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Die populärste Sportart des Landes ist wie überall auf
der Welt der Fussball. Dies hängt viel weniger mit der mafiamässigen
Dominanz des fútbol in den Medien zusammen, als mit seiner
Einfachheit. Zum Kicken wird lediglich ein runder Gegenstand benötigt.
Im Notfall tuts eine Blechbüchse oder eine leere Kokosnuss.
Als Spielfläche reicht bereits ein öffentlicher Park,
eine Seitenstrasse, eine Baugrube, eine Viehweide, oder der Strand
aus. Nicht zuletzt gerade dadurch sind der Faszination dieses universellen
deportes im Dritte-Welt-Land Ecuador keinerlei Grenzen gesetzt.
Wobei sich auf dem heimischen Profi-Fussballfeldern schwarze zähnebleckende
Kraftmenschen und blauäugige Argentinier mit “Drachenherz-Frisuren”
am besten vermarkten lassen. Zu den grössten Idolen unter den
“äquatorialen” Ballkünstlern gehören
für die identifikationshungrigen Kids der seit vielen Jahren
bei Necaxa in Mexiko spielende Imbabureño Alex Aguinaga,
welcher auf grossen Reebok-Reklametafeln sein Konterfei feilbietet,
sowie der in Ecuador nationalisierte Argentinier Ariel Graziani,
der bis Januar 1998 noch das blaue Trikot des populären CS
Emelec trug.
Die ekuadorianische Berufsliga besteht aus 12 Mannschaften, wobei
über die Hälfte der meist finanzschwachen clubs aus den
Metropolen Quito und Guayaquil kommen. Zwei hypermoderne Fussballstadien,
das 90.000 Zuschauer fassende Estadio Monumental in Guayaquil und
das “schneewittchenweisse” Casa Blanca im Norden Quitos,
können es hierbei mit jeder eleganten europäischen Sportstätte
aufnehmen. Bei ausverkauftem Hause verwandeln sich diese lokalen
Hexenkessel des Barcelona Sporting Club de Guayaquil (südamerikanischer
Vizemeister 1991) und der Liga Deportiva Universitaria de Quito
oftmals in einen überregionalen Kriegsschauplatz, der ausser
scharfen Wortwechseln auch so manchen Orangenreigen über das
Spielfeld ergiesst. Eine Aschenbahn gibt es in diesen Stadien nicht.
Die Zuschauer können ihre Stars ganz “englisch”
aus allernächster Nähe anfeuern. Krasse vandalistische
Ausschreitungen mit Schwerverletzten wie in Chile oder Argentinien
üblich, kennen die Ekuadorianer bislang jedoch noch nicht.
Der Verein mit der weitaus treuesten hinchada (Anhängerschaft)
des Landes ist das “Blaue Ballet” des achtmaligen Underdog-Meisters
Club Sport Emelec aus Guayaquil (“una verdadera pasión
ecuatoriana”), welcher im einkommensschwachen Süden der
Hafenstadt ein eigenes englisches Stadion besitzt, das silbrigglänzende
Capwell, bzw. die sogenannte “Streichholzschachtel”
(la caja de fosforos). “Auf Pfählen lebenden” Fussballbegeisterten
des äquatorialen Tropengürtels (“es kann jeden Moment
alles so schnell zusammenbrechen wie es auch wieder aufgebaut wird”)
ist dieser Klub oftmals so sehr ans Herz gewachsen, dass eine erlittene
Niederlage meist einem unüberwindbaren Prestigeverlust gleichkommt,
welcher die tiefen sozialen Gräben in der Gesellschaft noch
viel weiter aufzureissen scheint.
Ein von der berüchtigten barra (Fanklub) “La Boca del
Pozo” verwendetes Spruchband auf den Billigplätzen des
Stadionrundes, versucht diese geradezu abgöttische Vereinsliebe
der azules auf einen einfachen Nenner zu bringen: “Wenn es
Dich nicht geben würde, müsste ich Dich erfinden!”
Ausser dem Nationalsport Fussball wird vor allem im Hochland eine
Art traditionelles Volleyball gespielt, das sogenannte Ecuavolley.
Der Unterschied zum normalen Volley besteht darin, dass jeder Mannschaft
nur drei anstatt fünf Spieler angehören. Zu Ecuavolley-Feldern
umfunktionierte Dorfplätze, Hinterhöfe und Parkanlagen,
gibt es überall im Lande. In den bevölkerungsstarken barrios
der Städte finden die schwitzenden Feierabend- u. Sonntagsvolleyballer
den grössten Publikumszulauf mitunter auf eigens dafür
abgesperrten Strassen.
Eine weitere einheimische Sportart (im Hochland) ist Pelota Nacional.
Dieses aus präkolumbischen Zeiten stammende Ballspiel nennt
sich in der Quechua-Sprache chasa (“Linie”). Dabei stehen
sich zwei Mannschaften von jeweils 2-3 Spielern gegenüber,
die sich mit Hilfe grosser viereckiger “Holzruder” gegenseitig
einen Vollgummiball aus Kautschuk hin- u. herschlagen. Trifft ein
Spieler nicht richtig, so dass der Ball zu Boden fällt, wird
an dieser Stelle eine quer zur Spielrichtung verlaufende Linie gezogen.
Die Mannschaft mit den wenigsten Linien ist schliesslich die siegreiche.
Eine andere Chasa-Variante namens pelota de mano wird ohne Schläger
und direkt mit der blossen Hand gespielt.
Die Leichtathletik hat in den letzten 10 Jahren einen beachtlichen
Aufschwung genommen, wobei die besten Langstreckenläufer allesamt
aus dem Hochland stammen. Darunter befinden sich der vierfache campeón
des interkontinentalen Silvester-Laufes vom brasilianischen Sao
Paulo, Rolando Vera (1986-89), und der vielgefeierte Atlanta-Olympiasieger
im 20 km Gehen, Jefferson Pérez. Beide “Nationalhelden”
stammen aus Cuenca.
Andere beliebte Sportarten sind Schwimmen, Surfen, Rudern u. Segeln
(wobei hier insbesonders die Küstenprovinz Guayas hervorsticht),
Radfahren (in der nördlichen Hochlandprovinz Carchi), Judo
(z. B. María Canga aus Esmeraldas), sowie Tennis (man erinnere
sich an einen glücklich heulenden Andrés Gómez
nach dem gewonnenen Roland Garros - Finale von Paris 1990). Ebenso
von gewisser Bedeutung sind Karate und andere Selbstverteidigungsarten,
sowie Mountain Biking, Drachenfliegen, Go-Kart, Boxen, Pferderennen,
Schiessen und Andinismo. Letztere Sportart hat im Korridor des innerandinen
Hochbeckens inzwischen einen sehr breiten Zulauf bekommen. Allerorts
gegründete Bergsteigerklubs und organisierte Volkswanderungen
wissen dies zu bestätigen.
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