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Nordküste - Esmeraldas

Breite Pazifikstrände, Palmstrohdächer und Piña Coladas, Pelikane im Formationsflug, in Kokosnußsoße gedünsteter Fisch, die höchsten Mangrovenbäume der Welt, feucht-tropischer Regenwald, Cayapas-Indianer, Morenos, Marimabaklänge, und ein abgeschiedenes Fischerdörfchen namens AFRICA.

Im Gegensatz zu den meist trockenen, vom kalten Humboldt-Meeresstrom beeinflußten südlicheren Küstenstreifen, ist diese nordwestliche Ecke Ekuadors in erster Linie von feucht-heißem Klima und einem wärmeren Ozean geprägt. Auch die letzten größeren zusammenhängenden Dschungelflecken der Küstenregion sind in dieser “smaragdgrünen” Provinz von Esmeraldas anzutreffen. Es verwundert daher auch nicht, daß die ganzjährigen Niederschlagsmengen um ein vielfaches höher ausfallen als z. B. auf der Halbinsel Santa Elena, wo das stetige Voranschreiten des peruanischen Wüstenklimas am deutlichsten zu spüren ist. Die einzigen Palmenstrände des Landes, mit Ausnahme eines Streifens in der nördlichen Manabí-Region, sind ebenso an diesen tropischen Küstenabschnitten zu finden.

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Für die meisten erholungssuchenden Quiteños gehört der Badestrand von Atacames zu den beliebtesten Zielen an Feier- u. Ferientagen. Selbst für viele mittelständische kolumbianische Touristen erweist sich die Esmeraldas-Küste oftmals attraktiver und naheliegender, da letztendlich auch um einiges preiswerter als z. B. die heimischen Karibikstrände. Farbkatalogverwöhnte, von hohen Erwartungen erfüllte Europäer hingegen, geben sich oftmals ein wenig enttäuscht. Dabei bleiben den meisten Touristen die idyllischsten Eckchen dieser Provinz aus Unkenntnis leider vorenthalten. Infrastrukturelle Mängel sind hierfür der Hauptgrund. Da stechen zuerst einmal die Ansammlungen von halbverbranntem Müll und schwarzen Geiern längs der Straße von Esmeraldas nach Atacames ins Auge.

Zugegebenermaßen sieht das nicht gerade einladend aus. Die Region hat aber weit mehr zu bieten als nur dieses 30 km lange Straßenstück. Die schönen Strände von Same, Muisne oder Mompiche sind der Beweis dafür. Auch der bisher wenig bereiste nördliche Teil der Provinz Esmeraldas wartet mit vielen Attraktionen für Seele und Körper auf. Versteckte, weitläufige Sand- und Palmenstrände (wie z. B. der von Las Peñas), labyrinthartige Mangrovensümpfe, eine fantastische Eisenbahn (Ibarra - San Lorenzo), und die dem “Oriente” in nichts nachstehende Cayapas-Dschungelregion, geben diesem Küstenabschnitt sogar eine Art Geheimtip-Charakter.

Ausgerechnet die Regenzeit (invierno) von Ende Januar bis Anfang Juni verspricht die grellsten Sonnentage, während es sich nachts oft abregnet und am frühen oder späteren Vormittag aufklärt. In dieser Jahreszeit muß verstärkt mit hartnäckigen Stechmücken und auch Überschwemmungen gerechnet werden. März und April sind definitiv am niederschlagsreichsten. Ein Teilstück der neuen Küstenstraße Marginal de la Costa, genauer gesagt zwischen dem Flughafen von Esmeraldas und dem Fischerort Río Verde, wird dann oftmals unterspült. Ein Vorankommen wird zu einem feuchten Abenteuer. Juli, August u. September hingegen sind normalerweise die trockensten, dafür aber auch die “bedecktesten” Monate. Die Sonne will sich dann manchmal tagelang nicht blicken lassen. Selbst die Moskitos machen sich verdächtig rar. Zudem ist eine frische abendliche Brise während dieser Sommermonate (verano) nicht unüblich.

Dezember und Januar erweisen sich im Durchschnitt als die besten Reisemonate, obwohl die nördliche Küstenregion eigentlich das ganze Jahr über genossen werden kann. Die Unterschiede zwischen Regen- u. Trockenzeit sind nicht ganz so deutlich zu trennen wie an südlicheren Küstenabschnitten. Besonders nördlich der Provinzhauptstadt Esmeraldas vergeht das ganze Jahr über kaum eine Woche, ohne daß es nicht genügend Sonnenscheinstunden für Bräunungshungrige gäbe.

Von der Hauptstadt Quito führen zwei asphaltierte Straßen über die westliche Andenkordillere hinunter zur Küste nach Esmeraldas. Die ältere von beiden, welche zuerst in südlicher Richtung über die panamerikanische Straße führt, bevor sie nach etwa 30 km bei Aloag nach Westen abzweigt, stammt aus den frühen 60er Jahren, und wird von allen Buskooperativen, Schwerlastern, sowie den meisten Privatfahrzeugen benutzt. Da diese Straße für alle aus Quito kommenden Fahrzeuge auch die Hauptroute nach Guayaquil darstellt, ist zu jeder Tag- u. Nachtzeit mit verstärktem Verkehrsaufkommen zu rechnen.

Die neue Alternativroute über Calacalí und San Miguel de Los Bancos führt hingegen nach Norden aus der Stadt heraus, geht zunächst am Äquatordenkmal vorbei, und stößt 160 km später bei La Independencia wieder auf die alte Straße nach Esmeraldas. Diese Route ist aufgrund der Erdrutschgefahr im oberen Bereich (hinter Calacalí) für vibrationsauslösende Schwerlaster und durchgehende Reisebusse gesperrt. Lediglich Anliegerfahrzeuge dürfen diese 1995 eröffnete Fernstraße benutzen. Für PKW’s ist die Route daher eine willkommende, relativ verkehrsfreie Alternative um eventuell sogar noch eine dreiviertel Stunde schneller an die Strände bei Esmeraldas zu gelangen.

Lohnenswerte Zwischenstops unterwegs gibt es jedoch jede Menge, und lassen die Fahrt unter Umständen zur Zwei- o. Drei-Tages-Reise werden. Siehe im Routenteil unter “Quito - Ausflüge in die Umgebung - Noroccidente”! Busreisende, die in einem Rutsch an die Küste wollen, müssen aber die traditionelle carretera a la costa über Aloag benutzen.

Auf der “alten” Route von Quito nach Esmeraldas ist besonders auf das eineinhalb Stunden lange, haarnadelkurvenreiche Gefälle vom “Andenpass” hinter Aloag (ca. 3.600m) bis runter nach Santo Domingo de los Colorados (500m) hinzuweisen. Rechts sitzen! Auf diesem 80 km langen Teilabschnitt geht es 3.000 Höhenmeter bergab. Dies ist nicht nur landschaftlich der schönste Streckenteil auf der insgesamt 320 km langen, fünfstündigen Fahrt nach Esmeraldas, sondern auch der Abschnitt mit der höchsten Unfallquote im ganzen Land. Dichter Nebel im oberen Bereich, waghalsige Überholmanöver seitens aggresiver LKW- u. Busfahrer, sowie fehlende Polizeikontrollen, Schlaglöcher und heruntergefallenes Erdreich erfordern höchste Konzentration für Leihwagenfahrer. Busbenutzern seien die großen Reisebusse renommierter Kooperativen empfohlen (z. B. PANAMERICANA o. TRANS ESMERALDAS), die kleineren buseta-Flitzer sind zwar etwas schneller, dafür bleibt eventuell aber viel Zeit für Stoßgebete und naßgeschwitzte Handflächen.

Zu den Sehenswürdigkeiten auf diesem vielbefahrenen Streckenteil, gehört neben den dicht bewaldeten, steil abfallenden Andenausläufern mit ihren tiefen Schluchten, herunterstürzenden Gebirgsbächen und Wasserfällen, auch ein “Teufelskopf” zwischen den Ortschaften Tandapi (Manuel Cornejo Astorga) und Alluriquín. Das in den weichen Sandsteinfels gehauene Luzifergesicht, von Quito kommend auf der linken Seite der Straße, wurde Ende der 70er Jahre in Erinnerung an die Militärdiktatur erstellt, und trägt die mahnende Inschrift: El Poder Brutal, “Die brutale Macht”.

Etwa 16 km vor Santo Domingo, und 7 km hinter der Brücke am Ortsausgang von Alluriquín, kommt links eine ausgeschilderte Einfahrt zur “Urwald-Raststätte” Tinalandia. Die sich seit 1935 in russischem Familienbesitz befindliche Hostería-Cabaña-Siedlung, auf einem Bergvorsprung über der Fernstraße gelegen, verfügt neben 100 Hektar tropischem Regenwald (plus 300 Hektar des angrenzenden Tanti-Reservates), mit ingesamt 305 klassifizierten Vogelarten, auch über den ältesten Golfplatz Ekuadors. Für Ornithologen sind die Urwaldbäume am Rande des neun-löcherigen Golfrasens, der teils von grasenden Kühen und deren zeckenfressenden Reiherfreunden heimgesucht wird, ideale Beobachtungsposten für Tukane, Tangare, Kaziken, Kolibris, Spechte, Spottdrosseln, Fliegenschnapper, Baumsteiger, Motmots u. v. andere. Ein Selbstlehrpfad führt durch das jungfräuliche Urwaldreservat. Der Lotusblütenteich inmitten des Golfplatzes ist zu jeder frühen Morgenstund, immer dann wenn die hübschen Dinger auf ein neues aufgehen, eine zusätzliche Attraktion der ersten Öko-Touristenanlage des Landes. Der Name der Lodge stammt von der kürzlich verstorbenen Familienchefin Tina Garzón.

Einer ihrer Söhne, der freundliche, Wodka-trinkfeste Besitzer Sergio Platonoff, offeriert sowohl freistehende Cabañas wie auch einfach eingerichtete Zimmer, welche sich am oberen Ende des 1 km steilen Zufahrtsweges nahe des ersten Golfloches befinden. Der dichte Verkehr auf der Fernstraße weit unten, ist Tag u. Nacht in den Cabañas zu hören. Dies gibt der Anlage den äußerst originellen Aspekt eines tropischen Autobahnmotels. Nahrungssuchende Kolibris und Tukane, welche meist schon früh morgens an den eigens dafür aufgehängten Nektartrichtern bzw. angepflanzten Papayabäumen verweilen, scheinen die durchstartenden Brummer im Tal unten nicht weiter zu stören. Im Waldreservat selbst ist außer Vogelgezwitscher und Blätterrauschen dann nichts weiter störendes zu vernehmen. Die Rezeption, ein kleiner Quellwasser-Swimmingpool, sowie das rustikale Restaurant mit seinen reichhaltigen Speisen, befinden sich jedoch ganz im Gegensatz zu den Cabañas in der Nähe der Hauptstraße und Einfahrt zu Tinalandia.

Santo Domingo de los Colorados
ist die erste tropische Stadt hinter Quito. Sie war Anfang der 60er Jahre noch ein völlig verschlafenes Durchgangsnest. Wer von hier aus nach Esmeraldas weiter wollte, mußte auf ein Pferd oder ein Kanu umsteigen. Mit der Asphaltstraße setzte dann ein großflächiger Plantagenboom ein. Zuwanderer aus allen Teilen des Landes ließen sich in Santo Domingo nieder. Dank seiner strategisch günstigen Transitlage begann das verregnete Städtchen bald chaotisch anzuwachsen.

Heute ist der über 200.000 Einwohner zählende Verkehrsknotenpunkt sogar darum bemüht eine eigene Provinz auf die Beine zu stellen.

Die vom Hochland kommende Straße verzweigt sich hier in drei verschiedene Richtungen: Esmeraldas, Guayaquil, und Portoviejo. Leihwagenfahrer sollten es möglichst vermeiden in die Stadt reinzufahren. Ist man erstmal in das verwirrende Straßennetz hineingeraten, findet man danach kaum wieder heraus. Ein etwas weniger verwirrendes Ringstraßennetz, mit den dazugehörigen Zu- u. Abfahrten, regelt den Durchgangsverkehr. Die Benutzer der Umfahrung bekommen vom tropisch-verwitterten Kern Santo Domingos nicht viel mit. Es gibt in der Stadt selbst, außer einem buntgewürfelten ekuadorianischen Rassengemisch, einem dichtgedrängten Sonntagsmarkt, und allerorts viel Improvisation, so gut wie nichts zu sehen. Vom Hochland kommend nach Esmeraldas fahrend, geht es zunächst stur geradeaus, dann am Verkehrskreisel rechts ab, ist ausgeschildert!

Für zwangsläufige Übernachtungen können die komfortablen Hotels Zaracay und Tropical Inn empfohlen werden.

Beide befinden sich auf der Ausfallstraße nach Quito genau gegenüberliegend am östlichen Ortsende (Avenida Quito). Die Preise des im Hazienda-Stil gebauten “Zaracay” liegen zwischen 30 u. 60 USD. Außer 72 geräumigen habitaciones mit AC, Ww, TV u. Telefon hat das Rancho-Hotel auch einen großen tropischen Garten und streng bewachten Parkplatz.

Das neue “Tropical Inn” gilt als einer der gepflegtesten Hotels in Santo Domingo. Die etwas engen, aber hellen u. sehr sauberen 45 Zimmer (12 davon 3er u. 4er) sind mit Tischventilator, Ww, TV, Telefon und Minibar ausgestattet. EZ 20 USD, DZ 30 USD, 3er 40 USD, 4er 50 USD, kleines Frühstück und bewachter Parkplatz inbegriffen.

Ein vorzügliches wie einfaches Grill-Restaurant ist Chez Luis eines argentinischen Einwanderers, nahe dem “Hotel Zaracay”, u. gleich neben der Banco del Pacífico an der Ausfahrt v. Stadtzentrum in Richtung Quito gelegen. Saftigste lomos finos für weniger als 5 USD, der “kannibalistischste” Gourmet-Tip v. Santo Domingo!

La Perla ist ein 67 ha grosses Miniatur-Reservat in der Nähe des Städtchens La Concordia. Das seit 1949 von der Nordamerikanerin Suzanne Sheppard “tapfer verteidigte” Privatgebiet stellt eines der allerletzten jungfräulichen Dschungelflecken zwischen Santo Domingo und Esmeraldas dar. Neben 700 Jahren alten ceibos (bis zu 15m Stamm-Durchmesser am Boden) können dort auch vereinzelte Affen und viele tropische Vögel beobachtet werden. Die überraschten Besucher fühlen sich wie in den tiefsten Oriente versetzt - und dies nur wenige Meter von der asphaltierten Hauptstrasse entfernt! Bei einem beabsichtigten Rundgang sollte jedoch besser eine Reservierung vorgenommen werden. (Tel. in Quito 725344 o. 759115). Die Zufahrt zum “Perlenwald” befindet sich nur wenige Kilometer vor La Concordia. Von Santo Domingo kommend bei km 42 links rein - ist ausgeschildert (wenn auch schlecht). Die Einfahrt zum Reservat ist nämlich leicht mit der Zufahrt zum Wohnhaus von Suzanne zu verwechseln (ebenso mit “La Perla” ausgeschildert). Diese Wohnhaus-Abzweigung befindet sich etwa einen Kilometer vor der Zufahrt zum Urwald-Reservat.

Wer versehentlich am Haus statt am Informationszentrum aus dem Wagen steigt, wird u. U. Bekanntschaft mit ein paar unfreundlichen Rottweilern machen, die von ihrer Besitzerin dann gerade nochmal rechtzeitig zurückgepfiffen werden können.

von Volker Feser, Reisebuchautor

Lesen sie mehr dazu im Reisefhrer Ecuador von Volker Feser

 
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