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Machala - Puerto Bolívar

Capital Mundial del Banano
Gerademal zweieinhalb Stunden südlich v. Guayaquil (eineinhalb südl. des Naturschutzgebietes Reserva Ecológica Manglares de Churute), und 70 km nördlich der peruanischen Grenze gelegen, macht Machala im Vergleich zu anderen Städten der Küstenregion (wie z. B. Babahoyo o. Portoviejo) einen aufgeräumten und ordentlichen Eindruck. Eine von den vielen asphaltierten und abfallbeseitigten Geschäftstraßen im Zentrum wurde sogar in eine kleine Fußgängerzone umgewandelt, ein selten erfreulicher Anblick im normalerweise chaotisch-tropischen Ambiente dreckiger Küstengroßstädte. Den relativen Wohlstand verdankt die Stadt fast ausschließlich dem oro verde, dem grünen Gold, womit andererorts schlichtweg halbreife Bananen gemeint sind. Hochhäuser, Einkaufszentren oder interessante historische Bauwerke hat Machala deshalb aber keine anzubieten. Nur der Verkehrslärm gibt Aufschluß über eine pulsierende Aktivität.

Für Bootsfahrten durch die manglares (Mangrovensümpfe) oder als idealer Ausgangspunkt für den Besuch eines wunderbaren Kolonialstädtchens in den Bergen bietet sich ein Stop an. Auch der fossilierte Wald von Puyango an der peruanischen Grenze ist relativ leicht zu erreichen. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen bei 23 Grad. Hohe Luftfeuchtigkeit gemischt mit einer frische Seebrise (besonders Juni - November) nötigen manchmal dazu den Pullover auszupacken. Dichter Nebel ist nicht unbedingt eine Seltenheit. Selbst der Pazifik ist hier durch den Humboldtstrom kühler als anderswo in Ecuador.

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Gegründet 1765 durch Nachfahren der Punaes erlangte Machala, dessen Name in der verschwundenen Chimú-Sprache soviel wie “singendes Wasser” bedeutet, zuerst durch die nahen Goldminen in den umliegenden Bergen u. später im Zuge des Kakao- u. Kaffeebooms gegen Ende des letzten Jh. starke wirtschaftliche Bedeutung. Bereits vor dem 2.Weltkrieg begann dann in dieser Region die Banane dem Kakao langsam den Rang abzulaufen. Heute exportiert allein die Provinz El Oro über den Seehafen Puerto Bolívar rund 80% des gesamten ekuad. Bananenaufkommens nach Europa, Nordamerika, Ostasien und die arabische Halbinsel, jährlich fast zwei Millionen Tonnen. Seit den 80er Jahren stellen großangelegte Krabbenfarmen neben dem traditionellen Fisch- u. Langustenfang den zweitstärksten Wirtschaftszweig dar. Trop. Früchte wie Orangen, Ananas, Melonen, Baumtomaten o. guabas vervollständigen die
Produktpalette für den Export.

Ausflüge in die Umgebung
Jambelí
Der hübsche, dem Pazifik vorgelagerte Sandstrand der Mangroveninsel Jambelí wird an Wochenenden hauptsächlich von kinderreichen Machaleños besucht. Unter der Woche genießt man aber viel Ruhe u. Frieden. Kleine komfortlose Hotels und einfache Restaurants ermöglichen ein angenehmes verweilen. Passionierte Vogelfreaks kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Muschel- u. Krabbenfreunde. Von den großen Küstenkrokodilen findet man allerdings nur noch ganz wenige auf der peruanischen Seite des Archipels, übrigens der einzige Ort in ganz Perú, wo die fast völlig ausgestorbenen Biester noch vorkommen. An der gesamten ekuad. Küste werden insgesamt vielleicht noch knapp 500 Exemplare vermutet. Der Rest wurde zu Handtaschen u. Hosengürteln verarbeitet.


Die Isla del Amor (Liebesinsel) gehört zum Archipiélago de Jambelí und ist bekannt durch ihre dort brütenden Vogelkolonien. 13 verschd. Arten von Reihern, Fregattvögeln u. Pelikanen nisten allein auf der ein Hektar großen Liebesinsel. Die beste Zeit für Ornithologen sind die Monate v. Ende Nov. bis April, obwohl sich generell sehr viele Vögel das ganze Jahr über dort am späten Nachmittag (gegen 17h) zur Ruhe begeben. Auf dem winzigen Inselchen können alle drei existierenden manglarsysteme angetroffen werden: mangle rojo, mangle negro u. mangle blanco.
Die Fundación Rescate Ecológico in Puerto Bolívar organisiert lehrreiche Ausflüge zu allen Inseln des Archipels, sowie Besichtigungen der camaroneras. Das Büro der jungen Umweltschutzgruppe befindet sich in Puerto Bolívar, gegenüber des Parque de la Madre in den Räumlichkeiten des Programa de Recursos Costeros, Tel. Mo - Fr 929980, an Wochenenden 929172, nach Oscar Jaén fragen!

Zur Insel Jambelí gehen tägl. lanchas (Langboote m. Motor) von der muelle (Kai) am Malecón in Puerto Bolívar. Abfahrtszeiten: 7.30/10/13/16h. Von dort zurück gehts um 8.15/12/15/17.30h. Hin- u. Rückreise dauert jew. eine halbe Std. u. kostet zus. 2.50 USD. Es können auch Boote gemietet werden (fletar). Der Preis hängt von der Anzahl der Mitreisenden ab. Auch Fahrten durch die letzten manglares der Provinz (camaroneras sind auch für deren Verschwinden auf Jambelí verantwortlich) können am Bootssteg in Pto. Bolívar oder auf der Insel selbst gechartert werden.

Puyango
Der fossilienreiche Bosque Petrifícado de Puyango, oder “versteinerter” Wald, liegt 110 km südlich v. Machala direkt an der peruanischen Grenze. Das 1987 geschaffene Naturschutzgebiet mit einer Extension von 2.700 Hektaren u. einer Höhenlage von 250 bis 750 M.ü.M. stellt neben einem ähnlichen, allerdings viel kleineren Naturpark in Arizona (USA), eine paläontologische Einzigartigkeit dar. Das als “extrem trockener Tropenwald” eingestufte Gebiet mit Durchschnittstemperaturen um die 24 Grad wurde 1870 zum erstenmal vom deutschen Geologen u. Botaniker Teodoro Wolf wissenschaftlich untersucht.

Vor der Erhebung der Anden vor 65 Millionen Jahren existierte im Inneren des Kontinents ein Meer, welches durch die anfängliche Bildung der Kordillerenkette zu verschwinden begann. Araukarienwälder wuchsen daraufhin in der flachen, von Sedimenten aufgeschütteteten Ebene. Vulkanausbrüche und Überschwemmungen zerstörten wiederholt diese neugeschaffenen Wälder und begruben die Stämme chronologisch unter verschiedenen Erd- u. Gesteinsschichten. Bei dem langsamen mehrmaligen “Absinken” und “Aufbäumen” der Ebene hinterließ das allmählich zurückgehende Meer auf den jetzt offen herumliegenden, teils riesigen Steinstämmen Muschel- u. Schneckenamoniten von bis zu einem Meter Durchmesser, sowie fossilierte Farn- u. Palmenblätter von kleineren Ausmaßen.

Die Flora u. Fauna von Puyango enthält Varianten, die sonst an keinem anderen Ort in Ecuador angetroffen werden.

Bäume wie Arrayán, Guayacán, Algarrobo, Chaquino, Puyango oder Pretino (similar dem Ceibo der Küste), 130 Vogelarten (40 Familien), darunter den neotropischen Kormoran, Säuger wie Rotwild, Pekaris, Gürtel- u. Nagetiere gehören neben Süßwassershrimps, Eidechsen oder der äußerst angriffslustigen u. giftigen Equis-Schlange (Bothrops atrox), zu den geläufigsten Vertretern dieses heute durch illegale Eingriffe gefährdeten Ökosystems.

Außer Camping gibt es dort eventuell keinerlei Unterkunft. Zelte verleiht u. U. die Parkverwaltung. Im 25 km entfernten Alamor ist ein kl. einfaches Hotel. Verpflegung muß vorher besorgt werden. Es bestehen zwei Anfahrtsmöglichkeiten, eine von Machala, bzw. Huaquillas, und die andere von Loja (225 km). In beiden Städten finden sich mit Hotels assoziierte Agenturen, welche Tagestouren nach Puyango anbieten (siehe jew. unter Machala o. Loja). Markierte Pfade, Aussichtspunkte u. klare steinerne Badetümpel (Sektor v. Chirimoyos) erleichtern auch eigens organisierte Ausflüge für Unternehmungslustige. Eine komplette Campingausrüstung, 2-3 Tage Zeit und ausreichende Sprachkenntnisse sind aber unbedingte Vorraussetzung für diesen abgelegenen und wenig besuchten Naturpark. Das Verwaltungszentrum am Zugang verfügt über einfache sanitäre Einrichtungen.

von Volker Feser, Reisebuchautor

Lesen sie mehr dazu im Reiseführer Ecuador von Volker Feser

 
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