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| Playas - Salinas |
Gut eineinhalb Stunden vom Zentrum entfernt liegt der am bequemsten zu erreichende Strand der Guayaquileños. Es geht zuerst über die westl. Küstenstraße in Richtung Salinas (s. Kap. Península Sta. Elena). Nach knapp 70 Kilometern, in Progreso (Juan Gómez Rendón), zweigt eine neue Autopista del Sol links nach Playas ab, auch General Villamil genannt. Der traditionelle Badeort verlor zwar in den letzten zwei Jahrzehnten durch das touristisch boomende Salinas an Rang, gilt jedoch nachwievor als der “Hausstrand” unter den meist mittleren Einkommensschichten der ekuad.
Wirtschaftsmetropole. Auch so manch einer aus den “Oberen Zehntausend” hat dort eine Wochenendresidenz Im Gegensatz zum monatelang kühlen und diesigen Salinas hält Playas mit 300 Sonnentagen im Jahr einen Landesrekord. An Wochenenden, Feier- u. Ferientagen bevölkert sich der nicht unbedingt saubere Sandstrand familienweise mit herumtollendem Nachwuchs und dessen leere Bierbüchsen hinterlassende Verwandtschaft. Auch Ölfrachter draußen spülen dann und wann verantwortungslos ihre Tanks durch. Die Busse nach Playas, mit TRANSPORTES VILLAMIL oder TRANSPORTES POSORJA vom Terminal Terrestre weg, sind im Gegensatz zu normalen Wochentagen samstags proppenvoll gestopft, und der Malecón gleicht einer Gebrauchtwagenmesse.
Am südöstlichen Zipfel der Kleinstadt, rechterhand der Straße in Richtung Data und Posorja (Av. Jaime Roldós Aguilera /Avenida 2) wird der bei Ebbe extrem breite und weitläufige Strand dann abgeschiedener und lädt zu genußreichen Spaziergängen ein. Pelikane, Seemöven und Fregattvögel drehen über den aufschäumenden Brechern ihre Schleifen und behalten neidvoll die Fischer im Auge, welche teils noch mit segeltuchbespannten Balsaflößen aufs offene Meer hinausfahren. Diese aus präkolumbischer Zeit überlieferte Navigationsform wird an der ekuad. Küste nur noch in Playas praktiziert. Des öfteren finden spannende Wettrennen in der langgezogenen Bucht statt, an deren nordwestl. Ausläufern gerade zwei gewaltige Betonburgen hochgezogen wurden.
Mit steigender Flut ziehen Männer, Frauen u. Kinder in den auslaufenden Wellen eine Art feinmaschiges Pflugnetz hinter sich her, womit Shrimpslarven zur Aufzucht in den camaroneras (Shrimpaufzuchtfarmen) eingefangen werden.
Die Erträge für die Larvensammler sind dabei recht bescheiden und bedeuten lediglich eine kleine Beihilfe zum Lebensunterhalt einiger Familien, sowie billige Arbeitskraft für die Camaronerabarone. Der dadurch verursachte ökologische Schaden fällt allerdings auf alle Bewohner der Umgebung zurück. Mit den winzigen durchsichtigen Shrimpslarven werden auch allerlei Fischchen u. Krebslein herausgezogen, welche dann meist am Strand verrotten.
Nicht alle Larvensammler werfen die zukünftigen Nahrungsträger wieder ins Meer zurück.
Engabao liegt 15 km nordwestl. von Playas und ist über eine löchrige Schotterpiste zu erreichen. Traditionelles Fischerdorf u. alljährliche Surfwettbewerbe.
Posorja, 30 km südwestl. von Playas am Canal del Morro gelegen. War anno dazumal das erste Seebad von Guayaquil, welches von dort aus nur per Schiff angesteuert werden konnte. Heute ist der Ort ein Zentrum der Fischindustrie.
Hochseefrachter gibt es im Schiffahrtskanal vor der Küste zu sehen. Auf der südöstlich vorgelagerten Insel Puná soll es laut Insiderkreisen direkt gegenüber von Posorja einen einsamen Sandstrand geben, an dem Nacktbaden kein Problem sei.
Santa Elena
Strände soweit die Beine tragen. Pelikane, Albatrose, Wildesel, Brüllaffen, Buckelwale, Ceibo-Bäume, Tuna-Kakteen, Panamahüte, Spondilusmuscheln, und die Venus von Valdivia.
Zwischen Progreso (welches besser Sín Progreso hieße, km 70) und Salinas (160 km), etwa auf halbem Wege, liegt das völlig unattraktive Durchgangsnest El Zapotal. Der einzige Grund hier überhaupt an einen Stop denken zu wollen, sind zwei kleine Restaurants auf der linken Seite fast am Ende des Dorfes (nach der Kirche). Und dies auch nur für Ziegengourmets. Hier soll es nämlich, nicht mehr und nicht weniger, das beste Seco de Chivo der Welt geben, ein schmackhaftes Ziegenfleischgulasch mit Reis serviert. Viele Guayaquileños machen hier Halt, auf ihrem Weg von oder zu den Badestränden.
Die beiden Städte Santa Elena und La Libertad bilden zusammen mit Salinas ein Agglomerat von über 120.000 Einwohnern, dessen Grenzen zusehends ineinander verschwinden. Dieses Kernstück der Península (Halbinsel), die früher durch eine Eisenbahnlinie mit Guayaquil verbunden war, ist heutzutage nichts weiter als eine ziemlich häßlich hingeklatschte Häuseransammlung auf Sand. Lediglich die Bucht von Salinas macht da ein bißchen eine Ausnahme.
In den 20er Jahren wurden bei Libertad bereits die ersten Erdölfunde verzeichnet. Eine kleine Raffinerie läuft nachwievor auf Hochtouren, und vermutete Gasvorkommen im Meer vor der Halbinsel, stehen kurz vor der Ausbeute.
Möbelwerkstätten in Santa Elena, Fischfang in Libertad, und insbesondere der nationale Tourismus in Salinas, zählen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Wer keine Zeit zu verlieren hat, läßt das ganze links liegen, und fährt seelenruhig nach Norden weiter. Kilometerlange Strände, und der unübertrieben schönste Küstenabschnitt des Landes, warten darauf entdeckt zu werden.
Sehenswürdigkeiten
Museo Los Amantes de Sumpa: Das einzige interessante was es in der Stadt Santa Elena zu sehen gibt! Dafür aber ist der Besuch sehr lohnenswert, selbst für anthropologisch weniger Interessierte. Das kleine Museum rekonstruierte unter Anleitung der Anthropologin Karen E. Stothert eine 10.000 Jahre alte Totenstätte der Las Vegas Kultur, einer Vorstufe zur Valdivia Kultur. Es handelt sich bei den insgesamt 192 Skelettfunden um eine der ältesten Nachweise organisierter Gesellschaftsformen in ganz Amerika (8.800 - 4.600 v. Chr.). Die Ausgrabungen begannen bereits 1970.
Die “Liebenden von Sumpa” praktizierten neben der Jagd, dem Fischfang und primitiv-sporadischem Ackerbau, auch bizarre Rituale wie das Wiederausgraben von bereits vollständig verwesten Leichen. In einem speziellen Falle handelt es sich um die Knochenreste eines etwa 20-25 Jahre alten Päarchens, welches als “Paket” engumschlungen zusammengerückt, d.h. viel kompakter gemacht, danach auf ein neues wieder verscharrt wurde. Bei manchen Funden waren die desartikulierten Knochen widerum peinlich genau nach Segmenten geordnet, und je nach Funktion zu kleinen Haufen aufgeschichtet. Andere Gräber wiesen ziemlich zertrümmerte Schädel auf. Als Grabbeigaben dienten z. B. Spondilusmuscheln, Schneckenhäuser, Fuchs- o. Wildschweinzähne, und Maiskörner!
Der anschließende Freiluftteil des Museums, zeigt ein typisches costeño-campesino Bauern-Modellhaus von 1935, ganz liebevoll im Detail nachvollzogen: Die Schlafstätte aus einer petate o.a. estera (Bastmatte) u. einem Tierfell bestehend, dazu das baumwollene Leintuch, die Flickendecke u. die kleinen Kissen aus Ceibowolle. Über das ganze wurde ein weißes Moskitotuch gespannt, und tagsüber alles zu einem Balg zusammengerollt. In der Küche hing das Essen auf einer chaguelma, einem Zuckerrohrgestell unter der Decke. Dadurch hielt sich die Nahrung frisch. Eine halbe blank geriebene Kokosschale (mate), von oben draufgestülpt, ließ die Mäuse abblitzen. Verschiedene Möbelstücke, Reitutensilien, Handwerksmaterial u. ein Blasebalg aus Tierhaut zur Bronzeschmelzung (!) direkt unter der Hütte, dürfen da nicht fehlen.
Museo Real Alto: Wer die “Liebenden von Sumpa” besucht hat, kann sich diesen ziemlich abseits gelegenen Ort eigentlich sparen (45 Km südöstl. v. Salinas). Obwohl Real Alto den Nachweis einer etwa 6.000 Jahre alten Stadt erbringt, gibt es dort außer ein paar zugeschütteten rechteckigen Löchern im Wüstenboden, nicht allzu viel zu sehen. Die Umgebung ist dagegen faszinierend spröde. Wilde Ziegen u. Esel maroden durch die karge Steppenlandschaft. Die zahlreich wachsenden vielarmigen Kakteen, werden von den Einheimischen hier cardón genannt (Kandelaberkaktus).
Ein integriertes Kulturhaus gibt Aufschluß über das Leben der Menschen in diesem einst blühenden Paradiese.
Abzweigung von der Hauptverkehrsstraße Gquil. - Península n. Süden z. Fischerdörfchen Chanduy nehmen. Ein letrero (Schild) weist darauf hin. Nach 12 km kommt das Museum (Eintr. 2 USD). Vom Terminal in Libertad gibt es Busse nach Chanduy (COOP. SAN AUGUSTIN).
Baños Termales de San Vicente: Eine knappe halbe Std. westl. v. Salinas. Heilende Vulkanschlammassagen, warme Schwefelquellen und bioenergetische Pyramiden sind außer der kleinen EMETEL-Zentrale das absolut einzige was der Ort zu bieten hat. Der Rest ist muy triste. Aus Hygienegründen wird geraten von den Freßbuden Abstand zu nehmen. Die pipas (Riesenkokosnüsse m. Strohhalm) können aber getrost probiert werden und schmecken super! An Wochenenden sind die termas (Thermalquellen) überlaufen. Die neue Autobahn Guayaquil - Salinas soll hier bald durchkommen und wird dann für einen verstärkten Besucherstrom sorgen.
Salinas
Die Sardinenbüchse Ecuadors, ganze zwei Autostunden von Guayaquil entfernt, ist außerhalb der Weihnachts-, Neujahrs- u. Schulferienzeit (an der Küste Feb.-April) eine absolut tote Hose, vor allem unter der Woche. Selbst in den Zementtürmen über der Vorzeigepromenade am Strand bleiben abends die Lichter aus. In den Bars u. Restaurants herrscht gespenstische Langeweile, während vielleicht eine Handvoll lautstarker Sommerfrischler aus Cuenca fröhlich am beach herumtollt und fettige Lunchpakete verschlingt. Am Himmel ist wochenlang kein blauer Fleck zu sehen, und es bläst ein ständig kühler Wind, welcher mosquitos keineswegs zu stören scheint. Eventuell hat Hochseefischen dann Konjunktur (Okt. - Dez.). In der temporada alta (Hochsaison) hingegen, 23. Dez. bis etwa Mitte April, verwandelt sich das populärste Seebad des Landes in ein ekuadadorianisches “Rimini-Rummel”. Zahlreiche Badegäste aus Guayaquil verbringen hier ihre “schönsten Ferientage des Jahres”. Bräunungshungrige Ausflügler liegen unter mitgebrachten Sonnenschirmen und genieben bei Dosenbier aus Kühlboxen das rege Strandleben - Szenen fast wie in einem italienischen Mittelmeer-Touristenort im August. Zu Konzertlautsprecherboxen umfunktionierte, auf und ab fahrende Autos mit Surfbrettern drauf oder Jetskiern dran, von Mamis Lieblingen gesteuert und schnieken Beifahrerinnen begleitet, bestimmen dann mehr oder weniger das Bild am Malecón.
Wenige Kilometer nordwestl. von Santa Elena, links weg von der asphaltierten Küstenstraße nach Manabí, liegt das einstige Fischernest Balleñita. Neuentstandene Ferienhäuschen prägen heute die umliegenden kahlen Hügel.
Ganz besonders erwähnenswert hierbei ist die familienbetriebene Hostería Farallón Dillon, welche neben einem fantastischen Marine Restaurant-Bar-Museum komfortable Zimmer aufzuweisen hat, die zum verweilen einladen.
Spektakuläre Aussicht aus 30m Höhe auf den Pazifik und die Pelikane im Formationsflug. Ein ruhiger Strand lädt zum baden ein. Besitzer ist ein alter Seebär, welcher jahrzehntelang alle sieben Weltmeere bereiste. Seine nautische Kollektion enthält auch zwei Tauchanzüge aus dem 19. Jh., antike Navigationsmeßgeräte, eine splitternackte Galeonsfigur u. eine wuchtige bronzene Schiffsschraube als Tisch umfunktioniert.
Guayas - Manabí
Einen Bretterbudenstrand voller Plastikbecher gibt es an jedem Wochenende in der ansonsten hübschen, hufeisenförmigen Fischerbootbucht von Ayangue. Etwa 1 Std. nördl. v. Sta. Elena kommt links eine asphaltierte Abzweigung, welche nach wenigen Minuten in den kleinen Ort führt. Sonntäglich parken bis zu hundert gemietete Schul- und Betriebsbusse in den Staub-, bzw. Schlammstraßen hinter dem Sandstrand, der dann eher einem improvisierten Nomadenlager einer “Omar Sharif”-Filmszene gleicht. Ein weißes Windschutzzelt steht neben dem anderen, und tausende von einkommensschwächeren Tagesausflüglern aus Guayaquil und den umliegenden Provinzstädtchen vergnügen sich mit Schwimmringen und aufblasbaren Gummienten in den Wellen. Die Preise in den zum Strand hin offenen, rustikalsten Eßlokalen im derben “Festzeltstil”, sind nämlich um einiges günstiger als im schnieken Salinas. Unter der Woche ist das authentische Badekaff an der Punta La Leona angenehm ruhig, oder auch schlichtweg langweilig (wie man’s nimmt).
Für badefreudige Gringos gibt die Bucht nicht allzu viel her. Für Segeltörn-Fans, Schnorchler, und potentielle Walfänger mit spritzwasserfesten Kameras u. Feldstechern, die sich zwischen Juni und November den brünftigen Buckelwalen auf geradezu spektakuläre Distanz nähern möchten, sind die in Ayangue lebenden chilenischen Seefahrer und Eheleute Pedro und Alegría Solis aber genau die richtige Adresse! Auf ihrem 33 Fuß-Segler, clase oceánica (gebaut in Michigan), bieten die beiden Kapitäne ein- u. mehrtägige Törns zu Schnorchelbuchten, Korallenbänken, einsamen Stränden, Inseln und Inselchen vor der Küste (Isla de La Plata, Salango, El Pelado o. Los Ahorcados), sowie Walbeobachtungsfahrten u. Marlinfischen auf hoher See an. Geschlafen u. gegessen wird an Bord. Meeresfrüchte sind Pedros Spezialität! Eine ausgeprochen intime u. familiäre Atmosphäre macht das Vernügen rund. Die erschwinglichen Preise für eine Segeltour belaufen sich zwischen 25 USD pro Person (6-stündiger Tagesausflug zum Islote El Pelado) und 180 USD pro Person (3-tägiger Roundtrip). Die Mindest-Teilnehmerzahl beträgt 4-5 Personen. Fahrten zu den paarenden Buckelwalen (Ballenas Jorobadas) werden zu ähnlich günstigen Preisen organisiert. Info-Tel. in Ayangue: 916033. Fax in Gquil. 532827. Die Vorwahl lautet wie für die gesamte Guayas-Provinz 04!
La Ballena Jorobada
Die Zahl der in ekuadorianischen Küstengewässern auftauchenden Buckelwale (Megaptera novaeanglie), auf ihrem 8.000 km langen Weg von der Antarktis zu den Paarungsstätten in äquatorialen Gewässern, ist erstaunlich groß. Die lange Reise nach Norden ist reiner Selbsterhaltungstrieb. Für die neugeborenen Jungwale mit ihrer noch dünnen Fettschicht ist ein tropisch-warmer Ozean überlebensnotwendig. Außerdem mangelt es während des polaren Winters auf der eiskalten Südhalbkugel an nährstoffreichem Plankton. Die südliche Küste Manabís, die Galápagos-Inseln, sowie die kolumbianische Gorgona-Insel gehören in diesen tropischen Regionen zu den besten Beobachtungsplätzen. 10.000 Exemplare soll es weltweit noch geben. Während Chile u. Perú eine lange Walfang-Tradition aufzuweisen haben, und sich die bis zu 16m langen u. 40 Tonnen schweren Meeressäuger dort relativ scheu verhalten (wenn nicht gar vom Aussterben bedroht sind), kann sich Pedro mit seiner yate “Alegría” manchmal bis auf wenige Meter an die friedlichen Monster heranwagen. Diese echten Akrobaten unter den Walen katapultieren sich mitunter aus dem Ozean hoch, wobei Zweidrittel ihres Körpers über der Wasseroberfläche herauschaut. Wer sich das Naturereignis nicht entgehen lassen möchte, macht sich in diesem Falle am besten nach Ayangue auf (siehe auch unter “Puerto López).
Vom Kauf des Coral Blanco, des weißen Korallengeflechts, wird geraten Abstand zu nehmen. Auch wenn der Handel mit dem schönen Aquariumschmuck offiziell nicht verboten ist, handelt es sich hierbei um ein ökologisches Verbrechen, daß den allerletzten Korallenbänken vor Ayangue bald ein rasches Ende bereiten wird.
Nur wenige Kilometer nördlich von der Abzweigung nach Ayangue, liegt der aus präkolumbischen Zeiten stammende Ort Valdivia direkt an der parallel zum Strand verlaufenden Hauptstraße. Außer viel Staub, ein paar löchrigen Fischernetzen, und braungebrannten hakennasigen Gesichtern, typisches Erkennungsmerkmal der geschichtsträchtigen Küstenbewohner dieser Region um Valdivia und auch Machalilla, gibt es in dem 2.000 Einwohner zählenden Ort nicht viel zu sehen.
Ein winziges Museum, ganz im Zeichen der “Venus von Valdivia”, lädt Autofahrer dennoch zu einer genüßlichen Kaffeepause ein. Obwohl von der einzigen “Venus” in den kleinen Museumsvitrinen ein Dreiviertelstück fehlt, ist der Expresso unter einem schattigen “Tagua”-Dach, sowie die freundliche Museumsführung eine Fahrtunterbrechung wert. Ein kleiner Artesanía-Kiosk bietet typische Souvenirs aus der Umgebung an, darunter modellgetreue Balsaholz-Flöße fürs Handgepäck.
Der Grund für die mangelnde, bzw. nicht vorhandene Präsenz von Keramikfiguren ist in den großen Museen von Quito u. Guayaquil zu finden. Die dortige “Museumsmafia” hat dem Herkunftsort Valdivia nicht ein einziges Stück gelassen.
Das anfänglich von der staatlichen Tourismusbehörde CETUR in Angriff genommene Museum wurde bereits vor Baubeendigung völlig aufgegeben. Heute versuchen die Dorfbewohner selbst so gut es geht einen Beitrag zu leisten, in erster Linie durch persönliche Stiftungen von kleinen Keramikfunden. Ein netter Student mit gebrochem Englisch gibt zur Valdivia-Kultur ein paar interessante Erklärungen ab.
Ungefähr 15 Min. von der Hauptstraße in Valdivia entfernt, liegt im näheren Landesinnern versteckt ein sprödes Nest namens Barcelona. Sämtliche Einwohner dieses unauffälligen Dörfchens widmen sich dem Sammeln, Reinigen, Kochen, Trocknen u. Spinnen der Paja Toquilla, dem feinfaserigen Stroh aus dem die berühmten Panamá-Hüte gefertigt werden. Größter Absatzmarkt für das trockene Stroh von Barcelona sind die Hutwerkstätten in u. um Cuenca im südlichen Andenhochland. Siehe Exkurs “Der feinste Strohhut der Welt!”
Manglaralto ist ein winziges Provinzstädtchen an einem schönen kilometerlangen Sandstrand. Es liegt etwa eine Viertelstunde nördlich von Valdivia. Im Ort gibt es eine beispielhafte Öko-Stiftung namens Pro Pueblo, eine Telefonzentrale am Parque, und ein sehr gutes, auf Meeresfrüchte spezialisiertes Restaurant namens Las Tangas, gegenüber dem Colegio Fiscal.
Die Stiftung “Pro Pueblo” offeriert Fuß- u. Pferdewanderungen durch Feucht- u. Trockenurwald, herrliche Ausblicke auf den Pazifik und die Kordilllere Chongón-Colonche, Badestellen im Urwald, jahrtausendealte Kulturstätten, Vogelbeobachtung, herzliche Kontakte mit den Landbewohnern u. ihrem Alltag, sowie das frühmorgendliche Röhren der schwarzen Brüllaffen. Eine Tour mit dieser Naturorganisation gehört zu den Höhepunkten des “sanften Tourismus” in der Provinz Guayas.
Sinn und Zweck der Fundación ist die Förderung eines Ecoturismo mit voller Beteiligung der Bewohner dieser Region. So waren z. B. die von der Stiftung instruierten Führer vormals allesamt Jäger. Heute gehören sie zu den eingefleischsten Naturschützern dieser allerletzten Dschungelflecken in der Provinz Guayas. Anhand lebenslanger Erfahrungen mit der Tier- u. Pflanzenwelt hat ein jeder dieser “Ex-Wilddiebe” die besten Voraussetzungen für einen kenntnisreichen Trekking-Führer. Andere Dorfbewohner wiederum stellen die für Pferdetouren benötigten Gäule und Maulesel zur Verfügung. Mit dem einsetzenden Tourismus in diesem bisher kaum bereisten Hinterland des Küstenabschnitts um Manglaralto, werden inzwischen auch alte Traditionen und Kunsthandwerksfähigkeiten stolz aufs neue zur Schau gestellt - wie z. B. das geduldige Schnitzen von Tagua, dem “pflanzlichen Elfenbein”, die traditionsreiche Töpferkunst, oder die aufwendige Verarbeitung von Paja Toquilla, das Stroh aus dem die feinsten Natur-Sombreros der Welt gemacht werden.
“Pro Pueblo” koordiniert dabei lediglich diese Touren, ohne auch nur einen Sucre vom Touristen zu verlangen. Zu Bezahlen ist lediglich der jeweils zuständige guía (Naturführer). Dieser kostet knapp 8 USD pro Tag, und das für eine ganze Gruppe! Einen Gaul gibt es für 3 USD pro Tag (u. pro Person versteht sich!). Camping-Equipment (bei mehrtägigen Touren), Lebensmittel, Trinkwasser usw. muß eine jede Gruppe selbst mitbringen, da keinerlei Ausrüstungsgegenstände gestellt werden. Darüberhinaus muß jede beabsichtigte Tour einen Tag vorher bei “Pro Pueblo” in Manglaralto angemeldet werden, damit diese den Führern rechtzeitig Bescheid geben können.
In erster Linie werden vier verschiedene Trekking-Touren angeboten. Die kürzeste ist in wenigen Stunden zu bewältigen. Nach oben hin gibt es eigentlich kein Zeitlimit. Wer ernsthaft den Brüllaffen auf die Spur kommen möchte, sollte sich daher mindestens zwei bis drei Tage Zeit nehmen. Zu den interessanten Zielen gehören die teils bewaldeten Anhöhen Cerros del Encanto, del Páramo, u. de La Naranja, abgelegene Weiler wie El Suspiro o. La Rinconada, sowie das kleine Naturreservat Bosque de Guarúa, dessen Bäume die Feuchtigkeit des Meeres aufnehmen, und deren Zweige u. Äste von dichtem Moos bewachsen sind. Schweißtreibende Höhenunterschiede von über 600 Metern gilt es bei der Wanderung zu überwinden.
Adresse: Fundación Pro Pueblo c/o La Cemento Nacional, direkt am Malecón von Manglaralto, neben dem Restaurant “Las Tangas”. Telefax in Guayaquil: 901208 o. 901195. Die Vorwahl der Provinz Guayas lautet 04.
von Volker
Feser, Reisebuchautor
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