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Unternehmen Ecuador
Dank seiner reichhaltigen Naturresourcen und ganz unterschiedlicher
Klima- und Anbauzonen besitzt Ecuador eine geradezu schlaraffenlandartige
Palette an Exportmöglichkeiten.
Zu den vier dominierenden Devisenbringern zählen das aus dem
Amazonastiefland herbeigepumpte Erdöl (etwa ein Drittel des
gesamten Exportvolumens), eine äußerst variantenreiche
Landwirtschaft (die etwa einem Drittel der Bevölkerung Arbeit
garantiert), großflächig angelegte Shrimp-Aufzuchtfarmen,
die fast einer Million Küstenbewohnern direkt oder indirekt
Arbeit geben, sowie eine stetig höher schlagende Tourismuswelle,
die im Jahre 2000 über 600.000 ausländische Besucher in
das kontrastreiche Äquatorland schwemmte, Grenzgänger
aus den beiden Nachbarstaaten Peru und Kolumbien mit eingerechnet
(fast 90 % Individualreisende und der schmale Rest Pauschalreisende).
Wichtigste Handelspartner der Ecuadorianer sind die USA (Erdöl,
Shrimps und Bananen), gefolgt von Japan, Südkorea und Taiwan
(Erdöl), Kolumbien (Reis, Sardinen, montierte Autos), Venezuela,
Peru, Brasilien und Mexiko (agrarische Produkte), Chile und Argentinien
(Erdöl und Bananen) sowie natürlich die Europäische
Union (allen voran Deutschland, Italien, Holland und Spanien).
Bodenschätze
Ecuador verfügt über weitläufige Erdöl- und
Erdgasreserven, die größtenteils im Amazonasgebiet und
in geringerem Umfang auch unter dem Golf von Guayaquil liegen. Die
derzeitige Tagesförderung von etwa 400.000 Barrel hat bei einer
der letzten Ausschreibungsrunden gleich mehrere internationale Konzerne
ins Land gelockt. Die anfängliche Investition für die
acht Förderblöcke im ecuadorianischen Oriente wurde auf
etwa 200 Mio. US-Dollar geschätzt.
Der Exportwert des schwarzen Goldes belief sich im Jahr 2000 auf
über zwei Milliarden US-Dollar, und das bei einer Ausfuhr von
fast 150 Mio. Barrel. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies ausschliesslich
aufgrund des günstigen Weltmarktpreises eine enorme Volumensteigerung,
die einmal mehr die sensible und einseitige Abhängigkeit des
Landes vom Erdöl verdeutlicht. Dem weiteren Ausbau des Sektor
petrolero, d. h. dem Einstieg neuer Konsorten, kann dies jedoch
keinen Abbruch tun – nicht einmal die Voraussage, daß
im Jahr 2015 die Reserven zur Neige gehen sollen.
In Kürze ist mit einer Erweiterung der bereits bestehenden,
600 km langen transecuadorianischen Pipeline von Shushufindi/Lago
Agrio bis zur Raffinerie in Esmeraldas, zu rechnen (vgl. dazu "David
gegen Goliath" im Kapitel Oriente).
Zwölf der weltweit größten Bergbauunternehmen (Mining
Companies) schürfen metallische Bodenschätze wie Gold,
Silber, Kupfer, Zink, Blei, Magnesium und Eisen. Ihre Etablierung
im Lande wurde durch die hundertprozentige Zollbefreiung für
die Einfuhr von Maschinen und Betriebsmitteln sowie durch die Aufhebung
von Gemeindesteuern in Konzessionsgebieten ermöglicht. Die
zu bezahlenden Abgaben (Royalties) betragen lediglich 3 % der Bruttoproduktion.
Als zusätzlicher Anreiz wird auf den Vertrieb mineralischer
Substanzen keine Mehrwertsteuer erhoben. Das Interesse an der Ausbeutung
der bisher mit primitivsten Methoden bewirtschafteten Minen ist
seitdem unablässig gestiegen. Es wird damit gerechnet, daß
in den nächsten Jahren alljährlich Gold im Wert von mehreren
hundert Mio. Dollar exportiert wird.
La Tala de Bosques – Die Abholzung der Wälder
Eine Waldfläche von fast 15 Mio. ha (mindestens 35 % davon
stehen unter Naturschutz) garantiert auf viele Jahre hinaus eine
florierende Forstwirtschaft. Dabei liegen zwei Drittel des genutzten
Waldes im östlichen Amazonastiefland.
Der abgeholzte Rest stammt hauptsächlich aus den Provinzen
Esmeraldas und Manabí sowie in bedingtem Maße auch
aus dem Hochland. Nachts kann man auf den Straßen nach Esmeraldas
tiefliegende Schwertransporter mit gewaltigen Rohstämmen für
die Verschiffung nach Übersee beobachten. Falls der massive
Holzschlag diesen beschleunigten Rhythmus beibehalten sollte (über
150.000 ha pro Jahr), wird in Ecuador außer in Naturschutzgebieten
in etwa fünfzig Jahren kein einziger Baum mehr stehen. Wiederaufforstungsprogramme
existieren zwar, kommen bei der derzeitigen Abholzungsquote jedoch
bei weitem nicht nach.
Zu den begehrtesten Nutzhölzern gehören neben wertvollen
tropischen Edelhölzern auch Balsa sowie schnell wachsende Eukalyptusbäume
und leicht zu verarbeitende Pinien aus dem andinen Hochbecken. Die
fertigen und halbfertigen Produkte werden in die USA, nach Korea,
Japan, Peru, Venezuela, Kolumbien und in andere lateinamerikanische
Länder exportiert. Die Produktpalette ist groß: Holz-,
Furnier- und Preßspanplatten, Verschalungen, Fußböden,
Türen und Einbauschränke. Einen besonderen Stellenwert
nimmt Balsaholz ein. Es wird in den Naturwäldern und Plantagen
auf über 25.000 ha geschlagen. Mehr als 45 Länder kaufen
das weiche Holz blockweise, um es anschließend zu formen oder
für industrielle Zwecke zuzuschneiden.
Ecuadors Landwirtschaft
Die tropisch-heißen, agrarisch genutzten Landstriche der breiten
Küstenebene sind von riesigen Bananen-, Kakao-, Tabak-, Baumwoll-
(algodón) oder Obstplantagen geprägt. Oft soweit das
Auge reicht!
Während des 19. Jh. galt Ecuador als das Land des Kaffees.
Aber die Zeit der blaublütigen Bohnenbarone gehört seit
langem der Vergangenheit an. Ende dieses Jahrhunderts hat sich die
rückläufige Tendenz des Kaffee-Exportes sogar noch beschleunigt.
Aufgrund der qualitativ überlegenen Konkurrenz in den für
Europa näher liegenden Anbaugebieten in Kolumbien, Brasilien
und Mittelamerika, gefallener Weltmarktpreise und seuchenbedingter
Ernteausfälle ist das Exportaufkommen der ecuadorianischen
Kaffeebohne allein in den letzten zehn Jahren praktisch auf ein
Drittel zusammengeschrumpft. Kleine und mittlere cafeteros (Kaffeebauern)
zählen daher auch mit zu den Ärmsten unter der ohnehin
notleidenden campesino-Bevölkerung. Trotzdem werden heute noch
die beiden meistgekauften Kaffeesorten im Lande angebaut (Arabica
und Robusta). Auf einer Fläche von etwa 300.000 ha (vornehmlich
in den Provinzen Manabí, Los Ríos, El Oro und Loja)
werden jährlich über eine Mio. Säcke produziert.
Exportiert wird vor allem innerhalb Südamerikas, nach Europa
und in die Vereinigten Staaten. Insgesamt betrachtet ging der Wert
des Kaffeeexportes jedoch in verheerendem Masse zurück: von
etwa 365 Mio. USD 1994 auf nur 22 Mio. USD im Jahr 2000.
Über ein Jahrhundert lang war Ecuador weltweit der bedeutendste
Produzent und Exporteur von Kakao. Die ersten Krisensymptome der
goldenen Kakao-Ära traten jedoch bereits mit dem Ausbruch des
Ersten Weltkrieges auf, als der Hamburger Hafen seine Pforten schloß
und die Preise in den Keller purzelten. Seit dieser Zeit hat sich
der ecuadorianische Kakaoexport eigentlich nie wieder richtig erholen
können. Der Trend ist weiter rückläufig. Während
die Handelsbilanz des traditionsreichen Produktes im Jahre 1985
noch 140 Mio. US-Dollar auf die Waagschale brachte, waren es 1996
noch 90 Mio. und im Jahr 2000 gerademal 38 Mio. Dollar.
Die wunderbare Frucht zur Herstellung feinster Tafelschokolade wird
besonders in den Provinzen Los Ríos, Guayas, El Oro und Manabí
angebaut. Die Hauptabnehmer in den USA, in Argentinien, Belgien,
Japan, Holland, Ungarn, Großbritannien, Italien und Chile
schätzen den exquisiten "äquatorialen" Kakao
als den besten der Welt. Zumindest dieses Prädikat kann ihm
auch heute keiner nehmen!
Im Schwemmland des Río Guayas und seiner zahlreichen Zuflüsse,
vor allem in der dichtbevölkerten Provinz Los Ríos (um
Babahoyo), wird auf weitläufigen Feuchtflächen traditionell
Reis (arroz) angebaut. Aber auch großangelegte Felder nicht
traditioneller Produkte wie Soja oder Sonnenblumen sind im inneren
Küstenbereich inzwischen keine Seltenheit mehr. In der Region
um Santo Domingo und Quevedo sowie bei Lago Agrio im Oriente sieht
man auch ganze Wälder in Reih und Glied stehender Ölpalmen
(palma africana).
Zuckerrohr (caña de azucar) wird hingegen seit Jahrhunderten
in Manabí, Guayas, Los Ríos und Esmeraldas sowie auch
in den subtropischen Tälern der westlichen Andenausläufer
(zwischen 600 und 1.800 Höhenmetern) angebaut. Das pflanzliche
Elfenbein Tagua und das geschmeidige Palmstroh (paja toquilla) zur
kunstvollen Herstellung der berühmten Panama-Strohhüte
wird vornehmlich in den Provinzen Manabí und Guayas geerntet.
Die Teeplantagen der monopolistischen Gesellschaft Té Zulay
befinden sich auf der amazonischen Seite der Kordillerenkette in
den extremen östlichen Andenausläufern der Provinzen Pastaza
und Morona Santiago. Dort werden jährlich etwa 1000 Tonnen
geerntet.
Zum Symbol für den schleichenden Untergang vieler Tabakplantagen
um Esmeraldas und im Einzugsgebiet des Río Guayas wurde der
Zusammenbruch der traditionsreichen einheimischen Zigarettenfabrik
von El Progreso. Im Exportgeschäft spielt die Droge nur noch
eine untergeordnete Rolle. Das Exportvolumen stieg jedoch innerhalb
der letzten 10 Jahre um das fünffache an!
Unter den nichttraditionellen Früchten und Fruchtsaftkonzentraten
verzeichnete die Passionsfrucht (maracuyá) in diesem Jahrzehnt
einen geradezu phantastischen kommerziellen Erfolg. Sie kann das
ganze Jahr über geerntet werden und kommt der steigenden Nachfrage
aus den USA, Kanada, Frankreich, Holland und der Schweiz bei weitem
nicht mehr nach.
Von Oktober bis Januar ernten viele ecuadorianische Obstanbauer
auch die voll im Trend liegenden Mangos, deren Anbau in der Küstenregion
inzwischen über 5.000 ha Fläche einnimmt. Einer der größten
Importeure verschiedener ecuadorianischer Früchtesorten ist
übrigens die Bundesrepublik Deutschland!
In den tieferen und höheren Regionen des innerandinen Hochbeckens
werden traditionell Weizen (trigo), Kartoffeln (papas), Mais (maíz),
Bohnen (fréjol) sowie Obst und Gemüse (legumbres) angebaut.
Aber auch hier hat die Aufzucht und Ernte von nichttraditionellen
Produkten in den letzten Jahren enorm zugenommen. Dies wurde vor
allem durch eine effiziente exportorientierte Marktpolitik erreicht,
die dem Weltmarkt Tür und Tor öffnete. Von 1986 bis 1999
wuchs der nichttraditionelle Sektor durchschnittlich um 30 % pro
Jahr und macht heute fast ein Viertel des gesamten Exportvolumens
aus.
Bestes Beispiel hierfür sind im nördlichen Hochland (Pichincha
und Imbabura) unter langgezogenen Foliendächern gezüchtete
Blumen (flores). Im Laufe weniger Jahre hat die Rosen-, Nelken-,
Margariten- und Chrysanthemenzucht dank eines ausgeglichenen Frühlingsklimas
in diesen und anderen Gebirgsregionen Ecuadors einen sehr hohen
Entwicklungsstandard erreicht. Schnelle Luftfracht sorgt für
die reibungslose Verteilung auf nordamerikanischen, europäischen
und asiatischen Märkten. Die duftende Ware geht vor allem in
die USA, nach Kanada, Europa, Chile, Argentinien, Hongkong und Rußland.
Die hervorstechenden Eigenschaften der stachellosen, geruchsstarken,
in Größe und Farbe scheinbar unübertroffenen Rosen
aus Cayambe konnten auf Fachmessen offiziell bestätigt werden.
Die mittelfristige Zukunft der geblümten Handelspartnerschaft
Ecuador-Deutschland soll sich hierbei mehr als rosig dargestellt
haben. So hat sich die Handelsbilanz von 1991 bis zum Jahr 2001
von etwa 20 Mio. auf über 200 Mio. US-Dollar gesteigert.
Besonders erwähnenswert sind vor allem auch die ecuadorianischen
Erdbeeren (frutillas), die dem Land hinsichtlich neuer, in Expansion
begriffener Produkte zu internationalem Ruf verhalfen. Ihr Aroma,
ihre Farbe und ihr Duft erfreuen sich vor allem in Ländern
mit vier Jahreszeiten immer größerer Beliebtheit. In
Ecuador können Erdbeeren ohne Ausfallzeiten das ganze Jahr
über geerntet werden.
In der Gegend um Cuenca und Papallacta
werden Regenbogenforellen (truchas) für den Export gezüchtet.
Rein geschmacklich können es diese mit einigen freilebenden
Prachtexemplaren aus entlegenen Andenlagunen natürlich nicht
aufnehmen. Zu einem ausgesprochenen Mode-Zuchtfisch hat sich auf
dem Binnenmarkt der Tilapia gemausert, ein eingeführter afrikanischer
Süßwasserfisch mit recht vielen Gräten, der heute
in manchen Restaurants des Oriente, an der Küste und im Noroccidente
auf dem Menüplan steht.
Alles Banane !
Der weltweit größte Exporteur von Bananen (bananos, die
Einheimischen sagen auch guineo oder seda) verfügt durch die
Äquatorlage und der zum Pazifik hin flachen Küstenebene
über ein ideales Klima, das den Anbau der nährstoffreichen
Staudenfrucht das ganze Jahr über garantiert. Über 150.000
ha Bananenplantagen sorgten im Jahr 2000 für über 4 Mio.
Tonnen der süßen Schiffsfracht im Gesamtwert von über
820 Mio. US-Dollar. Hauptziele der qualitativ als superior eingestuften
ecuadorianischen Banane sind vornehmlich die USA, Kanada, Deutschland,
Belgien, Holland und Italien sowie neuerdings auch Japan, Korea,
Perú und Chile.
Zwanzig Jahre nachdem das Erdöl die Banane vom ersten Rang
unter den heimischen Exportschlagern verdrängt hatte, eroberte
sich die Frucht im Juli 1997 diesen Platz zumindest für kurze
Zeit wieder zurück. Dabei hatte sie in vorangegangenen Jahren
schon mehr als einmal ihre heilsame Wirkung bei Wirtschaftsflauten
gezeigt.
Die Geschichte des ecuadorianischen Bananenexportes geht auf die
auslaufenden vierziger Jahre zurück, als der mächtige
US-Konzern United Fruit Company sich der gewinnträchtigen Frucht
annahm. Innerhalb der ersten drei Erntejahre (1948-51) stieg ihr
Anteil am Exportvolumen um das Zehnfache an, was zu diesem Zeitpunkt
etwa der Hälfte der gesamten Wirtschaftseinnahmen gleichkam.
Den ersten "Ausrutscher" gab es dann bereits 1956, als
der anfänglich heftige Boom zunächst so schnell zu Ende
ging, wie er begonnen hatte.
Nach den zahlreichen Auf- und Abschwüngen der letzten fünf
Jahrzehnte ist die Banane heute jedoch nicht mehr aus der Exportwirtschaft
wegzudenken. Der hohe Entwicklungsstandard und die ausgefeilten
Schutz- und Frischhaltetechniken der heimischen Bananenproduktion
erfüllen weltweit die strengsten Anforderungen. Ihr wiederholtes
Comeback gilt als Musterbeispiel für eine zukünftige innovative
Produktpalette.
Dutzende von traditionellen Gerichten und Halbfertigprodukten aus
insgesamt zwölf eßbaren Bananensorten (plátanos)
erfreuen sich unterdessen im Binnenland größter Beliebtheit
– angefangen bei gerösteten Bananenchips (chifles) über
ballaststoffreiche Bananenpuffer (patacones) und käsegefüllte
Bananenknödel (bolo de verde) bis hin zu Kaubananen oder vitaminhaltigem
Bananenpüree. Letzteres wird aus der reifen Cavendish-Sorte
gewonnen. Gelbe Bananen werden guineo oder auch seda genannt. Grüne,
sehr schwer zu schälende Kochbananen heissen verde genannt.
Sie können auf jede erdenkliche Art und Weise zubereitet werden.
Es wurden schon ganze Bananenkochbücher darüber geschrieben.
Weich gebratene Bananenschnitten heißen maduro, tiefgefrorene
orangefarbene oritos ergeben wiederum ein leckeres Speiseeis. Weitere
18 wilde Unterarten sind schlichtweg ungenießbar. Diese krummen
Verwandten der niveauvoll kultivierten manos (Stauden) werden jedoch
von Affen und anderen vierbeinigen Säugern hochgeschätzt.
Shrimpzucht und Fischfang
Auch beim beim Shrimpexport stand Ecuador bis vor kurzem noch an
der Spitze. Das Zusammenspiel aus hervorragenden klimatischen Verhältnissen
und modernen Aufzuchtmethoden hatte das Land Mitte der 90ziger zum
größten Shrimp-Produzenten und viertgrößten
Exporteur der Welt gemacht. Die ecuadorianischen Krabben werden
wegen ihrer Größe, Festigkeit und Farbe sowie ihres hervorragenden
Geschmacks gerühmt. Überzüchtung und damit verbundene
Krankheiten führten jedoch zu einer negative Wende. Während
1998 noch über 100.000 Tonnen im Gesamtwert von fast 900 Mio.
USD exportiert wurden, fiel das Exportvolumen im Jahre 2000 auf
etwa 35.000 Tonnen (unter 300 Mio. USD) zurück. Die Garnelen
gehen hauptsächlich in die USA, die 75% der Gesamtausfuhr erwerben.
Der Rest verteilt sich auf die Märkte der EU. Die camarones
werden in etwa 1.500 Farmen gezüchtet, die eine Gesamtfläche
von über 130.000 ha einnehmen.
Andererseits sind die groß angelegten Camaronera-Becken für
das massive Sterben der Mangrovenwälder verantwortlich.
Da in den Aufzuchtanlagen selbst nur wenig Personal benötigt
wird, herrscht in den Dörfern am Rande der schwerbewachten
Shrimpfarmen oft bittere Armut. Für viele Bewohner ist Diebstahl
mitunter die einzige Möglichkeit, an die kostbaren Krabben
heranzukommen.
Seit 1950 wird vor der ecuadorianischen Pazifikküste industrieller
Fischfang betrieben. Aufgrund des Zusammentreffens des kalten Humboldtstromes
mit dem warmen Panamastrom verfügt das Land über einen
mannigfaltigen Fischreichtum.
Nach Bananen sind Meeresprodukte seit 1985 zum zweitgrößten
"erneuerbaren" Exportartikel avanciert. Ganzjährige
Fangzeiten und eine moderne exportorientierte Konserven- und Fischmehlindustrie
ermöglichen die dauerhafte Weiterverarbeitung von Seezungen
(lenguado), Sardinen (sardinas), Schwert- und Thunfischen (picudos
und atún).
Ideale Wassertemperaturen schaffen zudem die optimalen Voraussetzungen
für die Entwicklung von Meeresfrüchten wie Langusten,
Kalamar, Herz- oder Miesmuscheln (conchas), die sich in Deutschland,
Spanien, Japan, Kolumbien und Mexiko steigender Nachfrage erfreuen.
Insgesamt wurden im Jahre 2000 fast 80.000 Tonnen an Fisch und Meeresfrüchten
im Gesamtwert von 364 Mio. USD exportiert.
Per Rückenflopp über die Jahrtausendhürde
Von Beginn der 50er Jahre bis etwa Mitte der 80er war die ekuadorianische
Wirtschafts- u. Außenhandelspolitik gänzlich der Regie
des Staates unterstellt. Von der Etatzuteilung für die entfernt
gelegenste Gesundheitsbehörde bis hin zur Festlegung der transnationalen
Investitions-, Handels- u. Industrialisierungspolitik, übernahm
Vater Staat die Rolle des größten Geldgebers u. -verteilers,
allgegenwärtiger Überwacher des gesamten wirtschaftlichen
Wachstums.
Wobei diese Art von patriarchalischer Einmischung vielmehr mit einer
Art von verbohrtem Protektionismus und “vetterlicher”
Anteilnahme als mit sozialen oder gar sozialistischen Sympathiezuwendungen
zu tun hatte. Das tropische Andenland bildete somit zumindest im
lateinamerikanischen Kontext keinerlei Ausnahme.
Dadurch entstanden und entwickelten sich die wichtigsten Sektoren
unter den Fittichen des Staates. Dies führte zwangsläufig
zu einer willkürlichen, selektiven und konsequenterweise auch
korrupten Subventionspolitik. Die Folgen waren mitunter monströse
unbewegliche Staatsmonopolgesellschaften und ein bürokratisch
gelenkter Privatsektor, der an Leistungsschwäche, exzessiven
Kosten und wettbewerbsunfähigen Betrieben krankte. Diese waren
zwar einerseits durch hohe Zölle geschützt, andererseits
aber durch mangelnde Produktivität gekennzeichnet. Das strategische
Bündnis aus Staat und staatlich gelenkten Unternehmen verzögerte
dringend benötigte Reformen, da zuviele der daran beteiligten
Akteure wirtschaftlichen Profit und politische Vorteile genossen.
Während der ersten Hälfte der 90er Jahre, und teilweise
auch schon unter León Febres Corderos Regierungszeit Mitte
der 80er, begann sich dann langsam eine neue Tendenz abzuzeichnen.
Anhand von kurz- u. mittelfristigen metas económicas (Wirtschaftszielen)
versuchte sich das Land ein weitaus dynamischeres wie auch weltoffenes
Modernisierungsprogramm einzuverleiben. Im großen und ganzen
ist dies auch gelungen, selbst wenn klamaukenhafte Kabinettskrisen
der Durchsetzung einer wirtschaftlichen Neustrukturierung heute
noch so mancherlei Schnippchen schlagen können.
Von Herbst 1992 an erfuhr die chronisch stagnierende ekuadorianische
Wirtschaft nach den “verpassten Chancen” der 80er Jahre
ein bemerkenswertes Wachstum (bzw. nach der “Abzockerei”
eines völlig vergeudeten Jahrzehnts für die meisten lateinamerikanischen
Länder). Die Inflationsrate ging deutlich von weit über
60% Ende 1992 auf 23% Ende 1995 zurück. Ein Trend der heute
wieder rückläufig ist. Das Realeinkommen konnte leicht
verbessert und die Arbeitslosenquote gesenkt werden. Auch diese
hat inzwischen wieder einen Anstieg zu verzeichnen. Der wirtschaftspolitische
Stil der neoliberalen Sixto-Regierung (1992-96) unterschied sich
dabei deutlich von den improvisierten und kleinkarierten Stabilisisierungsprogrammen
demokratischer und militärisch gewählter Vorgänger.
Eine der Hauptstützen des aggressiven, vom Parlament teils
stark abgebremsten Modernisierungsplanes, war die Inflationsbekämpfung,
die auf einer Kombination aus rigoroser Haushaltsdisziplin und massenhaften
Privatisierungen (bzw. Privatbeteiligungen) basierte. Dabei wurden
nahezu 170 Industrie-, Handels- u. Dienstleistungsbetriebe zum Verkauf
feilgeboten. Die Regierung setzte voll auf Investitionsfreiheit,
was eine Aufhebung von Restriktionen, Zöllen, Steuern, Verwaltungs-
u. Wechselkursschranken, sowie eine vorteilhafte Umverschuldung
zur Folge hatte. Der Staat begann zum erstenmal die Rolle eines
Förderers zu übernehmen, in der Absicht die protektionistischen
Modelle aus dem Weg zu räumen.
Seitdem werden die Benzinpreise im freien Spiel von Angebot und
Nachfrage bestimmt. Die Strom-, Telefon- und Lebensmittelkosten
schossen kometenhaft in die Höhe, und ein “geleaste”
Auto-Importwelle überschwemmte das Land.
Einer effizienteren Bürokratie zuliebe wurden allein während
Sixtos Amtszeit 73.000 staatliche Stellen gestrichen.
Subventionen wurden weitgehendst abgeschafft oder lediglich im Rahmen
eines (unzureichenden) Armutsplanes für Gas und Transport beibehalten.
Andererseits zeigte die Aufnahme Ekuadors in die Welthandelsorganisation
WTO im August 1995, daß sich das Land dazu verpflichtet fühlt
ein wettbewerbsfähiges und transparentes Handelssystem aufzubauen.
Die Umprogrammierung der ekuadorianischen Staatsschulden im Rahmen
des sogenannten Brady-Planes bringt dem Auslandsschuldendienst bis
zum Jahr 2.000 zumindest eine Erleichterung, auch wenn sich allein
die jährlichen Zinszahlungen seit 1995 auf über 250 Millionen
Dollar belaufen. Mit dem Brady-Abkommen, daß auf einer bedeutenden
Kapitalreduzierung und der Umlenkung der Schuldenzahlungen bei einer
30-jährigen Frist beruht, wurde ausländischen Investoren
und Bankiers die Möglichkeit gegeben frisches Kapital ins Land
fließen zu lassen und feste Kreditlinien für die Produktion
aufzunehmen. Dies wurde in Wirtschaftskreisen als großer Erfolg
angesehen, nachdem Ecuador 1987 die Schuldenzahlungen - pro Kopf
einer der höchsten der Welt - aufgrund gescheiterter Umschuldungsmaßnahmen
einstellen mußte. Nur wenige Jahre nach der inoffiziellen
Bankrotterklärung begannen multilaterale Kreditorganismen als
auch private Instanzen wieder für das Land zu bürgen.
Die interamerikanische Entwicklungsbank und der internationale Währungsfond
kamen zur Ansicht, daß Ecuador mit seiner vollen Aufnahme
in das internationale Kreditsystem viel Terrain zurückgewonnen
hat.
Lesen sie mehr dazu im Reiseführer Ecuador von Volker Feser
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