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| Guayaquil |
Chaotisches Guayaquil, schrilles tropisches Wirrwarr, heiß und schweißtreibend nach Sonnenaufgang, dickflüssig und zäh wie Kakaosatz, süß und still unter schattenspendenden Jacarandabäumen, laut und irre wie die von Merengue-Musik durchdröhnten furgorutas (Minibusse), welche auf wunderlich aufregende Weise in alle Richtungen dieses scheinbar undurchschaubaren Labyrinths brausen.
“Südlichster Hafen der Karibik” nannte ein unbekannter eingewanderter Schreiberling einmal zärtlich die stickige Metropole am mächtigen Río Guayas. Definitiv nicht der richtige Ort für typische “Kulturreisende” oder Touristen, die nur besonderen Wert auf beschauliche Landschaften legen.
Dennoch als Kurzbesuch interessant für Leute, die sich von dieser “lateinamerikanischsten” aller ekuadorianischen Städte ein Stück vom kontrastreichen Alltag mit nach Hause nehmen möchten, oder eventuell einen unfreiwilligen Zwischenstop bei einem Galápagos-Quito Flug einlegen müssen.
Das Kulturgebilde Guayaquil wird nicht in einem kunstvollen Rahmen oder auf einem malerischen Indiomarkt in der Zeit festgehalten. Kultur ist Lebens-, ist Überlebensstil, und jeder, auch Du bist ein Teil davon! Jorge Velasco Mackenzie, Guayaquileño, und seit den Achtzigern einer der renommiertesten Schriftsteller des Landes, bemerkte einmal auf einer Vorlesung im Teatro Experimental: “Mein wirkliches Guayaquil liegt in meiner Erfindungsgabe, die sich durch meine Worte zusehends verändert.”
Der umschlagsstärkste Handels- und Ausfuhrhafen der südamerikanischen Pazifikküste, Industriezentrum und Wirtschaftsmotor, ist rein architektonisch betrachtet alles andere als ein Juwel. Da geben selbst die Gotteshäuser nicht allzu viel her (Ausnahmen bilden die Catédral u. die Frontfassade der Iglesia de Santo Domingo). Dennoch haben ein paar wenige Nischen und Eckchen ihr reizvolles exotisches Flair aus längst vergangenen Tagen bewahren können. So gibt es vielleicht noch ganze 200 Gebäude neoklassizischtischen Stils wie das Municipio (Rathaus), die beiden Zeitungsverlagshäuser des Telégrafo und Universo, die Bomberos (Feuerwehr), das Hospital Luis Vernaza oder das niederländische Konsulat.
Ebenso findet man vor allem im Stadtteil Las Peñas noch einigermaßen intakte Reste ornamentaler Holzstrukturen aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Ansonsten überwiegen schmucklose Fassaden und mehrspurige Einbahnstraßen, die es bei einem touristischen Rundgang zu überqueren gilt, und sich als lebensgefährlich herausstellen könnten.
Manch unbestimmter Geruch aus irgendeiner abscheulich bunten Rinnsteinpfütze steigt einem unweigerlich entgegen. “Es muß wohl am Fluß liegen.....” meinen nicht wenige der humorvoll aufgeweckten Guayaquileños, welche sich auch schon mal leicht selbstspöttelnd Guayacos oder gar monos (Affen) schimpfen, und deren Spontanität, geschäftiger Individualismus, sowie starker Hang zur Übertreibung höchstens von einer noch größeren Portion Überlebensinstinkt übertroffen zu werden scheint.
Tatsächlich finden sich die langgestreckten schachbrettmustergleichen Straßen fast alle am großen Strom wieder, welcher gemächlich dahintreibend seit jeher geduldig den Puls von Zeit und Raum angibt.
“Für soviel Böses reichen die Tränen nicht aus”
Guayaquil hatte zweifelsohne eine schwere Geburt und noch traumatischere Kindheit. Nach alter Überlieferung aus dem Tsafíqui, der Stammessprache der tapferen Huancavilca, bedeutet der Name etwa soviel wie Nuestra Casa Grande (“Unser großes Haus”).
Von den Inkas verschmäht, wurde es von den Spaniern gleich mehrmals “gegründet”. Zuerst durch den Capitán Sebastián Benalcazar am 25. Juli 1535 als Santiago de la Culata, dann ein Jahr darauf durch Francisco de Zaera, noch einmal zwei Jahre später durch Francisco de Orellana als Villa de Santiago de Guayaquil, und widerum 1542 durch Diego de Urbina, nachdem ein erneuter Indianeraufstand das prekäre Dörfchen zu Füßen des Santa Ana Hügels dem Erdboden gleich gemacht hatte. Es bestand anfangs nur aus einer einzigen Straße, der heutigen Numa Pompillo Llona, um die sich ein paar wacklige Hütten auf Stelzen scharten. Ganze 25 spanische Soldaten und ebenso viele Zivilisten waren neben den Indios allen erdenklichen Widrigkeiten der feuchtheißen, vipern- und moskitoverseuchten pantanos (Sümpfe) und manglares (Mangrovenwälder) ausgesetzt.
Während des 17. Jhs. wurde die Villa mindestens ein halbes dutzend Mal Opfer blutrünstiger Piratenüberfälle seitens holländischer und englischer Korsaren. Erwähnenswert hierbei vielleicht die berüchtigten Seefahrer Woodes Rodgers, Jacob L’Hermite und Robert Cavendish.
Insgesamt fünf große Brandkatastrophen verwüsteten Guayaquil im Lauf der Jhte. - 1632, 1636, 1764, 1902 der letzte und 1896 der verheerendste, als 25.000 Menschen obdachlos wurden. Dadurch blieb von den herrschaftlichen Mansionen aus Holz und guadúa, jener Belle Epoque der Kakao-, Kaffee-, Tagua-, Tabak- und Zuckerrohrbarone absolut nichts übrig.
Ebenso überstanden die Guayaquileños, Pioniere und Protagonisten bei allen entscheidenden Transformationen seit Bestehen der kleinen Republik, in den Jahren vor und nach der Unabhängigkeitserklärung vom 9. Oktober 1820 mehrere Hafenblockaden, Bombardements und Besetzungen seitens der Peruaner.
1842 wütete eine Gelbfieberepidemie, die unzählige Tote forderte. Der Poet, Mediziner u. zugleich erste Bürgermeister der Stadt, José Joaquín de Olmedo, schrieb in einem Brief aus jenen Tagen: “Für soviel Böses reichen die Tränen nicht aus.” Es folgten Diktaturen, liberale Umstürze (Eloy Alfaro), Arbeiteraufstände, sowie politische und wirtschaftliche Krisen.
Ende des 18. Jhs. noch ganze 8.000 Einw., zählte die Stadt fünfzig Jahre später 20.000, und Reisende berichteten schon damals von ihrer belleza, (Schönheit), der Großartigkeit des breiten Flußes, den hohen Palmen und Algarrobobäumen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. wurde dann die Banco Central del Ecuador gegründet, glühten die ersten elektrischen Straßenlaternen, die erste tranvía (Straßenbahn) bimmelte übers Kopfsteinpflaster, und José Rodríguez Lavandra versuchte in einem selbstgebastelten Unterseeboot den Río Guayas zu durchtauchen. Nach jahrelanger Bauzeit und jahrzehntelanger Planung fuhr Eloy Alfaro am 17. Juli 1908 mit der ersten Dampflok triumphierend in Quito ein, und der Pilot Elia Liut überflog 1921 mit dem Doppeldecker El Telégrafo die Anden. Tausende von Einwanderern aus China, dem Libanon, der Schweiz, Deutschland, Holland, England und Skandinavien ließen sich nach der Jahrhundertwende nieder. Elegante Zementgebäude begannen das Stadtbild zu verändern. Der in Guayaquil geborene Erzähler José de la Cuadra schwärmte während der 30er Jahre noch nostalgisch von den luftigen Holzhäusern mit ihren verspielten Terrassen und Balkönchen, welche es jedem verliebten Jüngling erleichterten seiner angebetenen Julia ein Ständchen zu bringen. Gewiß konnten nächtlich geflüsterte Verse schwerlich bis ins achte Stockwerk gelangen.
1950 hatte Guayaquil etwa 250.000 Einw. und den Aspekt einer gemütlichen Hafenstadt mit viel Flair. Ende der 70er und vor allem während der 80er Jahre sah sich dann der bereits zur Millionenstadt angewachsene astillero (Überseehafen) massiven illegalen Invasionen gegenüber, als skrupellose Grundstücksmafiosi im Zuge der anhaltenden Landflucht aus den Küsten- und Hochlandprovinzen die ameisenartigen Slumgürtel ermöglichten, welche allgemein als tierra de nadie, Niemandsland betrachtet werden. Die ersten pandillas, gewalttätige Jugendbanden, deren Zahl auf über 2.000 ansteigen sollte, traten in Aktion und verbreiteten Angst und Schrecken. Guayaquil galt schlechthin als gesetzlos, als ciudad abandonada, von allen guten Geistern aufgegeben. Müllberge, Denguefieber und Tollwut taten ihr übriges zum schlechten Ruf der einstigen Perla del Pacífico.
So wurden vom 1996 mit einer Zweidrittel-Mehrheit wiedergewählten alcalde (Bürgermeister) León Febres Cordero, kurz LFC, allerlei Projekte in die Wege geleitet. Die schlampige städtische Müllabfuhr wurde privatisiert, der malecón (Uferpromenade) und einige Parks verschönert, Straßen geteert, Brachland erschlossen und Sümpfe aufgeschüttet. An begrünten Flächen fehlt es jedoch nachwievor, und historische Holzfassaden werden den Würmern überlassen. Die offensichtlich dringenden Bedürfnisse der Stadt schufen andere Schwerpunkte. Das teils völlig marode Trink- und Abwassersystem wurde mancherorts verbessert, und die selbst für Südamerika drastisch hohe Kriminalitätsrate konnte gesenkt werden. Zwei Tunnels durch die Cerros del Carmen und del Santa Ana für ein zehn Kilometer langes Anschlußstück des bereits fertiggestellten Stadtrings Perimetral stehen kurz vor Baubeginn und sollen den chaotischen Verkehr entlasten. Ebenso ist in den nächsten Jahren eine zweite Brücke über den Guayas (Av. Olmedo - Isla Santay), eine Erweiterung des malecón (Uferpark), ein Oberleitungsbus, ein Ökopark auf der Insel Santay und ein neuer Flughafen geplant. Konsequenterweise erlebt die Stadt heute eine Art erneuten Investitionsboom, dabei treu ihrer alten Tradition folgend: “libre e independiente por la voluntad y el esfuerzo de sus propios hijos” (“frei und unabhängig aufgrund des Willens und der Anstrengung seiner eigenen Kinder”). Oder wie dies ein populärer Slogan der amtierenden Stadtverwaltung auf einen einfachen Nenner zu bringen weiß: “Guayaquil vive por tí”, “Guayaquil lebt dank Dir!”. Wobei offensichtlich nicht der Bürgermeister, sondern ein jeder einzelne gemeint ist.
Übernachten
Bei der großen Auswahl an Hotels bleiben jedoch nicht allzu viele, wo auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Die meisten sind entweder überteuert oder schlichtweg zu derbe. Sogenannte Budget-Hotels werden zudem oft von cucaracha-Heerscharen (Kakerlaken) heimgesucht. First-Class Hotels haben andererseits wieder günstige Wochenendtarife, welche einen zwei Nächte-Aufenthalt schmackhafter machen sollen. Wie dem auch sei, eine zentral gelegene und einigermaßen komfortable Bleibe scheint in jedem Falle die vernünftigste Lösung sich vom Guayaquil-Fieber erholen zu wollen, ohne dabei gleich extrem tief in die Tasche greifen zu müssen. Air Condition (in besseren Hotels selbstverständlich) ist hauptsächlich in den schwülen Regenmonaten von Jan. bis April unerläßlich, da diese auch dazu beitragen, die dann auftretenden Moskitos zu verscheuchen. Ansonsten ist der Lärm der Dinger eher als lästig zu empfinden. Ventilatoren tuns genauso gut und sind außerdem gesundheitsfördender.
Essen:
ist in Guayaquil nicht weiter schwierig. Leckerste Meeresfrüchte in all seinen Varianten, pompöse Steakhäuser, Neon-Pizzerías, Chaulafan-Chinesen, Schweinekutteln a lo criollo oder sophistizierte Hamburger, es ist für jeden Geschmack und Geldbeutel was dabei.
Sehenswertes - ein Rundgang
Die Tour beginnt mitten im Herzen der City, dort wo sich die meisten touristisch interessanten Hotels befinden. Für diesen Rundgang, welcher zudem einen kompletten Kreis beschreibt, sollte ein ganzer Tag veranschlagt werden. Die hier beschriebenen Straßen sind tagsüber relativ sicher. Trotzdem ist es bei ganz besonders “gringomäßigen” Touristen, welchen die Kameras schon offen um die Bäuche baumeln, vorzuziehen in Gruppen aufzutreten. Früh losgehen lohnt sich insofern als daß es gegen Mittag bereits sehr heiß und schwül werden kann, während der Asphaltbelag unter den Schuhsohlen aufzuweichen scheint. Wem die Lauferei plötzlich zu mühsam werden sollte, kann jederzeit ein billiges Taxi herbeiwinken und das folgende Ziel auf bequemerem Wege erreichen. Zur besseren Orientierung siehe Stadtplan!
Parque Seminario: Auch Parque Bolívar oder Parque de las Iguanas genannt, feierte vor kurzem sein hundertjähriges Bestehen. Der Metallzaun, der den Park umschließt, stammt aus den Tullerien von Paris.
Toll sind die Landleguane (iguanas terrestres), welche nachmittags von den Bäumen steigen um sich mit Früchten und Salatresten aus den umliegenden Hotels füttern zu lassen. Auf dem Nísperobaum unweit vom Teich sitzen mitunter die allergrößten Exemplare. Ebenso ein Reiterstandbild von Simón Bolívar, eine uralte Gartenlaube (glorieta), zwei eiserne kämpfende Eber von der chinesischen Kolonie gestiftet, Eichhörnchen, Wasserschildkröten und viel Atmosphäre. Der kleine Park ist ein romantisches Örtchen im bienenartigen Getummel der Millionenstadt und Treffpunkt für Liebespäarchen und zeitungslesende Pensionäre. 10 de Agosto und Chile, geöffnet von 9 Uhr morgens bis manchmal nach Einbruch der Dunkelheit.
Gegenüber des Parks befindet sich die Catédral, gänzlich im neugotischen Stil gehalten, deren Marmorplatten für den Hauptaltar aus den Provinzen Azuay und Cañar stammen. Allein schon des kühlenden Ambiente wegens ist das schöne Kircheninnere einen Besuch wert!
Der Avenida 10 de Agosto oder Clemente Ballén, welche den Park begrenzen, in Richtung Osten folgend, gelangt man nach drei Querstraßen an den Malécon: Mit tropischer Flora und manchmal einem ankernden Segelschulschiff geschmückte Uferpromenade am Río Guayas. Der wuchtig graue Palacio Municipal (Rathaus) wurde von Maccaferri im ital. Renaissance Stil entworfen (1924-28); direkt daneben der vom gleichen Architekten konstruierte Palacio de Gobernación (Provinzregierungssitz) von 1922. Genau gegenüber ist der maurisch-byzantinische Uhrturm La Torre Morisca, welcher 1843 aus Holz errichtet und 1932 rekonstruiert wurde.
Äußerst kurios ist hierbei, daß die Zeiger für einige Jahre zum Stillstand kamen, als der für dessen Unterhaltung zuständige Glöckner verstarb. Sie tickten erst wieder, nachdem ein Familienmitglied des Verstorbenen dessen Posten übernahm. Die “gute Seele” des Uhrturms ist heute Doña Antonieta Tagle, welche trotz ihrer Jahre die Besucher noch höchstpersönlich über die steile Metallwendeltreppe hinaufführt. Kopf einziehen! Die alte Dame, “de pura cepa guayaquileña”, freut sich immer über sprachgewandte Touristen, welche ihr bitte allerherzlichste Grüsse vom Autor ausrichten sollen!
Ein bißchen weiter nördlich befindet sich das den beiden Unabhängigkeitshelden Simón Bolívar und San Martín gewidmete Monument La Rotonda, Wahrzeichen der Stadt, daß ein historisches Treffen vom 26. Juli 1822 darstellt, als die beiden Libertadores (Befreier) vor allem über die Zukunft Perus und Großkolumbiens beratschlagten. Der Venezolaner Bolívar wollte eine vereinigte Republik vom Río Grande (Mexiko) bis nach Feuerland, während der Argentinier Martín für die südamerikanische Monarchie eintrat. Beide scheiterten schlußendlich in ihrem Vorhaben. Martín endete im Exil in Frankreich, während Bolívar wahrscheinlich aus Verzweiflung über die nicht zu verhindernde Aufspaltung Selbstmord in seiner Heimat beging.
Das mit 34 Stockwerken höchste Gebäude Ecuadors, schräg gegenüber der Rotonda, gehört zur Banco de la Previsora. Es gilt als erdbebensicher!
Eine Viertelstunde weiter nördlich dem malecón entlang liegt am Fuße des Santa Ana Hügels der recht heruntergekommene Stadtteil von Las Peñas, dessen verzierte Holzhäuser teilweise aus der Jhw. stammen. Leute von Rang und Namen haben seitdem da gewohnt. U. a. der Ex-Präsident Arroyo del Río, Antonio Neumane (Verfasser der Nationalhymne), sowie der comandante Ché Guevara, welcher hier fünf Wochen verbrachte. Es handelt sich praktisch nur um eine einzige Straße, der Numa Pompillo Llona, da der restliche Bezirk von Las Peñas dem Besucher aus Sicherheitsgründen nicht empfohlen werden kann. Bisherige Projekte hinsichtlich einer touristischen Wiederbelebung verliefen offensichtlich im Sande. Einerseits ist die Gegend seit Bestehen eines neuen Polizeipostens (PAI) beim Orellana-Denkmal (Plaza Colón) sicherer geworden. Andererseits unterhalten einige renommierte Maler u. Skulpturisten wie Luis Lara, Gonzenbach, Andrade o. Gaviría kleine Galerien in Las Peñas. Der seit vielen Jahren ansäßige deutsche Expressionist Ricardo Florsheim (Numa Pompillo Llona 196) gehört hierbei mit seinen 73 rüstigen Jahren zum erlesenen Kreis des Künstlerviertels, wenn schon gar nicht zum alten Eisen. Seine teils urbanen Milieubilder haben auf ungezählten Ausstellungen landesweiten und internationalen Anklang gefunden.
Am Eingang zur Numa Pompillo Llona befindet sich La Planchada, ein aus zwei alten Kanonen bestehender Aussichtspunkt, Zeugnis der freibeuterischen Vergangenheit Guayaquils. Gleich davor an der Ecke Vernaza/Malecón ist das Café Epocas, wo neben kaltem Bier und Drinks auch ein anständiger Kaffee oder ein preisgünstiges Mittagessen serviert wird.
Nächste Station auf unserem Rundspaziergang könnte das Feuerwehrmuseum Museo de los Bomberos in der Calle Gral. Vernaza sein, 3 Min. von La Planchada in Richtung Westen. Löschwagen von anno dazumal, alte Pickelhauben, silberne Trompeten, historische Hydranten, zerfetzte Gastanks und viel Feuerwehrgeschichte gehören zum Repertoire.
Die Öffnungszeiten der Privatsammlung eines ehemaligen bombero sind mitunter aber etwas verwirrend. Falls nicht gerade besondere Festlichkeiten wie die der Independencia oder der Stadtgründung angesagt sind, hat das urige Museum oft nur sonntagvormittags geöffnet. Das Gebäude nennt sich Jefe Hurtado, ist die ehemalige wie auch heutige Wasserversorgungsstelle der Feuerwehr. Nachschauen kostet nichts, die kleine Sehenswürdigkeit liegt sozusagen auf dem Weg, und der Eintritt ist frei.
La Iglesia de Santo Domingo: ein paar Meter weiter westlich des Feuerwehrmuseums, hinter dem Open-Air Theater Juan Pueblo, ist das älteste und nach aussen hin schönste Gotteshaus der Stadt, welches an dieser Stelle zu Füßen des Cerro del Carmen im Jahre 1548 konstruiert wurde. Beim großen Brand von 1896 wurde die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört, und erst 1938 wiederaufgebaut. Eine ein Meter dicke Mauer soll das einzige sein, was der Stadt aus der Gründerzeit erhalten geblieben ist. Auch unter dem Namen San Vicente Ferrer bekannt.
El Mercado Artesanal (Kunsthandwerksmarkt) liegt zw. der Calle Loja im Norden und der Calle Juan Montalvo im Süden, bzw. der Gral. Córdova im Osten und Baquerizo Moreno im Westen, unweit der Kirche Santo Domingo.
Das völlig schmucklose parkhausähnliche Gebäude nimmt einen ganzen Block ein und läßt nicht im entferntesten auf artesanía schließen. Trotzdem beherbergt es über 200 kleine Geschäfte, die populäres Kunsthandwerk, typische Folkloreartikel und preiswerte Souvenirs aus Holz, Leder oder Keramik anbieten. Riesige Segelschiffe aus schwarzem Korall gibt es übrigens auch. Kein Wunder, daß das Zeug als “praktisch ausgestorben” gilt. Lustig sind die kleinen aus Hölzchen u. Pappe minuziöst gebastelten Küstenpfahlhäuschen, eine Spezie tropischer Hänsel & Gretel - Hütten (zw. 3 u. 8 USD). Öffnungszeiten: Mo - Sa, 10-18h.
Falls die Einkäufe im Souvenirmarkt wegen ihrem Ausmaß an dieser Stelle nicht zu einem plötzlichen Rückzug ins Hotel zwingen (per Taxi!), gelangen wir, das Hospital Luis Vernaza rechterhand, etwa drei Blocks westlich über die verkehrsreiche Avenida Julian Coronel (Verlängerung der calles Loja u. Juan Montalvo) an den städtischen Friedhof El Cementerio (es gibt eine Fußgängerbrücke über die Avenida direkt am Hauptportal, welches die Nr. 3 trägt). Der Zentralfriedhof gilt mit seinen Mango-, Orangen-, Guayaba-, Laurel-, Matapalo- und Brotfruchtbäumen, dem quirligen Vogelleben, sowie den kunstvollen marmornen Luxusmausoleen als einer der schönsten Amerikas. Die oben steil in den Hang gesteckten Kreuze könnten andererseits aber auch eine recht spektakuläre Kulisse für Horrorfilme abgeben.
Der charismatische Leichnam Eloy Alfaros liegt hier ebenso begraben wie die freundliche alte Nachbarin von vorgestern.
Das älteste Grab stammt von 1831, und die Gruft eines der gefürchtetsten Räuber der Stadt trägt die Inschrift: “Betreffender war ein guter Mensch und stahl um den Armen zu helfen.” Man munkelt übrigens, daß es dort wochentags Diebe geben soll. Trotzdem, ein Besuch ist absolut lohnenswert!
Museo Antropológico del Banco Central: absolutes Schmuckstück unter den vielen Museen Guayaquils; unterhält eine ganz großartige Kollektion präkolumbischer Keramik. Mannigfaltige Repräsentanz aller Küstenkulturen Ecuadors - mitunter viele erotische Motive, machen das Museum zu einem Muß für Archäologie-Interessierte. Wurde 1995 wiedereröffnet. Leicht an den steinernen Muralen von außen zu erkennen, liegt es vom Friedhof ein gutes Stück entfernt. Ein Taxi schafft billig Abhilfe, falls die acht Blockstraßen an der Avenida Quito oder Machala entlang in südlicher Richtung zu lange oder zu häßlich erscheinen sollten. An der 9 de Octubre dann rechts hoch! Adresse: José Antepara 908 y 9 de Octubre, Tel. 327402/323160, Öffnungszeiten: Di - Fr 10-18h, Sa 10-16h, Eintritt: 1 USD.
Parque Centenario: Es geht wieder die 9 de Octubre zurück in Richtung Osten, praktisch schon auf dem Weg ins Hotel downtown. Nach überqueren der Avenidas Machala und Quito (zehnspurige Einbahnstraßen!) kommt gleich ein Block darauf der größte Park im Zentrum, welcher den Verkehrsfluß der Nueve unterbricht. Andenkenfotografen, Lotterieverkäufer, Groschenjungs, Zuckerwattentrommler, Flohzirkusdirektoren, Unheilsprediger und Masseure, die es gleich auf der Parkbank tun.
Widerspiegelt einen guten Teil zeitgenößischer Folkloristik Guayaquils. Die 27m hohe “Siegessäule” in der Mitte wurde 1918 eingeweiht, in Einzelteilen über den Atlantik herbeigeschafft, und stammt vom katalanischen Bildhauer Augustín Querol.
Bulevar Avenida 9 de Octubre: Hauptgeschäftsstraße mit Tradition, die sich bei besonderen Anlässen manchmal mit tausenden von Menschen füllt. Entspricht vielleicht ein wenig der Bedeutung des Kurfürstendamms, wobei dieser jedoch mit den vielen bummelnden muchachas niemals mithalten kann (“un poema en tus ojos y otro en tus labios”). Spätestens an der Ecke “Nueve” u. Pedro Carbo kommt dann die göttliche Zurechtweisung für die wahllose Flirterei. Die dortige Iglesia de San Francisco stammt ursprünglich aus dem 18. Jh., und ist eines der meist frequentierten Gotteshäuser der Guayaquileños.
Andere Sehenswürdigkeiten
Museo Arqueológico del Banco del Pacífico: Präkolumbische Keramik sehr schön und professionell präsentiert; außerdem laufende Bilderausstellungen. Die sponsorfreudige Präsenz der renommierten Bank ist offensichtlich. P. Icaza y Pichincha (im gleichen Block wie Las Pinturas), Tel. 566010, Mo - Fr 10-18h, Sa u. So 11-13h, Eintritt frei.
Museo Nahím Isaías: Weitere erstklassige archäologische Kollektion (über 2.500 Fundstücke); ebenso religiös-koloniale Kunstschätze und zeitgenößische Bilderausstellungen in modernen, mit allen Sicherheitsvorkehrungen ausgestaffierten Ausstellungsräumen. Pichincha y Clemente Ballén, Tel. 329099 ext. 318 (Führungen), Di - Sa 10-17h, Eintritt frei.
Museo Municipal: Städt. Museum mit einem unglaublichen Totempfahl aus präkolumbianischen Zeiten, ethnologische Schaukästen, zeitgenößische Bilder- und Kunstausstellungen. Im gleichen Gebäude befindet sich die städt. Bibliothek. Sucre, zw. Pedro Carbo u. Chile am Iguanapark, Tel. 516391, Di - Sa (Regenzeit) 9-16h, Di - Sa (Trockenzeit) 9-12/15-18h, Eintritt frei.
Museo de la Casa de la Cultura: Außerordentliche Goldsammlung und archäologische Fundstücke. 9 de Octubre 1200 (zw. Av. Quito u. Parque Centenario), Wiedereröffnung Ende 1997!
Weitere Museen: Francisco Huerta Rendón, Urgeschichte u. Archäologie, Cdla. Universitaria, Facultad de Filosofía, Tel. 395097; Francisco Campos R., Archäologie, Mineralogie, Zoologie, Paläontologie, Lizardo García 225 y Vélez, Tel. 360790; Julio Víteri Gamboa, Archäologie u. Ethnologie, Rocafuerte 205 y Loja, Tel. 303040/303733; Bae Calderón, Geschichte, Waffen u. Astronomie, Cañari y 5 de Julio, Tel. 345317; Coronel Felix Luque Plata, Feuerwaffengeschichte, Plaza Colón, Tel. 30357, Voranmeldung!
Las Pinturas: Überdimensionale Freiluftgalerie an der Ecke Icaza und Pichincha (eine Querstraße vom malecón nach Westen). Jährlich wechselnde Gemälde bekannter ekuad. Künstler wie Endara Crow (inzwischen verstorben), Eduardo Kingman, Luis Beltrán, Rafael Díaz, Olga Manosalvas etc.
La Casa Rosada: Mit etwa 120 Jahren ältester Gebäudeblock der Stadt u. Teil des Patrimonio Cultural. Die melancholisch stimmenden Holzfassaden, einzige die den großen Brand v. 1896 überstanden, sehen allerdings aus als würden sie jeden Moment zusammenbrechen. Avenida Boyacá, zw. Víctor Manuel Rendón u. Junín.
Cerro del Carmen: Auf diesem Hügel, an dem sich der Hauptfriedhof anschmiegt, steht neben den vielen Antennen der Sendeanstalten eine von weitem sichtbare Christusfigur. Erinnert ein bißchen an den Zuckerhut. Nur per Taxi empfehlenswert! Neben dem Hospital Luis Vernaza links die Zufahrtsstraße hoch.
Monumento Eloy Alfaro: Markantes Monument in ewiger Erinnerung an die liberalen Umstürze Eloy Alfaros, welche in vielerlei Hinsicht besonders Guayaquil prägten. Im Gegensatz zur Hauptstadt, wo eher konservative Zurückhaltung herrscht und jener caballero auch ein grauenhaftes Ende fand, ist eine gewisse demokratische Aufgeklärtheit bei den Guayaquileños nicht von der Hand zu weisen. Avenida de las Americas, vom Flughafen oder Busbahnhof ins Zentrum kommend.
Monumento Guayas y Quil: Der wunderschönen, wenngleich völlig zurechtgeschnitzten Legende vom stolzen Kaziken Guayas und seiner treuen Gefährtin Quil gewidmet, welche es vorzogen heroisch aus dem Leben zu scheiden, anstatt den Spaniern klein beizugeben. Von Osten herkommend am anderen Ende der langen Brücke, am “Eingang” der Stadt.
Puente de la Unidad Nacional: Mehr als drei Kilometer lange Doppelbrücke über die Flüsse Babahoyo und Daule hinweg, welche lediglich ein paar Meter weiter flußab den Guayas bilden, mit 34.000 km2 größtes Wassereinzugsgebiet der südamerik. Pazifikküste. Auch Puente Rafael Mendoza Avilés genannt.
uFútbol: Die sportbegeisterten Guayaquileños besitzen drei große Stadien, wobei das Modelo das städtische, das Capwell (die “Streichholzschachtel”) das englische, und das 90.000 Zuschauer fassende Monumental eines der modernsten auf dem Kontinent darstellt, eine gigantische Kathedrale des Fußballs. Falls sich die Gelegenheit gerade ergeben sollte, ist ein Lokaltreffen zwischen dem Club Sport Emelec, den eléctricos o. a. Ballet Azul, und dem Barcelona SC, den toreros, ein absolutes Muß! Bei einem Clásico del Astillero gibt es praktisch niemanden, den es bei der aufgeheizten Atmosphäre nicht auch von den Sitzen reißen würde.
Ausflüge in die Umgebung
Jardín Botanico (Botanischer Garten): Fast 5 ha großes Gelände, welches “jwd”, janz weit draußen im Norden der Stadt liegt. Wird allen trop. Palmen-, Orchideen- u. Bromelienliebhabern ans Herz gelegt. Relativ lange Anfahrt mit dem Selectivo-Bus No. 63, Las Orquídeas, ein weißer, rel. moderner Stadtbus, den man sich am besten an der Ecke 6 de Marzo und Aguirre schnappt (200m vor Endstation aussteigen, Fahrer fragen, dann eine Viertelstd. den Hügel El Colorado rauf). Info u. Führer-Reservation: Amigos del Bosque, Edif. Multicomercio, 2. St., Cuenca y Eloy Alfaro, Local 16, Tel. 416975, Eintritt ca. 5 USD.
Cerro Blanco: Das 1989 mit 2.000 Hektaren von der Cemento Nacional ins Leben gerufene Naturschutzgebiet nordöstlich der Stadt gelegen, wurde erst kürzlich um 1.500 Hektare erweitert. Es stellt eines der letzten Relikte in der Provinz Guayas dar, wo noch Rotwild, Brüllaffen, Raubkatzen oder der extrem seltene grüne Ara Guayaquilensis gesichtet werden können. Von den letztgenannten großen Papageien soll es in Ecuador noch ganze zehn Exemplare geben. Im August 1994 wurde zum erstenmal ein Nest dieses Aras am Cerro Blanco entdeckt, welches Mitglieder der Fundación Pro Bosque 24 Stunden täglich erfolgreich bewachten und beschützten.
Aufforstungsprogramme, Umwelterziehung und organisierte Führungen an Wochenenden, welche von Biologie- oder Touristikstudenten geleitet werden, gehören zum Spektrum der Parkverwaltung. Camping ist bei Voranmeldung ebenso möglich, beschränkt sich aber auf einen Platz in der Nähe des Zufahrtsweges. In der Regenzeit (Jan. - April) wird der Trockenwald zwar schön grün, aber dafür gibt es jedoch auch mehr mosquitos u. zancudos (Riesenstechmücken). In den trockenen Monaten stellt ein Sonnenstich wohl die größte Gefahr dar.
Weiter südlich vom “Cerro Blanco” - Reservat befindet sich der Bosque Protector Los Esteros, ein 600 ha grosses Mangrovensumpfgebiet, dass neben unterschiedlichem manglar über ein interessantes Vogelleben verfügt. Zweistündige Kanutrips durch das Gebiet können gegen eine Gebühr von etwa 20 USD pro Boot unternommen werden. Ausführliche Information über dieses von ausländischen Touristen kaum besuchte Reservat erteilt die Fundación Pro Bosque. Die Anreise erfolgt über die gleiche Route wie zum Cerro Blanco. Der Eingang zum Reservat, bzw. zur Gemeinde Puerto Hondo, befindet sich etwa 2 km weiter als die Cerro Blanco - Zufahrt in westlicher Richtung - links rein!
Reserva Ecológica Los Manglares de Churute
Das etwa 50.000 ha große Naturreservat, eine dreiviertel Autostunde südöstlich von Guayaquil gelegen, stellt eines der letzten zusammenhängenden Mangrovensumpf- und Trockenurwaldgebiete der ekuadorianischen Küste dar. Das von ausländischen Touristen wenig besuchte Reservat wird von mehreren Höhenrücken durchzogen. Dabei beträgt die höchste Erhebung in der Cordillera de Churute immerhin knapp 900 Meter. In der feuchtheißen Jahreszeit von Januar bis Mai ist das Gebiet von dichter grüner Vegetation überwuchert. In der kühltrockenen Jahreszeit hingegen wird die Vegetation teils gelbbraun, und grauer Nebel hüllt die Hügelketten meist in ein nieseliges Wolkenmeer. Ein Vorteil dieser frischen “Garúa”-Monate ist das Ausbleiben der mehr als lästigen Moskitoschwärme.
Das Churute-Reservat weist drei unterschiedliche Biozonen auf: Sumpfiges Grasland, Trockenurwald u. Mangrovensümpfe. In der flachen Sumpfgraslandschaft trifft man auf so seltsame Vogelarten wie z. B. den Conclón. Der “gehörnte”, aufgrund seiner tiefen Brunftlaute kilometerweit hörbare Vogel, wird im allgemeinen den Enten und Gänsen zugeschrieben, hat aber vom Aussehen her recht wenig mit diesen gemeinsam. Dagegen sprechen schon seine mit spitzen “Sporen” versehenen Flügel. Der Conclón stammt ursprünglich aus dem Amazonasbecken, wo auch similare Unterarten leben. Er kann auf dieser Seite der Andenkordillere nur in Churute oder in der Nähe von Santa Rosa (bei Machala) beobachtet werden.
Auf mehrstündigen hügeligen Pfaden durch den Trockenurwald können neben vielen tropischen Vögeln auch Kapuziner- u. Brüllaffen angetroffen werden. Vom mirador aus (4 Std. Rundweg) genießt man bei schönem Wetter einen weiten Ausblick über die verschiedenen Zonen des Reservates. Um die dichten labyrinthartigen Mangrovensümpfe (manglar) zu erkunden wird allerdings ein Motorkanu benötigt. Dieses wird am besten im Churute-Informationszentrum selbst oder mit einer Reiseagentur in Guayaquil organisiert. In den weitverzweigten Stelzwurzel-Kanälen können Scharen von Krabben, Lachmöwen und andere Seevögel, sowie eventuell auch Delphine beobachtet werden.
von Volker
Feser, Reisebuchautor
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