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| Cotopaxi (5.897m) |
Der 5.897m hohe Cotopaxi ist weltweit der höchste freistehende Vulkankegel in Aktivität.. Aus dem Quichua übersetzt bedeutet das zusammengesetzte, teils unterschiedlich interpretierte Wort etwa “Sanfter Nacken des Mondes”. Bereits die ersten kolonialen Schreiber gaben Zeugnis von der zerstörerischen Tätigkeit dieses harmonisch geformten cono (Kegel).
Laut Geschichtsberichten kam es während einer Schlacht im Jahre 1534, zwischen den vorrückenden Spaniern und den verteidigenden Inkas, zu einem lautstarken Ausbruch des Cotopaxi, woraufhin beide Fraktionen inmitten der Kampfgeschehnisse Hals über Kopf die Flucht ergriffen. Die indigenas flohen aus Angst vor dem gewaltigen Götterschlag, der in ihren Augen ein ganz böses Omen bedeutete. Die Spanier flohen hingegen, weil sie so ein fürchterliches Naturschauspiel wahrhaftig noch nie erlebt hatten.
Nach jenem anekdotischen Ausbruch verfiel der Vulkan in einen 200 Jahre anhaltenden Dauerschlaf, der 1742 durch eine erneute Eruption unterbrochen wurde. Die Kolonialstadt Latacunga wurde dabei zum erstenmale dem Erdboden gleichgemacht. Weitere Ausbrüche folgten 1743, 1744 u. 1766, sowie der heftigste 1768, als das inzwischen wiederaufgebaute Latacunga zum zweitenmal zerstört wurde. Nach einer weiteren Ruhephase trat der Vulkan Mitte des 19.
Jh. abermals in Aktivität. Im Jahre 1877 verzeichnete er gleich vier starke Ausbrüche, wobei sich der unheilbringende 26.
Juni als eine Art “Höllenspektakel” herausstellen sollte, zumindest für die Latacunqueños. An jenem “Jüngsten Tag” ergossen sich die brodelnd heissen Lavaströme über alle Seiten des Kegels. Die dadurch geschmolzenen Schnee- u.
Eismassen rissen auf ihrem Weg ins Tal gewaltige Schlamm- u. Geröllawinen mit sich, welche über die Flussläufe des Pita, Guayllabamba u. Esmeraldas, innerhalb von 18 Stunden den Pazifischen Ozean erreichten! Andere pyroklastische Ströme wälzten sich entlang des Río Cutuchi auf Latacunga herab. Sie erreichten die Stadt in weniger als 30 Minuten, Baños innerhalb von drei Stunden! Ein schwarzer Ascheregen fiel über weite Teile des Hochlandes. und verfinsterten mit den Winden sogar vorübergehend das ferne Guayaquil.
Seit dieser Ausbruchsphase ist es um den Vulkanriesen relativ still geworden. Die bisher letzte Eruption fand im Jahre 1904 statt. Ein kurzfristiges, wie leicht beunruhigendes Aufwärmen des “Kochtopfes” (recalentamiento), wurde jedoch erst “neulich” 1975 verzeichnet.
Die vermutlich ersten Menschen auf dem Kraterrand waren der Deutsche Wilhelm Reiss und sein kolumbianischer Gefährte Angel Escobar im Jahre 1872. Den beiden Gipfelpionieren gelang der Aufstieg über einen frisch erkalteten Lavastrom an der Westseite des Berges. Genau ein Jahrzehnt später erreichte auch der Engländer Edward Whymper von Norden her den rauchenden Schlot, auf dessen Rand er sogar übernachtete Die von ihm eingeschlagene, insgesamt etwa zehnstündige Marschroute (hoch- u. runter), wird von den allermeisten Cotopaxi-Besteigern bis auf den heutigen Tag benutzt.
Jede Seilschaft beginnt mit dem Aufstieg gegen ein Uhr früh. Im Laufe des Vormittags wird der Schnee dann weich, und das Gehen sehr anstrengend oder gar unmöglich. Durch einen sehr zeitigen Start ist auch die Festigkeit der Schneebrücken über die vereinzelten Gletscherspalten garantiert, und die Gefahr von Lawinen wird auf ein Minimum reduziert. Die erste Stunde über der Schutzhütte führt über einen steilen Hang auf den 5.200m hohen Gletscherrand hinauf. Hierbei gilt es eine bis zu 3m hohe überlappende Eiswand zu überwinden. Nach stetigem Anstieg über das Gletscherfeld, wobei auch einigen mit Fähnchen markierten Spalten ausgewichen werden muss (die jedoch kein grösseres Hindernis darstellen dürften), ist der breite Rücken rechts unterhalb der 120m hohen Yanasacha-Wand erreicht. Nach Umgehung dieser markanten, bereits von Quito aus sichtbaren Felswand, geht es in mühevoller Kleinarbeit über den oberen Gletscher mehr oder weniger geradlinig bis auf den steilen Grat hinauf, welcher im Anschluss direkt auf den Gipfel führt. Leichte Schwefelgerüche begrüssen die Andinisten beim Erreichen des Kraterrandes.
von
Volker
Feser, Reisebuchautor
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