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Volker Feser

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Zug zur Teufelsnase

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Die Teufelsnase” - Mit der Eisenbahn zur Küstes runter
Hinweis: Zur Zeit ist wegen Streckenunterbrüchen nur die Fahrt von Riobamba bis zur Teufelsnase (Nariz del Diablo) und zurück nach Alausí möglich, zur Zeit jeden Mi, Fr u. So um 07.00h, Tickets sind vor Abfahrt und am Vorabend von 18.00-19.00 h am Bahnhofsschalter erhältlich, $ 11.00 pro Person. Rückkehr nach Riobamba im Zug gegen 18.00h, mit dem öffentlichen Bus ab Alausí ca. 2 h früher.




Kurz nach Sonnenaufgang verlässt der ächzende Tren Mixto, ein gemischter Personenfrachtzug mit starker Diesellok, den Bahnhof von Riobamba.

Zunächst in Richtung Westen die Anden hoch, an Cajabamba und der geschichtsträchtigen Laguna Colta vorbei, dabei immer den schneebedeckten Chimborazo im Blickfeld, soweit das Wetter dies zulässt. Erster Halt ist das empfindlich kalte Guamote, ein uriges Bergstädtchen, fast 40 km südlich von Riobamba. Staub- u. Pflastersteinstrassen, überwiegend Quechua-sprechende Bevölkerung, indianisch urbanes Andenszenario. Bei dem einstündigen Aufenthalt können die Passagiere heissen Tee schlürfen, oder sich an den “schweinischen” Imbisständen im Bahnhofsbereich sattessen.

Zudem findet findet in Guamote jeden Donnerstag ein authentischer Markt statt. Hierbei strömen die weltfremdesten unter den trachtentragenden Bergbauern aus den umliegenden, teils noch viel höher gelegenen Dörfchen zusammen.



Ihre mit Gemüse-, Mais- u. Kartoffelsäcken bepackten Lamas und Maultiere, werden gewöhnlich ausserhalb des Marktes, auf einem extra dafür vorgesehenen Abstellplatz “geparkt”. Absolut filmreif das Ganze! Auf dem ermüdenden Nachhauseweg schleppen die Tiere dann allerlei billige Haushaltsutensilien mit zurück, und manchmal auch den sturzbetrunkenen Besitzer.

Südlich von Guamote kreuzt der Zug die Halbwüste von Tiocajas, ein extrem sandiger Höhenrücken, auf dem vor etwa 500 Jahren die mitunter schwersten Kämpfe zwischen den vorstossenden Inkas und ihren verbissenen Verteidigern, den Puruháes, stattfanden. Am gleichen Ort, nur eine Generation später, versuchte dann ein siegesgewohnter Rumiñahui, Atahualpas “Heldengeneral”, den spanischen Eroberer Sebastián de Benalcazar aufzuhalten.

Kurz darauf beginnt der “magische” Zug durch die Schlucht des Río Pomachaca zu schaukeln,welcher im weiteren Verlauf, mit jedem neuen Zufluss, auch jedesmal einen neuen Namen erhält: Río Tixán, Río Alausí, Río Chanchán.

Während der Trockenmonate gleicht der Pomachaca-Fluss einem unbedeutenen Rinnsal. Zur Regenzeit hingegen wurden von den tosenden Wassern auch schon mal die Gleise auf mehrere Kilometer Länge hin mitgerissen.

Spätestens auf diesem Abschnitt beginnt sich der Reisende ein Bild von der kühnen Streckenführung dieser einstmals “schwierigsten Eisenbahn der Welt” zu machen.

Beim Erreichen der Bahnstation von Alausí (2.360m) werden sich die Passagiere ihrer Jacken und Pullover entledigen wollen. Es ist merklich wärmer geworden. Das ruhige, frühlingshafte 20.000 Einw.-Städtchen, lockt Touristen vor allem wegen seinem Sonntagsmarkt an. Ein paar einfache Unterkünfte im Bereich der Calle Principal laden kurzem Verweilen ein. Sympathisch ist das preiswerte Hotel Americano in der Calle García Moreno, direkt beim mercado.

Hinter Alausí beginnt dann der spektakuläre Abstieg zur Küstenebene hinunter. Über der Schlucht des Río Chanchán scheint der Zug beinahe zu schweben. Die berüchtigte “Teufelsnase”, La Nariz del Diablo (1.900m), ist nicht mehr weit.

An diesem Felszinken in Form einer gigantischen Nase, geht es durch wiederholtes Vor- u. Zurückstossen, innerhalb von wenigen Minuten, zickzackmässig bis ins 100m tiefere Steilwandtal des Chanchán-Flusses hinunter. Die meisten Touristen werden diesen absoluten Höhepunkt der Reise vom Waggondach aus erleben und fotografieren wollen (gut festhalten!).

Für die ekuadorianische Geschichtsschreibung stellt die “Teufelsnase” nicht nur ein epochemachendes architektonisches Meisterwerk dar. Sie gilt vielmehr als konfliktreiches Symbol zwischen Vergangenheit und Zukunft, Feudalismus und Fortschrittsglauben, Religion und Kakao, Hochland und Küste. Eloy Alfaros Traum wurde Wirklichkeit, aber gerade dieser schwindelerregende Streckenabschnitt wurde für Tausende von schwarzen jamaikanischen Arbeitern zum Alptraum. Bei frühzeitig, versehentlich, oder sabotagemässig hochgegangenen Dynamitladungen, flogen nicht selten gleich Dutzende der tropentauglichen karibischen Gleisbauer mit durch die Lüfte, und blieben für immer und ewig unter den Felsbrocken begraben.



Zu Füssen der “Teufelsnase” befindet sich der kleine Bahnhof von Sibambe. Von hier aus führt ein südlich verlaufendes Nebengleis über El Tambo und Azogues bis nach Cuenca hoch. Aufgrund der zahlreichen Unterspülungen durch eine 1992 stattgefundene Überschwemungskatastrophe (“La Josefina”), musste diese Strecke jedoch stillgelegt werden. Am Bahnhof von Sibambe wartet lediglich ein Triebwagen, der die aus Riobamba kommenden Eisenbahnreisenden ins wenige Kilometer entfernte Chunchi bringen kann. Von Chunchi aus fahren dann Überlandbusse ins etwa zweieinhalb Stunden südlichere Cuenca. Wer als Tagesziel die geruhsame Kulturhochburg des ekuadorianischen Austro dem tropisch-chaotischen Hexenkessel von “Guayaquil-City” vorzieht, kann bereits hier in Sibambe umsteigen. Eine weitere Cuenca-Umsteigemöglichkeit bietet sich dann später noch im 300m hoch gelegenen Bucay (General Elizalde), wo der aus Riobamba kommende Zug nach fast sieben Stunden die sich weit ausladende Küstenebene erreicht.

Dem Hauptgleis Riobamba-Durán folgend, ist die nächste Station nach Sibambe das staubige “Wild-West”-Städtchen Huigra, welches seit Alfaros Zeiten anscheinend nicht allzu viele Veränderungen erfahren hat. Noch heute können in dem selbsternannten “Pueblo de la Eterna Primavera” einige nostalgisch heruntergekommene Häuserfassaden angetroffen werden, traurige Reminiszenzen einer längst verganenen, von progreso und revolución geprägten Epoche. Scharen von Hühnersuppenverkäufern, sowie Früchte- u. Blumenhändler, bevölkern den basarmässigen Bahnhofsbereich. Nach kurzem Aufenthalt erreicht der Zug nach etwa einer Stunde das feucht-heisse Städtchen Bucay, dem “Tor zur Küste”. In Bucay stehen dem Reisenden prinzipiell drei Alternativen zur Verfügung:
Entweder noch 4 Std. Eisenbahn bis Durán (auf der Guayaquil gegenüberliegenden Uferseite des Río Guayas), eine fast zweistündige Busfahrt über El Triunfo nach Guayaquil, oder einen Bus in die Anden nach Cuenca hoch (in El Triunfo umsteigen). Eine Weiterfahrt mit dem Zug kann lediglich ausgesprochenen “Eisenbahnern” empfohlen werden. Da das restliche Streckenstück durch flaches Gelände und monotone Plantagenwirtschaften führt, kann in Bucay getrost umgestiegen werden. Im Vergleich zum Hochlandteil hat dieser Küstenabschnitt wenig aufregendes zu bieten. Die Busse nach Guayaquil warten bereits auf der schlammigen Hauptstrasse vor dem Bahnhof. Nach Cuenca Reisende fahren nur bis El Triunfo, und steigen dort in einen aus Guayaquil kommenden Bus, der über La Troncal wieder ins Hochland “klettert”. Die Gesamtfahrzeit von Bucay bis Cuenca (plus Zwischenstop in El Triunfo) beträgt etwa 4-5 Stunden.

 

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