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Der Sangay zählt zu den aktivsten Vulkanen auf dem amerikanischen
Kontinent. Sein perfekt geformter Kegel verbirgt sich in einer entlegenen
Region der östlichen Andenkordillere, und ist an selten klaren
Tagen sowohl vom “Oriente” als auch vom Hochland aus
zu sehen. Seine Besteigung gilt als ungemein riskant. Ein glühender
Regen aus heissen Steinen, sowie mitunter auch starke Eruptionserschütterungen,
lassen jeden Krateraufstieg zu einem unkalkulierbaren Abenteuer
werden. Davon abgesehen ist ein mühevoller tagelanger Anmarsch
vonnöten um das Basislager am Fuss des Kegels zu erreichen.
Bereits seit Menschengedenken hat der Sangay heftige Ausbruchsperioden
verzeichnet. Während einer vorübergehenden Ruhephase gelang
einer vierköpfigen US-Expedition im Jahre 1929 die Erstbesteigung.
Sensationellen Presserummel verursachten jedoch erst die 1976 verunglückten
Mitglieder einer britischen Gruppe. Ihre Tragödie ist im Abenteuerbericht
“Sangay Survived” von Richard Snailham nachzulesen.
Als erste Frau, stand am 16. September 1982 die Ekuadorianerin Helena
Landázuri auf dem feurigen Kraterrand.
Verschiedene Tourbüros in Riobamba, Baños, u. Quito,
bieten meist 7-tägige Trekkings zum Sangay an. Von Riobamba
aus geht es zunächst ins Dörfchen Alao, und von dort zur
Hacienda Eten, wo die Maultiere beladen werden. Für den harten
Querfeldein-Marsch von Eten bis zum Kegel sind 3-4 Tage zu veranschlagen.
Bei dem ständigen Auf u. Ab über unwegsames, dichtbewachsenes
Gelände, müssen zahlreiche Flüsse und Bäche
durchquert werden. Das auf einem erkalteten Lava-Ausfluss errichtete
Basislager La Playa, befindet sich an den südwestlichen Flanken
des Vulkans, auf etwa 3.600m. Alle paar Minuten können dort
die Explosionen vom Kraterrand vernommen werden. Bei Nacht ist die
Sicht auf den Berg oftmals am besten, während sich eine hauchdünne
Aschenschicht über die Zeltplanen der unruhig Schlafenden legt.
Der 270.000 Hektar grosse Nationalpark Sangay beschreibt ein nahezu
unzugängliches Gebirgsdreieck zwischen den Provinzen Morona
Santiago, Tungurahua und Chimborazo, und umfasst sowohl amazonische
wie auch andine Höhenlagen von 900 bis 5.230m. Mitunter reissende
Quellbäche und Wasserfälle zwängen sich durch die
Schluchten dieses wild zerklüfteten Nebelwaldgebietes hindurch,
um dann viel weiter unten die Flüsse Pastaza, Palora, Upano
oder Chambo zu bilden. Zu den schneebedeckten Riesen des Nationalparks
gehören die 5.000er Gipfel des Tungurahua, Altar und Sangay.
Neben einem unvorstellbaren Pflanzenreichtum, finden in diesem unwegsamen
Gebiet auch einige vom Aussterben bedrohte Tierarten Zuflucht. Darunter
das sagenhafte Bergtapir (danta), sowie Brillenbären, Pumas,
Ozelote und Jaguare. Zum Amazonastiefland hin, treffen von Macas
aus startende Abenteurer mitunter auf ein Orchideen-Paradies, wie
es kaum anderswo in Ecuador zu finden ist.
Eine neue Strasse, vom kühlen Riobamba bis ins tropische Macas
(über Guamote, Atillo u. Zuñac), wird den Nationalpark
bald in zwei Hälften teilen. Aus ökologischer Sicht hat
das Projekt bestimmt nichts Gutes zu bedeuten. Rein landschaftlich
betrachtet wird diese fünfte Passtrasse über die ekuadorianische
Ostkordillere hinweg sicherlich ein touristischer Leckerbissen sein.
Bislang einsame, in windgeschützte Felsnischen eingekrustete
Indio-Weiler, zauberhafte Lagunen und vogelreiche Urwälder,
sind bei einer Teilübergabe der jungfräulichen Strecke
bereits “erschlossen” worden.
Zumindest die Bewohner der “orientalischen” Provinzstadt
Macas, warten derweil sehnsüchtig auf die endgültige Fertigstellung
der stark umstritten Strasse.
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