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Muisne

Zwei Fahrtstunden (82 km) südwestlich von Esmeraldas liegt ein weitläufiger palmenbestandener Sandstrand auf der langgestreckten Insel Muisne. Vom gleichnamigen Festlandsort verkehren motorisierte lanchas (Boote) zu der nur wenige Meter entfernten, meist von Mangrovenwäldchen und camaroneras (Shrimp-Aufzuchtfarmen) durchzogenen flachen Insel, die besonders unter Low Budget - Touristen als beliebtes Reiseziel gilt.

An der Anlegestelle der gegenüberliegenden autofreien isla warten in dem recht heruntergekommenen, fast schon an “Baby Doc’s Haiti” - erinnernden Hauptort von Muisne, kleine Fahrradrikschas, die für wenige Sucres auf die knapp zwei Kilometer entfernte andere Inselseite fahren. Hier liegt der herrlich lange, sanft abfallende Sandstrand von Muisne.

Anders als im quirligen Atacames herrscht hier eine wohltuende Ruhe. Die Reihen von Kokosnußpalmen, der (nicht immer) strahlend blaue Himmel, und der schier endlos lange (und auch nicht immer saubere) Strand, geben diesem Ort ein exotisch tropisches Ansichtskarten-Flair. Der richtige Platz um ein paar Tage auszuspannen!

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In direkter Nähe zur Strandzufahrt befinden sich einige kleine “auf Sand gebaute” Hotels und Restaurants. Hier besteht die Möglichkeit für wenig Geld exzellent zubereiteten Fisch zu essen, oder in einer der manchen hübsch anzuschauenden Bretterpensionen zu übernachten. Abseits der bunten Häuseransammlung, zieht sich der, mit in der Brise wiegenden Palmenhainen bewachsene Strand, 10 km am gesamten, dem offenen Meer zugewandten Teil der Insel entlang. Links weg von der Strandzufahrt, in Richtung Südspitze, wird der Strand mit seinen angeschwemmten Treibhölzern, aufgeplatzten Kokosnußschalen, und umherirrenden Krabbenschwärmen dann bald menschenleer. Bis zum südlichen Ende der Insel dauert der schöne Spaziergang ungefähr eine Stunde.

Eine neue Strabe verbindet inzwischen die Küstenprovinz Esmeraldas im Norden mit der Provinz Manabí in der mittleren Küstenregion, und stellt somit einen weiteren Teilabschnitt der bald durchgehend asphaltierten Marginal de la Costa dar. Diese neue “pazifische Panamericana” soll in Zukunft die Küsten von Perú, Ecuador, Kolumbien, und im späteren Verlauf sogar Panamá, zu einer für Kommerz und Tourismus verkehrs-strategisch bedeutenden Einheit zusammenschweißen. Von streng ökologischen Einwänden einmal abgesehen, kann dieses “bolivarianische” Projekt eigentlich nur begrüßt werden.

An einer nach Süden führenden Abzweigung von der Strabe nach Esmeraldas, genau 16 km östlich von Muisne an einem Ort namens El Salto, beginnt der (bis Redaktionsschluß noch nicht asphaltierte) Teilabschnitt dieser neuen internationalen Küstenstraße. Aus Esmeraldas kommende Busse, sowie von der Abzweigung “El Salto” aus operierende camioneta-Taxis, verkehren inzwischen auf dieser Strecke. Einst völlig unbekannte Dschungel- und Stranddörfer wie Bilsa, Las Manchas, Mompiche, San Gregorio, Boca Sucia oder Daule, sowie der nördlichste Manabí-Küstenort Cojimíes auf der anderen Seite des breiten Meeresarmes, und San José de Chamanga, der südlichste Ort der Provinz Esmeraldas, werden mit der endgültigen Streckenfertigstellung an dieser wunderschön grünen, vielfach noch von dichten Mangrovenwäldern durchzogenen Küstenregion, aus ihrem jahrhundertelangen Dornrößchenschlaf geweckt. Im weiteren Verlauf verbindet die marginal dann auch Pedernales, und somit die Provinzen Manabí und Guayas mit ihren Hafenstädten Manta und Guayaquil.

Saftige Viehweiden und einträgliche Plantagen wechseln zwischen El Salto und Daule mit spontanen Ausblicken auf den blauschimmernden aufschäumenden Pazifik, teils über eine hügelige Dschungellandschaft hinweg, die der des Amazonas-Tieflandes auber in seiner Größe eigentlich in nichts nachsteht. Ein zukünftiger, bislang ausgebliebener Touristenstrom in diese Region, scheint beschlossene Sache. Eine der letzten unzugänglichen Strandregionen des Landes wartet sehnlichst darauf entdeckt zu werden. Trotz mangelnder Infrastruktur - oder gerade eben deshalb - ist diese Strecke ein weiteres Muß für jeden tropen-tauglichen, in Ecuador herumreisenden Küstenliebhaber!

Tageswanderung von Muisne nach Cojimíes (fast 30 km)
Sicherlich eine der interessantesten und aufregensten Möglichkeiten den von Muisne aus südlicheren, größtenteils unbewohnten Küstenstreifen, näher kennenzulernen. Wer zu Fuß, und mit jeweils übersetzenden Kanus kombiniert, nach Süden in Richtung Cojimíes wandern möchte, tut dies am besten vom Strand in Muisne aus. Frühzeitiges Aufstehen ist dabei erforderlich. Zunächst geht es etwa eine Stunde am Palmenstrand entlang. An der südlichen Spitze der Insel muß auf die andere Seite übergesetzt werden. Dabei gilt es ein vorbeifahrendes Kanu abzupassen, daß einen über den Meeresarm auf die andere Seite rüberbringt. Etwas Geduld ist manchmal gefragt. Am anderen Ufer befindet sich linkerhand, wenige hundert Meter vom Strand entfernt, der winzige, von schwarzen Fischern bewohnte recinto (Weiler) von Las Manchas. Von dort aus besteht auch eine reguläre Bootsverbindung (bis zum frühen Nachmittag) durch die Mangroven zurück zum Hauptort von Muisne.

Es geht aber ca. eine halbe Stunde weiter am einsamen Strand entlang, bis zum Cabaña-Hotel Iruña. Der Besitzer Arturo ist ein freundlicher Baske, der dieses kleine Strandhotel gerade fertiggestellt hat. Saubere, einfache Zimmer, Essensmöglichkeit. Übernachtungspreis 10 USD pro Person. Etwas für Leute, die weitab von jeglichem Trubel ein paar ruhige Tage am Strand verbringen möchten. Zu den Serviceleistungen des Hotels gehören Kanutrips in die nahen Mangrovensümpfe, Reitausflüge, sowie Dschungeltouren ins Hinterland.

Weiter geht es eine gute halbe Stunde am Hotel vorbei, immer dem Strand entlang, bis zum Fischerdörfchen Mompiche. Der feine Sandstrand mit seiner weitläufigen, geradezu karibisch anmutenden Bucht (Ensenada de Mompiche), zählt zu den Höhepunkten dieser Wanderung. Der Ort selbst hat außer seinem ursprünglichen Ambiente, einigen am Strand ruhenden indischen Kühen, und lauwarmen Getränken (kein Strom) weiter nichts zu bieten. Gleich hinter der Ortschaft ist die luxuriöse Cabaña-Anlage Casa Blanca, Ableger des gleichnamigen Ferienkomplexes in Same. Unverschämt hohe Preise (etwa 90 USD fürs Doppel), gelangweiltes Personal (Zitat: “Besser es kommen keine Gäste!”), und noch nicht einmal kühle Getränke.

Am Ende der weitläufigen Bucht liegt linkerhand ein eingezäuntes Rindergehege, keine 100m von “Casa Blanca” entfernt. Links davon zweigt ein Trampelpfad in das hügelige Gelände ab. Es geht an mit hohem Gras bewachsenen Viehweiden dem Auf-und-Ab des Pfades entlang. Nach einer Stunde endet der Pfad an einem kleinen, etwa 80m breiten Meeresarm. Es muß ans andere Ufer übergesetzt werden. Etwas Geduld ist erforderlich um ein Boot heranzuwinken. Mit einem wasserdichten Beutel fürs Gepäck (“Ortlieb”) ist es auch möglich den Meeresarm zu durchschwimmen.

Nach einigen weiteren hundert Metern am Strand, liegt das unter Kokosnußpalmen versteckte Dörfchen (recinto) Portete. Die von den Palmen überschatteten Stelzenhäuschen bieten einen schönen romantischen Anblick.

Von nun an geht es landeinwärts durch den Ort, über eine Brücke, an einer Hazienda vorbei. Ein breiter, von Viehweiden umzäunter Weg, führt eine gute Stunde lang in das von einer breiten plaza dominierte Dorf Bolívar. Um von hier aus nach Cojimíes zu gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der schnellste u. bequemste Weg ist per Boot direkt nach Cojimíes. Ausdauernde Wanderer können aber auch weiter über die Shrimp-Farmen (camaroneras) von Maldonado den ca. 8 km weiten Weg nach Daule nehmen. Von dort aus setzen des öfteren Boote über den mehrere Kilometer breiten Mangroven-Meeresarm nach Cojimíes in die Provinz Manabí hinüber.

Nördliches Esmeraldas
Die von Touristen weit weniger frequentierten Strände im Norden der Provinz, zur kolumbianischen Grenze hin, leiden im Gegensatz zu den südlicheren Badeorten wie Atacames und Same, an infrastrukturellen Mängeln. Brauchbare Hotels und Cabaña-Siedlungen sind bislang sehr spärlich gesäat. Dabei sind die Strände des Nordens meist noch grüner und urtümlicher, verzeichnen im Durchschnitt mehr Sonnentage, und erfreuen sich eines geradezu lauwarmen Pazifiks mit geringerem Wellengang. Der touristische Take-Off dieser äußerst attraktiven Region steht in Bälde an. Projekte gibt es genug. Der Flughafen von Esmeraldas liegt diesem nördlichen Küstenabschnitt näher als dem südlichen, die neue Asphaltstraße nach Kolumbien (Marginal de la Costa) ist inzwischen weitgehenst fertiggestellt, und der Fremdenverkehrsstrom nimmt mit jedem Jahr zu.

Neben Badefreuden und Sonnentanken, bietet der Norden von Esmeraldas zudem noch andere Aktivitäten. Dschungeltrips im Einzugsgebiet des Río Cayapas, Fahrten durch die Mangrovensümpfe, archäologische Schatzsuche auf der Flußinsel La Tolita, oder kulturelle Einblicke in das Leben der Cayapas- o. Chachis-Indianer, gehören zu den verschiedenen Attraktionen der Region. Auch die abenteuerliche Eisenbahnfahrt vom tropisch-schwülen San Lorenzo in das Hochland von Ibarra (oder umgekehrt), läßt sich mit dem Norden der “grünen Provinz” vorzüglich verbinden.

von Volker Feser, Reisebuchautor

Lesen sie mehr dazu im Reiseführer Ecuador von Volker Feser

 
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