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| Puyo |
Das 900m hoch gelegene Puyo macht auf Reisende keinen besonders attraktiven Eindruck. Aber die gerademal eineinhalb-stündige Fahrt von den Anden herunter, vom subtropischen Baños auf 1.800m entlang der tief eingeschnittenen Schlucht des Río Pastaza, gehört mit zu den aufregensten Amazonas-Zugängen.
Auf dem ersten Abschnitt hinter dem Agoyan-Tunnel bei Baños wurde die Straße in den senkrechten Fels hineingesprengt. Schwindelfreie Fotografen sollten daher unbedingt rechts sitzen, von Puyo links! Wie alle Wege in den feucht-heißen Oriente hat die Strecke einen abrupten Vegetationswechsel aufzuweisen. So beginnen zwischen den kleinen Ortschaften Río Verde und Río Negro bereits meterhohe Farne, blühende Büsche, Urwaldbäume und Orchideen, ober- u. unterhalb der Straße regelrecht aus der Steilwand herauszuwachsen. Kurz vor dem Ort Mera öffnet sich die Schlucht und gibt einen Blick auf das breite Mäandertal des Pastaza-Flusses frei, der von nun an gemächlich den tropischen Regenwäldern entgegenfließt. Der immergrüne Vegetationsteppich zu Füssen der hier bereits asphaltierten Straße streckt sich bis über den Horizont hinaus etwa 3.500 km zum Atlantischen Ozean hin.
Dreijährige Bau- u. Sprengungsarbeiten am oberen Streckenabschnitt lassen die Fahrt jedoch nicht nur bei Regennässe zu einem Abenteuer werden. Da die Strecke nur von Sonntagmittag bis Dienstagmorgen (Sonnenaufgang) dem Verkehr freigegeben ist (Stand Okt.. 97), drängen sich viele Busse, Lastwagen, Jeeps und andere Fahrzeuge auf der teils einspurigen Straße. Gewagte Rückstoßmanöver, tiefer Schlamm, Wasserduschen, rieselnder Sand und überhängende Felsbrocken, sorgen für starken Nervenkitzel. Die endgültige Fertigstellung der Strecke ist für Ende 1998 vorgesehen.
Puyo wurde 1899 vom Dominikanerpater Alvarado Valladares unter dem Namen Pueblo de Nuestra Señora de Pompeya gegründet. Heute ist das Städtchen ein schnellwachsender Handels-Knotenpunkt, der selbst an verschlafenen ekuadorianischen Sonntagen wenig von seinem geschäftigen Rhythmus einbüßt. Von Puyo aus geht es entweder per Bus, Kanu o. Kleinflugzeug in den tieferen Oriente weiter, zu anderen Kleinstädten wie Tena oder Macas, zu weit abgelegenen Dschungeldörfern, oder in jungfräuliche Regenwaldgebiete nahe der peruanischen Grenze. Für Touristen ist Puyo eine Zwischenstation - nichts weiter! Organisierte Gruppenreisende nutzen den nahegelegenen Flugplatz in Shell für rasche Take-Offs zu besonders spektakulären Zielen im Amazonas-Urwald. Wer hier nur einen Vor- o. Nachmittag zubringen möchte, besucht am besten den städtischen Parque Pedagógico Etno-Botánico. Auf einem 15 Hektar-Urwaldgelände wird dort anhand von Lehrpfaden, Modellhütten und beschrifteter Flora ein toller Vorgeschmack auf den “wahren” Dschungel geboten.
Die größte Attraktion von Puyo ist jedoch der seltene Ausblick auf die Schneeriesen Sangay und Altar im Südwesten. Die Dachterrasse eines Hotels reicht dazu schon völlig aus. Die größten Chancen dieses fantastische Panorama fotografieren zu können hat man im Zwielicht der Morgendämmerung. Wenig später verstecken sich sowohl der längst erkaltete Altar (5.320m) wie auch der extrem aktive Sangay (5.230m) meist in den Amazonaswolken. In besonders klaren Nächten kann manchmal sogar das schwache Glimmern von glühenden Gesteinsbrocken beobachtet werden, welcher der Sangay wie Leuchtraketen in den Himmel speit.
Sehenswürdigkeiten
Der Parque Pedagógico Etno-Botanico Omaere wurde erst 1997 mit Unterstützung der gleichnamigen fundación, der europ. Union, der UNESCO u. Petroecuador eröffnet. Der 15 ha große Mini-Urwald liegt nur eine Viertelstunde Fußmarsch vom Stadtzentrum entfernt. “Omaere” bedeutet in der Huaorani-Sprache “selva” (“Urwald”). Der vom Río Puyo begrenzte Natur- u. Kulturpark beherbergt über 1.500 Pflanzenarten, wobei 400 davon in viveros u. invernaderos gezüchtet werden. Der Park verfügt über dschungelmäßige Lehrpfade, einen Orchideen- u. Kolibrigarten, einen Aussichtsturm, sowie authentische Modellhütten u. Beplanzungen der Stämme Huaorani, Shuar u. Záparo, welche von Mitgliedern dieser Gruppen in Eigenarbeit erstellt wurden. Geöffnet ist tägl. von 8.30-18 Uhr. Die Eintrittsgebühr inkl.
Führung beträgt etwa 3 USD. Bei schönem Wetter Badesachen u. Sonnencreme nicht vergessen!
Etwa 8 km nördlich von Puyo, auf der holprigen Strasse nach Tena (links davon), befindet sich der sehenswerte Parque Zoológico de Fátima. Hier können seltene Tapire, Kaimane, Affen u. andere Dschungeltiere in einer weitläufigen Anlage, und aus nächster Nähe, beobachtet werden. Verwalter der Tierstation ist der vernarrte Medardo Tapia, selbsternannter “pastor de animales contradictorios”. Seine Bemühungen zur Aufzucht gefährdeter amazonischer Tierarten wurden mit dem internationalen Premio Planeta Azul ausgezeichnet.
von
Volker
Feser, Reisebuchautor
Lesen
sie mehr dazu im Reisefhrer Ecuador von Volker Feser
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