von Panamá, der (ebenfalls wie die meisten Tiere und Pflanzen vor ihm) unfreiwillig an den Inseln strandete, erklärte die steinigen Eilande “voller Seelöwen und Schildkröten” als “völlig unbewohnbar”. Nachdem er die verzweifelte Suche nach Trinkwasser aufgegeben hatte, erreichte er gerade nochmal die peruanische Küste. Durch die Entdeckung des Bischofs konnte das Archipel 1574 zum erstenmal auf einer Weltkarte eingetragen werden - unter der Bezeichnung “Inseln der Schildkröten” oder Archipelago de los Galopegoes.

Der Spanier Diego de Rivadeneira gab ihnen 1546 den zauberhaften Namen Islas Encantadas. Der Deserteur von Pizarros Armee floh mit zwölf Mann und einem gestohlenen Schiff von Perú in Richtung Norden, und wurde ebenso wie Berlanga zu den Inseln abgetrieben. Aufgrund der hohen Fehlerquote der damals verwendeten Navigationsinstrumente standen die entlegenen, oft von Wolken eingehüllten “Phantom-Inseln”, im Ruf sich hin und wieder von der Oberfläche zu verhexen, bzw. unsichtbar zu machen. Rivadeneira fand auf einer der Inseln nicht nur Frischwasser, sondern erwähnte in seinem Bericht auch erstmalig den “Galápagos-Falken”.

Seit Ende des 16. Jh. benutzten englische, französische u. holländische Piraten und Freibeuter, unter ihnen die legendären Francis Drake, Captain Morgan und William Dampier, die Inseln als Schatzversteck und Basis für Überfälle auf spanische Segler, welche das letzte Inka-Gold der Kolonien nach Europa transportierten. Auch für so manch blutrünstigen Überfall auf die Hafenstadt Guayaquil mußten die Inseln als Ausgangspunkt herhalten. Die vulkanischen Höhlen auf Santiago und Floreana dienten den Seeräubern dabei als idealer Schlupfwinkel. Der Freibeuter William Ambrose Cowley benannte die Inseln 1684 nach britischen Königen, Grafen und Admirälen, und fertigte eine erste Detailkarte des Archipels an. Der 1709 vom Piraten Woods Rodgers weit vor der chilenischen Küste (Juan Fernandez - Inseln) aufgelesene englische Matrose Alexander Selkirk lieferte dem Schriftsteller Daniel Defoe später die Grundlage zu seinem berühmten “Robinson Crusoe”- Roman. Selkirk selbst kommandierte drei Monate nach seiner wunderlichen Rettung ein eigenes Korsarenschiff, mit dem er Guayaquil überfiel um anschließend die reiche Beute auf einer der Galápagos-Inseln aufzuteilen.



Im Jahre 1793 stellte der britische Kapitän James Colnett auf Floreana ein kurioses Holzfaß auf, daß Seefahrern und Touristen bis auf den heutigen Tag als Postzustellung dient. Mit Colnett gelangten Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jh. die ersten Wal- und Robbenfänger zu den Inseln. Dabei stieg die Zahl der in der Galápagos-Region massakrierenden Fangschiffe Mitte des letzten Jh. bis auf über 2.000 an. Die Pelzrobbenkolonien haben sich praktisch bis heute noch nicht von der Schlächterei erholen können. Auch über 200.000 Riesenschildkröten fielen den Jägern schätzungsweise zum Opfer, 15.000 allein auf Floreana. Die unglücklichen Panzertiere, welche unter Deck einfach übereinandergestapelt auf den Rücken gedreht wurden, konnten trotz dieser Praxis noch monatelang ohne Wasser und Nahrung überleben, und versorgten somit die Mannschaft ständig mit Frischfleisch. Drei der einzigartigen Schildkrötenarten sind dadurch heute ausgestorben, andere widerum wurden extrem stark dezimiert.

Der erste Bewohner von Galápagos war der Ire Patrick Watkins, der 1807 (freiwillig oder auch nicht) auf Floreana ausgesetzt wurde. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Anbau von Gemüse, welches er bei den vorbeifahrenden Walfangschiffen gegen Whisky eintauschte. Der amerikanische Kapitän David Porter beschrieb den einsamen Matrosen als Rohling mit teuflischem Aussehen: “Nach Fäulnis stinkend, mit zerfetzten Klamottenresten, die nicht mal seine Scham bedeckten, voller Ungeziefer und Mäuse, dunkelbraun von der Sonne gegärt, und so wild und ungebändigt, daß jedermann von blankem Entsetzen gepackt wurde”. Nichtsdestotrotz entführte Watkins 1809 den Walfänger “Black Prince” und fünf seiner Matrosen, während sich der Rest der Mannschaft an Land befand. Ohne seine Hilfe war ein Herausfinden aus dem Archipel unmöglich, und die Männer ließen es geschehen. Als Watkins dann mutterseelenalleine am Hafenkai von Guayaquil aufkreuzte, führte dies zu allerlei Gerüchten. Sogar von Kannibalismus war die Rede.

Fast zwei Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung Ekuadors wurden die Inseln am 12. Februar 1832 von Coronel Ignacio Hernandez dem ekuadorianischen Staatsgebiet zugeführt. Der erste Gouverneur von Galápagos, General José Villamil, hatte die utopische Absicht auf Floreana eine neue ideale Gesellschaft zu gründen. Er gab den Inseln neben ihren bereits bestehenden englischen Bezeichnungen offiziell spanische Namen. Sein Traum vom fernen Paradiese verwandelte sich jedoch nach kurzer Zeit in eine anarchistische Sträflingskolonie.

Der grausame Manuel Julio Cobos verlegte nach einem ersten, im Jahre 1869 fehlgeschlagenen Kolonisierungsversuch, 1888 das Gefangenenlager nach El Progreso auf San Cristóbal. Eine einträgliche Zuckerrohrindustrie wurde unter Peitschenhieben errichtet. Arbeitsscheue ließ er in einem von der Sonne aufgeheizten Eisenkessel bei lebendigem Leibe von den Ratten auffressen. Nach fortgesetzten Vergewaltigungen an den Ehefrauen der Gefangenen wurde er 1904 von einem machetenschwingenden Kolumbianer in Stücke zerhackt. Sein Grab liegt heute noch unter einem hohen “Engelstrompetenbaum” im Dörfchen von El Progreso.

Im Herbst 1835 hielt sich mit der dem Kapitän Fitzroy unterstellten “HMS Beagle” der berühmteste Besucher auf den verzauberten Inseln auf - ein englischer Student namens Charles Darwin. Der angehende Naturforscher und Ornithologe, welcher von seinen Lehrmeistern als “einfallslos” eingestuft worden war, reiste trotz des strengen Verbots seines Vaters - und daß auch nur weil zwei andere Passagiere kurzfristig abgesagt hatten. Auf Galápagos untersuchte Darwin fünf Wochen lang Pflanzen und Tiere, welche er u. a. als “zyklopische Bestien” beschrieb. Der Begriff “Evolution” wurde von dem tiefreligiösen Viktorianer diesbezüglich niemals angewendet. Er berichtete lediglich von “Schöpfungszentren” und “gottgegebener Abstammung mit Abwandlungen”. Eine fortschreitende, auf vielfältiger Eigendynamik basierende Artenentwicklung, wurde von ihm anfangs schlichtweg abgestritten. Wie auch immer, die aus seinen Studien entstandene Theorie der “Evolution der Arten”, welche 1859 veröffentlicht wurde, revolutionierte nicht nur die Wissenschaft, sondern erhob seinen Namen auch zum Synomym dafür, was wiederum den Vatikan in Verlegenheit brachte.



Zwischen 1875-78 gelangte der deutsche Geologe und Naturalist Theodor Wolf zweimal nach Galápagos. Er fand heraus, daß die Inseln vulkanisch-ozeanischen Ursprungs sein müssen, und somit keinerlei Verbindung zum südamerikanischen Kontinent aufweisen. Die höchste Galápagos-Erhebung, ein 1.707m hoher Vulkan auf Isabela, sowie ein kleines Felseneiland im äußersten Nordwesten des Inselreiches, tragen heute seinen Namen.

Anläßlich Kolumbus’ 400-jährigem Jubiläum seiner Amerika-Entdeckung erhielt das Archipel 1892 den Namen “Archipiélago de Colón”. Ein Jahr darauf wurde vom ehrenwerten Guayaquileño Don Antonio Gil der erste einigermaßen erfolgreich verlaufende Besiedlungsversuch auf Isabela eingeleitet. Die Kolonie überlebte dank dem Verkauf von Rindfleisch und den Schwefelminen am Sierra Negra-Vulkan. Eine norwegische Siedlergruppe, die 1926 auf Floreana eine Fischdosenfabrik errichtete, gab wenig später dieses Vorhaben wieder auf. Lediglich ein verrosteter Kessel blieb als stiller Zeuge zurück. Auch eine Salzmine im ehemaligen Puerto Egas in der James Bay auf Santiago hatte nur kurze Zeit Bestand (1924-30).

Zu den weiteren Abenteuerreisenden, die den Inseln zu ihrer magischen Anziehungskraft verhalfen, zählte auch der amerikanische Forscher William Beebe. Sein Galápagosbesuch im Jahre 1923 inspirierte ihn zu dem Weltbestseller “Galápagos - World’s End”. Ein begeisteter Leser des Buches war der deutsche Aussteiger-Zahnarzt und “Öko-Pionier” Friedrich Ritter, der sich 1929 mit seiner Praxishelferin Dore Strauch auf Floreana niederließ. Im Jahre 1932 folgten ihnen die aus Köln stammende Familie Wittmer, welche heute noch auf der Insel lebt. Die ersten Luxusyachten spleeniger amerikanischer Multimillionäre tauchten am “schwarzen Strand” von Floreana auf. Mit einem dieser ersten Touristenschiffe gelangte auch die junge deutsche Baronin von Wagner de Bosquet auf die exotische Insel - begleitet von ihren beiden Liebhabern Lorenz und Philipson. Ihre anfänglichen Pläne für ein außergewöhnliches Luxushotel scheiterten. Nachdem davon nur eine Hütte aus schiefen Brettern und verrostetem Eisen übrigblieben, deklarierte sich die blaublütige Diva zur “Kaiserin von Floreana”.

Dies führte unweigerlich zu starken Spannungen mit den Wittmers und Dr. Ritter. Im Jahre 1935 (als bereits einige der Inseln als Naturreservat ausgeschrieben wurden) verschwand die Baronin zusammen mit ihrem Liebhaber Philipson auf höchst seltsame Weise, während Lorenz in Begleitung eines norwegischen Matrosen an den Klippen der Marchena-Insel Schiffbruch erlitt. Beide Männer fanden einen tragischen Hungertod, ihre mumifizierten Leichen wurden Monate später am Strand entdeckt. Wie es scheint, wurde die revolvertragende Baronin und ihr Lieblings-Gigolo Philipson von Lorenz getötet. Auch die Wittmers und Dr. Ritter hatten dabei angeblich ihre Finger im Spiel. Margret Wittmer behauptete daraufhin, daß das Paar in Richtung Tahiti davongesegelt sei. Dr. Ritter starb derweil an einem vergifteten Hühnchen (obwohl er eigentlich Vegetarier war). Dore Strauch, des Zahnarzt mutmaßliche Mörderin, ging nach Deutschland zurück, wo sie den Roman “Satan kam nach Eden” schrieb. Sie starb wenige Jahre später in einer Berliner Irrenanstalt. Lediglich Margot Wittmer überlebte das ungeklärte Drama. Aus ihr ist allerdings kein Wort mehr zur Lüftung des Geheimnisses herauszubringen. Sie lebt heute noch, 93 Jahre alt, am “schwarzen Strand” von Floreana, wo sie eine Pension und das einzige Telefon der Insel besitzt. Ihr 1960 veröffentlichter Abenteuerroman “Floreana - Postlagernd” wurde ein Bestseller.

Während des 2. Weltkrieges wurde die Insel Baltra von der amerikanischen Luftwaffe als Stützpunkt zur Überwachung des Panamá-Kanals genutzt. Die “Gringos” sorgten in diesem Zeitraum nicht nur für die vollständige Ausrottung der Landleguane auf Baltra, sondern bombardierten zu Übungszwecken auch Teile anderer Inseln wie die Felsnadel auf Bartolomé. Ein eingekrusteter, nicht hochgegangener Sprengkörper, soll seitdem die Spitze des brüchigen Naturmonuments zieren.

Am 4. Juli 1959 wurde 95 % des Archipels als Nationalpark erklärt. Im gleichen Jahr wurde das 1944 auf der Isabela-Insel eröffnete Straflager in die Luft gesprengt. Die übriggebliebene, von 200 Gefangenen aus Basaltbrocken errichtete “Mauer der Tränen” kann nachwievor besichtigt werden. Der einzige Überlebende der ehemaligen Verbanntenkolonie soll heute irgendwo in Puerto Ayora (Santa Cruz) seinen Ruhestand genießen.

Im Jahre 1964 wurde die Charles Darwin Station gegründet, und 1969 leitete das ekuad. Touristikunternehmen Metropolitain Touring mit der “Lina-A”- Yacht organisierte Schiffsreisen auf Galápagos ein. Zwanzig Jahre zuvor hatte der deutsche Einwanderer Fritz Angermeyer allerdings schon erste Segeltörns für reiche Touristen mit der “Nixi”-Yacht unternommen.



Die UNESCO deklarierte die Inseln 1978 als “Patrimonio de la Humanidad” (“Welterbe der Menschheit”). Heute kommen jährlich fast 60.000 Besucher aus aller Welt auf das Archipel. Über 20.000 Bewohner leben inzwischen in den Orten Puerto Ayora (Santa Cruz) und der Provinzhauptstadt Puerto Baquerizo Moreno (San Cristóbal).

Überbevölkerung und menschliche Eingriffe stellen das ökologische Gleichgewicht auf eine neue Probe. Der Abwanderung vom Festland zu den Inseln sollen von seiten der Regierung in Zukunft dicke Schranken gelegt werden.

Mit den Frachtern Piqueros und San Cristóbal gelangen jeden Monat etwa 15 neue Autos nach Puerto Ayora und Puerto Baquerizo Moreno. Allein die lokale Fischerbootflotte ist in den letzten fünf Jahren auf das zehnfache angestiegen.

Der illegale Fang der “potenzsteigernden” Seegurken (pepinos del mar), deren Fleisch als Delikatesse nach Singapur, Hongkong und Taiwan verkauft wird, könnte zukünftig die schwerwiegendsten Auswirkungen auf die einzigartige Unterwasserwelt haben. Die “Müll” vertilgenden Seegurken fressen Algen und abgestorbene Mikroorganismen. Von ihren Larven widerum leben andere Organismen, von denen sich letztendlich alle Tierarten auf Galápagos ernähren - und mit Galápagos steht und fällt schließlich auch das gesamte ekuadorianische Tourismusaufkommen. Es bleibt zu hoffen, daß diesem zerstörerischen Treiben in Zukunft Einhalt geboten wird.

 

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