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Eine knappe Fahrtstunde nördlich von Río Verde, teilt sich die Hauptstraße an einem Punkt namens La Y. Der linke, nicht asphaltierte Zweig, führt über den schönen Strand von Las Peñas und den Mangrovenwald von Majagual bis ins kleine Hafenörtchen La Tola, von wo aus per Boot San Lorenzo erreicht werden kann. Der rechte, neu asphaltierte Zweig, führt nach einer weiteren Dreiviertelstunde nach Borbón im Landesinneren, etwa 100 km nördlich von Esmeraldas gelegen, und geht von dort aus bis nach San Lorenzo und zur kolumbianischen Grenze weiter.

Borbón ist ein dreckiges, stickig-schwüles Dschungelkaff am Ufer des Río Cayapas. Von hier aus geht es entweder gleich nach San Lorenzo weiter (ca. 3 Std. mit dem Boot durch das schöne Mangrovendelta, ca. 1 Std. per Bus auf der neuen Asphaltstraße), oder aber auf einen Abenteuertrip in die letzten feucht-heißen Regenwälder der nördlichen Küstenregion.

Ein paar Tage Zeit sollten für diesen äußerst spannenden Abstecher zu den westlichen Randzonen des Naturreservates Cotacachi-Cayapas, in eine touristisch noch recht jungfräuliche Region, veranschlagt werden. Ein paar adäquate Ausrüstungsgegenstände für den Dschungel sind dafür notwendig (Leinenschlafsack, Taschenlampe, ausreichend Trinkwasser, etc.). In der Regenzeit, von Ende Januar bis Anfang Mai, muß zudem mit Millionen von mosquitos und zancudos, und damit auch mit potentieller Malariagefahr gerechnet werden. Für Expeditionslustige gilt es daher, Vorsorge zu leisten. In den Sommermonaten hingegen, stellen die Biesterchen kein größeres Problem dar.

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Der anziehendste Punkt im Ort, ist das bunte Treiben beim Landungskai am Flußufer. Dort gibt es auch ein einfaches preiswertes Restaurant namens Santiago, daß neben Fisch, Fleisch u. Huhn, auch guanta (ein Riesennager) serviert. Von hier aus startet zweimal täglich ein Boot nach San. Die interessante Fahrt geht drei Stunden lang zwischen den Mangroveninseln hindurch. Einen ganz kurzen Zwischenhalt gibt es in Limones.

Von der Anlegemauer in Borbón geht es auch den Río Cayapas, oder einem seiner Zuflüsse wie dem Río Santiago, weiter flußaufwärts in südöstlicher Richtung, immer tiefer in den tropischen Regenwald hinein. Kanufahrten von 45 Min. Dauer (“Steve’s Lodge” am Zusammenfluß des Cayapas u. Onzole), von drei Stunden (Playa de Oro am Río Santiago), bis hin zu fünf Stunden (San Miguel am oberen Lauf des Cayapas) sind möglich. Den Río Cayapas rauf geht es entweder mit dem “öffentlichen” Boot oder mit einem direkt am Landungskai “gecharterten” Kanu. Auf dem Rio Santiago gibt es hingegen kein “Kanu-Taxi”. Ein geradezu magisches Urwaldambiente, wie es kaum bezaubernder sein könnte, erwartet einen jeden Reisenden an den dicht bewachsenen Ufern dieser beiden Dschungelflüsse.

Steve’s Lodge liegt am Zusammenfluß des Río Cayapas mit dem Río Onzole, mit dem Motorkanu gerademal eine dreiviertel Stunde südöstlich von Borbón. Die direkt auf der Landzunge zwischen den beiden Flußufern errichtete Anlage, bietet weder Luxus noch übertriebenen Komfort, gilt jedoch seit vielen Jahren als maßgebliche Ausgangsbasis für Dschungeltouren in der gesamten Region. Die schlichte Urwaldlodge mit Stromaggregat und Kuhweide, hat vor allem in den Vereinigten Staaten das Renommee etwas besonderes, außergewöhnliches auf dem Reisemarkt zu sein.

Der Besitzer Steve ist nicht nur für mehrtägige Dschungeltouren die erste Adresse in der Cayapas-Region, sondern auch auf kulturellem Gebiet sehr bewandert. Durch seine jahrzehntelangen Erfahrungen, sowohl mit den weit verstreuten Kommunen der ansässigen Chachi-Indianer, wie auch mit den morenos, eigenständigen Nachfahren einstiger Sklaven aus Afrika, kommen insbesonders anthropologisch interessierte Touristen voll auf ihre Kosten.

Spannende Kanuftrips durch die Mangrovensümpfe, archäologische Ausgrabungen der “Tolita-Kultur” auf der Insel Manta de Oro, und rasante Wasserskifahrten auf dem Río Cayapas, gehören außerdem zu Steve’s Programm. Ein “Ultra-Light” für Starts und Landungen auf dem Wasser steht im Hangar. Der kuriose Flugapparat versetzt die indios jedesmal aufs neue in größte Verzückung, wenn der “slpeenige” Ungar dicht über ihren Einbaumkanus hinweg zu neuen Abenteuern am smaragdgrünen Horizont schweift.

Eine dreitägige Dschungeltour, welche bis zu den westlichen Ausläufern des insgesamt 200.000 Hektar umfassenden Naturschutzgebietes Cotacachi-Cayapas führt, verlangt eine einigermaßen gute körperliche Verfassung. Am ersten Tag geht es den Río Cayapas stromaufwärts. Die Touristen besuchen eine Zeremonienstätte der Chachi-Indianer, ein “doppeltes” Dörfchen namens Santa Maria de Chachi und Santa Maria de Negro, wo morenos und indios in beispielhafter Harmonie zusammenleben (sich jedoch nicht mischen). In Zapallo Grande kann lokales Kunsthandwerk erstanden werden: Schöne Korbflechtereien, Textilien oder Keramik. In San Miguel, dem letzten Dörfchen vor dem Naturreservat, besteht die Möglichkeit einen Dschungelwein namens pilde zu probieren. Es wird in typisch familiären Indianerhütten geschlafen. Am zweiten Tag geht es in das Cotacachi-Cayapas Naturreservat. Ein fünfstündiger Marsch zu einem fabelhaften 100m-Wasserfall, mitten im Dschungel, verlangt Ausdauer. Die Nacht bei der Cascada Charco Vicente wird in Zelten verbracht. Am dritten Tag geht es wieder zu Steve’s Lodge zurück, wo die Touristen erst gegen Abend eintreffen.

Die Dschungel- und Mangrovenwald-Touren können auch individuell zugeschnitten werden, je nach Wunsch und Kondition der Teilnehmer. Eine Übernachtung in der Lodge, drei Mahlzeiten inbegriffen, kostet etwa 40 USD pro Person.

Reservierungen nimmt in Quito Herr Antonio Nagy entgegen, Tel. 431555, Fax 431556. Besonders bei Gruppenreisenden, und in den Sommermonaten von Juni bis Dezember/Januar, ist eine Voranmeldung empfehlenswert.

Wer preiswerter in die tiefere Cayapas-Region eindringen möchte, reist am besten auf eigene Faust nach San Miguel (am Río Cayapas, 4-5 Std. von Borbón), oder nach Playa de Oro (am Río Santiago, 3-4 Std. von Borbón). Beide Kommunen sind nur per Kanu erreichbar, wobei San Miguel einmal täglich mit einem öffentlichen Boot von Borbón aus angesteuert wird.

Die Umweltorganisation SUBIR (“Sustainable Uses of Biological Resources”), die eng mit CARE INTERNATIONAL zusammenarbeitet, unterhält sowohl in San Miguel wie auch in Playa de Oro eine Projektstation. Organisierte Touren in das Cotacachi-Cayapas Reservat, können von diesen beiden Dörfchen aus, mit einheimischen Führern von SUBIR unternommen werden. Jede Person muß dabei mit etwa 40-50 USD pro Tag rechnen, je nach Gruppengröße.

Verpflegung, Führung, und Transport sind im Preis inbegriffen. Drei bis vier Tage sollte man für ein derartiges Abenteuer veranschlagen. Der tropische Regenwald im Bereich der abgeschiedenen Kommune von Playa de Oro, gilt aufgrund seiner weitreichenden Unberührtheit, zumindest unter Tierbeobachtern als bessere Alternative. In der Gegend um San Miguel hingegen, sind außer einem leichteren Zugang zum Cotacachi-Cayapas Reservat, besonders die gemischt kulturellen Einblicke in das Leben der indianischen und afro-ekuadorianischen Anwohner hervorzuheben.

Weiter flußaufwärts von San Miguel, gelangt man mit dem Kanu zudem durch großartige, tief eingeschnittene Schluchten. Wogegen hinter Playa de Oro bald die unüberwindbaren Stromschnellen des Río Santiago, und damit anstrengende Dschungelmärsche beginnen. Beide Ortschaften verfügen über einfache Unterkünfte mit Duschen, Toiletten, Moskitonetzen, bequemen Matrazen, und gefiltertem Trinkwasser. Essen wird serviert. Ein Stromgenerator sorgt für Licht.

Die Crew von SUBIR steht zudem ständig mit dem Hauptbüro in Quito in Funkkontakt. Reservierungen können unter der Fax Nr. 502379 in Quito getätigt werden. Relativ moskitofreie Besuchszeiten sind die Sommermonate von Juni bis Dezember/Januar. Für den Rest des Jahres werden Malaria-Prophylaxe, langärmlige Hemden, und ein effizientes “Anti-Brumm” empfohlen. Die gesamte Region hat die mitunter höchsten Malariaraten in Ecuador zu verzeichnen. Auch ein Leinenschlafsack leistet bei dem drückend heißen Klima gute Dienste. In der Regenzeit von Ende Januar bis Anfang Mai, ist nachts außerdem mit heftigen Niederschlägen, und tagsüber mit gleißender Sonneneinstrahlung zu rechnen. Die Flüsse sind zu dieser Jahreszeit zwar viel besser manövrierbar, die Scharen von Stechmücken aber freuen sich dann ganz besonders über wohlgenährte, bleichgesichtige Neuankömmlinge.

Reserva Ecológica Cotacachi - Cayapas
Das 1968 geschaffene Öko-Reservat umfasst ein 200.000 ha großes Gebiet, das von den tropischen Küsten-Regenwäldern der extremen westlichen Andenausläufer (auf wenigen Metern über dem Meeresspiegel) bis hinauf zu den cerros Yanahurco (4.538m) und Cotacachi (4.939m) reicht, einschließlich der Kraterlagune von Cuicocha, und dem 2,5 km langen Forellensee Donoso de Piñan. Dementsprechend variantenreich fallen auch die abrupt wechselnden Vegetationszonen aus. Während im unteren Bereich noch feucht-heißer Dschungel vorherrscht, durchzogen von den Flußsystemen des Cayapas, Santiago, San Miguel, Lachas u. Rumiyacu (zusammen über 7.000 qkm), sind in den mittleren Lagen schroffe Schluchten und undurchdringliche Nebelwälder, sowie in der Hochlandregion eine stark zerklüftete, vulkanische Páramo-Landschaft anzutreffen.

Mit zehn unterschiedlichen Lebensräumen gehört die zentrale Region des kaum besuchten Reservates aufgrund seiner totalen Unzugänglichkeit sicherlich zu den großen Naturwundern des Landes. Die Flora und Fauna, selbst wenn bisher wenig untersucht, hat in gewisser Hinsicht Ähnlichkeiten mit einigen wilden Landstrichen Kolumbiens oder Mittelamerikas aufzuweisen. Unter den beheimateten Säugetieren befinden sich eine schwarze Brüllaffenart, eine seltsames Tapir (diese gibt es normalerweise nur auf der “orientalen” Seite der Anden), sowie Jaguare, Ozelote, Pumas oder Brillenbären. Darüberhinaus ist von mindestens 500 klassifizierten Vogelarten und über 20.000 verschiedenen Pflanzen die Rede. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt zwischen 3.000 u. 10.000mm (!), die Durchschnittstemperaturen reichen von etwa 10 bis 26 Grad. Das Reservat besitzt drei prinzipielle (offizielle) Zugänge: In San Miguel (Prov. Esmeraldas - Tiefland), an der Lagune Cuicocha (Prov. Imbabura - Hochland), und in Lita an der Eisenbahnstrecke von Ibarra nach San Lorenzo.

Lesen sie mehr dazu im Reiseführer Ecuador von Volker Feser

 
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