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Volker Feser

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Tena

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Die Hauptstadt der Provinz Napo liegt etwa fünfeinhalb Busstunden südwestlich vom kühlen Quito, gerade 500 Meter über dem Meeresspiegel. Das verschlafene “Tor zum großen Regenwald”, war eines der ersten amazonischen Siedlungsgebiete der spanischen Kolonialherren. Der Ort hat im ästhetischen Sinne recht wenig zu bieten. Außer den erstaunlich sauberen Flüssen Pano und Tena, die an dieser Stelle den Río Misahuallí bilden, einer schönen Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit (Temp. um die 25 Grad) und mehrheitlich indianischer Bevölkerung, bleibt ansonsten nur noch der Terminal Terrestre. Von hier aus geht es weiter ins 45 Minuten enfernte Misahuallí.

Das Kaffee, Tee, Zuckerrohr, Palma Africana (Ölpalme), Naranjilla-Früchte und Rindfleisch exportierende Tena ist eigentlich garnicht mal so übel wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Ein ruhiges und an Wochenenden auch ziemlich belebtes Durchgangsstädtchen auf der Reise in den tieferen Oriente.

Der Indianeraufstand

Das Denkmal des roten Steinkriegers am Ortseingang erinnert an den berüchtigten Anführer Jumandy, Gran Cacique de Guerra der vereinigten orientalen Tribus der Quíjos, der am 11. Dez. 1578 eine synchronisierte Frontalattacke auf die größte u. wichtigste spanische Siedlung zu dieser Zeit (Archidona, wenige Kilometer nördl. v. Tena), sowie mehrere Dörfer der Umgebung leitete. Alle Lehnsherrn mitsamt Angehörigen wurden dabei niedergemetzelt, deren Häuser und Neugeborene verbrannt. Kein einziger überlebte das Massaker. Die anhaltende, völlige Mißachtung bestehender spiritueller Autoritäten seitens der Conquistadores gab vielleicht den entscheidensten Ausschlag bei der wohl organisierten und breitangelegten Revolte. Die gemeine Behandlung der Indios, mit Arbeitspeitschen, Verstümmelungen, Vergewaltigungen und Hundehetzjagden, nahm ein vorübergehendes kurzfristiges Ende.

Jumandy und seine Hexengeneräle Beto u. Guani leisteten an jenem denkwürdigen Tag zwar ganze Arbeit, von einem darauffolgenden Angriff auf Baeza bekamen die Spanier allerdings Wind. Soldaten der Real Audiencia rückten an.

Jumandy wurde nach Quito geschleppt, im Beisein seiner eigenen Leute mit heißen Eisen verstümmelt, seine Glieder gestreckt und sein Körper von Pferden in vier Teile zerissen. Die Schädel der Aufrührer hingen als abschreckendes Beispiel etliche Jahre später immernoch an der Kirche von San Blas.


In Tena gibt’s nicht viel Auswahl beim Essen, sodoch kein Grund zum verhungern. Das typische Oriente-Food enthält oft yuca (Maniok), guineo o. maduro (Kochbananen) und andere vegetarische Varianten. Das Jagdfleisch der Riesennager guanta, guatusa oder capiguara zählt mithin zum feinsten. Schildkrötensuppe (zarapa), Schildkrötenleber (hígado de motelo) und andere exotische Gerichte wie chontacuro, eine extrem fette, würzig fritierte Holzmade der Chonta-Palme, ist allerdings nicht überall zu bekommen. Vom Verzehr artenbedrohter Tiere sollte sowieso Abstand genommen werden! Huhn, Rind, Schwein u. tilapia (ein eingeführter afrikanischer Süßwasserfisch mit vielen Gräten) gehören mit Reis u. maduro zu den herkömmlichsten Speisen in Tenas Lokalen. Filterkaffee sucht man vergebens!



Sehenswertes und Ausflüge in die Umgebung
Der sympathische Parque Amazónico liegt auf einer Flußhalbinsel am Zusammenlauf vom Pano und Tena. Hier gibt es Urwaldbäume, einen Mini-Zoo, exotische Orchideen, quirliges Vogelleben, tolle Aussichtsplateaus, viel Schatten und zwei hübsche Badestellen.

Las Cavernas de Jumandy sind ein Tropfsteinhöhlenkomplex, etwa 15 km nördl. von Tena und nur wenige Kilometer nördl. von Archidona gelegen (an der hübschen plaza in Archidona steht eine farbenfrohe Kirche). Es sind hauptsächlich einheimische Ausflügler, die den neuen Freizeitkomplex am Eingang zu den kilometerlangen Labyrinthgängen besuchen. Da die Höhle teilweise mit Wasser gefüllt ist, Badesachen nicht vergessen! An Wochenenden meiden, da oft überlaufen.

Der neugeschaffene, 205.000 Hektar große Parque Nacional Sumaco - Napo Galeras wird von INEFAN in Tena verwaltet. Das Büro, daß bei beabsichtigten Touren in das Naturschutzgebiet Auskünfte geben kann, liegt in den Räumlichkeiten des MAG (Ministerio de Agricultura y Ganadería), Simón Bolívar y Amazonas. Vor eigens unternommenen Besteigungen des schwer zugänglichen, etwa 3.800m hohen Sumaco, wird ausdrücklich gewarnt! An manchen Tagen ist der erloschene Vulkan, 40 km nördl. von Tena gelegen, schön zu sehen. Ein erfahrener Führer ist unter Umständen nicht so leicht aufzutreiben. Eine Woche hartes Trekking durch dichten schlammigen Bergurwald muß für die Tour veranschlagt werden.

Sehr wenige Abenteurer haben bisher auf dem Kraterrand des “magnetischen” Dschungelkegels gestanden. Ein nordamerikanischer Expeditionist soll dort oben fast einmal von einem Kugelblitz erschlagen worden sein. Andere haben den Weg aus dem irrsinnigen Dickicht nicht mehr herausgefunden. Die großartige, weitgehenst unangetastete Flora und Fauna des Parks entpricht den unterschiedlichen Höhenlagen (500 bis fast 4.000m) und Temperatursprüngen von 5 bis 25 Grad. In den extrem niederschlagsreichen, märchenhaften Nebelwäldern um den Vulkan leben u. a. Brillenbären, Pumas, Jaguare, Wildschweine, Gürteltiere, Nachteulen und blutsaugende “Vampire” (eine Fledermausart). Von den insgesamt etwa 80 Säugetierarten, gibt es allein 28 verschdiene Fledermaustypen.

Weiterhin machen 36 Reptilien- u. 31 Amphibienexponenten, buntes Vogeltreiben, sowie ein hoher Anteil an endemischem Pflanzenwuchs, dieses außergewöhnliche Naturschutzgebiet zu einem der variationsreichsten in Ecuador.

 

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