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| Ethnische Gruppen |
Das kleine Ecuador ist ein multinationales, multi-ethnisches und multikulturelles Land! Innerhalb dieses geographisch wie klimatisch ganz unterschiedlichen Territoriums koexistiert ein buntgewürfeltes, praktisch aus allen Teilen der Welt hervorgerufenes Völkergemisch. Aus Europa, Nordamerika, Ostasien, und dem Vorderen Orient abstammende “Weiße”, schwarze Sklavenabkömmlinge (siehe dazu im Routenteil bei “Nordküste-Esmeraldas”), Mestizen aller Schattierungen (wie z. B. die montubios der inneren Küstenregion), sowie eine unglaubliche Vielzahl indianischer Gruppierungen, die sich sowohl durch ihre Gebräuche und Lebensgewohnheiten voneinander unterscheiden, als auch gleichzeitig untereinander vermischt haben. Dieser äußerst komplizierte, sich fortwährend überlappende Integrationsvorgang, hat im Laufe der Jahrhunderte die ekuadorianische Nation auf so mannigfaltige Art und Weise geprägt, daß es heute sehr schwer fällt von einem homogenen Staat zu sprechen. Die vielschichtige Identität des “modernen” Ekuadorianers beruht schlußendlich auf dieser chaotischen Form von mestizaje, einer unübersichtlichen, geradezu experimentalen Vermengung verschiedener Rassen, Kontinente, Kulturen, Ethnien, Traditionen und Lebensanschauungen.
“Indios”.
Im Andenhochland:
Im innerandinen Hochbecken, entlang der beiden Kordillerenstränge, in der sogenannten Sierra, leben eine ganze Reihe alteingessenener indianischer Ethnien mit nahezu jahrtausendealten Wurzeln, die sich nach aussen hin zwar unterscheiden (meist hervorgerufen durch zeitversetzte geschichtliche Integrationsprozesse), im grossen und ganzen aber als Quechua sprechende Nation innerhalb der politischen Landesgrenzen zu identifizieren sind. Die kulturelle Zusammengehörigkeit dieser Indios de la Sierra kommt nicht nur im sprachlichen Miteinander zum tragen, sondern drückt sich auch in einer gemeinsamen cosmovisión aus, die sich mit der Harmonie zwischen Universum, Erde u. Mensch (pachamama, allpamama u. runa), bzw. mit ihren Gegenpolen Erde-Himmel (tierra-cielo), hoch-tief (alto-bajo) u. kalt-warm (frío-caliente) beschäftigt. Ein weiteres Merkmal dieser einst von den Inkas eroberten Hochlandvölker ist ein gesellschaftliches Organisationsmodell, dass praktisch in allen Lebensbereichen auf Kommune und Grossfamilie basiert. Die Hauptmasse dieser reinrassigen Bergindios bildet heute fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung.. Andere indianische Ethnien sind in den feucht-heissen Regenwäldern des amazonischen Tieflandes sowie im nördlichen Küstenbereich anzutreffen.
Nach der Auflösung des Inkareiches liessen sich die unheilsgewohnten Hochlandindios widerstandslos in das Ausbeutungssystem der Spanier einfügen. Zum Inbegriff für deren erbliche Leibeigenschaft wurde mit der Konsolidierung der Grossgrund-Hazienda als politisch-wirtschaftliches Machtzentrum der sogenannte huasipungero, ein unbezahlter Arbeiter, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (“de sol a sol”) seinem patrón zu dienen hatte.
Als Gegenleistung wurde ihm der Schutz des Lehnherrn sowie oftmals auch ein minifundio, eine winzige Landparzelle zugestanden, welche sich jedoch meist in grosser Höhenlage und unter klimatisch sehr ungünstigen Bedingungen befand. Zumindest diesbezüglich hat sich bei manchen indianischen Gruppierungen bis heute nicht allzu viel verändert.
Trotz einer liberaler Revolution gegen Ende des 19. Jh., einer Leibeigenschaftsaufhebung im Jahre 1918, und dank vielfach gescheiterter Landreformen. Die meisten Bergindios bestellen nachwievor kleine minifundios in abgelegenen erosionsgefährdeten Andenregionen, dessen Erträge gerademal zum Überleben ausreichen. Durch die starke Bevölkerungszunahme wurden diese Landparzellen zudem immer winziger, was zusammen mit der Verschlechterung des inzwischen fast ausgelaugten Bodens zu fortwährender Abwanderung geführt hat. Viele zieht es in die Städte, wo sie bei geringsten Verdienstaussichten ein ziemlich entwurzeltes Dasein fristen. Nur wenige auf dem Lande verbliebene Mitglieder konnten sich diesem Kreislauf dank ihrer künstlerischen Fähigkeiten (artesanía) oder der Verteilung von Kleinkrediten entziehen. Andere Daheimgebliebene und Abgewanderte sind auf dem gesellschaftlichen Abstellgleis der Tagelöhner und Haushaltsgehilfinnen gelandet. Der reinblütige Indio ist in den Augen vieler buntrassiger Ekuadorianer (ohne Quechuakenntnisse) bis heute leider das geblieben, wozu ihn die Kolonialherren einst verdammt hatten: Ein ungebildeter und abgestumpfter Ackerbauer, dessen archaisches Erscheinungsbild in erster Linie dem Tourismus auf dem Lande und der Lebensmittelversorgung in den Städten förderlich sein soll!
Im Norden des Hochlandes (Provinz Imbabura) treten die Ethnien der Otavalos, Natabuelas und Caranquis hervor. Ihre wirtschaftlicher Fortbestand ist zum einen durch Ackerbau (Mais, Kartoffeln, Getreide), und zum anderen durch den Verkauf von Artesanía gesichert (hauptsächlich Web- u. Wollartikel). Wobei es die Otavalo-Indianer durch ihre Geschäftsreisen in alle Welt auch zu internationalem Ansehen brachten. Der soziale Aufstieg einiger Otavalo-Familien führte innerhalb dieser Gruppe sogar zu regelrechten Klassenunterschieden. Dabei kommt der erreichte Wohlstand durch Kleidung, Besitz und Bildungsgrad zum Ausdruck. Neben dem traditionellen Quichua wird von vielen einflussreicheren Otavalo-Indianern ausser einwandfreiem Spanisch eventuell noch englisch gesprochen, zumindest was einheimische Touristenführer oder die Universitätssprösslinge einiger Webereibesitzer betrifft.
Mit zu den wichtigsten Kommunalzentren dieser nördlichen Gruppierungen zählen neben den Otavaleños in Otavalo (schwarze Hüte u. lange Zöpfe) auch die Gemeinden Zuleta (buntbestickte Blusen), La Rinconada (weisse Hüte), La Magdalena (helle u. dunkle Farben gemischt), Rumipamba (meist rote Ponchos) und Natabuela (rote Ponchos mit bunten Streifen). Das bedeutendste Fest in allen Winkeln dieser Region ist die Fiesta de San Juan (Inti Raimy o. Erntedankfest), dass zwischen dem 21. u. 24. Juni stattfindet. Endgültiges Marschziel der betrunkenen Maskentänzer, welche auf den Gutshöfen der Umgebung, sowie den Plätzen u. Strassen der Dörfer zu sehen sind, ist die Kirche von San Juan in Otavalo. Hauptgestalt des bunten Treibens ist der sogenannte Ayahuma oder “Teufelskopf”. Neuerdings können aber auch Masken von Batman, Robin o. Mickey Mouse unter den traditionellen Fratzen beobachtet werden.
Selbst in nächster Nähe zur Landeshauptstadt (Provinz Pichincha) existieren noch Indio-Gruppen, die im Verlauf der Jhte. jedoch einen mestizenhaften Kulturwandel erfahren haben. Durch fortschreitende Abwanderung in die Stadt haben diese Gruppen im Bereich der Gemeinden Llano Grande, Llano Chico, Calderón, Pomasquí, Zámbiza, Puembo, Pifo o. Sangolquí, zumindest augenscheinlich viel von ihren ursprünglichen Gebräuchen eingebüsst. Die jungen indigenas dieser ländlich-urbanen Zone des Distrito Metropolitano de Quito tragen heutzutage meist keine o. kaum noch traditionelle Bekleidung, und ihr “Kastellianisch” ist lediglich bröckchenweise mit Quichuabegriffen gespickt.
In der Provinz Cotopaxi, im Bereich der Gemeinden Zumbahua, Tigua, Pujilí, Saquisilí, Salcedo o. Mulaló, haben die ansässigen Indios noch viel von ihrer kulturellen Identität bewahren können. Dies gilt besonders für entlegenere Gruppen auf den Páramo-Anhöhen bei 3 - 4.000m über dem Meeresspiegel. Aufgrund des vorherrschenden minifundismo auf meist karger Erde, ist auch hier eine ständige Abwanderung in die Städte zu verzeichnen. Eine Erleichterung der prekären Wirtschaftslage dieser quichuasprechenden Bauern u. Schafzüchter brachte in den letzten Jahren die artesanale Herstellung von Kunst- u. Gebrauchsartikeln (z. B. naive Malerei auf Schafshäuten), welche nicht nur auf den Märkten der Region den Touristen zum Verkauf angeboten werden. Eine sehr eigenwillige Vermischung von indianischen und christlichen Kulturelementen, die heute allein schon dem Fremdenverkehr zuliebe beibehalten wird, kommt nicht zuletzt bei den skurilen Festlichkeiten dieser Provinz zum Ausdruck. Schönstes Beispiel hierfür ist die alljährlich stattfindende Fiesta de la Mama Negra in der Provinzhauptstadt Latacunga.
Die bekannteste Indiogruppe der Provinz Tungurahua ist die der Salasaca, deren Subsistenz sowohl auf Ackerbau als auch auf Artesanía basiert. Ihre tapices (Wandteppiche) und tibeterähnlichen alfombras (Teppiche) werden inzwischen auf Anfrage aus dem Ausland produziert. Unter den Volksfesten dieser zehn Kommunen umfassenden Ethnie zwischen Ambato u. Baños, einst von den Inkas eingeschleppte mitimaes aus dem bolivianischen Hochland, sticht vor allem die fiesta von Corpus Cristi hervor. Im Mittelpunkt dieses Hauptfestes eines ganzen religösen Erntezyklusses steht der alcalde (Bürgermeister), dessen Funktion in diesem Falle weit über die eigentlichen Feierlichkeiten hinausreicht.
Im geographischen Zentrum des Landes, d. h. im Umfeld des 6.310m hohen Eisriesen Chimborazo, leben fast 300.000 Indios der Ethnien Cacha, Licto, Colta, Calpi u. Pulucate. Diese stellen auf Landesebene nicht nur die grösste quechuasprechende Bevölkerungsdichte, sondern haben im weitgehensten Sinne auch ihre ureigenste Identität bewahren können. Viele Mitglieder dieser autarken Gruppierungen leben völlig zurückgezogen in fruchtbaren Hochtälern oder auf windig-kalten páramo-Ebenen. Sie widmen sich ganz u. gar dem Ackerbau und der Viehzucht, und zählen aufgrund ihrer geographischen Isoliertheit, verbunden mit einem geradezu katastrophalen Bildungsniveau, zu den ärmsten und “störrischsten” Bergbewohnern des Andenlandes. Auf abgelegenen Staubstrassen der Provinz Chimborazo kann es bei aufdringlichen Fotoaufnahmen aus dem Autofenster sogar vorkommen, dass die bunt eingehüllten Gestalten am Wegrand (die Frauen teils mit leuchtendem Rot) auch schon mal nach einem Stein greifen.
Dort oben sind die gnomenhaften, kleine runde Filzhüte tragenden indios mit den ledergegerbten Gesichtern und drückenden Packlasten, grösstenteils nicht einmal der spanischen Sprache mächtig. Nicht wenige Chimborazo-Indianer hausen in strohbedeckten Lehmhütten, und verfügen weder über Kanalisation noch elektrisches Licht. Ihrer Unverdorbenheit wegen gelten sie schlichtweg als menschliche Touristenattraktion des Hochlandes. In ihrem Jahrhunderte alten Existenzkampf sind diese von der modernen Gesellschaft völlig übergangenen Ekuadorianer jedoch eher als trauriges Musterbeispiel einer in ihren Wurzeln zutiefst verankerten Kulturstufe anzusehen, welche seit den finsteren Zeiten der spanischen Eroberung keine positiven Veränderungen erfahren haben.
Im Süden des ekuadorianischen Hochlandes sind in erster Linie die ethnischen Gruppen der Cañari (um Cuenca u. Azogues) und der Saraguro (bei Loja) hervorzuheben. Die Cañari-Männer tragen meist einen kurzen Poncho, der mit Hilfe eines breiten Stoffbandes (faja) an der Hüfte anliegt, während die Frauen buntbestickte Röcke und Blusen zur Schau stellen. Beide Geschlechter tragen einen weissen Wollhut. Die männlichen Mitglieder der Saraguro zeichnen sich durch schwarze knielange Hosen, ärmellose Hemden (sog. cushmas), schwarze Ponchos u. silberverzierte Ledergürtel aus, während die Frauen einen schwarzen Wollrock, eine bestickte kragenartige Bluse, sowie einen silbernen tupo als Schalbrosche tragen. Beide Geschlechter kleidet ein breiter weisser Hut (ursprünglich mit Maismehl gestärkt), der unter der Krempe dunkle Flecken aufweist.
Wie alle Hochlandvölker widmen sich auch diese der Feldbestellung (mit Hacke u. Pflug), sowie der Vieh- u. Schafzucht. Wobei die Saraguros zwei Drittel ihres Getreides u. Frischfleisches auf den Märkten in Guayaquil, Cuenca u. Loja vertreiben. Als beflissene artesanos erweisen sich beide Gruppen. Vor allem die nach Cuenca abgewanderten, oder in dessen Umgebung ansässigen Nachkömmlinge einer einst wohlorganisierten Cañari-Kultur, erzeugen heute auf dem Gebiet der Töpferei, der Goldschmiede, der Webkunst und Naturfaserverarbeitung (sombreros), überdurchschnittliche Qualität. Beide Bevölkerungsgruppen haben es teilweise geschafft, den Rahmen eines erstarrten kommunalen Wirtschaftsgefüges zu sprengen um gleichzeitig voller Stolz die ureigensten Wurzeln zu pflegen.
Im Oriente
Im tropischen Amazonastiefland leben gleich mehrere indianische Kulturgruppen, die aufgrund gemeinsamer Umweltbedingungen auch ähnliche Charakteristiken aufweisen. Ihre cosmovisión ist durch den Dschungel und den darin lebenden Menschen geprägt. Wobei diese Völker in erster Linie zwischen den “Söhnen des Regenwaldes” und denen die es nicht sind unterscheiden. Denn nur darin können sich diese frei entfalten und als solche Anerkennung finden. Ein indio des Urwaldes zu sein bedeutet einmal inmitten der wuchernden Flora und Fauna leben und überleben zu können, und zum anderen seine okkulten spirituellen Möglichkeiten auszuschöpfen. Nicht aus dem Urwald zu sein bedeutet schlichtweg das genaue Gegenteil davon!
Von dieser gemeinsamen kosmischen Vision einmal abgesehen, bestehen jedoch unter den weitverstreuten Gruppierungen des Oriente sprachliche wie kulturgeschichtlich bedingte Unterschiede. Dabei spielen insbesonders auch die jeweiligen Kontakte zur Aussenwelt eine Rolle. So hatten die Völker des südlichen Oriente (Shuar u. Achuar) erst mit der Ankunft der Salesianer-Ordensbrüder im Jahre 1894 Bekanntschaft mit dem Evangelium und der Zivilisation gemacht, während einige Stämme des Nordens bereits zu frühen Kolonialzeiten das Joch der Eroberer zu spüren bekamen. Andererseits hat sich eine äusserst widerspenstige Untergruppe der berüchtigten Huaorani-Indianer bis auf den heutigen Tag jeglichem Kontakt zur Aussenwelt entziehen können. Anhand von zahlreichen blutrünstigen Zusamenstössen mit Missionaren, Kautschukzapfern, Siedlern oder Erdölarbeitern, ist dies auch im Zeitalter der Sensationslüsternheit immer wieder unter Beweis gestellt worden. Andere Stämme hingegen, wie z. B. die Cofanes im Uferbereich des Río Aguarico, geraten allein schon aufgrund ihres kunterbunten Federschmucks in den Verdacht im Zuge des Touristenrummels eine Art indianischen Zirkus vorzugaukeln.
Die grösste ethnische Gruppe im ekuad. Amazonastiefland sind die etwa 60.000 Einw. zählenden Quechua del Oriente in den Provinzen Napo und Pastaza. Dieses ursprünglich aus der Sierra stammende Volk sah sich einst gezwungen im Verlaufe der Inka-Eroberung in die östlichen tropischen Andenausläufer zu fliehen. Ihre Sprache ist eine “orientalische” Variente des Hochland-Quechua. Durch Jahrhunderte lange intensive Kontakte mit colonos (Siedlern) hat diese Gruppe jedoch weitgehenst die Angewohnheit verloren traditionelle Kleidung zu tragen.
Das in den südlichen amazonischen Provinzen von Zamora-Chinchipe, Morona-Santiago und auch Pastaza beheimatete Volk der Shuar zählt etwa 40.000 Angehörige. Diese leben zu einem Bruchteil noch in traditionellen epilyptisch geformten Langhäusern, welche mit meterhohen wehrfähigen Rundhölzern, schmalen festungsartigen Eingängen, sowie dichten Palmdächern versehen sind. Bei der Raumaufteilung der weitverstreuten Wohnhütten ist das sogenannte tankamash-Séparée ausschliesslich den mitunter immernoch polygamen Männern und ihren männlichen Gästen vorbehalten, während die Frauen hauptsächlich den ekent bewohnen, wo sich auch die Küche befindet und nur weibliche Gäste zugelassen werden. Wobei inzwischen viele althergebrachte Gepflogenheiten selbst bei nachwievor traditionell hausenden Shuar-Familien mehr und mehr westlichen Einflüssen gewichen sind. So wurde das typische Leinentuch des Shuar-Mannes, das sogenannte itipi, nicht selten durch die in feuchtheissem Klima ziemlich unpässliche Blue Jean ersetzt.
In der komplizierten Shuar-Sprache bedeutet die Eigenbezeichnung Untsuri Shuar “Viele Menschen”. Deren angestammtes, teils aggressiver Kolonisierung ausgesetztes Territorium, umfasst im zentralen Bereich die dichtbewaldeten Ausläufer, Höhenzüge und mesetas der geheimnisvollen Cordillera de Cutucú nahe der peruanischen Grenze. Die fortschreitende Desintegration dieser einst köpfeschrumpfenden Gruppierung führte in den 60er Jahren zur Gründung der Federación de Centros Shuar mit Sitz in Sucúa. Die Zielsetzungen der Selbsthilfeorganisation dienen in erster Linie der Brauchtumsspflege, der Vergabe von Landtiteln, sowie zweisprachigen Erziehungsprogrammen. Siehe auch unter “Tzantza - über Sinn und Kunst des Köpfe schrumpfens” im Oriente-Routenteil.
Der etwa 500 Mitglieder zählende, im flachen ekuad.-peruanischen Grenzgebiet der Provinz Morona Santiago beheimatete Volksstamm der Achuar, hat in vielerlei Hinsicht similare kulturelle Charaktereigenschaften wie die der Shuar aufzuweisen. Neben einer sprachlichen Verwandtheit teilen sich diese beiden Ethnien z. B. auch eine zutiefst rituelle Vorliebe für das leicht-alkoholisierende Getränk chicha de yuca o. a. chicha de chonta, dessen Herstellung und Ausschank ausschliesslich den Frauen überlassen wird. Andererseits werden die traditionsbewussten Achuar heute weit weniger von colonos (und “Kahlschlag”) bedrängt als ihre volksreichen Nachbarn in den höheren Lagen dieser südöstlichen Oriente-Region. Dies liegt vor allem daran, dass eine dauerhafte Kontaktherstellung mit den Achuar erst viel später einsetzte, etwa von Beginn der 70er Jahre an. Äusserst hinderlich für eventuelle Kolonisierungsvorhaben erweist sich auch die Unsicherheit, in einer permanent kriegsgefährdeten, teils militarisierten wie verminten Zone zu leben.
Die letzten 600 verbliebenen Cofan-Indianer leben heute meist am oberen und unteren Verlauf des Río Aguarico, im Bereich der Kommune Sinangué (Reserva Ecológica Coca-Cayambe), in Dovino und Dureno, sowie an den Ufern des Río Bermejo. Bis vor etwa 25 Jahren waren die Cofanes noch die einzigen Bewohner weitläufiger Gebiete der aktuellen Provinzen Sucumbios und Napo. Dann wurde bei Lago Agrio Erdöl entdeckt, und ein 400-jähriger, im 16. Jh. nach ersten fehlgeschlagenen Missionierungsversuchen wiedereinsetzender Dornröschenschlaf, nahm ein jähes Ende. Im Zuge des Erdölfiebers und aggressivster Kolonisierung sah sich dieser Volksstamm plötzlich krassen Landeinbussen, skrupelloser Urwaldrodung, der Verseuchung von Fischen und Vertreibung von Jagdwild ausgesetzt. Der einhergehende Verlust ureigenster kultureller Identität führte innerhalb kürzester Zeit fast zum Verschwinden des einst zahlreichen Volkes. Nicht wenige Cofanes sahen sich gezwungen bei den Erdölkonzernen, Strassenbautrupps, und in den Pionierstädten, als billige tropentaugliche Handlanger anzupreisen. Alkoholismus und Prostitution begannen das soziale Umfeld der Cofanes wiederzuspiegeln.
Die heute vor allem den Touristen zuliebe getragene traditionelle Bekleidung, besteht bei den männlichen Mitgliedern in der Hauptsache aus der sogenannten cushma, einer einfarbigen ärmel- u. kragenlosen Baumwoll-Tunika, die den Cofanes einst von den Franziskanermönchen “auferzwungen” wurde, und bei besonderen Gelegenheiten auch mit einer attraktiven buntschillernden Federkrone ergänzt wird. Die Frauen tragen luftige langärmlige Blusen und Röcke, sowie teils mit Raubtierzähnen oder Tukanschnäbeln verzierte Hals- u. Armketten aus Pflanzensamen. Mit langen Federn oder Blumenstengeln durchstochene Ohren und Nasen werden hingegen oftmals von beiden Geschlechtern stolz zur Schau gestellt.
Ähnlich wie den Cofanes erging es auch den etwa 600 Personen zählenden Siona-Secoya an den bis vor wenigen Jahren noch dichtbewachsenen Ufern des Río Aguarico, Río Eno, Río Shushufindi, sowie im Bereich des Naturreservates von Cuyabeno. Allerdings führte nicht erst die massive Erdölausbeutung und die daraufhin einsetzende Invasion ihres Stammesgebietes seitens herbeiströmender colonos zu deren nahezu vollständigen Ausmerzung. Bereits in vorangegangenen Jahrhunderten wurden die einst bevölkerungsstarken Siona-Secoyas durch eingeschleppte Ansteckungskrankheiten der Konquistadoren und Kautschukpflanzer extrem stark dezimiert. Ursprünglich formte diese heute “fusionierte” Übergruppe zwei unterschiedliche Volksstämme, welche einer gemeinsamen Sprachfamilie namens tukano angehörten, und deren Gebräuche und Traditionen sehr eng mit denen der Siona, Makaguaje und Coreguaje in Kolumbien, sowie den Secoya und Angotero in Perú verknüpft sind.
Die berüchtigten Huaorani
von Heiko Feser
Das einstige, etwa 20.000 qkm grosse traditionelle Siedlungsgebiet der 1.500 bis 2.000 Personen zählenden Huaorani-Indianer, liegt zu beiden Seiten des ersten südlichen Breitenkreises, zwischen dem Río Napo im Norden und den Flüssen Curaray und Villano im Süden. Der westliche Teil ihres wald- und wasserreichen Territoriums stösst bis an die letzten Andenausläufer und erreicht dabei Höhenlagen von bis zu 400m, während der östliche, von trägen mäandernden Flüssen durchzogene Teil, zusehends verflacht. Heute umfasst das offiziell von der Regierung zugestandene Stammesgebiet etwa 670.000 ha, welche von einer 120 km langen, von Coca aus führenden Erdölpiste, der pechschwarzen Vía Auca, praktisch in zwei Hälften geteilt wird.
Huaorani ist die Eigenbezeichnung des Stammes, und bedeutet wie die meisten Eigenbezeichnungen amazonischer Ethnien “Menschen”, bzw. die “Echten” oder “Wahren Menschen”, als Abgrenzung zu allen “Nichtmenschen”. Diese bezeichnen die Huaorani üblicherweise als “Auca”, was soviel bedeutet wie Krieger, Rebell, Heide. Von den Spaniern wurde dieser Begriff einst für alle nicht-christianisierten Stämme angewandt.
Die Huaorani sind insofern ein Phänomen, als dass sie weder kulturgeschichtlich noch sprachlich irgendeiner grösseren Gruppe zugeordnet werden können. Ihre Vergangenheit liegt völlig im Dunkeln. Lediglich mündliche Überlieferungen geben ein Bild von immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit Eindringlingen, einst andere Indianergruppen und “nicht-menschliche” Kautschuksammler, heute Erdölmultis und nachziehende Siedler. Aber auch untereinander lagen die einzelnen Familienklane der Huaorani in dauerhaftem Streit, dessen blutige Folgen wahrscheinlich mehr Todesopfer forderten als die Kriege gegen “Nicht-Menschen”. Auf die Titelseiten der internationalen Presse.gerieten sie aufgrund des spektakulären Massakers am “Palm Beach” im Jahre 1956. So nannten fünf evangelische Missionare einer geradezu fundamentalistisch orientierten Glaubensgemeinschaft einen Strand am oberen Río Curaray, auf dem sie damals mit einem Sportflugzeug landeten. Dieser Versuch erster friedlicher Kontaktaufnahme endete dann mit jener Tragödie.
Daraufhin begann eine Missionsarbeit, die zweifelsohne als eine der aussergewöhnlichsten unseres Jahrhunderts angesehen werden kann. Zeitgleich mit den Evangelisten bemühten sich auch die Katholiken um das Seelenheil der Huaorani, wobei die Beziehungen zwischen den beiden Konfessionen durch den Kampf um das Missionierungsmonopol gekennzeichnet war. Den Evangelisten gelang schliesslich die Kontaktierung mehrerer Gruppen, sowie deren Neuansiedlung im westlichen Teil ihres Territoriums. Das verbleibende, nahezu menschenleere Stammesgebiet im Osten, war somit frei für die eindringenden Erdölgesellschaften. Um Konfrontationen zwischen Indianern und Nicht-Indianern zu vermeiden, versuchte der Bischof von Aguarico, Alejandro Labaca, und eine ihn begleitende Nonne, Hermana Ines, im Juni 1987 die letzte verbleibende Huaorani-Gruppe zu kontaktieren. Einen Tag nach der Begegnung wurden ihre von zahlreichen Lanzenstichen durchbohrten Leichen geborgen.
Die traditionelle Wirtschaft der Huaorani basiert auf den Komponenten Jagd, Feldbau und Sammeln. Die Jagd, Domäne der Männer, wird mit Lanze und Blasrohr betrieben. Wobei die Lanze, die für grosse Landtiere wie Tapire, Hirsche o.
Wildschweine angewandt wurde, ist heute weitgehenst vom Gewehr verdrängt worden. Wie unter den indianischen Jägern des Oriente üblich, benutzen auch die Huaorani meist einen Vorderlader, der seit seiner Erfindung im 16. Jh. praktisch keine technische Erneuerung erfahren hat. Im Gegensatz zur Lanze konnte das Blasrohr nur schwerlich vom Gewehr verdrängt werden, da es den grossen Vorteil hat geräuschlos zu sein. Schon Alexander v. Humboldt bemerkte in seiner unvergesslichen Reise von 1799-1804: “Das Glück wollte, dass wir einen Indianer trafen, der weniger Betrunken war als die anderen und eben beschäftigt war, das Curaregift aus frischen Zutaten zu bereiten.....´Ich weiss´ sagte er, ´die Weissen verstehen die Kunst Seife zu machen und das schwarze Pulver, bei dem das Ueble ist, dass es Lärm macht und die Tiere verscheucht, wenn man sie fehlt. Das Curare.....ist besser als alles, was ihr dort drüben (über dem Meere) zu machen wisst. Es ist der Saft einer Pflanze, der ganz leise tötet´ (ohne dass man weiss woher der Schuss kommt)”. Das Curare, von dem Humboldt hier spricht, ist ein in Amazonien weit verbreitetes Pflanzengift, dass aus verschieden Pflanzen zubereitet werden kann. Die Huaorani benutzen die Rinde einer Liane dafür, deren Saft auf die Blasrohrpfeile gestrichen wird. Die Toxizität dieses Giftes wurde und wird meist übertrieben, reicht aber für die auf Bäumen lebenden Bewohner des Waldes aus (Affen, Vögel), um diese so zu lähmen, dass sie nach kurzer Zeit vom Baum fallen. Der Fischfang spielte für die Huaorani lange Zeit eine untergeordnete Rolle, da die Familienverbände meist auf den Höhenrücken weit ab von den grossen Flüssen lebten. In diese “Rückzugsgebiete” wurden sie wahrscheinlich einst aufgrund der Sklavenjagden von Kautschuksammlern oder auch nachrückenden mächtigeren Indianergruppen, die sich an den grösseren ansiedelten, verdrängt. In den kleinen unzähligen Bächen, die diese Höhenrücken durchschneiden, war nur ein Fischen mit barbasco, einem ins Wasser geträufelten Pflanzengift möglich. Die Ausbeute beschränkte sich somit auf kleine Fische. Heute leben fast alle Huaorani in grösseren festen Ansiedlungen an den breiten Flussläufen.
Dieser Wohnortwechsel führte auch zu Veränderungen im Feldbau. Waren die Möglichkeiten des Anbaus in früheren Zeiten aufgrund der schlechten Fruchtbarkeit der Böden eher begrenzt, lassen die sandigen und besseren Böden an den Flussläufen kontinuierlichen Anbau zu. Mussten die Huaorani früher alle paar Monate ihren Wohnort verlegen weil die Felder nichts mehr hergaben, können sie heute ihre Hauptanbaufrüchte, der süsse Maniok und eine grosse Varietät an Bananen, häufig jahrelang auf ein und demselben Feld bestellen. Die Reichhaltigkeit einer Huaorani-Pflanzung wird noch ergänzt durch Mais, Zuckerrohr, Erdnuss, Zitrusfrüchte, Papaya, Ananas, Avocados, Chilischoten, Medizinalpflanzen, sowie die saisonabhängigen und sehr vitaminreichen Früchte der Chonta-Palme. Mittlerweile pflanzen sie auch ein wenig Cash-Crops wie Kaffee und Kakao an, ohne diese jedoch - im Gegensatz zu den Quichua-Indianern - in bedeutendem Masse kommerziell zu nutzen. Nachdem die Männer das Feld vorbereiten, d. h. alles Strauchwerk und die Bäume gefällt haben, obligt das Pflanzen, die Pflege und die Ernte den Frauen. In ihren Arbeitsbereich fällt auch das Sammeln von Früchten, Beeren und den proteinreichen Larven des Rüsselkäfers. Da sich der Lebensraum der Huaorani fast am Äquator befindet, gibt es zu jeder Jahreszeit ein Angebot an reifen Früchten. Saisonbedingt sind allerdings die
Wasserschildkröteneier, die in der Trockenzeit im Dezember an
Diese Subsistenzwirtschaft der Huaorani hat heute aufgrund der nun schon langjährigen Beziehungen zu Missionaren, Erdölarbeitern, Siedlern, Militärs und Touristen einschneidende Veränderungen erfahren. Zivilisationsgüter, neue Wertvorstellungen und ein neues Konsumverhalten sind die Folgen. Die staatliche Schulbildung löst die herkömmlichen Erziehungsmethoden früherer Generationen ab, und die moderne Medizin sowie deren Versorgung ersetzen die traditionellen Heilpflanzen und Heilmethoden.
Auch die politische Organisation hat sich grundlegend verändert. Die Huaorani, welche nie so etwas wie einen übergreifenden Stammesrat besassen, werden heute von ihrer Anfang der 90er Jahre gegründeten Dachorganisation, der ONHAE (Organización de la Nacionalidad Huaorani de la Amazonía Ecuatoriana) vertreten. Diese lenkt die Geschicke des Volkes und wird dabei sowohl von anderen Indianerorganisationen als auch von ausländischen Nicht-Regierungs-Organisationen unterstützt. Diese Lobby-Verbände indianischer Ethnien sind im Grunde nichts anderes als eine Anpassung indianischen Widerstands an zeitgemässe Formen politischen Lebens. Die traditionellen indianischen Gesellschaftssysteme müssen sich in einen modernen Verwaltungsapparat einfügen. Dies bedeutet, dass die neuen politischen Stammesführer nicht nur die spanische Sprache beherrschen müssen, sondern auch Erfahrung im Kapital und im Rechtswesen besitzen, das Management nach europäischem Vorbild ausrichten, mit der Presse umgehen und Anträge auf Projektfinanzierungen stellen können. Den zur Überlebenssicherung wichtigsten Erfolg erzielten die Huaorani mit der Abgrenzung und beinah abgeschlossenen Legalisierung ihres Territoriums, bevor nachströmende Siedler sich weiter in ihrem Stammesgebiet festsetzten. Der politische Hintergrund der vom Staat propagierten Ansiedlung landloser Bauern aus dem Hochland und von der Küste in Amazonien war einen ein Ventil zu schaffen, dass den Druck der längst fälligen Boden- bzw. Agrarreform im Lande abschwächt, und zum anderen eine lebende Grenze zum verfeindeten Nachbarn Perú zu haben. Trotz des zugesprochenen Territoriums sind die Huaorani jedoch vor dem Zugriff auf ihr Land nicht gefeit. Die Gebietszuerkennung darf nämlich die Erforschung und Ausnutzung von Bodenschätzen, d. h. Mineralien oder Öl, seitens des Staates oder von diesem juristisch autorisierte Personen weder verhindern noch beeinträchtigen. Im Klartext heisst dies, dass die Huaorani gegen die gnadenlose Ausbeutung des so dringend benötigten Rohstoffes Erdöl keine rechtliche Handhabe besitzen. Ihr Gebiet wurde in Konzessionsblöcke eingeteilt und an multinationale Konzerne aus der ganzen Welt vergeben. Durch eine lasche Gesetzgebung, fehlender Kontrollen, sowie der Korruptionsanfälligkeit staatlicher Stellen, sind den Erdölmultis fast keine Grenzen gesetzt. Sie holzen ab, bauen Strassen, und kaufen das Gewissen der Indianer mit Bargeld, Geschenken und sonstigen Gefälligkeiten. Um Kosten zu sparen wird eine völlig überholte Technologie eingesetzt. Dadurch entstehende Umweltkatastrophen wie z. B. berstende Erdölleitungen, die die Flüsse verseuchen und die Fische, eine der Hauptnahrungsquellen vergiften, sind häufig die Folge. Dazu gesellen sich die sogenannten Schwimmbäder, etwa 500qm grosse Löcher im Dschungelboden, die neben jedem der Förderungstürme angelegt werden. Sie enthalten hochgiftige Abfälle wie Formationssäuren, Laugen und Salze, die beim Bohren, Reinigen und Trennen des Erdöls entstehen. Da sie nicht verschlosen sind, laufen sie bei starkem Regen in die nahen Flüsse über. Was übrigbleibt versickert aufgrund fehlender Zementierung langsam ins Grundwasser. Die Antwort der Huaorani auf diese unhaltbaren gesundheitsgefährdenden Zustände waren Demonstrationen in Quito, Bestzungen der Bohrlöcher und Erdölstrassen auf ihrem Land.
Solange es Öl bei den Huaorani zu holen gibt, wird danach gebohrt werden, ganz gleich wie diese dazu stehen. Das einzige was die Huaorani und der internationale Druck erreichen könnten, wird eine ökologisch verträglichere Ausbeutung des Rohöls und der Aufbau eines angemessenen Bildungs- und Gesundheitswesens mit Hilfe der Petrodollars sein. Teilerfolge wurden bereits erzielt. Doch liegt der Weg in eine wirtschaftlich wie politisch gesicherte Zukunft nicht zuletzt an der Fähigkeit, dem Willen und Engagemant der ONHAE-Repräsentanten, Verantwortung gegenüber ihren Stammesmitgliedern zu zeigen. Die Regierung sollte ausserdem den Gegensatz zwischen ihrer rhetorischen Anteilnahme und ihrer praktischen Gleichgültigkeit hinsichtlich indianischer Angelegenheiten erkennen.
Die Huaorani sind nun seit nahezu 40 Jahren in ihrem amazonischen Refugium aufgrund externer aber auch interner Gründe gestört worden. Ihre Kultur unterlag und unterliegt unwiderruflichen Veränderungen. Mit diesen Veränderungen ihrer physischen, sozialen, ideologischen, technologischen und ökologischen Umwelt müssen sie sich auseinandersetzen. Ein Coca-Cola trinkender Huaorani mit Jeans und Baseballmütze bleibt solange ein Huaorani wie er seine Identität nicht verneint, seine Sprache spricht und die Verwandtschaftsbeziehungen nach indianischem Muster pflegt. Aufgrund ihrer Entwicklungsdynamik haben die Huaorani bewiesen, dass sie sich den radikalen Wandlungen anzupassen wissen. Da dieser Dynamik im Modernisierungsprozess das aktive und kreative Handeln des Huaorani zugrundeliegt, darf damit gerechnet werden, dass seine Stimme noch lange zu hören sein wird.
Tourismus im Huaorani-Territorium
Viel zu lange spielten sie nur die Statisten, die für “einen Apfel und ein Ei” die Taschen der nationalen und internationalen Reiseveranstalter füllten. Viel zu lange arbeiteten sie als miserabel bezahlte Dschungelführer, Bootslenker, Tellerwäscher oder nackte Fotomodelle. Für die Huaorani stellte der aufkommende Tourismus jedoch eine Möglichkeit dar mit ihrer “Aussenwelt” in Verbindung zu treten und die von ihnen so geschätzten Zivilisationsgüter wie Kleidung, Metallwerkzeuge, Taschenlampen, Munition oder auch Nahrungsmittel zu erstehen. Im Tourismus zu arbeiten war eine Art Prestigefrage und erhöhte den Status innerhalb der Gruppe. Ähnlich ist es schliesslich auch bei uns, wenn wir von einer langen Reise durch fremde Länder zurückkehren und so mancherlei abenteuerliches zu erzählen haben. Nichtsdestotrotz hat sich die Einstellung der Huaorani dem Tourismus gegenüber in den letzten Jahren gewandelt bzw. weiterentwickelt. Aufgrund der Tatsache, dass der Fremdenverkehr für die Huaorani keinen einen dauerhaften materiellen Segen mit sich brachte, begannen diese dann “Mautgebühren” von den sie besuchenden oder auf den Flüssen vorbeifahrenden Touristengruppen zu verlangen. Das plötzliche forsche Auftreten der Huaorani führte zu grosser Verunsicherung unter den Reiseveranstaltern und nicht wenige zogen sich aus dem Huaorani-Geschäft zurück. Andere hingegen, die sich über diese neugeschaffenen “Wegzölle” einfach hinwegsetzen wollten, wurden von den Huaorani solange am weiterfahren gehindert, bis ihre “Lösegeldforderungen” erfüllt wurden.
Deshalb müssen heute alle Tourismusveranstalter etwas vom grossen Kuchen an die Huaorani abgeben. Einige unterzeichneten sogar Verträge, die die Abgaben genau festlegten. Manche Agenturen errichteten in Zusammenarbeit mit der Huaorani-Dachorganisation oder vereinzelten ihrer Ansiedlungen auch Dschungel-Lodges für die Unterbringung der Touristengruppen. Alles in allem zeigt sich, dass die Huaorani das Tourismusgeschäft ausbauen und unter ihre Kontrolle bringen wollen. Daran wird sich auch in absehbarer Zukunft hoffentlich nichts ändern.
Die meisten Huaorani schätzen den Tourismus als wichtigen Devisenbringer und beste Alternative zur harten Arbeit bei den Erdölgesellschaften, auf den haciendas, oder den miserabel bezahlten Jobs in einer der umliegenden Pionierstädte.
Darüberhinaus kann der Tourismus in Vergessenheit geratene handwerkliche Tätigkeiten und Brauchtümer wiederbeleben. So werden inzwischen wieder traditionelle Gemeinschaftshäuser gebaut, und die jüngere Generation erlernt die Herstellung von Lanzen, Blasrohren, geknüpften Hängematten und Palmfasertragetaschen (shigras) zwecks späterer Kommerzialisierung. Während des Besuches einer Huaorani-Siedlung sollte es der Tourist daher nie versäumen etwas von ihrer typischen artesanía zu erwerben, wie z. B. Blasrohre oder mit bunten Federn geschmückte Lanzen, die auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Grösse reduziert wurden um diese somit besser im Rucksack unterzubringen. Die aus den Fasern der Chambira-Palme gefertigten shigras gelten hierbei als einmaligs Zeugnis amazonischer Handwerkskunst.
Auch vom ökologischen Aspekt her kann der Tourismus eigentlich nur von Vorteil sein. Viele Huaorani beschränkten in diesem Zusammenhang auch die übermässige Jagd auf Wild zwecks Fleischverkauf, da der Tourist es liebt freiliebende Tiere zu beobachten. Manche Siedlungen richteten sogar Schutzzonen ein, in denen nicht gejagt werden darf. Dadurch wandelte sich auch die vielfach übliche Praxis mancher Tourismusveranstalter während der Dschungeltouren bedingungslos zu jagen und fischen, oder reichlich anfallenden Müll einfach ins Dickicht zu schmeissen. Trotzdem ist nicht jedes Reisebüro, dass einen ökologisch vertretbaren Tourismus verspricht, auch wirklich darauf ausgerichtet. Ecoturismo heisst in Ecuador das neue Zauberwort, welches nur allzu häufig von Fauna-, Flora- und Kultur verachtenden Veranstaltern dazu benutzt wird, Fauna-, Flora und Kultur interessierte Touristen anzulocken. .
Wie und mit wem eine Abenteuertour ins Huaorani-Territorium unternommen werden soll, hängt in erster Linie von den gestellten Ansprüchen, den finanziellen Möglichkeiten, und der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Wobei die Reise entweder zu Fuss, mit dem Einbaum, dem Motorkanu, der avioneta (kleine Cessena-Buschflieger), oder auch einer Kombination aus diesen stattfindet. Die Preise für eine Tour belaufen sich je nach Fortbewegungsmittel, Dauer, Teilnehmerzahl, sowie den Serviceleistungen und der Exklusivität des Anbieters, zwischen 40 und 450 USD pro Tag und Person. Wobei der Tourist bei fast allen Touren unbedingt an eine eigene Erste-Hilfe-Ausrüstung denken sollte.
Hinsichtlich eines falschen Medikamentengebrauchs muss auch darauf hingewiesen werden, dass ohne vorherige Konsultierung des jeweiligen Gesundheitsbeauftragten einer Kommune, unter keinen Umständen Medikamente an die Huaorani verteilt werden dürfen.
Low Budget Reisende, die die Huaorani besuchen wollen, wenden sich am besten an der kleinen agencias in Coca, Puyo, Baños oder Misahuallí, wobei eigentlich keine aufgrund ihres Angebotes besonders erwähnenswert wäre. Als Touren-Tip für das von Quito aus relativ nahe gelegene Dschungeldorf Misahuallí (6-7 Busfahrt) sei z. B. der dort beheimatete Abenteuerorganisator, Huaorani-Kenner und waschechte Dschungelexperte Luis Duarte empfohlen, welcher preiswerte und zuverlässige Führer für Huaorani-Touren an der Hand hat, falls er eventuell aus Zeitgründen oder anderen Verpflichtungen die Gruppe nicht selbst leiten kann. Ausgangspunkt seiner Expeditionen (nichts für Zimperliche) ist der Río Napo, von wo aus es zunächst auf einem harten zweitägigen Fussmarsch durch jungfräulichen Urwald bis an eine Huaorani-Siedlung am oberen Río Shiripuno geht, um dann flussabwärts per Einbaum oder selbstgebautem Floss immer tiefer ins Huaorani-Territorium einzudringen. Luis kann im Hotel “Balcón del Napo” in Misahuallí kontaktiert werden.
Wer ausschliesslich mit Huaorani-Indianern unterwegs sein möchte, sollte sich in Misahuallí, Coca oder Puyo nach ihnen umschauen. In der schmutzigen, unansehnlichen Pionierstadt Coca am Río Napo, kann man sie mit etwas Glück auf der Terrasse des Hotel “Auca” kontaktieren. Im geschäftigen Puyo besteht die Möglichkeit direkt bei ihrer Dachorganisation ONHAE anzurufen (Tel. 03 - 795240, 8-17 Uhr), welche Infos über beabsichtigte Touren erteilen kann. Hierbei gilt es jedoch zu bedenken, dass trotz des aufrichtigen Engagements seitens der Huaorani und ihren unterschiedlichen Organisationen (Ausbildungskurse für den ungewohnten Umgang mit Touristen), diese grösstenteils noch nicht das richtige Fingerspitzengefühl entwickelt haben, um auf die besonderen Wünsche und Bedürfnisse eines mitteleuropäischen Touristen einzugehen. Ddies könnte sich z. B. in der Überschätzung der physischen wie psychischen Grenzen des Fremden auswirken (Marschstrapazen, schlafen in Hängematten, etc.), sowie andere ungewohnte Dinge, die sich dem Verständnis des Touristen völlig entziehen. Dazu kommt meist noch das Fehlen eines Zeitplanes oder Programmablaufes, eine wildfremde Verpflegung (z B. die köstlich erfrischende chicha), sowie mögliche Verständigungsschwierigkeiten. Nichtsdestotrotz kann so eine Dschungeltour vielleicht gerade deshalb zu einem unvergesslichen, exotisch authentischen wie spirituellen Erlebnis werden. Ausserdem kommen die harten Dollars für so eine Tour ausschliesslich den Huaorani, und nur den Huaorani zugute. .
Wer glaubt auf eigene Faust ins Huaorani-Territorium reisen zu können, muss an dieser Stelle unbedingt eines Besseren werden. Von erlittenen, mitunter sehr schwer zu heilenden Gesundheitsschäden bei erfolgter Rückkehr in die Zivilisation einmal abgesehen (z. B. seltene bösartige Infektionskrankheiten), finden es weder die Huaorani noch die um ihr Territorium stationierten Militärs besonders witzig, einen Gringo ohne schriftliche Erlaubnis der Huaorani-Dachorganisation in diesem abgelegenen umstrittenen Grenzgebiet anzutreffen. Dies allein schon aufgrund der nachwievor frischen Erinnerungen an den 1995 stattgefundenen Cenepa-Krieg mit Perú. Auch so vielversprechende Tourenangebote äusserst fragwürdiger Veranstalter, welche zwecks Geldmacherei damit prahlen die letzte verbliebene, noch völlig unbefriedete Huaorani-Untergruppe namens Taegaeri zu besuchen, sind nichts weiter als puro cuento, bzw.hahnenbüchener Blödsinn. So ein Vorhaben ist absolut unmöglich, da allein schon jeder bisherige, wissenschaftlich orientierte Versuch diese rebellische Gruppe zu kontaktieren, unweigerlich in einem Blutbad endete. Niemand sollte für solch ein verlockend aktionsgeladenes Angebot Verständnis zeigen, die Taegaeri mit Sicherheit am allerwenigsten.
Wer eine zuverlässige, wie auch spannend organisierte Tour ins Huaorani-Territorium unternehmen möchte, sollte sich in Quito an folgende seriöse Veranstalter wenden. Alle diese agencias arbeiten eng mit den Huaorani und deren
Verwaltungsinstanzen zusammen:
Kempery Tours ist ein von Vicente Sevilla und seiner schweizerischen Frau Monika geführtes Unternehmen. Sie befahren die wildreichen Gebiete der Flüsse Tigüino u. Cononaco. Der artenreiche Yasuní-Nationalpark kann ebenso besucht werden. Am Ufer des Río Tigüino besitzt das jungdynamische Unternehmerpaar eine einfache wie ausreichend komfortabel ausgestattete Urwald-Lodge, die in Zusammenarbeit mit den “orientalen” Anwohnern in traditioneller Naturbauweise errichtet wurde. Eine Art vielversprechende Symbiose aus privatwirtschaftlichen und gemeinnützigen indianischen Interessen. Nach 15-jähriger Laufzeit wird die Lodge automatisch in den Besitz der dort ansässigen Huaorani übergehen. Preise ab Coca: 4 Tage / 3 Nächte etwa 240 USD pro Person, 5 Tage 280 USD, 6 Tage 330 USD, 8 Tage 400 USD, 10 Tage 500 USD. Eine zusätzlich erhobene Gebühr von 20 USD pro Teilnehmer kommt sowohl der Huaorani-Kommune Tigüino als auch ihrer Dachorganisation zugute. Joaquín Pinto 539 y Av. Amazonas, Tel. 226583, Telefax 226715, Fax 568664.
Safari Tours des sympathischen Briten David Gayton. Seine ethnologisch wie faunistisch interessanten Touren führen u. a. entlang des Río Shiripuno, an dessen Ufern gleich mehrere Huaorani-Kommunen liegen. Die Tourpreise richten sich je nach der Teilnehmerzahl: Bei 2 Pers.140 USD pro Tag u. Pers., 3 Pers. 114 USD, 4 Pers. 98 USD, 5 Pers. 85 USD., 6-8 Pers. 75 USD. Calama 380 y Juan León Mera, Tel. 552505, Fax 223381, Roca 630 y Amazonas, Tel. 234799, Fax 220426.
Caento ´s Expeditions von Samuel Caento Padilla, dem Sohn von Dayuma, einer legendären Huaorani-Führerin. Einzig ihr hatten es vor 40 Jahren Evangelisten zu verdanken den ersten friedlichen Kontakt mit einer Gruppe Huaoraní aufzunehmen. Seine abgelegene Urwald-Lodge befindet sich in der Nähe von Toñampare, der heute bevölkertsten Huaorani-Siedlung, wo auch ein Grossteil seiner Familie lebt. Im Tourpreis ist der Hin- u. Rückflug Puyo (Shell) - Toñampare - Puyo inbegriffen. Caento spricht fliessend Huaorani, Quichua, Spanisch und Englisch. Ein 5 Tage / 4 Nächte Paket kostet etwa 600 USD pro Person. Tel. 401178, Fax 569890.
Tropic Ecological Adventures des Briten Andy Drumm, gleichzeitig Präsident der ekuadorianischen Gesellschaft für Ökotourismus in Amazonien, und pausenlos im Einsatz wenn es darum geht den umwelt- u. menschenverachtenden Ausbeutungsmethoden der Erdölmultis auf die Spur zu kommen und diese zur Schau zu stellen. Seinen exklusiven Touren nehmen als Ausgangsbasis eine Urwald-Lodge nahe der Huaorani-Kommune Queheire-Ono. Die abenteuerlichen Tourpakete beinhalten einen halbstündigen Flug mit einer Sportmaschine, von Puyo (Shell) ins Huaorani-Territorium.
sowie einen ebenso langen Düsenflug von Coca nach Quito. Die Preise entsprechen der Teilnehmerzahl, Aufenthaltsdauer und dem jeweiligen Programmangebot. Z. B: 6 Tage / 5 Nächte Amazon Headwaters with the Huaorani kosten bei 5-8 Teiln. um die 800 USD pro Pers., bei 4 Teiln. 900 USD, bei 3 Teiln.950 USD, bei 2 Teiln. etwa 1.300 USD. In Quito: Av. República 307 y Almagro, Edif. “Taurus”, Dpto. 1-A, Tel. 225907, Telefax 560756.
An der Küste
Während der frühen Kolonialepoche wurde die tropische Küstenebene zunächst von vereinzelten Einwanderern aus Europa besiedelt. Mit ihren Familien liessen sie sich auf kleinen abgelegenen fincas nieder, oftmals in der Nähe von Indianerdörfern. Der im 18. Jh. einsetzende Ausbau von Monokulturen, und die Öffnung neuer Weltmärkte im 19. Jh., beschleunigte dann die Konsolidierung des latifundio costeño. Massive Landkäufe, Zwangsenteignungen, d. h. ausserrichterliche Übergriffe auf deklariertes Brachland, nicht zuletzt grausame Menschenhetzjagden, eingeschleppte Epidemien, sowie die “Einfuhr” mittelloser Hochlandindianer zwecks dringend benötigter Arbeitskräfte auf den wachsenden Kakao-, Tabak-, Reis- u. Baumwollplantagen, sorgten für das rasche Verschwinden dieser Eingeborenengruppen, bzw. verursachten deren weitreichende mestizaje.
Drei verbliebene, inzwischen jedoch stark dezimierte indianische Volksgruppen, sind heute noch im nördlichen Küstenbereich anzutreffen. Hierzu gehören die im kolumbianischen Grenzgebiet lebenden Awa (“Menschen”), welche jenseits der frontera auch als “Kwaiker” o. “Coaquier” bezeichnet werden. Auf ekuad. Seite gibt es etwa noch 1.600 Mitglieder dieser spracheigenen Ethnie. Zwischen den Flüssen Mira, San Juan, Mataje u. Tulubí, in den Provinzen Carchi und Esmeraldas, und in der Region um Lita (Prov. Imbabura).
Die 2.000 Mitglieder zählenden Tsáchilas bevölkern eine regenreiche Zone im äusserst südwestlichen, subtropisch-tropischen Teil der Provinz Pichincha, unweit der chaotisch geschäftigen Agrarmetropole Santo Domingo (de los Colorados). Die Tsáchilas werden aufgrund ihrer roten exzentrischen Haartracht landläufig auch als Colorados bezeichnet. Wobei ihre gesteiften, helmartigen Frisuren, durch das Einfärben mit der Achiote-Baumfrucht entstehen, die sie ebenso zur Körperbemalung benutzen. Trotz intensiver Kontakte und fortschreitender mestizaje, konnten die sieben selbstverwalteten Colorado- Kommunen Elemente ihrer kulturellen Identität bewahren, bzw. wiederbeleben.
Ausser der “punkigen” Haarmode gehört dazu auch ihre intern gepflegte Sprache, das tsafiqui, sowie altüberlieferte schamanische Heilsrituale, die schon so manchem curandero grossen kommerziellen Erfolg beschienen haben. Der traditionelle manpe tsanpá hingegen, ein von den Männern getragener, blau-weiss gestreifter Rock, wird inzwischen jedoch nur noch für überteuerte Touristeneinlagen übergezogen. Auch die barbusigen, mit einem farbenfrohen túnam bekleideten Frauen, können heute lediglich auf Ansichtskarten bewundert werden.
Die als Chachis o. a. Cayapas bezeichnete Ethnie besiedelt in erster Linie die Uferbereiche der wasserreichen Flussysteme des Río Cayapas und Río Onzole in den feucht-tropischen Regenwäldern der nordöstlichen Esmeraldas-Provinz, sowie in weit geringerem Umfang auch das gebirgige Hinterland von Muisne. Die etwa 4.000 Mitglieder zählende Volksgruppe stammte ursprünglich aus dem nördlichen Andenhochland (heutige Prov. Imbabura), von wo sie aufgrund der Kriegswirren im Zuge der Inka-Eroberung und den bald daraufhin einmarschierenden Spaniern geflüchtet waren. Um als eigenständiges Volk heute überlebensfähig zu bleiben, haben sich die Chachis zu einer Art Konföderation zusammengeschlossen, die sich aus 13 Kommunalzentren zusammensetzt. Trotz lange zurückgreifender Kolonisierung durch schwarze und neuerdings auch gemischtrassige Bevölkerungsgruppen, haben die “modernen”, meist westlich gekleideten Chachis, einige wesentliche Merkmale ihrer kulturellen Identität bewahren können. So sprechen sie untereinander das sogenannte chapalachi, dass im Zuge der Anpassung an die Aussenwelt mit spanischen Brocken bereichert wurde. Eines der grössten Probleme, dem sich der heute stark gefährdete Volksstamm gegenübergestellt sieht, ist neben der massiven, multinational gelenkten Abholzung ihrer angestammten Urwälder, ein extrem hoher Grad an tropischen, oftmals durch mosquitos übertragener Krankheiten wie z. B. der Malaria. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die bislang unheilbare oncocerosis, durch den Stich der “juro”-Mücke verursacht, und die zwangsläufig zur völligen Erblindung führt. An den verheerenden Auswirkungen leidet inzwischen ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil der Chachis!
von Volker
Feser, Reisebuchautor
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